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Polynesische Sprachen
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Ein sehr bedeutender Unterzweig des ostozeanisch-polynesischen Zweiges innerhalb der austronesischen Sprachfamilie, mit einer ganzen Reihe zugehörender Sprachen, die insgesamt von etwa 1 Mio. Menschen gesprochen werden. Bei manchen Sprachwissenschaftlern wurden sie nochmals untergruppiert in polynesische Peripherie-Sprachen und einen polynesischen Unterzweig sowie einzelne isolierte Gruppen.
Der Ursprung der polynesischen Sprachen wird, ebenso wie der der melanesischen Sprachen, heute im asiatischen Raum vermutet. Entgegen der Hypothese von der amerikanischen Herkunft der polynesischen Sprachen, wie sie u.a. von dem Norweger THOR HEYERDAHL vertreten wird, muss ihre Urheimat wahrscheinlich im südchinesischen Küstengebiet gesucht werden. Die polynesischen Sprachen sind auf den meisten Inseln östlich von Fidschi, einschließlich der Hawaii-Inseln und der Osterinsel sowie in Neuseeland und teilweise auch im melanesischen Raum, verbreitet.
Sie sind bemerkenswert uniform, besonders was ihren Wortschatz, aber auch ihre Struktur anbetrifft. Auffallend zu anderen Sprachen ist auch ihr Lautbestand, der durch eine geringe Anzahl von Konsonanten bemerkenswert ist, die zwischen acht und dreizehn liegt. Andere Besonderheiten sind der vokale Auslaut aller Wörter, der Artikel vor dem Substantiv, der im Plural wegfällt, die Unterscheidung von Singular, Plural und Dual, der im eigentlichen Sinne ein Trial ist, beim Personalpronomen, die Unterscheidung zwischen dominantem, durch -a- markiertem, und untergeordnetem, durch -o- markiertem Besitzverhältnis, ein Dezimalsystem bei den Zahlen, Voranstellung des Possessivpronomens dem Nomen, u.v.a. Als Polynesier werden die Bewohner der Inselwelt Polynesiens (griech.: „polys = viel, nesos = Insel”) bezeichnet.
Diese nimmt den östlichen, fast den gesamten zentralen und Teile des westlichen Pazifiks ein und verteilt sich in der Form eines riesigen Dreiecks über eine Meeresfläche von rund 50 Mio. Quadratkilometer. Polynesien umfasst neben einzelnen kleineren, isolierten Inselgruppen, wie die Ellice-, Samoa- und Tonga-Inseln im Westen, die Gesellschaftsinseln (mit Tahiti), Marquesas-, Tubuai- und Tuamotu-Inseln im Zentrum, den Hawaii-Archipel im Norden, die Osterinsel sowie Neuseeland im Südwesten. Die meisten größeren Inseln sind vulkanischen Ursprungs, daneben gibt es zahlreiche kleinere Koralleninseln und Atolle.
Neuseeland, als die größte von den Polynesiern besiedelte Inselgruppe, reicht als einzige bis in den gemäßigten Klimabereich hinein. Auch außerhalb des polynesischen Inseldreiecks gibt es im westlichen Pazifik noch einige Exklaven mit polynesischer Bevölkerung bzw. polynesischer Kultur. Dabei stellen die Fidschi-Inseln ein Übergangsgebiet dar. Die Bewohner dieser Inseln sind Melanesier, aber ihre Kultur ist sehr stark polynesisch beeinflusst. Trotz ihrer Zerstreuung über zahllose, oft Tausende von Seemeilen auseinanderliegende Inseln zeigen die Polynesier in Sprache und Kultur sowie auch in ihrem physischen Erscheinungsbild, eine gewisse Einheitlichkeit.
Anthropologisch sind sie ein Mischvolk mit überwiegend europiden Merkmalen und unterscheiden sich ziemlich stark von den übrigen Ozeaniern. Sie sind hochgewachsen, schlichthaarig und mit einer hellbraunen Hautfarbe. Besonders im 18. und 19. Jh. galten sie als der Inbegriff des „edlen Wilden”, einer europäischen Vorstellung vom „glücklichen Naturmenschen”, die auch unter dem Aspekt der vermuteten sexuellen Freizügigkeit angeblich ein paradiesisches Dasein führten. Gerade die Schilderungen Tahitis durch die Forscher BOUGAINVILLE und FORSTER in den 70er Jahren des 18. Jh. erregten vor dem Hintergrund der zunehmenden Rationalisierung des Lebens in Europa großes Aufsehen und markierten den Beginn einer lebhaften philosophischen Diskussion über den „edlen Wilden”.
