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Tubu
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Zur Tebu-(Tubu)-Gruppe des Westzweiges der saharanischen Sprachen gehörende nilo-saharanische Sprache, die etwa 10.000 Menschen (1998) in den Regionen Seguedine, Bilma und Termit-Kaoboul in der Republik Niger, ebenso etwa 28.500 Menschen (1993), rund um Bardai im Kreis Tibesti der Borkou-Ennedi-Tibesti-Präfektur, im Norden der Republik Tschad, etwa 2.000 Menschen (1990) in den angrenzenden Wüstenoasen Kufra, Uweinat und El Gatrun in Libyen und knapp 2.000 Menschen in den nordöstlichen Kreisen des Bornu-Staates in Nigeria sprechen.
Die Tubu-Bevölkerung zerfällt in zahlreiche Unterstämme mit ihren Dialekten, wie: Kreda, Kashirda (Kecherda), Tuda (Teda, Tedaga) mit der Sprache Tuda (Teda) sowie die Tu und Daasaga mit der Sprache Dasa (Daza). Ihre bekanntesten ethnischen Gruppen sind die Tomagra, Anakassa (Tibesti-Borkou), Murdia, Bidejat (Ennedi), Arna, Kashirda und Kreda (von Manga bis Morcha). Die letzteren bilden die größte Einheit. Der größte Teil von ihnen ist bilingual in Arabisch und in der Republik Tschad wird auch das Dasa gesprochen.
Die lexikalische Similarität beträgt 67% mit dem Dasa (Daza). Der eigentliche Ursprung und die Herkunft der Tubu (Tibbu) ist bis heute noch nicht völlig geklärt. Forscher nehmen an, dass die Tubu die alte nigride Bevölkerung der Sahara darstellen, die hohe Stellung der Frau trotz ihres muslimischen Glaubens, die Monogamie und ein präislamischer Ahnenkult lassen auch darauf schließen. Wahrscheinlich entstammen sie der ursprünglichen Bevölkerung der Sahara, die überwiegend verdrängt wurde oder in soziale Abhängigkeit geraten ist, während sich die Tubu gegenüber den Tuareg und Beduinen durch die Übernahme ihrer Wirtschaft und Sozialordnung behaupten konnten.
Im Gegensatz zu den anderen Nomadenstämmen der Sahara, den Berbern und Arabern, sind die Tubu ihrer äußeren Erscheinung nach mehr oder weniger negrid. Die Tubu wurden durch den aus Libyen stammenden islamischen Orden der Senussi zum Islam bekehrt, doch haben sich recht viele vorislamischen Vorstellungen und Bräuche erhalten. Bis zu ihrer Unterwerfung (1913–1929) beherrschten die Tubu weite Teile der mittleren Sahara. Heute leben sie in einem riesigen Gebiet von mehr als 200.000 Quadratkilometern, von einzelnen Wohninseln durch lebensleere Einöden getrennt, das von der Wüste bis weit in die Sudanregion hineinreicht und sich über die Staaten Libyen, Niger und Tschad erstreckt, wobei das Kerngebiet das tschadische Tibestigebirge ist, in dem etwa 4.000 Tubu leben.
Sie gelten gemeinhin als Anpassungskünstler par excellence. Die Sprache der Tubu, im Norden „Teda” und im Süden „Dasa” genannt, ist verwandt mit der Sprache der Kanuri am Tschadsee. Nach dem einheimischen Namen für das Tibesti-Gebirge „Tu = Felsen”, werden sie von den Arabern „tu-bu”, wobei das „bu” im Kanuri „Leute” heißt, genannt, was also die Bedeutung für „Felsenmenschen” ist. Daraus wurden die verschiedenen Ableitungen ihres Namens. Die Tuareg nennen die Tubu „Yabordei = Krieger”. Mit „Teda (Tedêtu)” bezeichnen sich die Angehörigen der Tubu, die das zentralsaharische Gebirge Tibesti bewohnen.
Als „Dasa” bezeichnen sich die Tubu im Süden ihres Wohngebietes, die von den Arabern wiederum „Gor’an” genannt werden. Obgleich die Tubu Halbnomaden sind, verrichten sie keine Gartenarbeiten, die sie den Nachkommen ihrer einstigen Sklaven (kamadja) überlassen. Eine besondere soziale Gruppe bilden die Schmiede (assa oder haddad), die auch als Vorsänger und Tänzer auftreten. Obwohl sich alle Tubu zum Islam bekennen, sind sie doch in der Mehrzahl mit dem religiösen Inhalt des Koran recht wenig vertraut. Nur ein Teil der Klane erkennt den „Dardai (Derdé)”, den Sultan von Tibesti, als ihr Oberhaupt an.
Der vorislamische Ahnenkult und Naturgeisterglaube ist nach wie vor üblich. Zahlreiche Opfersteine und Kultplätze in ihrem Lebensraum zeugen davon. Ein kleinerer Teil der Tubu gehört aber trotzdem der fanatischen Senussi-Sekte an. Die Behausungen der Tubu (ferrig) bestehen im Sommer aus einer rechteckigen Hütte, als Gerüst dient eine Astkonstruktion, die von außen mit Matten bespannt wird. Die geflochtenen Palmblattmatten werden bei den häufigen Reisen zu entfernten Weideplätzen oder Handelsunternehmungen abgerollt und mitgenommen. Die runde Winterhütte hingegen wird von einer ca. 1 Meter hohen Steinmauer umgeben, die wiederum mit einer aus Schilf und geflochtenen Palmwedeln errichteten Kuppel bedeckt wird.
