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Tamil
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- Die
hauptsächliche und bekannteste Sprache der drawidischen Sprachfamilie.
Sie zählt zum Südzweig und ist offizielle Sprache des indischen
Bundesstaates Tamil Nadu. Rund 61,527 Mio. Menschen (1997) sprechen sie
in Indien als Muttersprache. Als Zweitsprache wird sie nochmals von mehr
als 4 Mio. Menschen gesprochen sowie auch von etwa 3,5 Mio. im Norden
Sri Lankas. Die beträchtliche Anzahl von etwa 1,06 Mio. tamilischen
Auswanderern (1993) lebt in Malaysia, ebenso in Indonesien, auf
Mauritius und in Süd- und Ost-Afrika, somit kommt die Gesamtzahl in
allen Ländern auf rund 69 Mio. oder mehr.
Das Tamil besitzt zahlreiche Dialekte:
Adi Dravida, Aiyar, Aiyangar, Arava, Burgandi, Kongar, Madrasi, Pattapu Bhasha, Tamil, Sri Lanka Tamil, Malaya Tamil, Burma Tamil, South Africa Tamil, Tigalu, Harijan, Sanketi, Hebbar, Mandyam Brahmin und Secunderabad Brahmin. Weiterhin kommen noch das Kasuva dazu, was ein Dialekt einer Dschungelgruppe ist und mit dem eigentlichen Tamil kaum verständlich ist.
Die
Sprecher des Burgandi sind Nomaden und das Aiyar und Aiyangar sind
Brahmanen-Dialekte. Das Tamil ist die älteste, reichste und am weitesten
entwickelte drawidische Sprache. Sie wurde z.T. schon im 1. Jahrtausend
v. Chr. von Dichterschulen und literarischen Vereinigungen (sangams) gepflegt. Große Verdienste um die Entwicklung der neutamilischen Literatursprache (Puttamiz)
hat der Dichter SUBRAHMANYA BHARATI (1882_1946). Trotz mancherlei
Bemühungen, die Literatursprache der Umgangssprache anzupassen, gibt es
noch einen beträchtlichen Unterschied zwischen den beiden Sprachformen,
obwohl die letztere schon einen Standardcharakter trägt.
Man
unterscheidet im Tamil eine nördliche und eine südliche Dialektvariante.
Tamil hat eine Silbenschrift, die auf das Brahmi zurückgeht.
Die Tamilen bilden die Hauptbevölkerung im heutigen indischen
Bundesstaat Tamil Nadu sowie im Nordosten und Osten von Sri Lanka. Sie
sind ein altes Landwirtschaft betreibenden Volk, das sich in Süd-Indien
wiederholt der Ausbreitung nordindischer Reiche sowie der Ansprüche
fremder Herrschaft entgegensetzte. Die Tamilliteratur der Shangamzeit
(1. bis 3. Jh. n. Chr.) beschreibt eingehend die geographischen
Gegebenheiten Süd-Indiens und deren wirtschaftliche Nutzbarkeit sowie
die Bevölkerung.
Vermutlich besiedelten die Tamilen zunächst die
waldfreien Ebenen neben den dichten, höher gelegenen Gebieten mit
dichten Wäldern, die einer weddiden Jäger- und Sammlerbevölkerung als
Lebensraum diente. Die Ausbreitung der Landwirtschaft und des
politischen Herrschaftsbereiches der Tamilen führte zur Verdrängung der
ökonomisch an den Wald gebundenen Bevölkerung. In den Shangamschriften
(so benannt nach den Akademien der Pandhya-Könige) wird bereits das
höfische Leben der Tamil-Stammesfürstentümer beschrieben, unter denen
die Pandhyas auf der Südspitze des Subkontinents vorherrschten. Die
erste Tamilgrammatik entstand im 2. Jh., aus dem 4. oder 5. Jh. stammt
das bedeutendste Tamilepos „Shilappatikaram”.
Nach den
Schriften wurde die Herrschaft der Tamilen in Süd-Indien vorübergehend
durch „böse Könige” unterbrochen, deren ethnische Herkunft im Dunkeln
liegt. Danach setzten sich die Dynastien der Pallava und Chola durch.
Das Kerngebiet der Chola im Kaveridelta wurde zu einem wirtschaftlichen
Zentrum, zu dem vor allem der Handel nach Übersee, entlang der
Koromandelküste (Colamandel) beitrug. Vom 9. bis in das 13. Jh.
beherrschten sie SO-Indien und eroberten auch Sri Lanka und die
Malediven. Chola-Flotten drangen bis ins Gangesdelta und in die
indonesische Inselwelt vor. Sogar zum chinesischen Hof unterhielten sie
diplomatische Beziehungen.
Die hinduistische Kunst und Kultur
entfalteten sich in hoher Blüte und wurden zunehmend sanskritisiert,
indem tamilische Namen durch Sanskritworte ersetzt wurden. Zugleich
gingen zahlreiche südindische Traditionen und lokale Schutzgottheiten in
den Hinduismus ein. Im 14. Jh. begann das Reich von Vijayanagar zu
erstarken und beherrschte bis ins 16. Jh. auch die Tamilgebiete in SO-
Indien, bevor es der mogulischen Eroberung 1565 zum Opfer fiel. Nach
Indiens Unabhängigkeit forderten die sprachlich abgrenzbaren Nationen im
südlichen Teil Indiens regionale Eigenstaatlichkeit. Die
telugusprachige Provinz von Andhra wurde von der Tamilregion um die
Stadt Madras abgetrennt und erhielt 1956 den Namen „Tamil Nadu”.
Mehrere
Millionen Tamilen wurden seit 1828 als Tagelöhner für die riesigen
Kaffee- und Teeplantagen des Hochlandes von Sri Lanka angeworben, mit
denen die Briten das neue Kolonialland überzogen. Diese Tamilen hatten
im Unterschied zu den seit Jahrhunderten hier bereits ansässigen
ceylonesischen Tamilen keinerlei Eigentumsrechte, sondern waren
durch Verträge und ein spezielles Lohnsystem an die Plantagen
gebunden. Vom Staat Sri Lanka wurden sie nicht länger angenommen, was
schließlich einen blutigen Bürgerkrieg unter Führung der militanten
Gruppe der „Tamil Tigers” bewirkte.
Seit dem Jahr 1964 werden sie
aufgrund von Verträgen zwischen Indien und Sri Lanka repatriiert und
überwiegend in den Nilgiribergen Süd-Indiens angesiedelt. Trotzdem kam
es in den vergangenen Jahren auf Sri Lanka immer wieder zu blutigen
Auseinandersetzungen zwischen den Singhalesen und den Tamilen.
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