Polynesien gehört zu den zuletzt besiedelten Gebieten der Welt. Nach archäologischen Erkenntnissen erreichten die Vorfahren der heutigen Polynesier, die über ziemlich hochentwickelte Traditionen des Bootsbaus und der Navigation verfügten, etwa um 1500 v. Chr., den Samoa- und Tonga-Archipel. Ethnologen, Archäologen sowie Linguisten nehmen an, dass die einstigen transpazifischen Wanderungen ihren Weg über die Inselkette Mikronesiens nahmen. Von Samoa und Tonga aus wurden danach die Gesellschafts- und die Marquesas-Inseln kolonisiert.
Raiatea, im Archipel der Gesellschaftsinseln gelegen, war für Jahrhunderte der kulturelle Mittelpunkt sowie Ausgangspunkt für weitere Entdeckungsfahrten, die zur Besiedlung aller bewohnbarer Inseln – was ca. Mitte des 14. Jh. abgeschlossen wurde –, selbst zur Entdeckung der Antarktis – um 650 n. Chr. – führten. Die Boote der Polynesier waren äußerst seetüchtig. Für Fernfahrten nutzten sie große Doppelrumpfboote, die aus Planken zusammengebunden waren und mit ihren scherenförmigen oder dreieckigen Mattensegeln eine Geschwindigkeit von bis zu acht Knoten erreichten.
Diese Boote konnten bis zu 200 Personen tragen und ebenso wurden auch Haustiere und zahlreiche Nutzpflanzen mitgeführt. Für die Küstenschifffahrt wurden Auslegerkanus verwendet. Im Laufe der Jahrhunderte bildeten sich dann auf den verschiedenen Inselgruppen infolge geographischer und historischer Isolierung zahlreiche Varianten der polynesischen Kultur und Sprache heraus. Diese verlieren jedoch an Gewicht, vergleicht man die Polynesier mit ihren Nachbarn im Westen, den Melanesiern. Die polynesischen Sprachen sind alle gleichen Ursprungs und weisen untereinander große Ähnlichkeiten auf.
Zum Teil werden einzelne Begriffe manchmal nur durch Lautverschiebungen voneinander unterschieden. Zu Beginn der europäischen Erschließung des Pazifiks, vor mehr als 200 Jahren, lebten in ganz Polynesien etwa 400.000 Menschen, 1971 betrug die Gesamtbevölkerung Polynesiens 4,68 Mio., wobei die Zahl der Polynesier etwa 800.000 ausmachte. Heute beträgt die Bevölkerung mehr als 5 Mio., wobei etwa 1 Mio. echte Polynesier sind. Die materielle Kultur der Polynesier war, wie die aller Südseevölker, steinzeitlich geprägt.
Die Verarbeitung von Metallen, Töpferei, Weberei und das Prinzip des Rades waren ihnen unbekannt. Als Rohmaterialien wurden Substanzen der Natur verwendet, wie z.B. Steine, Holz, Knochen, Schildpatt, Schneckengehäuse, Vogelfedern oder Pflanzenfasern. Das wichtigste Arbeitsgerät war das Steinbeil. Die Polynesier waren und sind noch heute sesshafte Pflanzer und Fischer. Yams, Taro, Bananen, Kokosnüsse, Brotfrüchte und Pandanus zählen zu ihren Hauptanbauprodukten. Die Fischerei, speziell aber die Hochseefischerei, war besonders entwickelt und lieferte einen beträchtlichen Teil ihrer Nahrung.
