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Otomí
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(Eigenbezeichnung: Ñähñu)
Zum Otomi-Pame-Zweig der Oto-Pame-Sprachfamilie gehörende und in dieser Familie die bedeutendste mittelamerikanische Indianersprache, die sich in mehrere Dialekte unterteilt. Es handelt sich hierbei um eine Tonsprache, die bei mittlerem Synthesegrad eine geringe morphologische Komplexität aufweist. Ihre Sprecher bewohnen mit fast 400.000 Angehörigen das zentrale Hochland von Mexiko. Sie leben in den Bundesstaaten Hidalgo, Querétaro, Puebla und México, in erster Linie im Umkreis um die mexikanische Hauptstadt.
Zu ihnen zählen:
- Estado de México Otomí (Hñatho, Otomí del Estado de México, Otomí de San Felipe Santiago) - mit etwa 10.000 Angehörigen (1990), von denen ca. 400 monolingual sind, im Bundesstaat México; dazu zählt der Dialekt San Felipe Santiago Otomí.
- Ixtenco Otomí (Südost-Otomí) - mit etwa 740 Sprechern (1990) einer ethnischen Population von etwa 5.360 Angehörigen (1990) in Tlaxcala und San Juan Bautista Ixtenco.
- Mezquital Otomí (Hñahñu, Otomí del Valle del Mezquital) - mit etwa 100.000 Angehörigen (1990) in Mezquital Valley und Hidalgo in Mexiko sowie einigen in North Carolina und in Florida, USA.
- Ost-Hochland-Otomí (Otomí de la Sierra, Yuhu, Otomí de Huehuetla, Sierra Oriental Otomí, Otomí del Oriente) - mit etwa 20.000 Angehörigen (1990), von denen ca. 4.700 monolingual sind, in Vicinity of Huehuetla und San Bartolo, Hidalgo sowie in Tlachichilco und Ixhuatlán, Veracruz.
- Querétaro Otomí (Hñohño, Otomí de Querétaro) - mit etwa 33.000 Angehörigen (1990) im Kreis Amealco, in den Orten San Ildefonso, Santiago Mexquititlán; in den Kreisen Acambayund Tolimán.
- Temoaya Otomí - mit etwa 37.000 Angehörigen (1990), von denen rund 850 monolingual sind, im Bundesstaat México, im Kreis Temoyaya, sowie in San Pedro Arriba, San Pedro Abajo, Enthavi, Solalpan und Jiquipilco el Viejo.
- Tenango Otomí (Otomí de Tenango) - mit etwa 10.000 Angehörigen (1990) in San Nicolás, Hidalgo und Puebla.
- Texcatepec Otomí (Nordost-Otomí, Otomí de Texcatepec) - mit etwa 12.000 Angehörigen (1990), von denen ca. 3.000 monolingual sind, im nordwestlichen Veracruz, im Kreis Texcatepec: Texcatepec, Ayotuxtla sowie im Kreis Zontecomatlán: Hueytepec, Amajac, Tzicatlán.
- Tilapa Otomí - mit etwa 400 Angehörigen (1990) in Santiago Tilapa zwischen dem Bundessdistrikt und Toluca im Bundesstaat México.
Da manche Forscher eine spätere Einwanderung der Nahua in das zentrale Mexiko annehmen, waren die Otomí möglicherweise die Träger der urbanen Kultur von Teotihuacan. Zur Zeit der Azteken waren die Otomí nach den Nahua die größte Bevölkerungsgruppe des Tales von Mexiko und lebten in Städten wie Xaltocan, Xilotepec, Azcapotzalco und Tlacopan.
Es gab auch in den ariden Gebieten der „Chichimeca“ in Nordmexiko einige Otomí- Gruppen, die nicht völlig sesshaft waren und nur einen einfachen Bodenbau neben ihrer Sammelwirtschaft und der Jagd praktizierten. Die Niederlage Azcapotzalcos gegen eine Allianz, bestehend aus zwei Nahua-Städten – Tenochtitlans und Texcocos – mit Tlacopan führte zu einer untergeordneten Stellung der Otomí im aztekischen Reich.
Wie der spanische Chronist SAHAGÚN berichtet, blickten die Nahua hochmütig und verachtend auf die Otomí herab. Die Lebensweise der heute stark akkulturierten Otomí unterscheidet sich oftmals nur im privaten Bereich von derjenigen marginalisierter mestizischer Kleinbauern. Sie haben sich in heutiger Zeit weitgehend der mexikanischen Landbevölkerung angepasst und die meisten von ihnen sprechen nur noch Spanisch.
Sie sind Ackerbauern, die ein wenig Vieh, vor allem Schafe, Ziegen, Schweine und Hühner, halten. Ihre Felder werden durch Brandrodung gewonnen und mit Feldhacken und Grabspaten (coa) bearbeitet. Angebaut werden Mais, Bohnen, Kürbisse und zum Verkauf auch Weizen und Gerste. Außer in verstreuten Weilern leben sie auch in größeren Dörfern mit öffentlichen Gebäuden, wie Schule und Kirche und mit Marktplätzen. Das traditionelle Compadrazgo- System, die zeremonielle Patenschaft, ist durch ihre zahllose Verpflichtungen ein wichtiges Band zwischen einzelnen Familien.
Die Otomí sind nicht nur nominell Christen, ihr Leben wird stark von den katholischen Vorstellungen und Ritualen des Glaubens bestimmt. Als Handwerk ist unter den Otomí das Spinnen, Weben, Töpfern und Korbflechten weit verbreitet. Die Kleidung der dörflichen Bevölkerung ist ähnlich der der Nahua. Überhaupt sind sie in ihrer gesamten Kultur den Nahua sehr ähnlich. In der Sierra Norte de Puebla haben die Otomí ihre eigenständige kulturelle Identität weitgehend behaupten können. Bekannt ist die traditionelle Herstellung von Bastpapier (amate) in San Pablito und auch in anderen Dörfern diese Gebietes.
Die aus diesem Material ausgeschnittenen Darstellungen mythologischer Wesen spielen in der traditionellen Medizin der Otomí eine wichtige Rolle. Die Spanier unterstützten die Otomí als Bollwerk gegen die Nomaden des Nordens und gründeten mit ihnen gemeinsam neue Dörfer und Städte, darunter San Miguel Allende Querétaro und San Luis de la Paz. Es wurden verschiedene Missionen errichtet, um die Routen zu den Minenstädten des Nordens abzusichern. Im 18. Jh. wurden in Nachfolge der Gründung großer Viehranchos die Otomí von den Mestizen mehr und mehr verdrängt, enteignet und schließlich zur Arbeit in den Bergwerken gezwungen.
Auch der Unabhängigkeitskrieg änderte an ihrem sozial niederen Status gegenüber den Mestizen nichts. Nach der Revolution von 1910 erhielten die Otomí Teile ihres verlorenen Landes zurück, doch zunehmende Verbindungen zu den Verwaltungszentren, die schulische Erziehung als Staatsbürger sowie die immer moderner werdenden Kommunikationsmöglichkeiten intensivierten den Weg zur „Nationalen Kultur“, so dass die ethnische Identität der Otomí heute weitgehend verschwunden ist.
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