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Papua
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Ein in der Völkerkunde vieldeutig aber oft auch missverständlich gebrauchter Begriff, der insgesamt vier verschiedene Bedeutungen umfasst:
1. Anthropologischer Begriff für bestimmte negroide Körpermerkmale, der meist in älteren Literaturen verwendet wurde, sich später aber, nachdem man über lange Zeit hinweg glaubte, spezifisch papuanische Rassenmerkmale festlegen zu können, als nicht haltbar erwiesen hat.
2. Politischer Begriff für den Südosten Neuguineas. Das seit 1975 unabhängige Papua-Neuguinea ist ein Vielvölkerstaat, der neben dem östlichen Teil der Hauptinsel Neuguineas auch etliche vorgelagerte Inseln (Louisiade-Archipel, d’Entrecasteauxinseln), den Bismarck-Archipel, die Insel New Britain sowie auch die beiden nördlichen Salomoninseln Buka und Bougainville umfasst. In dem Zusammenhang mit den immer wieder aufkommenden ethnischen Konflikten wird zuweilen der Begriff Papua auch für die nichtpapuanischen Bevölkerungsgruppen Neuguineas verwendet, um diese von den sogenannten Inselmelanesiern zu unterscheiden.
3. Sammelbegriff für sämtliche nichtaustronesische Sprachen Ozeaniens. Sprachwissenschaftlich bilden die Papuasprachen keine eigene Familie, ihre Gemeinsamkeit besteht lediglich in der Abgrenzung zur austronesischen Sprachfamilie. Papuasprachen werden im größten Teil Neuguineas und auf den benachbarten Inseln, aber auch im Zentrum und in den Randgebieten des melanesischen Raumes sowie im indonesischen Raum, wie z.B. auf der Insel Alor sowie im Norden der Insel Halmahera von der Papuabevölkerung gesprochen. Bisher sind mehr als 800 Sprachen mit unzähligen Dialekten bekannt, die aber oftmals von nur wenigen hundert Menschen verwendet werden.
Bei der gegenwärtigen Bevölkerungszahl von ca. 4,8 Mio. ergibt sich ein Durchschnitt von 6.000 Menschen pro Sprache. Manche Sprachen übertreffen diesen Mittelwert wesentlich, viele andere aber sind wegen der geringen Zahl ihrer Träger bereits vom Aussterben bedroht. Viele Sprachen sind nur dem Namen nach, einige nicht einmal mit ihrem Namen, sondern lediglich örtlich festgestellt. Verschiedene Autoren bedienten sich für ein und dieselbe Sprache unterschiedlicher Bezeichnungen, so dass die Identifizierung teilweise recht große Schwierigkeiten bereitet.
Die Papuasprachen weisen in ihrer Morphologie keinerlei austronesische Komponenten auf. Trotz des sehr unterschiedlichen Wortschatzes und der strukturellen Abweichungen wurden in der neueren Zeit sowohl im australischen als auch im indonesischen Teil Neuguineas einige größere Gruppen von Sprachen in der linguistischen und ethnologischen Literatur aufgestellt, die auch einen genetischen Zusammenhang aufweisen. Auch wurden in jüngerer Zeit detaillierte Sprachenkarten angelegt, aber die wenigsten Sprachen sind grammatikalisch oder auch lexikalisch erfasst. Trotz der intensiven Forschung in den letzten Jahren, besonders durch australische Linguisten, ist eine Klassifikation dieser Sprachen in vielen Punkten zumindest noch nicht endgültig oder auch noch gar nicht möglich.
Die Aufstellung von Familien ist bei einem Teil der Sprachen schon gelungen, für einige Sprachen konnte auch ihre Isoliertheit nachgewiesen werden. Die Aufstellung größerer Einheiten, wie Sprachstämme oder Phyla, beruht hauptsächlich auf lexikostatischen Vergleichen, die aber nur Anhaltspunkte, nicht aber Beweise liefern, weil die Wandergeschichte und die möglichen Interferenzen der ethnischen Gruppen bis jetzt nicht bekannt sind und wohl auch nur schwer zu erschließen sein werden. Es ist daher auch nicht ausgeschlossen, dass Forschungen inzwischen verschiedene Änderungen oder Ergänzungen erforderlich machen. Die Ursache über die völlige Unklarheit, die lange Zeit über die Papuasprachen herrschte, lag zunächst in der Unkenntnis der Sprachen, die jeweils an verschiedenen Punkten Neuguineas entdeckt wurden und tatsächlich sehr verschiedene grammatische Eigenarten aufwiesen.