Die Speisen wurden in einem Erdofen gedünstet, wobei man das Gargut in Blätter einwickelte und auf heißen Steinen mit verschiedenen Materialien, wie Blättern, Sand oder Erde abdeckte. Sammeltätigkeit, Jagd und Haustierhaltung spielten für die Nahrungsgewinnung eine untergeordnete Rolle. Der Grund lag dabei vor allem in dem von der Natur gegebenen Mangel an essbaren Wildpflanzen, jagdbaren Säugetieren und Großvieh. Die Jagd nach Vögeln und verwilderten Hausschweinen hatte eher den Charakter einer prestigeträchtigen sportlichen Tätigkeit und lieferte dabei willkommene Delikatessen, aber kaum einen nennenswerten Beitrag zur Nahrungsversorgung.
Eine weite Verbreitung – außer auf Neuseeland und der Osterinsel – hat die „Kawa” (auf Fidschi „Yaquona” genannt), ein anregendes Getränk, das aus der Wurzel des Pfefferstrauches (Piper methysticum) hergestellt wird. Das Betelnusskauen, wie es auf den melanesischen Inseln typisch ist, und auch Alkohol waren auf den polynesischen Inseln nicht bekannt. Fast überall wurde zur Gewinnung von Rindenbast der Papiermaulbeerbaum (Broussonetia papyfera) angepflanzt. Die polynesischen Rindenbaststoffe (tapa) wurden durch verschiedene Bemusterungsmethoden wie Bedrucken, Bemalen oder durch das Einreiben mit Farben über ornamentierten Matrizen verziert.
Sie dienten als Kleidung wie zum Beispiel für die bekannten polynesischen Wickelröcke, als Bodenbedeckung bei zeremoniellen Anlässen und als Raumdekoration. In Neuseeland wurde wegen des dortigen kühleren Klimas Flachs zu Mänteln und Umhängen verarbeitet. Tätowierungen (das Wort ist abg eleitet vom polynesischen „tatau = Zeichen, Malerei”) waren nicht nur Körperschmuck, sondern dienten in der Kombination ihrer komplexen Ornamente sowohl als Ausdruck der eigenen Person wie auch der Zugehörigkeit zu bestimmten Sozial- oder Verwandtschaftsgruppen.
Sie wurden meist von hochbezahlten Spezialisten über Jahre hinweg angefertigt und waren etwa auf Samoa so filigran gestaltet, dass frühere Seefahrer die Oberschenkel- und Gesäßtätowierungen mancher Polynesier als „seidene Hosen” beschrieben. Im sozialen und geistigen Bereich erhoben sich die Kulturen Polynesiens, die oftmals auch mit archaischen Hochkulturen verglichen wurden, weit über den Stand steinzeitlicher Primitivität. Schon in voreuropäischer Zeit hatten sich auf den verschiedenen Inselgruppen einzelne politische Strukturen herausgebildet, die der europäischen Vorstellung von staatlichen Organisationsformen recht nahe kamen. Auf vielen Inselgruppen bildeten sich zentralistisch oder föderalistisch strukturierte Staaten heraus.
Dabei kam es bisweilen zur Koalitionsbildung mit Nachbarstaaten, etwa durch gezielte Heiratspolitik, aber auch zur militärischen Unterwerfung mit einer systematischen Ausbeutung bis hin zur Sklaverei. Die Territorien dieser Staaten erstreckten sich über eine Insel, manchmal nur über Teile einer solchen oder wie im Falle Tongas, über alle Inseln des Archipels. Die traditionellen polynesischen Gesellschaften waren aristokratisch organisiert. Die herrschende Schicht bildete der Adel (ali’i, ari‘i), der Häuptling, Priester und andere Träger öffentlicher Funktionen stellte. Diese aristokratische Schicht leitete seine Herkunft und damit seine Sonderstellung von den Schöpfergottheiten ab.
Adoptionssysteme ermöglichten die durch die geringe Bevölkerungszahl erschwerte Einhaltung von endogamen Heiratsvorschriften – es durften nur Mitglieder des eigenen Standes geheiratet werden – sowie die aus politischen Gründen oftmals notwendige Öffnung der Adelsfamilien gegenüber den anderen Gesellschaftsschichten. Die Beachtung von Standesregeln und höfischer Etikette wurde größte Bedeutung beigemessen. Gerade die Adelsfamilien pflegten ihre Stammbäume und die geschichtlichen Erinnerungen sehr sorgfältig zu bewahren. Obwohl die Polynesier, mit Ausnahme der Bewohner der Osterinsel, keine Schrift entwickelt hatten, ist ihre Geschichte relativ gut bekannt.
