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Vietnamesisch
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Die vietnamesische Sprache ist eine Mischsprache, über deren Zuordnung zu irgendeiner Sprachfamilie Südostasiens es noch bis vor kurzer Zeit sehr abweichende Meinungen gab. So galt sie mit den Viêt-Muong-Sprachen zusammen als eine selbständige, zu keiner anderen Sprachfamilie zählenden Sprachgruppe. Vietnamesisch ist auch nicht mit der chinesischen Sprache verwandt, obwohl sie eine hohe Zahl an Lehnwörtern aus dem Chinesischen aufweist. Sie hat ebenso recht viele Wörter aus dem Thai, den Mon-Khmer-Sprachen und aus indonesischen Sprachen in ihrem Wortgut.
Die genetische Einordnung der vietnamesischen Sprache ist heute unumstritten. Nach neueren Erkenntnissen gehört sie zu den Mon-Khmer-Sprachen. Dies geht auf die beiden Sprachwissenschaftler A.-G. HAUDRICOURT und JEAN PRZYLUSKI zurück, die Vietnamesisch mit den Viêt- Muong-Sprachen verglichen, die zwar keine Tonsprachen sind, aber trotzdem nachweislich mit dem Vietnamesischen verwandt sind. Sie bilden zusammen einen Zweig der Mon-Khmer-Sprachen innerhalb der austroasiatischen Sprachfamilie.
In einem viel beachteten Artikel erklärte HAUDRICOURT 1954 die Tonogenese der vietnamesischen Sprache, nämlich dass sie ursprünglich keine Tonsprache war und sich die sechs Töne erst später herausbildeten. Eine völlig überholte Klassifizierung der vietnamesischen Sprache stammt von HENRI MASPÉRO. Er rechnete das Vietnamesische zu den Taisprachen im Rahmen der sinotibetischen Sprachfamilie – vor allem deshalb, weil alle Taisprachen tonale Sprachen sind. (Nach heutiger Klassifikation sind die sinotibetischen Sprachen und die Taisprachen auch nicht verwandt!) Es ist eine isolierende und monosyllabische Sprache (die Wörter bestehen aus nur einer Silbe).
Die Wörter bleiben unverändert ebenso wie in der Thai-Sprache. Der Zusammenhang wird einzig und allein mit syntaktischen Mitteln hergestellt. Das Vietnamesische ist auch eine Tonsprache mit sechs verschiedenen Tonhöhen. Die Töne werden durch Diakritika bezeichnet. Da es Vokale gibt, die bereits von Natur aus ein diakritisches Zeichen haben, sind Vokale mit zwei Diakritika keine Seltenheit. Nicht jede Silbe existiert in jeder Tonhöhe. Einige Silben ergeben nur in einem oder zwei der sechs möglichen Töne einen Sinn. Es gibt allein 15 verschiedene Unterscheidungen des Wortes „ich”, jeweils auf den Gesprächspartner bezogen. Die vietnamesische Schrift „quoc ngu” ist eine Lateinform mit vielen diakritischen Zeichen.
Zugehörende Dialekte sind: Nord-Vietnamesisch (Tonkinese, Hanoi), Zentral-Vietnamesisch (Hue) sowie noch zahlreiche südvietnamesische Dialekte. Die Sprecher des einen Dialektes können unter Umständen den Sprecher eines anderen Dialektes verstehen, denn sie unterscheiden sich nur in der Aussprache und Wortwahl, nicht aber in Grammatik oder Syntax. Hauptunterschiede bestehen bezüglich der Aussprache der Töne – die Norddialekte neigen dazu, die Töne wesentlich stärker voneinander zu unterscheiden als die Süddialekte. Die Rechtschreibung ist an den Dialekt der Hauptstadt angelehnt.
Das Vietnamesische ist, wie bereits angegeben, eine isolierende Sprache. Die Wörter werden also nicht flektiert, die Beziehung eines Wortes im Satz zu anderen Wörtern wird nur durch ihre Stellung im Satz deutlich. Deshalb wird die Satzkonstruktion Subjekt – Prädikat – Objekt im Allgemeinen eingehalten. Eine Ausnahme kann das Vorziehen des Objektes an den Satzanfang sein, zur Betonung. Da es keine grammatischen Tempora gibt, wird die Zeitform nur aus dem Kontext sichtbar, d.h. sie geht aus dem Zusammenhang hervor oder wird angegeben. Bedeutsam ist im Vietnamesischen das Vorkommen von Zähleinheitswörtern.