In späterer Zeit wurde dann der Begriff „Papuasprachen” in dem Sinne des manchmal vielleicht doch vorteilhafter verwendeten Begriffs „Nichtaustronesische Sprachen” innerhalb eines sonst austronesischen Sprachgebietes verwendet. Es handelt sich in Wirklichkeit jedoch um mehrere unterschiedliche ethnische und sprachliche Gruppierungen, deren genetischer Zusammenhang erst in den letzten Jahren durch zahlreiche Einzelforschungen deutlicher wurde, aber noch lange nicht völlig geklärt ist. Obwohl ihre Struktur manche individuellen Züge aufweist, sind die Papuasprachen vor allem durch die folgenden Besonderheiten charakterisiert, die sie von austronesischen Sprachen trennen: Das Verb, dem das pronominale Objekt häufig inkorporiert wird, und das durch die Kennzeichnung von Tempus, Modus und Person sehr kompliziert ist, steht in der Regel am Satzende; Nomina kennen z.T. Klassifizierungen wie ein Maskulina und Feminina sowie belebt oder unbelebt und tragen in der Regel keinen Artikel.
Das Subjekt wird durch ein Suffix gekennzeichnet; Postpositionen stehen anstatt der Präpositionen und gezählt wird meist mit Vierer-, Dreier- oder Zweiersystemen. Die Zuwanderung der papuanischen Völker nach der Insel Neuguinea lässt sich am leichtesten beantworten durch eine Zufluchthypothese, eventuell erdgeschichtlicher Art oder auch durch den Druck austronesischer Völker in der Folge geografischer Veränderungen. Die Reste von nichtaustronesischen Völkern bzw. Sprachen im Bereich der Salomoninseln, auf Timor, im Norden Halmaheras und im Bismarck- Archipel (jeweils im Landesinneren) weist auf eine ehemals weit größere Verbreitung dieser Sprachen hin. Die austronesischen Sprachen weisen teilweise so viele Gemeinsamkeiten auf, dass eine Verständigung zwischen den verschiedenen Melanesiergruppen selbst über weite Entfernungen relativ leicht ist. Das hat auch zur besseren Kommunikation der Küstenbevölkerung beigetragen.
Noch besser ist die Verständigung zwischen den polynesischen Völkern trotz der erheblich größeren Entfernungen zwischen ihnen. Dagegen ist jedoch der Unterschied zwischen den austronesischen Sprachen und den Papuasprachen so groß wie auch zwischen den einzelnen Papuasprachen selbst. Die Papua, vor allem in den Bergregionen, sprechen voraustronesische Sprachen, die so stark voneinander abweichen, dass sich die Angehörigen benachbarter Siedlungsgemeinschaften oft nicht miteinander verständigen können. Hier liegt auch eine der Ursachen für die besonders im Bergland so verbreiteten Stammesfehden, die bis in die jüngste Zeit andauerten und seit der Unabhängigkeit des Landes wieder aufzuleben drohen. Als Verkehrssprache zunächst zwischen den Papua und den Weißen, später auch zwischen den Papua und den Melanesiern entwickelte sich ab Mitte des 19. Jh. das Neumelanesische Pidgin.
Auch unter der Bezeichnung als Pidgin-Englisch stellt es über ganz Melanesien verbreitet eine gewisse Verständigungsbrücke dar. Es beruht auf der englischen Sprache, ist aber mit Vokabeln und grammatikalischen Elementen aus unterschiedlichen Sprachen angereichert und gilt heute in Papua-Neuguinea als Amtssprache. Um die Hauptstadt Papua-Neuguineas, Port Moresby, entstand während der Kolonialzeit der Dialekt Hiri Motu, der noch heute dort weit verbreitet ist und teilweise auch als Lingua franca dient.