Macht und Ansehen der Häuptlinge richteten sich stets nach dem Rang der Gottheit, auf die sie ihre Genealogien zurückführten. Der Häuptling, der sich von der höchsten Gottheit ableitete, stand an der Spitze der Gesellschaft. Er war der jeweils Erstgeborene der ältesten Abstammungslinie im Archipel und verfügte über eine uneingeschränkte Macht. Er vereinigte auf sich das stärkste „mana”, nach polynesischem Glauben eine außergewöhnlich wirksame, übernatürliche Kraft. Als irdischer Vertreter der Götter kam ihm fast schrankenlose Verehrung zuteil. Den Gegenpol zum Adel bildete das Volk. Diesem wurde das Land der Höhergestellten zur Nutzung überlassen. Daneben gab es auf zahlreichen Inseln Sklaven.
In Hawaii, Tahiti und Tonga hatte sich ein zusätzlicher Stand entwickelt, der zwischen dem Adel und dem Volk vermittelte. Ein besonderes Ansehen hatten hier einzelne Handwerker, die Berufsmonopole ausübten, wie z.B. die Haus-Bootbauer sowie die Tätowierer. In engster Beziehung mit der Idee von der göttlichen Abstammung des Adels standen in Polynesien die überaus vielfältigen und komplizierten Bestimmungen, die das Zusammenleben zwischen Adel und Volk regelten und als „tabu” strenge Beachtung fanden. So durften z.B. im alten Hawaii nur wenige auserwählte Personen den Herrscher sehen, der als Zeichen seines Ranges kunstvoll gefertigte Federmäntel trug.
Er verließ nur nachts seine Residenz, um nicht etwa „durch seine übernatürliche Kraftausstrahlung” das Volk zu gefährden. Jeder, der dem Herrscher unvorbereitet begegnete, wurde getötet. Um nicht den Pflanzenwuchs zu stören, durfte sein Fuß nicht das Erdreich berühren. Stets wurde der Herrscher auf den Schultern extra dafür auserwählter Personen getragen. Er musste bei seinen Ausflügen den Kopf gesenkt halten, da sonst die Früchte der Bäume unter seinen Blicken womöglich verdorrt wären. Am Hofe des Herrschers bediente man sich untereinander einer eigenen Zeremoniensprache. Auch durfte der Name des Herrschers niemals ausgesprochen werden.
Jeder, der ein solches „tabu” verletzte, hatte als Folge mit Erkrankungen oder gar dem Tod zu rechnen. Das Religionssystem der Polynesier war polytheistisch und auf den verschiedenen Inselgruppen des Pazifiks unterschiedlich ausgeprägt. An der Spitze des Pantheon standen meist vier Gottheiten: der Gott für Schöpfung und Meer (Tangaroa), für Handwerk und Wald (Tane), für Pflanzen und Frieden (Rongo) und der Gott für den Krieg (Ku). Außerdem kannte es daneben noch eine Fülle von Halbgottheiten, Kulturheroen und vergöttlichter Ahnen sowie zahlreiche Dämonen und verschiedene Familien-Schutzgottheiten.
Die Dämonen wurden meist in enger Verbindung mit natürlichen Phänomenen wie dem Wetter, Felsen oder Pflanzen gesehen und hatten schlechte und gute Charakterzüge. Populär war der Glaube an die sogenannten Trickster-Figuren, die häufig ihre Gestalt wechselten und den Menschen durch allerlei Streiche sehr übel mitspielten, aber im eigentlichen Sinne nicht bösartig waren. Die Kultplatzanlagen (marae), die meist im Besitz des Adels waren, hatten auf einigen Inseln zugleich auch die Funktion sozialer sowie politischer Zentren. Für die Götter wurden vor allem im Osten Polynesien Bildnisse aus Holz, Stein oder auch anderen Materialien angefertigt.
