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Quiché
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Auch bekannt unter:
- Guatemaltek
- Kechi
- Kiche
- Tiche
- Ultateco
Eine zur Quiché-Gruppe innerhalb der Maya-Quiché-Zoque-Sprachfamilie gehörende Sprache im Hochland von Guatemala mit mehr als 1,5 Mio. Sprechern. Einzelsprachen, teilweise mit mehreren Varietäten, sind Quiché-Achi (ca. 900.000), Cakchiquel (ca. 450.000), Tzutujil (ca. 50.000). Im weiteren Sinne gehören zum Quiché auch Kekchi (ca. 275.000) und die Pokom-Sprachen (ca. 55.000).
Nach der spanischen Eroberung entstanden unter Verwendung eines erweiterten lateinischen Alphabets Texte in Quiché, deren bedeutendste das mythologisch- historische „Popol Vuh” und das Tanzdrama „Rabinal Achi” sind. Neuere Alphabetisierungsversuche haben nur geringen Erfolg. Die Quiché-Sprachen sind in ihrem Verbreitungsgebiet Mehrheitssprachen mit z.T. geringer Verbreitung von Spanisch als Zweitsprache.
Die Sprecher des Quiché sind ein mittelamerikanischer Volksstamm. Sie leben vor allem im mittelwestlichen Hochland von Guatemala, westlich des Atitlánsees, und zu einem kleinen Teil auch im Süden des mexikanischen Bundesstaates Chiapas. Eines der heute bekanntesten literarischen Werke aus der Zeit mesoamerikanischer Hochkulturen ist in ihrer Sprache verfasst, das „Popol Vuh = Buch des Rates”.
Es stellt ein literarisches Meisterwerk in dieser Gegend dar, obwohl das älteste erhaltene Manuskript erst um 1700 niedergeschrieben wurde, d.h. erst knapp 200 Jahre nach dem Eintreffen der Spanier in Mittelamerika, kann aufgrund bestimmter Merkmale von Sprache, Rechtschreibung und Inhalt des Werkes von einer Entstehungszeit zwischen den Jahren 1550 und 1565 ausgegangen werden. Nach dem Muster anderer mesoamerikanischer historischer Dokumente der frühen Kolonialzeit beginnt das „Popol Vuh” mit der Beschreibung der Schöpfung der Welt, erzählt daran anschließend von Heldentaten und Schicksalen mythischer Vorfahren und endet mit einer Darstellung dynastischer Geschichte bis zur Kolonialzeit.
Damit sollen die Herrschaftsansprüche der führenden Quiché- Familien dokumentiert und auch legitimiert werden. Eine besondere Stellung im „Popol Vuh” nehmen die höchst unterhaltsamen Abenteuer der mythischen Heldenzwillinge HUNAHPU und XBALANQUE ein. Gewisse motivische Parallelen hierzu finden sich auf manchen Keramiken der klassischen Maya. Die Tracht der Quiché-Frauen besteht aus bunten Röcken, Blusen sowie einem Gürtel. Die Männer tragen schwarze, bestickte Hosen und schwarze Wollboleros und baumwollene Kopfbedeckungen.
Sie sind Bauern, die meist Mais, Bohnen und Kürbisse anbauen, jedoch hat sich ihnen durch ihre Webkunst eine recht ergiebige Einnahmequelle erschlossen. Ihre bunten, handgewebten Stoffe erfreuen sich bei den Touristen großer Beliebtheit. Die Töpferei, obwohl eine der Hauptbeschäftigungen der Quiché-Frauen, ist jedoch von geringerer wirtschaftlicher Bedeutung. Die Mehrzahl der Quiché besitzt ein Stadt- und ein Landhaus. Die Stadthäuser, die in einem Viereck um Kirche, Marktplatz und Gerichtsgebäude angeordnet sind, werden nur an Markt- und Festtagen sowie zu besonderen zeremoniellen Gelegenheiten bewohnt.
Am Vorabend der spanischen Eroberung herrschten mehrere sehr bedeutsame Maya-Staaten über das Hochlandgebiet Guatemalas. Am prominentesten unter ihnen waren das zentralguatemaltekische Königreich der Quiché mit seiner Hauptstadt Gumarcaah (Utatlan) und südlich davon das Reich der mit ihnen um die Vormacht streitenden Cakchiquel, deren Hauptstadt Iximche sich östlich des hochgelegenen Kratersees von Atitlán befand. Südlich der Quiché und jenseits des Atitlánsees hatte sich der Kleinstaat der Tzutuhil etabliert. An der östlichen sowie der westlichen Flanke des Quiché-Machtbereiches lagen Zaculeu, das jahrhundertealte Machtzentrum der Mam, und Mixco Viejo, die Hochburg der Pokomam.
Die Quiché, die wie die meisten Maya-Staaten der postklassischen Zeit (etwa 900–1525) eine adlige Abstammung von den zentralmexikanischen Tolteken für sich beanspruchten, mussten im frühen 16. Jh. zumindest nominell die Oberherrschaft des aztekischen Kaisers MOTECUHZOMA II. XOCOYOTL anerkennen, dessen Imperium als das Erbe des Toltekenstaates angesehen wurde. Eine weitere Ausdehnung des Azteken-Reiches in dieser Region wurde nur durch die Ankunft der Spanier sowie die unmittelbar danach folgende Zerstörung der auf einer Insel im See von Mexico gelegenen aztekischen Stadt Tenochtitlans (1521) verhindert.
Auf Befehl von HERNÁN CORTÉS, des Eroberers Mexikos, marschierte 1524 der als Hitzkopf berüchtigte Conquistador PEDRO DE ALVARO in Guatemala ein. In einem raschen und unerbittlichen Feldzug, der eher von den Greueltaten als von Kühnheit des spanischen Befehlshabers gekennzeichnet war, wurden der Quiché-Staat sowie die übrigen Hochlandmächte mit Hilfe eines tlaxcaltekischen Söldnerheeres niedergeschlagen und vernichtet.
Über die Geschichte des guatemaltekischen Postklassiktums und der spanischen Eroberung berichten ausführlich eine Reihe von Quiché und Cakchiquel-Werke, wie z.B. das „Popol Vuh” und auch die Annalen der Cakchiquel. Im Gegensatz zu den meisten indigenen Völkern Mexikos und Guatemalas verwenden die Quiché noch heute den alten mesoamerikanischen Ritualkalender, der der Wahrsagerei sowie allgemeinen religiösen Zwecken dient. Die Religion der Quiché stellt, wie es üblich ist in Mittelamerika, eine komplizierte Mischung vorspanischer Glaubensvorstellungen und -praktiken mit Elementen des römisch-katholischen Glaubens dar. Ungewöhnlich ist nur die intensive Einbeziehung solcher Praktiken in Messe und Ritus der katholischen Kirche wie etwa in der Stadt Chichicastenango.
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