4. Sammelbegriff für die nichtmelanesischen Völker Neuguineas, der nach Grönland zweitgrößten Insel der Welt. Sie liegt im inneren Tropengürtel nordöstlich von Australien und wird in West-Ost-Richtung von einer Gebirgskette mit Erhebungen bis zu 5.000 Metern durchquert, die z.T. sehr weite Hochtäler umschließen. An den breiten Flüssen der nördlichen und südlichen Tiefländer sowie auch an der Küste ziehen sich riesige Schwemmlandgebiete mit mächtigen Sumpfwäldern hin. Der Name Neuguinea geht auf den Spanier Y NIGO O RTIS DE R ETEZ zurück, der 1545 die Nordküste entlangsegelte und sich dort an die Guineaküste Westafrikas erinnert fühlte. Das Wort „Papua” wurde von portugiesischen Seefahrern im 16. Jh. aus der Sprache der Molukker aufgegriffen.
Der Ausdruck „papu-wa” nahm Bezug auf das Kraushaar der dort lebenden Menschen und wurde so zur allgemeinen Bezeichnung der Bewohner Neuguineas eingeführt. In der Anlehnung an die Erkenntnisse der Linguistik ist die Völkerkunde dazu übergegangen, den Namen „Papua” auf die voraustronesisch sprechenden Bevölkerungsgruppen zu begrenzen. Somit trennt der Begriff „Papua” die melanesische Bevölkerung von der nichtmelanesischen, obwohl eine scharfe Grenzziehung zwischen beiden Bevölkerungsteilen nicht möglich ist, da zu viele Mischformen existieren. Die Papua stammen unmittelbar von den frühesten Einwanderern aus Südostasien ab. Die älteste, eingewanderte Schicht paläolithischer Wildbeuter, etwa 30.000 Jahre v. Chr., scheint durch die heute noch im Hochland lebenden kleinwüchsigen Stämme – Männer etwa 1,40 m und Frauen etwa 1,30 m groß – repräsentiert zu werden.
Die vor ungefähr 5.000 Jahren in das Land gekommenen neolithischen Einwanderer brachten den Feldbau, vor allem Knollenfrüchte, und Haustiere wie Schweine und Hunde mit. Sie wurden zu Anfang des 1. Jahrtausends v. Chr. von den wirtschaftlich stärker entwickelten Einwanderern mit melanesischen Sprachen ins Innere der Insel abgedrängt. Etwa zwei Drittel der rund 4,8 Mio. Bewohner Neuguineas sind Papua, die hauptsächlich im Landesinneren und an der Südküste Neuguineas ansässig sind. Etwa ein Drittel sind Melanesier, d.h. austronesisch sprechende Bevölkerungsgruppen ( Papua-Melanesische Sprachen ), die die Abschnitte der Küsten im Norden und Süden der Insel einnehmen und nur die Ostspitze geschlossen besiedeln. Die Verteilung der Bevölkerung ist sehr ungleichmäßig. Einig e Hochtäler und Küstengebiete sind dicht besiedelt, andere Gebiete im Westen und im Südosten fast menschenleer.
Die insgesamt sehr niedrige Bevölkerungsdichte führte zu stark sprachlicher und kultureller Zersplitterung. Das Hauptunterscheidungsmerkmal zwischen den Gruppen der melanesischen und papuanischen Bevölkerung, die in physischer und kultureller Hinsicht zwar heterogen, doch oberflächlich kaum voneinander zu unterscheiden sind, ist ihre Sprache. Die Völker der Papua sind sesshafte Pflanzer. Ihre Subsistenzwirtschaft basiert auf dem Anbau von Maniok, Yams, Taro, Süßkartoffeln, Bananen und Zuckerrohr. Ihre Anbaumethoden reichen vom Bewässerungsfeldbau auf Terrassen bis hin zum Brandrodungsfeldbau. Teilweise werden wildwachsende Pflanzen wie Sagopalmen genutzt. Zur Deckung des Eiweiß- und Fettbedarfs werden Schweine, Hühner und Hunde gehalten. An den Flüssen wird auch Fischfang betrieben. Die Jagd nach wildlebenden Tieren ist für die Nahrungsversorgung meist recht unbedeutend, bisweilen jedoch mit hohem Prestige für den Jäger verbunden.