Wie auch in anderen asiatischen Sprachen, ist es nicht möglich, das Numeral und das Nomen direkt zu verbinden, sondern es muss dazwischen ein Zähleinheitswort gestellt werden. Diese unterscheiden sich danach, ob das Nomen belebt ist oder nicht, bei unbelebten Nomen sind Eigenschaften wie die Form entscheidend. Ähnlich wie in romanischen Sprachen steht bei Attributkonstruktionen das Attribut immer nach dem Wort, das es näher beschreibt. Vietnamesisch ist eine Sprache, bei welcher einst jedes Wort nur aus einer einzigen Silbe bestand. Bis heute sind das Grundvokabular und alle grammatisch bedeutsamen Wörter einsilbig.
Im Laufe der Geschichte sind jedoch auch zahlreiche zweisilbige Wörter in den Wortschatz der Sprache aufgenommen worden. Wörter mit mehreren Silben werden aber, abgesehen von den Eigennamen, als mehrere Einzelsilben geschrieben. Mehrsilbige Wörter sind entstanden, in dem man neue Formen aus existierenden Wörtern zusammengesetzt hat, etwa die Wörter für „Tisch–Stuhl = bàn ghê”, in der Bedeutung für „Möbel” oder nu.óc mát „Wasser–Auge” als die Bedeutung für „Träne”. Weiterhin sind mehrsilbige Lehnwörter aus dem Chinesischen in die vietnamesische Sprache aufgenommen worden.
Sind sie zweisilbig, so erkennt man sie leicht daran, dass das Beschreibende nicht hinter dem Beschriebenen steht, sondern das Beschreibende vor dem Beschriebenen steht. Die Aussprache ähnelt dabei nicht dem Hochchinesischen, sondern südchinesischen Dialekten. Es gibt eine hohe Anzahl an Synonympaaren, wobei das eine Wort aus vietnamesischen Komponenten zusammengesetzt ist, während es ein Wort chinesischen Ursprunges mit gleicher Bedeutung gibt. In der Regel wird das sino-vietnamesische Wort als archaisch empfunden und es gibt Bestrebungen, durch Standardisierungen die sino-vietnamesischen Wörter abzuschaffen.
Wörter mit neueren Bedeutungsinhalten werden in der Regel durch Umschreibung geschaffen. Dazu gehört beispielsweise „máy thu thanh = Maschine–sammeln–Klang für Radio”). Bedingt durch die Jahrezehnte lange französische Kolonialherrschaft gibt es eine Reihe französischer Wörter im Vietnamesischen, die vor allem technische Ausdrücke wiedergeben oder Dinge des täglichen Lebens bezeichnen, die von den Franzosen im Land eingeführt wurden. Dazu gehören etwa „ga” von „gare = Bahnhof ”, „bia” von „bière = Bier”, „pho mat” von „fromage = Käse” oder „banh” von „pain = Brot”.
Die vietnamesische Sprache ist die Amtssprache in Vietnam und die Nationalsprache aller Vietnamesen in Vietnam, Laos, Kambodscha und im Süden Chinas. Sie wird von ungefähr 90 Mio. Menschen als Muttersprache gesprochen, davon etwa 83 Mio. Menschen in Vietnam und schätzungsweise 6–7 Mio. Vietnamesen im Ausland. Sie besitzt eine einheitliche Literatursprache, deren früheste Quellen auf das 13. Jh. zurückgehen. Außerdem gibt es zwei Regional-Koines, die des Nordens, die auf der Basis des Dialektes von Hanoi entstand und die des Südens, die auf der Basis des Dialektes von Saigon aufgebaut ist, so dass auch in die Literatursprache z.T. diese Unterschiede eindringen.
