Erhalten Sie täglich per Twitter News, Tips und Tricks zum Fremdsprachen lernen. Über 5700 begeisterte Fremdsprachenlerner folgen uns bereits.
Russisch
Diesen Artikel empfehlen
Eine zur indogermanischen Sprachfamilie gehörende ostslawische Sprache und von allen slawischen Sprachen die bedeutendste und am weitesten verbreitete. Sie steht an 5. Stelle in der Welt und wird von etwa 160 Mio. Menschen, vor allem in Russland, als Muttersprache gesprochen, von über 16 Mio. anderer Nationalitäten als Primärsprache, von etwa 1,5 Mio. ausgewanderten Russen in Westeuropa, Amerika und Israel sowie von einer nicht erforschten Anzahl von Menschen als Zweitsprache benutzt.
Die russische Sprache wird in kyrillischer Schrift geschrieben. Ihre heutige Orthographie wurde weitgehend durch die Schriftreform von 1918 festgelegt. Nach einer Zählung von 1990 leben etwa 13.500 russisch Sprechende als offizielle Nationalität in China, vor allem im Norden von Xinjiang, in Urumqi sowie in der Provinz Heilongjiang. Die russische Bevölkerung lebt in erster Linie in Russland, ist aber auch noch in anderen Gebieten der ehemaligen Sowjetunion ansässig, wenn auch bei weitem nicht mehr so stark wie vor ihrem Zerfall. Sie ist ebenso wie die ukrainische und weißrussische Bevölkerung aus der altrussischen Völkerschaft hervorgegangen, die sich zwischen dem 8. und 10. Jh. im Rahmen der Kiewer Rus aus verschiedenen Stämmen herausgebildet hatte.
Dabei wurden auch Teile der finnischen Bevölkerung und die ursprünglich, vor allem in Nowgorod und Kiew, normannische Oberschicht integriert. Ihre wirtschaftlichen Grundlagen waren Ackerbau und Viehzucht und ihre städtischen Zentren waren Kiew und Nowgorod. Im Jahre 988 wurden die Russen christianisiert. Bald entwickelte sich Russland zu einem der führenden Staaten Europas. Ihre offizielle Sprache war das von KYRILL und METHOD geschaffene, dem Ostslawischen nahe verwandte Kirchenslawisch. Im 13. Jh. wurden die westlichen Teile des durch den Mongolensturm geschwächten Russischen Reiches durch das Großfürstentum Litauen erobert.
Der nordöstliche Teil blieb unter der mongolischen Herrschaft der Goldenen Horde. Unter der Führung der Moskauer Fürsten errangen die Russen im Jahre 1480 die Unabhängigkeit und betrieben nun ihrerseits eine recht expansive Politik. Diese richtete sich anfänglich vor allem nach Osten, wo als erster nichtrussischer Staat 1550 das Khanat der Wolgatataren unterworfen wurde. Innerhalb weniger Jahrzehnte wurde danach auch das von zahlreichen nichtrussischen Völkern besiedelte Sibirien erobert. Versuche, die Grenze bis zur Ostsee zu verschieben, scheiterten vorerst. Die Ukrainer, östlich des Dnjepr, schlossen sich unter CHMELNIZKIJ 1654 Russland an und erhielten Autonomie, die jedoch hundert Jahre später annulliert wurde.
Nach mehreren Kriegen gegen die Schweden, das Osmanische Reich und Persien sowie im Gefolge der Teilung Polens und der napoleonischen Kriege waren schließlich bald darauf Finnland, das Baltikum und Weißrussland, der größte Teil Polens und die gesamte Ukraine mit Ausnahme Galiziens, sowie Bessarabien, die Krim und Transkaukasien zu Beginn des 19. Jh. in russischer Hand. In recht grausamen Kolonialkriegen wurden der Norden des Kaukasus und Mittelasien in den nachfolgenden Jahrzehnten erobert. Die fortgesetzte Aggression der feudalen Oberschicht gegen schwächere Nachbarn hatte für die Mehrheit der Russen negative Auswirkungen.
Auch die Reformen PETERS DES GROßEN zu Beginn des 18. Jh. änderten daran nur wenig. Die auf volkssprachlicher Grundlage zu Beginn des 19. Jh. namentlich von ALEXANDER PUSCHKIN begründete schöngeistige Literatur wurde wesentlich vom Protest gegen die sozialen Missstände genährt. Die Ansiedlung von Russen in den eroberten Ländern machte insbesondere die Kosaken faktisch zu Handlangern bei der Unterdrückung der unterworfenen Völker. Zugleich flohen viele leibeigene Bauern in die Randgebiete des Reiches, um der drückenden Ausbeutung zu entgehen. Hinzu kamen die zur Verbannung verurteilten Gegner der Zarenherrschaft, die größtenteils für die unterdrückten „Fremdstämmigen”, wie die Nichtrussen offiziell genannt wurden, Partei ergriffen.
Auch war Russland den hohen Belastungen des Ersten Weltkrieges wirtschaftlich und technisch auf Dauer nicht gewachsen. 1915 zwangen schwere militärische Niederlagen die russische Armee zum Rückzug. Polen, Litauen und Kurland mussten nun geräumt werden. Die wirtschaftliche Katastrophe führte schließlich zu dem Zusammenbruch der russischen Monarchie. Die akuten Widersprüche, die Russland spalteten, entluden sich in den Revolutionen des 20. Jh. Nach dem Sieg der Kommunisten im Bürgerkrieg sowie in der Oktoberrevolution von 1917, wo unter der Führung LENINS Russlands Bolschewiki die Regierung übernahmen, kam es 1922 zur Errichtung der Sowjetunion und es folgten die Jahre der stalinistischen Machtherrschaft.
Im Verlauf der Zwangskollektivierung kamen dabei Millionen russischer Bauern ums Leben. Der nun forcierte Aufbau der Schwer- und Rüstungsindustrie auf Kosten der Landwirtschaft hatte die Verödung ganzer Landstriche zur Folge, und viele russische Dörfer wurden in dieser Zeit entvölkert. Durch den Zerfall der Sowjetunion, in der die Russen als das eigentliche Staatsvolk sprachlich und kulturell privilegiert waren, sind Millionen von ihnen zu Minderheiten in den nichtrussischen Staaten geworden, deren Zukunft sehr ungewiss ist. Hunderttausende von Menschen befanden sich nach der politischen Wende auf der Flucht zurück nach Russland, das auf diese massenhafte Rückkehr in keiner Weise vorbereitet war.
Diesen Artikel empfehlen