Besonders aber die Schweinehaltung erfreut sich als Gradmesser des Wohlstandes einer großen Wertschätzung. Sie nimmt im Zeremonialleben sowie in den Tauschsystemen der Hochlandgesellschaften eine hervorragende Rolle ein. Mit solchen Naturalien sowie auch mit abstrakten Wertobjekten, sogenanntem „Primitivgeld”, wird trotz der Isolation der Papuabevölkerung vielfach Tauschhandel getrieben. „Kina”-Muscheln wurden von der Küste bis weit hinauf in das Hochland gehandelt und waren der Namensgeber für die heutige Währung von Papua-Neuguinea. Oftmals werden die Papua als „Steinzeitmenschen” bezeichnet, da sie nur über eine einfache Ausstattung an Werkzeugen wie etwa Querbeil, Grabstock und Messer verfügen, die z.T. aus Stein, Knochen oder Holz gefertigt sind, und sich bei ihnen keine handwerkliche Spezialisierung herausgebildet hat.
Trotzdem haben die Papua in ihrer materiellen Kultur Erstaunliches zustande gebracht. So besteht etwa ihr Körperschmuck, der in ihrem sozialen Leben eine bedeutende Rolle spielt, aus teilweise äußerst aufwendigen und farbenprächtigen Arrangements. Allerdings sind heute europäische Werkzeuge und Gebrauchsgüter bis in die entlegensten Winkel vorgedrungen, ohne dabei die traditionelle Lebens- und Arbeitsweise der Papua grundlegend zu verändern. Ihre Kleidung beschränkt sich noch heute oftmals auf eine Schambedeckungen aus Baststoff, Gras, Netzwerk und Kalebassen (aus letzterem sind vor allem die Penisfutterale der Männer gefertigt). Auch besteht ihre Bewaffnung noch immer größtenteils aus Pfeil und Bogen, Lanzen und Speeren und zum Schutz dienen ihnen meistens Schilde aus Holz sowie aus Rotan geflochtene Brustpanzer.
Staatsähnliche oder auf einer zentralen politischen Herrschaft beruhende Organisationsformen waren den Papua von jeher unbekannt. Das Zentrum ihres sozialen und geistigen Lebens liegt für die Papuavölker in der überschaubaren Welt der lokalen Gemeinschaft einer jeden Siedlung. Sie ist sowohl die Erziehungsinstitution, die religiöse Gemeinde als auch die in politischer Hinsicht wichtigste Grundeinheit der Völker der Papuas. Die Umwelt außerhalb der eigenen Siedlungszentren gilt ihnen häufig als Feindesland. Die Größe der Siedlungen schwankt zwischen wenigen Hunderten im Hochland und maximal 2.000 Menschen in den Küstenregionen. Die einzelnen „Stämme” Neuguineas existieren mehr in den Beschreibungen der Völkerkundler als in der Realität.
Als soziale Ordnungsgröße treten sie im Alltag der Papua in den wenigsten Fällen in Erscheinung. Als Stamm werden oftmals mehrere Dorfgemeinschaften bezeichnet, die miteinander aber nur lockere Beziehungen unterhalten. Wichtigstes Kriterium zur Abgrenzung eines Stammes sind die gemeinsame Sprache, das Bewusstsein einer gemeinsamen Abstammung, Heiratsbeziehungen und die Übereinstimmung in vielen Bereichen der materiellen und geistigen Kultur. Die Gesellschaft der Papua ist streng patriarchalisch gegliedert, die Führungsrolle wird meist von Männern mit besonders hohem Prestige, sogenannten „Big men” eingenommen. Die Reichweite ihrer Autorität ist allerdings nicht festgelegt und ihr Amt ist auch nicht erblich. Prestige gründet sich auf rhetorische Qualitäten sowie auf Erfolg bei der Schweineaufzucht, bei der Jagd und im Kampf. Prestige kann aber auch jemand haben, der über profunde Kenntnisse in der Mythologie verfügt.