Das Vietnamesische ist durch sein hohes Niveau die optimale Lingua franca bei vielen Völkern Südostasiens. Aufgrund jahrzehntelanger kriegerischer Auseinandersetzungen und der darauf folgenden Abschottung des Landes bis in die 1980er Jahre gehört Vietnamesische heute zu den linguistisch weniger erforschten Sprachen. Die Geschichte der vietnamesischen Sprache ist nicht zweifelsfrei geklärt. Nach HENRIM SPÉRO gab es eine Proto-Vietnamesische Sprache, die bezüglich Flexion und Konsonantenverbindungen anderen Sprachen in der austro-asiatischen Sprachfamilie ähnlich war.
Diese Eigenschaften sind später verlorengegangen, stattdessen hat sich die vietnamesische Sprache ähnlich anderen südostasiatischen Sprachen entwickelt (etwa den Tai- Kadai-Sprachen). So kamen Töne und der isolierende Sprachbau im Vietnamesischen auf, die in den Mon- Khmer-Sprachen beispielsweise nicht vorhanden sind. Diese Vorgängersprache war möglicherweise zunächst in der Region um den Roten Fluss im heutigen Norden Vietnams beheimatet und kam erst mit der langsamen Ausdehnung des vietnamesischen Einflusses nach Süden in das heutige Mittel- und noch viel später erst in das heutige Südvietnam.
Gleichzeitig zu dieser Ausdehnung kam es zu einer politischen chinesischen Dominanz über Vietnam, die 1000 Jahre dauern sollte. Die Chinesen machten die chinesische Sprache zur Literatur- und Amtssprache, sie wurde damit zur Sprache der herrschenden Klasse des Landes. Bis zum 10. Jahrhundert hatte sich eine Art Sino- Vietnamesisch herausgebildet, das eine hohe Anzahl von chinesischem Vokabular enthielt und auch mit chinesischen Zeichen geschrieben wurde. Vor allem aus dem gesellschaftspolitischen und kulturellen Bereich wurden zahlreiche Wörter in die vietnamesische Sprache übernommen.
Nach Ende der chinesischen Herrschaft über Vietnam bekam die vietnamesische Umgangssprache wieder höhere Bedeutung. Sie wurde ebenfalls mit den chinesischen Zeichen geschrieben, die vietnamesische Gelehrte jedoch nach und nach an ihre Bedürfnisse anpassten. Diese altvietnamesische Sprache (chù.nôm) erreichte im 16. Jahrhundert ihre Blütezeit. Zahlreiche Schriftsteller verfassen heute noch bedeutende Werke in ihr. Im 17. Jahrhundert entwickelten aus Europa kommende Missionare eine Art Romanisierung der vietnamesischen Sprache. Gleichzeitig begannen europäische Sprachen, speziell das Französische, die vietnamesische Sprache zu beeinflussen.
Langsam entwickelte sich dadurch die mittelvietnamesische Sprache heraus. Nachdem im späten 19. Jahrhundert Vietnam zur französischen Kolonie wurde, wurde die französische Sprache auch Amts- und Bildungssprache. Viele Worte aus dem Französischen flossen nun als Lehnwörter in die vietnamesische Sprache ein, und eine bedeutende Zahl von sino-vietnamesischen Wörtern bekam eine neue, und von westlichem Gedankengut inspirierte Bedeutung. Die chinesische Schrift blieb in Verwendung, die romanisierte Schrift breitete sich jedoch im 19. Jahrhundert weiter aus. Im Jahre 1910 führte die französische Kolonialverwaltung die lateinische Schrift offiziell ein.
Nach der Unabhängigkeit Vietnams 1945 wurde sie verbindlich und ermöglichte eine schnellere Alphabetisierung großer Bevölkerungsteile. Die vietnamesische Sprache wurde, ähnlich wie auch die koreanische oder japanische Sprache, sehr stark von der chinesischen Sprache beeinflusst. Während der tausendjährigen chinesischen Fremdherrschaft (111 v. Chr. bis 968) war Chinesisch Amts- und Bildungssprache. Die Chinesen brachten mit ihrer Sprache auch ihre Literatur, Philosophie und Geschichte mit nach Vietnam. Dies führte zur Übernahme zahlreicher chinesischer Wörter in die vietnamesische Sprache, denn vor allem für die konfuzianistischen Beamtenprüfungen waren profunde Kenntnisse der chinesischen Sprache und Schrift unerlässlich.
