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Slawische Sprachen
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Eine bedeutende Gruppe der indogermanischen Sprachfamilie, die untereinander näher verwandt sind als es die germanischen oder romanischen Sprachen untereinander sind. Sie unterteilen sich in:
a) Ostslawisch - Russisch, Ukrainisch, Belorussisch (Weißrusisch)
b) Südslawisch - Bulgarisch, Mazedonisch, Serbisch, Kroatisch, Slowenisch
c) Westslawisch - Polnisch, Tschechisch, Slowakisch, Sorbisch
Insgesamt werden von mehr als 200 Mio. Menschen slawische Sprachen gesprochen. Mit Ausnahme der mazedonischen und bulgarischen Sprache weisen alle slawischen Sprachen einen synthetischen Charakter auf. Der ursprüngliche Lebensraum der slawischen Völker- und Sprachfamilie könnte einst nördlich der Karpaten in Galizien gelegen haben. Im 7. Jh. n. Chr. besiedelten sie ein Gebiet, das im Westen teilweise über die Elbe und Saale hinausging, im Südwesten die Ostalpen einschloß und an die Adria grenzte. Im Norden reichte es bis zum Eismeer, im Osten bis zur mittleren Wolga und im Süden bis zum Peloponnes.
Trotz der enormen Ausdehnung ihres Siedlungsgebietes sprachen die Slawen selbst im 9. Jh. eine einheitliche Sprache. Grundlage der Wirtschaft der Slawen waren Ackerbau und Viehzucht; daneben waren Jagd, Fischerei sowie Waldimkerei von Bedeutung. Angebaut wurden Winter- und Sommergetreide. Ihre wichtigsten Kulturpflanzen waren Weizen, Gerste, Roggen und Hirse. Hafer spielte vor allem als Futterpflanze eine Rolle. Gartenkulturen waren Bohnen, Erbsen, Zwiebeln, Möhren, Mohn, Rüben und Gurken. Als wichtigste Ölfrucht wurde Lein angebaut, dessen Fasern neben der Schafwolle den Rohstoff für die Textilherstellung lieferten.
In der Viehhaltung spielten Rind und Schwein die größte Rolle als Fleischlieferanten, danach folgten Schaf, Ziege, Pferd und Geflügel. Das Pferd galt vor allem als Reittier. Eine einheitliche Religion besaßen die älteren Slawen nicht. Die weitgehende sprachliche und kulturelle Einheit der Slawen begann sich ab dem 7. Jh., mit der Entstehung slawischer Staaten bzw. mit Eingliederung verschiedener slawischer Stämme und Stammesverbände in nichtslawische Staaten, aufzulösen. Nach der Lage ihres Siedlungsgebietes und den Besonderheiten ihrer Sprache werden traditionell drei Gruppen slawischer Völker unterschieden: die Ost-, West- und Südslawen. Um Christi Geburt lebten im Raum der Flüsse Bug, Dnjestr, Wolga und Dnjepr die Vorfahren der slawischen Bevölkerung als friedliche Ackerbauern, die lediglich ihr Land bestellten und Vieh züchteten.
Sie waren kein kriegerisches Volk und ihre Waffen waren eher primitiv. Aus Baumstämmen fertigten sie Boote an und sie verehrten Naturgottheiten. Die Griechen und Römer wussten von diesem Volk und für sie stellten sie auch keine Bedrohung dar. Als sie von ihnen mit verschiedenen Namen bezeichnet wurden, begann die eigentliche Verwirrung. Wahrscheinlich bezeichnete sich das Volk selbst mit dem Namen „Srpski”. Das Wort war abgeleitet von ihren Ernteinstrument, der Sichel (srp). Schon der tschechische Gelehrte JOSEF PAVEL ŠAFARIK schreibt in seinen „Slawischen Altertümern”, „Srpski” sei der Name aller Slawen gewesen, was bedeutet, dass Russen, Polen, Slowenen usw. alle aus dieser Urmasse hervorgegangen wären. Die Wurzel „srp” oder auch „srb” ist in fast allen slawischen Sprachen nachzuweisen.
Diese frühen Slawen haben sich weit nach Westen ausgedehnt. Sie sind auch in Richtung Süden auf ihrer Wanderschaft gegangen. Im 18. Jh. hat sich der deutsche Gelehrte ANTON GOTTLOB RANK mit den Lausitzer Sorben beschäftigt. Mit dem gewandelten Vokal im Namen sind diese Sorben der westlichste Ausläufer dieser Urslawen. Sie sind dann größtenteils in den nachkommenden Polen aufgegangen, haben sich aber als kleiner Rest entlang der Lausitz erhalten können. Schon der Chronist COSMAS VON PRAG bezeichnete die Region um Meißen im Mittelalter als „Serbia”. Die Römer hatten verschiedene Namen für dieses Volk: Serpi, Anti, Sclacini und auch Venedi.