Das soziale Leben dieser Völker ist sehr stark an der Gemeinschaft orientiert, der das einzelne Individuum untergeordnet wird. Neben einer Kernfamilie und der Wohngr uppe, der sogenannten Haushaltseinheit, bilden Klane eine wichtige Organisationsform. Sie führen ihre Abstammung auf einen gemeinsamen Ahnen zurück, der symbolisch im jeweiligen Totem dargestellt wird. Zwischen den Mitgliedern eines Klans besteht meist Heiratsverbot. In größeren Dörfern können mehrere Klane zusammenleben. Jeder Klan nennt dann für sich einen fest umrissenen Bezirk sein eigen, in dem die Mitglieder des Klans geschlossen siedeln und in dem auch das klaneigene Kulthaus steht. Die Erziehung der Kinder ist Gemeinschaftsangelegenheit.
Kinder werden meist von klein auf in Altersklassen zusammengefasst, die bis zur Erwachsenwerdung gemeinsam verschiedene Stufen durchlaufen. Schließlich werden die Jungen im Rahmen aufwendiger Initiationsriten in die Gemeinschaft der erwachsenen Männer aufgenommen. Diese schließen sich oft zu sogenannten Geheimbünden zusammen. Die Mitglieder solcher Geheimbünde führen – oft anlässlich zeremonieller Feste – konspirative Versammlungen durch und kommen in den Genuss gewisser Privilegien, von denen alle Frauen und Nichtinitiierten ausgeschlossen sind. Seit jeher galten die Papua als äußerst kriegerisch, doch neuere Forschungen zeigen, dass Kämpfe zwischen benachbarten Gruppen zwar sehr häufig waren, jedoch überwiegend unblutig verliefen.
Eine Ausnahme bildet die zum Prestigegewinn einzelner veranstaltete Kopfjagd. Die religiösen Vorstellungen sind sehr komplex und variieren stark. Ein gemeinsames Grundmuster ist der Glaube an Schöpfungswesen, die seit der Erschaffung der Welt in mythischen Urzeiten existieren und auch heute noch in das Alltagsgeschehen eingreifen können. Sie werden in Maskenzeremonien theatralisch dargestellt. In vielen Mythen wird die Schöpfung erst durch die Tötung ermöglicht. Diese unmittelbare Verknüpfung von Leben und Tod wird zuweilen bei verschiedenen Zeremonien durch den tatsächlichen oder symbolischen Verzehr von Menschenfleisch vergegenwärtigt.
Verstorbene und die Ahnen existieren nach dieser Vorstellung in der Welt der Schöpferwesen weiter und können auch mit diesen unmittelbar kommunizieren. Der Ahnenkult spielt deshalb eine zentrale Rolle. Daneben gibt es zahllose magische Vorstellungen, die durch Handlungsgebote bzw. -verbote das soziale und wirtschaftliche Leben regulieren. Der Verstoß gegen solche Regeln wird streng sanktioniert und war im Kontakt mit Europäern bis in die jüngste Vergangenheit hinein oftmals der Anlass zu Konflikten. Heute sind über 90% der Papua zumindest formal zum Christentum konvertiert. Im Ostteil der Insel wurden bei der Volkszählung von 1966 ca. 93 % der Bevölkerung als Christen erfasst. Die Missionierung wurde 1872/73 durch die Londoner Missionsgesellschaft eingeleitet.
1875 folgten die Methodisten, bald darauf die römisch-katholische Kirche, später dann Lutheraner, Anglikaner, Adventisten, Baptisten u.v.a. Unter dem Deckmantel des Christentums hat sich jedoch der Animismus mit seinen unterschiedlichsten Formen der Ahnenverehrung und des Geisterglaubens noch bis in die Gegenwart erhalten. Auf lokaler Ebene gewannen Heilserwartungsbewegungen, die sogenannten Cargo- Kulte, immer wieder an Bedeutung. Die europäische Kolonisation begann im 19. Jh. Im Jahre 1828 erhoben die Niederlande ihre Herrschaft über die Westhälfte der Insel. Die östliche Hälfte Neuguineas einschließlich der vorgelagerten Inseln wurde ab 1884 zwischen Großbritannien und dem Deutschen Reich aufgeteilt. Dabei wurden der Nordostteil, der Bismarck-Archipel und Teile der Salomoninseln als „Deutsches Schutzgebiet” deklariert und der Südosten der Insel wurde britisches Protektorat.