In West-Polynesien dagegen wurden sie relativ selten hergestellt. Mächtige und aufwendige Tempelanlagen waren allerdings in ganz Polynesien nur sehr selten. An die Stelle der traditionellen Glaubensvorstellungen ist dann später das Christentum getreten. Die ersten Missionierungen und damit auch die Einbeziehung der Polynesier in die moderne Welt begann in der zweiten Hälfte des 18. Jh. mit allen Konsequenzen. Die Expansion Europas erfasste die verschiedenen Inseln Polynesiens in durchaus vergleichbarer Weise. Sie führte über die Ausbreitung des Christentums – heute sind in Polynesien fast alle christlichen Denominationen vertreten – zur Ausweitung wirtschaftlicher, politischer und militärischer Aktivitäten und gipfelte schließlich in der kolonialen Aufteilung der gesamten polynesischen Inselwelt, die gegen Ende des 19. Jh. abgeschlossen war.
Für die Polynesier hatte diese Anpassung an die europäische Zivilisation vielfältige, oftmals weitreichende und äußerst fatale Folgen. Eingeschleppte Krankheiten, übertriebener Missionseifer, rassische Vermischung, Alkohol und kolonialpolitische Ausbeutung, Mord und Versklavung, Fremdbevölker ungs- und Überfremdungsprobleme führten zu einer starken Dezimierung der Bevölkerung, zur Auflösung der traditionellen Lebensformen und zum Zusammenbruch der sozialen und politischen Strukturen. Als ethnische Einheit und kulturelle Gruppe haben die Polynesier auf den wenigsten Inselgruppen überlebt.
Ausnahmen stellen lediglich die Samoa- und Tonga-Archipele dar. Hier haben sich trotz einer integrativen Verarbeitung europäisch-amerikanischer Fremdeinflüsse noch recht viele Traditionsbereiche der altpolynesischen Kultur in unterschiedlicher Intensität bis in die Gegenwart erhalten können. Die Polynesier versuchen heute auf vielfältige Weise, sich in die modernen Verhältnisse einzuleben und an dem Reichtum der industrialisierten Welt teilzunehmen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die verkehrstechnische Erschließung des Pazifiks systematisch betrieben und dem Tourismus Tür und Tor geöffnet.
Der Touristenstrom, der neue Devisenquellen und eine steigende Abhängigkeit vom Konsum auf die Inseln brachte, hat inzwischen selbst die entlegensten Archipele des Pazifiks erreicht. Er trägt in der heutigen Zeit entscheidend mit dazu bei, letzte, noch verbliebene Reste der polynesischen Kultur und die Lebensform der Bevölkerung zu nivellieren. Mit der Ausnahme von West-Samoa, Tonga und Tuvalu – den ehemaligen Ellice-Inseln, die im Oktober 1978, sowie Kiribati, den ehemaligen Phoenix- und Teilen der Line-Inseln, die 1979 ihre politische Unabhängigkeit erlangt haben, stehen die meisten Inselgruppen Polynesiens noch heute unter der Fremdherrschaft europäischer oder amerikanischer Staaten.
Frankreich, das die Atolle des Tuamotu-Archipels als Experimentierfelder für ihre Atombombenversuche nutzte, beansprucht für sich ebenfalls noch die Gesellschafts-, Marquesas-, Tubuai- , Rapai- und Gambier-Inseln. Den Völkern Französisch- Polynesiens wird nur eine beschränkte Autonomie zugestanden. Die 15 Cook-Inseln und die Atolle der Tokelau-Gruppe sowie Niue sind Außengebiete von Neuseeland mit weitgehender innerer Autonomie. Pitcairn, eine Insel, auf der die Meuterer der „Bounty” in Begleitung tahitischer Frauen einst Zuflucht suchten und deren Nachfahren noch heute dort leben, ist abhängig von Großbritannien.
Die Osterinsel gehört zu Chile, der Ostteil der Samoa-Inseln steht unter amerikanischer Oberherrschaft und Hawaii ist der 50. Bundesstaat der USA, in dem die autochthonen Polynesier nur noch eine verschwindend kleine Minderheit sind und vorwiegend als Touristenattraktion vermarktet werden. Auch die Maori, die ersten Bewohner Neuseelands, sind heute nur noch eine Minderheit in ihrem eigenen Land.
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