Wahrscheinlich zu der Zeit, als sich die sino- vietnamesische Aussprache gefestigt hatte, also frühestens ab dem 11., sicher jedoch ab dem 13. Jh., begannen vietnamesische Gelehrte, die chinesische Schrift abzuwandeln. Die Vietnamesen, die in früheren Zeiten auch unter der Bezeichnung „Annamiten” oder „Annamesen” bekannt waren, sind ein Volk, das auf dem östlichsten Festland Südostasiens beheimatet ist. Im Europa des 17./18. Jh. wurden die Vietnamesen auch Cochinchinesen genannt. Erst unter der französischen Kolonialherrschaft galt der Name „Cochinchina” nur für den Süden von Vietnam, dagegen „Tongking” für den Norden, um das Delta des Roten Flusses.
Außerhalb der großen Ballungszentren um Hanoi, Haiphong und Ho-Chi-Minh-Stadt (früher: Saigon) ist die Lebensweise der Vietnamesen noch überwiegend ländlich-agrarisch geprägt. Die Grundlage der Wirtschaft ist der Reisanbau auf Bewässerungsfeldern, ergänzt durch Gartenbau (tropische Früchte, Gemüse, Gewürze) sowie durch Fluss- und Hochseefischerei in einigen küstennahen Dörfern. In größeren Ortschaften sind die verschiedenen Handwerkszweige zunftmäßig organisiert. Im Bereich des Roten Flusses entstand zur Bewässerung der Felder und zum Schutz vor Hochwasser schon in alter Zeit ein hochentwickeltes System von Dämmen und Kanälen, das eine starke regionale politische Organisation notwendig machte.
In den übrigen Landesteilen konnten sich die Dörfer früher eine weitgehende Autonomie gegenüber den jeweiligen Zentralregierungen bewahren. Eine starke innerdörfliche Solidarität und eine enge Verbundenheit mit der eigenen Ackerscholle waren für das Leben in der Gemeinschaft charakteristisch. Mittelpunkt eines jeden Dorfes waren neben dem Marktplatz der „dinh = Schrein” des jeweiligen lokalen Schutzgottes und gleichzeitig das Versammlungshaus sowie auch buddhistischer Tempel. Patrisippen und Einzelfamilien besaßen besondere, unverkäufliche Felder, deren Ertrag zur Finanzierung des Ahnenkults verwendet wurde. In der Religion mischen sich Konfuzianismus, Taoismus und Buddhismus, doch spielen auch das römisch-katholische Christentum und die synkretistische Sekte Cao-Dai eine große Rolle bei den Vietnamesen.
Die Frage der Ethnogenese der Vietnamesen ist noch nicht vollkommen geklärt. Bezüge zu der in Tongking und Nordannam etwa Mitte des 1. Jh. v. Chr. blühenden, bronzezeitlichen Dongsonkultur sind aber wahrscheinlich. In ihrem eigentlichen Kerngebiet, in Tongking, konnten sich die Vietnamesen erst 939 n. Chr. von einer ungefähr tausendjährigen Beherrschung von China befreien. Trotz der traditionellen Rivalität zwischen beiden Völkern hatten die Vietnamesen zu dieser Zeit zahlreiche chinesische Kulturelemente übernommen. Die Vietnamesen wurden unter der langen Herrschaft Chinas weitgehend sinisiert und ihre Kultur zeigt unter den ganzen Völkern des südostasiatischen Festlandes wohl am deutlichsten chinesische Elemente.
Noch Anfang des 19. Jh. wurde der Kaiserhof von Huë nach dem Vorbild der „verbotenen Stadt” in Peking errichtet. Im Südwesten von Tongking lebt die Volksgruppe der Viêt-Muong, die zwar mit den Vietnamesen eng verwandt sind, aber weniger sinisiert wurden als diese. Noch zu Beginn des 20. Jh. wurde die chinesische Schrift benutzt, erst danach setzte sich das um einige diakritische Zeichen erweiterte lateinische Alphabet durch, das bereits im 17. Jh. eingeführt wurde. Die einheimische Geschichtsschreibung beginnt mit dem legendären Königreich Van Lang, das im 3. Jh. v. Chr. von dem Königreich Au Lac abgelöst wurde.