1889 wurde dann das britische Protektorat zur Kolonie erhoben und zu Beginn des 20. Jh. der australischen Regierung als Verwaltungseinheit „Papua” unterstellt. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges besetzten australische Streitkräfte das „Deutsche Schutzgebiet”, das als Treuhandgebiet des Völkerbundes ab 1921 ebenfalls von Australien verwaltet wurde. Ab 1949 wurden „Papua” und das Treuhandgebiet „New Guinea” von der Stadt Port Moresby aus, der heutigen Hauptstadt, gemeinsam verwaltet. Beide Territorien bilden seit 1975 den unabhängigen Staat Papua-Neuguinea, der als 142. Mitglied Aufnahme in die UNO fand. Im westlichen Teil der Insel Neuguinea verlief die politische Entwicklung völlig anders. Bis zum Jahre 1963 stand das Gebiet unter der Kolonialherrschaft der Niederlande, seither befindet es sich in Abhängigkeit von der indonesischen Zentralregierung.
Die tatsächlich einzige Gemeinsamkeit, die zwischen den Bewohnern West- Neuguineas und den Indonesiern besteht, ist die Zeit ihrer gemeinsamen Zugehörigkeit zur einstigen Kolonie „Niederländisch Indien”. Der damalige Name „Irian Barat = West-Irian” wurde 1945 von F RANS K AISIEPO auf der Konferenz von Malino (Sulawesi) festgelegt. Dabei stand „Irian” als Abkürzung für „Ikut Republik Indonesia Anti Nederland”, was etwa bedeutet „gemeinsam mit der Republik Indonesien gegen die Niederlande”. Als 1949 die Republik Indonesien ausgerufen wurde, blieb West-Neuguinea weiterhin niederländisch. Aus ethnischen und historischen Gründen wurde dieser Teil der Kolonie nie als zu Indonesien gehörig betrachtet.
Doch der ehemalige Präsident S UKARNO , der einst selbst verfochten gegen den Kolonialismus gekämpft hatte, bestand in Neuguinea an einer Festhaltung der Grenzen, die vor mehr als 100 Jahren zwischen den Holländern, Briten und Deutschen ausgehandelt wurden. Aufgrund internationalen Drucks übertrugen die Holländer 1962 dem indonesischen Staat das Mandat über West-Neuguinea unter der Bedingung, dass 1969 die Gesamtbevölkerung dieses Gebietes in einem von der UNO zu kontrollierendem Referendum ihr Recht auf Selbstbestimmung wahrnehmen könne. Etwa 1.400 ausgewählte Repräsentanten aus der ca. 800.000 Menschen umfassenden Bevölkerung wurden an der Wahl beteiligt, die in ihrer Rechtmäßigkeit sehr umstritten ist.
Seit 1969 ist West-Neuguinea eine indonesische Provinz und seit 1973 trägt sie den Namen „Irian Jaya”, wobei „jaya = Triumph, Sieg” bedeutet. Seither gibt es blutig unterdrückte Bestrebungen, um eine teilweise Autonomie und es haben sich unter der einheimischen Bevölkerung Widerstandsgruppen gebildet, die das Recht auf politische Selbständigkeit fordern. Durch eine massive Umsiedlungspolitik des Staates, die Bewohner anderer Inseln Indonesiens nach Irian Jaya verpflanzte, sollten die Papua zur Minderheit im eigenen Land werden. Nach der Gründung einer in Irian Jaya arbeitenden Exilregierung schlossen sich hier 1972 die Widerstandsgruppen als Organisation zur Befreiung West-Neuguineas (OPM: Organisasi Papua Merdeka) zusammen.
Seither haben kriegerische Auseinandersetzungen mit den Indonesiern wiederholt zu Gegenaktionen von Militär und Polizei geführt. Seit 1. Januar 2002 trägt der Westteil der Insel den Namen „Papua Barat = West-Papua” und erhielt das Recht eine eigene Flagge zu führen sowie 80% der Einnahmen aus Rohstoffverkäufen zu behalten. Trotzdem fordert die Bewegung Freies Papua (OPM) weiterhin eine Volksabstimmung über die Unabhängigkeit.
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