Der Name Venedig kommt aus dieser Wurzel. Aus „Venedi” wurden „Winidi”, dann die Wenden und Winden. Der Name lebt noch heute in der deutschen Bezeichnung für die slowenischen Alpenslawen „Wenden” oder „Windischen” weiter. „Sclavini” kommt dem Wort „sclavus = Sklave” sehr nahe. Es könnten zur römischen Zeit Sklavenhändler Gefangene aus der urslawischen Bevölkerung auf den damaligen Menschenmärkten verkauft haben. Den Römern war die Aussprache von „Srpski” unmöglich. So könnte „Serbi” daraus geworden sein. Der Name „Slawen” könnte sich aber auch von der Vokabel für das „Wort” ableiten, von „slovo”. Man spricht die gleichen Wörter und somit dieselbe Sprache.
Die benachbarten germanischen Stämme sprechen diese Wörter nicht, also sind sie die „Nemci”, die „Stummen”, was bis heute die slawische Bezeichnung für die Deutschen ist. In der Region zwischen Warschau, Pripjet, Kiew, Smolensk, Lemberg und der Oder läßt sich in der vorchristlichen Zeit deutlich eine Teilung erkennen. Die Archäologie nennt die westliche Region nach dem Hauptausgrabungsort die Przeworsk-Kultur, während der östliche Teil als Zarubincy-Kultur bezeichnet wird. Aus dem östlichen Kulturkreis haben sich möglicherweise Russen und Ukrainer entwickelt und aus dem westlichen Polen, Tschechen und Slowaken. Wahrscheinlich haben aus Osten heranreitende Völkerschaften Vertreibungen, Wanderungen, aber ebenso gemeinsame Feldzüge in Richtung Süden erzwungen.
Schon die Hunnen haben viele Sklaven als Hilfskräfte mitgeführt. Nach den Hunnen kamen die Awaren aus dem Osten, um einen Teil der slawischen Ackerbauern zu unterwerfen. Awaren und Slawen bildeten im heutigen Ungarn, im Süden von Polen und in der Ukraine einen gemeinsamen Staat. Die Awaren haben die Slawen aus ihrer ländlichen Beschaulichkeit gerissen. Einige Sippen sind aufgebrochen, um auf eigene Faust nach Süden zu ziehen. Am Balkan haben sie sich Plätze gesucht, wo sie bleiben konnten. Die Awaren zogen dem Glanz ferner Beute nach. Ihre Feldzüge verloren sich und bald waren sie nur mehr auf Pannonien beschränkt. Dort machte ihnen später Karl der Große ein Ende. Auf verschiedenen Wegen trafen auch immer mehr Slawen am Balkan ein. Sie traten mit neuen Namen als Sagudaten, Velegeziten und Verzeten auf.
Verschiedene österreichische Familiennamen, wie etwa Sagaitschek, Gelegs oder Verzetnitsch künden heute noch von ihnen. Mehrere Sippen sind von den Awaren in den südöstlichen Alpen zurückgelassen worden. Aus ihnen sind dann die Slowenen geworden. Einen eigenen Staat haben die Slowenen wegen ihrer Nähe zum Frankenreich nicht gründen können. Mit Ende des weströmischen Reiches war ein gewaltiges Vakuum entstanden. Wie ein Magnet haben die herrschaftslosen und reichen Küsten des Mittelmeeres auch andere Völkerschaften angezogen. Der Balkan wimmelte bereits vor alten Slawen, da kamen mit den letzten Wellen der Wanderung noch die Vorfahren der heutigen Kroaten und Serben in den Süden. Auf ihrer langen Wanderschaft haben sie in Mitteleuropa kurzfristige Staatsgründungen unternommen. So dürfte das schemenhafte „Weißkroatien” einst ein solcher Durchgangsstaat gewesen sein.
Die Kroaten zogen an den Ufern der Adria langsam nach Süden, wo sie auf intakte römische oder romanisierte Städte wie Jadera, Tragurium oder Salona (heute: Zadar, Trogir oder Split) trafen. In der kroatischen und slowenischen Tradition tritt die Erinnerung an die Awaren deutlicher hervor als bei den Serben. So ist der kroatische Titel des „Ban” nichts anderes als der verkürzte awarische Herrschertitel „Bajan”. Die Kroaten haben durch Rückgriffe auf Persien zu verdunkeln versucht, wie sehr sie einst von den Awaren abhängig waren. Ab dem Jahr 1991 haben Spekulationen über ihre Herkunft die Auseinandersetzung zwischen Kroaten und Serben verschärft. Da man nichts mehr mit den Serben zu tun haben wollte, musste man auch die gemeinsame Urheimat leugnen.