Trotz des hohen Ansehens der Frau bei den Tubu existieren strenge Verhaltensnormen, die den Umgang mit dem anderen Geschlecht regeln. Die Männer sind für die Tiere und das Weiden, die Durchführung von Karawanen und den Handel zuständig, ihre Kleidung beschränkt sich auf ein weites, knöchellanges weißes Hemd, eine weite Hose und einen weißen Turban. Sie gehen, gleich den Tuareg, verschleiert und tragen, wie auch manchmal die einflussreicheren Frauen ihren Armdolch. Die gefürchtetste Waffe der Tubu aber war seit jeher das mehrzackige Wurfeisen (schangermangor).
Die Frauen kleiden sich gerne in bunte Gewänder und große Kopftücher, sie tragen den typischen Nasenring. Bei dem Volk der Tubu herrscht eine gemäßigte Form der patrifokalen Organisation ohne jede hierarchische Gliederung. Die Macht liegt im „Rat der Freien Männer”. Wichtig ist die horizontale Gliederung in Klane (im Tibesti ca. 40), die früher, vor der Einwanderung der Tomagra, als soziopolitische Einheiten unabhängig nebeneinander existierten. Der Mann ist das Familienoberhaupt, doch trifft er keine Entscheidungen, ohne die Frau um ihre Meinung gefragt zu haben.
Die Frau darf zwar in der Gegenwart des Mannes nicht essen und der für sie zu entrichtende Blutpreis ist nur halb so hoch wie der für einen Mann, dafür hat sie aber innerhalb des Haushaltes umfassendere Rechte als der Mann. So kann eine Frau ihren Mann sogar züchtigen, wenn er ihre Autorität im Haushalt angreift. Sollte ein unbesonnener Mann seine Frau in aller Öffentlichkeit beleidigen, kann sie nach einem festgelegten Ritual Vergeltung üben. So wird sie, wenn sie tief verletzt wurde, sich vor allen Anwesenden völlig entkleiden und sich danach würdevoll in ihre Hütte zurückziehen. Tubu-Frauen waren einst sehr grausam.
Sie trugen Schwerter und in die gelegentlich zwischen den Frauen entflammenden Kämpfe wagten sich Männer nicht einzumischen. Die Monogamie ist zwar typisch, doch ebenfalls die Polygynie kommt gelegentlich vor. Bei der Wahl ihres Ehemannes hat die Frau kaum ein Recht mitzubestimmen. Der Brautpreis wird durch die Mitgift der Braut ausgeglichen. Die Hochzeit selbst dauert meist sieben Tage, bei der in kämpferischen Spielen die Braut mehrmals „geraubt” und „wiedererobert” wird. Rang und Besitz werden bei den Tubu allein über die männliche Linie weitervererbt. Der Vater hat den Kindern gegenüber eine weitaus größere Autorität als die Frau und fordert von ihnen absoluten Respekt.
In die Dattelpalmenhaine und Gärten Tibestis und Borkous, die sich in ihrem Besitz befinden, kehren die Tubu meist nur zur Erntezeit zurück. Bardaï, Aozou, Zouar, Faya und Aïn-Galakka sind die Hauptoasen, wo Weizen, Hirse, Gerste, Gemüse, Tabak und Baumwolle gezogen werden. Neben Schwarzhaarziegen, Eseln, Haarschafen und Hühnern besitzen sie Kamele und, besonders die weiter im Süden lebenden Tubu, Rinder und Pferde. Ein reger Tauschhandel mit Datteln, Salz, Natron und Vieh wird mit den Oasengebieten Fezzan, Ouadaï und Kaour sowie der Oase Kufra betrieben. Mit der Einwanderung der Tomagra aus dem südlichen Bornu-Reich in Tibesti entstand gegen Ende des 17. Jh. ein Staatswesen mit dem Sultan von Tibesti (Derdé).
Durch diese Derdé wurden die Tubu-Klane zu einer lockeren Stammesgemeinschaft zusammengeschlossen. Nach der Besetzung des Landes durch die Franzosen im Jahre 1913 wurde die Sklaverei abgeschafft. Das bedeutete die Aufgabe zahlreicher Kulturen in den Oasen, denn ohne die Sklaven konnten die Palmenhaine und Gärten nicht mehr bewirtschaftet werden. Viele Bauern und Halbnomaden wandten sich vollständig der Viehzucht und dem Nomadenleben zu, und manche Oasen wurden verlassen. Die Tubu- Gesellschaft ist geprägt von einem starken Unabhängigkeits- und Gleichheitsdenken, das u.a. auch in der Rebellion der Tubu im tschadischen Bürgerkrieg seinen Ausdruck fand. Anpassungsfähigkeit, Genügsamkeit und Individualität bei einem gleichzeitig bestehenden Gemeinschaftssinn haben schließlich die Tubu zu einem Volk gemacht, das aller Schwierigkeiten und düsteren Prognosen zum Trotz bis heute überlebt hat.
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