Bereits 111 v. Chr. war die Eroberung durch ein chinesisches Heer erfolgt. Trotz zahlloser Aufstände dominierte der chinesische Einfluss bis etwa um das 10. Jh. n. Chr. Der berühmteste Aufstand fand 40–43 n. Chr. unter Führung der beiden Geschwister TRUNG TRAC und TRUNG NHI statt. Nachdem es 939 gelungen war, größere Unabhängigkeit vom chinesischen Reich zu erlangen, entwickelte sich hier im Laufe des 10. und Anfang des 11. Jh. allmählich eine eigenständige zentralistische Monarchie. Die erste Dynastie, die der Ly, wurde 1225 durch die der Tran abgelöst, die bis zum Ende des 14. Jh. regierte.
1407 eroberten die Chinesen das Land noch einmal, aber 20 Jahre später gewannen die Vietnamesen unter LE LOI ihre Unabhängigkeit zurück. Seit dem 10. Jh. breiten sich die Vietnamesen stetig nach Süden aus, überfielen das Volk der Cham, deren ebenfalls mächtiges Reich Champa gegen Ende des 15. Jh. endgültig zerstört wurde, und nahmen schließlich im 18. Jh. auch Cochinchina in Besitz, was ehemals der Ostteil des Khmer-Reiches war. Seitdem beherrschten die Vietnamesen die gesamte Küstenzone von Tongking bis nach Cochinchina.
Sie gründeten 1664 Saigon und drängten die dort lebenden Khmer nach dem Westen ab. Daraus erklärt sich auch die eigenartige Verbreitung der Vietnamesen, die einen schmalen Streifen von weit über 1.000 Kilometern entlang der Küste besiedeln. Diese geographische Lage begünstigte die Teilung des Landes im 16. und 17. Jh., ebenso wie zwischen den Jahren 1954 und 1976. Im Jahre 1802 wurden die Vietnamesen unter der Nguyen-Dynastie, die offiziell bis 1955 herrschte, mit französischer Unterstützung vereint.
Die Franzosen, vor allem Missionare, machten ihren Einfluss schon im 17. Jh. geltend. Um die Mitte des 19. Jh. führte dies nun zur vollständigen Kontrolle durch Frankreich und zum Zusammenschluss von Vietnam, Laos und Kambodscha zur Kolonie Französisch-Indochina. Die französische Kolonialherrschaft, seit der Mitte des 19. Jh., beendete nicht nur die politische Souveränität Vietnams, sondern auch das traditionelle Gefüge von Wirtschaft und Gesellschaft des Volkes. Die auf Großgrundbesitz basierende koloniale Plantagenwirtschaft (Kautschuk, Kaffee, Tee) blieb in Südvietnam angesichts nur halbherzig unternommener Landreformen bis 1975 bestehen.
Die auf französischen Schulen erzogenen Katholiken bildeten die neue gesellschaftliche Führungsschicht, die erst durch die kommunistischen Revolutionen entmachtet wurde. Ende des Zweiten Weltkrieges erklärte HÔ CHÍ MINH die Unabhängigkeit Vietnams. Als Frankreich aber die frühere Kolonie wieder herzustellen versuchte, brach ein Krieg aus, der erst 1954 mit dem französischen Rückzug nach der erschütternden Schlacht von Dien Bien Phu ein Ende fand. Die USA, die seit 1950 in diesen Konflikt eingriffen, intervenierten daraufhin militärisch, um einen kommunistischen Sieg zu verhindern.
Schließlich wurde Vietnam in zwei Zonen geteilt, den kommunistischen Norden und den von den USA dominierten Süden, doch aus den anhaltenden bewaffneten Auseinandersetzungen wurde ein blutiger Krieg, der erst 1976 ein Ende fand, nachdem die USA auch Laos und Kambodscha mit in den Krieg hineingezogen hatten, sich aber dann erfolglos zurückziehen mussten. Die Kommunisten siegten und vereinten das Land wieder. Die Dorfgemeinschaften alten Stils, die im Zuge des Vietnamkrieges weitgehend zerstört wurden, sind darauf im ganzen Land umgewandelt worden in Produktionsgenossenschaften. Nach den weltweiten politischen Umgestaltungen seit 1989 ist auch in Vietnam eine zunächst nur allmähliche, in den letzten Jahren aber immer stärker werdende Öffnung nach dem Westen und der freien Marktwirtschaft zu erkennen.
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