Kroatische Historiker haben eine längst schon widerlegte Theorie wieder neu aufgewärmt, die besagte, die Kroaten wären in Wirklichkeit Perser und damit Abkömmlinge ZARATHUSTRAS. Wortspuren nach Persien wurden als Beweis dafür vorgelegt. Im alten Persien gab es eine Provinz Horohoati, während ein Viehhüter im Persischen „haurvato” heißt. Dieser Name für die Kroaten kann durchaus aus Persien stammen. Er könnte von den Awaren nach Europa mitgenommen worden sein. Die fast identische Spur der Serben und Kroaten bleibt ein schwer zu erschütternder Beweis für eine gemeinsame Heimat. Aber auch auf der anderen Seite ließ man sich zur Vermeidung der gemeinsamen Urheimat neue Herkunftsregionen einfallen. Serbische Historiker bemühten sich um den Nachweis, dass die Serben aus allen möglichen Richtungen eingewandert seien, nur nicht mit den Kroaten gemeinsam aus Nordosten.
Man wollte Beweise, dass die Serben eigentlich aus Palästina gekommen und damit vielleicht der verlorene Stamm Israels gewesen sein könnte. Die Schlacht der Historiker ging weiter, es hieß sogar, die Serben seien direkte Nachfahren der Steinzeitkultur von Lepenski Vir am Eisernen Tor östlich von Belgrad. Damit wären sie gleich ein paar tausend Jahre älter als die „persischen” Kroaten. Ebenso erbittert tobte auch der Streit um die ältere Abstammung zwischen Serben und Albanern. Indes erzwingt die serbokroatische Sprache eine gemeinsame Urheimat. Im Aufbruch nach Süden haben die Südslawen sich konstituiert. Spätere Einzelschicksale formten Serben, Kroaten, Slowenen, Bulgaren und Bosnier.
In die geschriebene Geschichte sind die alten Slawen erst eingetreten, als der byzantinische Hof Notiz von ihnen nahm. Das römische Reich war 395 geteilt worden. Während das westliche Rom in der Völkerwanderung unterging, setzte der Osten als byzantinisches Reich die cäsarische Tradition fort. Awaren und Slawen konnten mehr als ein Jahrhundert lang Raubzüge unternehmen und überall Unruhe stiften. Im Jahr 574 waren etwa hunderttausend Slawen nach Thrakien eingebrochen und 588 gelangte diese Waffenbrüderschaft raubend und plündernd bis auf den Peloponnes. Andere slawische Stämme ersuchten den Kaiser von Byzanz untertänigst um gute Siedlungsgebiete. Awaren und Slawen haben Saloniki in den Jahren 614, 618 und 626 dreimal belagert, dann erst genehmigte der Kaiser ihre Ansiedlung in Stadtnähe. 626 erschien ein awarisch-slawisches Heer vor Konstantinopel.
Das slawische Fußvolk bestaunte die gewaltigen Mauern von Byzanz. Die Eroberung schien leicht zu werden, doch ließen sich die Führer der Awaren auf Verhandlungen ein. In den folgenden Jahren begannen die Slawen vor den Toren dieser Stadt schon zu siedeln. Ständig kamen Neuzugänge aus der alten Heimat im Nordosten. In den Gebieten Bulgariens, Thrakiens, Mazedoniens und Rumäniens hauste eine nur dünne Population, eine Mischung aus thrakisch-dakischer Urbevölkerung und römischer Militärpensionisten. Die dem Boden verhafteten Slawen wanderten und siedelten langsam. Sie saugten alle nichtslawischen Stämme und Sippen auf, die am Balkan gelebt hatten. Die alten Slawen hatten sich nun im Hinterhof von Byzanz niedergelassen.
Unter Khan ASPARUCH kam ein mit den Awaren verwandtes Volk aus dem Osten herangeritten, die Bulgaren. Vor den Toren von Byzanz entstand ein sogenannter Überschichtungsstaat, ein Staat, in dem die ansässige Bevölkerung von einem neu ankommenden Volk rasch überschichtet wird. Die kämpferische Artistik asiatisch- bulgarischer Reiter, die griechische Kultur von Byzanz und auch die beharrlich ackernden „Srp”-Bauern wurden zu den drei Wurzeln des bulgarischen Reiches. Unter den nach Süden strömenden slawischen Urmassen haben jene Sippen den ersten Staat gegründet, die im Vorfeld von Byzanz durch die bulgarischen Reiter überschichtet worden waren, dann erfolgte die erste serbische Staatsgründung.
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