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Osterinsulaner
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- Urbevölkerung der Osterinsel im östlichen Pazifik. Sie sind rassen- und auch kulturgeschichtlich die am weitesten nach Osten gewanderten Polynesier. Der Name ihrer Insel, die nur 11 x 22 Kilometer misst und nach allen Himmelsrichtungen von Hunderten Kilometern Ozean umgeben ist, geht zurück auf die Entdeckung durch den niederländischen Seefahrer JACOB ROGGEVEEN am Ostersonntag des Jahres 1722. Sie zählt zu den einsamsten Plätzen auf der Welt. Die einheimische Bevölkerung nennt ihre Insel „te-pito-te-henua = der Nabel der Welt“.
Bekannt ist sie aber vor allem unter der Bezeichnung Rapanui, die ebenso für ihre einheimische Bevölkerung sowie deren Sprache gilt. Über eine ziemlich lange Zeitdauer hinweg gaben die Osterinsulaner der Wissenschaft sehr große Rätsel auf. Einwanderer aus Ostpolynesien gelangten etwa um 400 n. Chr. auf die Osterinsel. Eine systematische Besiedlung von Südamerika aus, so wie sie der Norweger THOR HEYERDAHL in den spektakulären Aktionen mit seinem Kontiki-Floß nachzuweisen versuchte, gilt heute als äußerst unwahrscheinlich.
Die besonderen ökologischen Bedingungen erforderten gewisse Anpassungen. Nur Taro, Yams, Süßkartoffeln und Bananen konnten gedeihen. Wasserarmut zwang die Bevölkerung zum Bau von Brunnen und Zisternen. Der Mangel an großen Bäumen verhinderte den Bau von hochseetüchtigen Booten; es gab nur Küstenfischfang. Die Holzschnitzkunst wandelte sich allmählich zur Steinbildhauerei. Die alte, neolithische Kultur der Osterinsel stellt eines der eindrucksvollsten Zeugnisse ozeanischer Kulturentwicklungen dar.
Die Gesellschaftsordnung der Bevölkerung war neben einem sakralen Herrschertum und einem erblichen Priestertum ausgeprägt durch Berufsspezialisten wie Bildhauer, Krieger und Schriftgelehrte. Sie hatten als die einzige polynesische Bevölkerung eine auf hölzernen Schrifttafeln (kohau rongorongo) niedergelegte Schrift entwickelt. Zeugnisse religiös motivierten Kunstschaffens sind die gigantischen Steinskulpturen (moai), die die kahle Landschaft zu Hunderten übersäen und lange Zeit eines der großen archäologischen Geheimnisse der Erde darstellten.
Es handelt sich um Büsten, die aus Tuffstein in Form langgezogener Köpfe mit scharf geschnittenen Gesichtszügen gearbeitet wurden. Diese Büsten wurden zu Ehren verstorbener Häuptlinge auf der Rückseite rechteckiger Zeremonialplattformen (ahu) errichtet. Die Osterinsulaner verfügen über eine relativ genaue mündliche Überlieferung der Besiedlung, die in neuerer Zeit von archäologischen Forschungen bestätigt wurde. Die Geschichtslegende der Osterinsel beginnt mit der Ankunft HOTU MATUAS, der mit seinen Leuten aus einer weit entfernten Welt, einer im Westen gelegenen Heimat auswandern musste.
Indizien weisen dabei heute auf die Marquesasinseln als Herkunftsland hin. Die Bewohner der Osterinsel fühlen sich als Nachkommen HOTU MATUAS, dessen Bedeutung als ein zentraler König auf einer besonderen mystischen Lebenskraft (mana) beruhte. Die Gesellschaft der Osterinsulaner war ständisch gegliedert. Die tatsächliche politische Macht lag in den Händen von Adligen. Die Inselbevölkerung unterteilte sich in zehn Hauptstämme. Jeder Stamm verfügte über ein eigenes Gebiet, das an seine Unterstämme verteilt wurde.
Diese Stämme bildeten als Großfamilie eine Wirtschafts- und Wohngemeinschaft. In der polytheistischen Religion gab es neben zentralen Gottheiten, für die besondere Priester zuständig waren, eine ganze Reihe lokaler Familien- und Schutzgottheiten, wobei der Vogelmann-Kult als ein Fruchtbarkeitskult, der am Rande des Vulkankraters Rano Kao angesiedelt war, besondere Bedeutung hatte. Mit dem Eintreffen der Europäer kam es aufgrund von Menschenraub, Mord sowie auch eingeschleppter Krankheiten zu einem starken Bevölkerungsrückgang der Osterinsulaner.
Im Jahre 1862 fand schließlich die Kultur der Osterinsel ein jähes Ende. Damals benötigte die Regierung von Peru für die Ausbeutung der Guano- Vorkommen auf den Inseln vor ihrer Küste billige Arbeitskräfte. Diese wurden in mehreren Kidnapper- Aktionen von der Osterinsel geholt. Etwa ein Viertel der einheimischen Bevölkerung wurde so verschleppt und Dutzende getötet. Die verbliebenen Restgruppen suchten Zuflucht in den Höhlen des Landesinneren und gaben ihre Felder und traditionelle Lebensform auf.
Auf den Guano-Inseln überlebten etwa 100 der Osterinsulaner, die auf Intervention der französischen Regierung repatriiert wurden, von denen aber nur 15 ihre Heimat wieder erreichten. Sie brachten verheerende Zivilisationskrankheiten mit, die die Inselbevölkerung fast völlig ausrottete. Von ursprünglich 4.000 Menschen sank die Bevölkerungszahl auf 110 im Jahre 1876. Doch schon seit 1864 ließen sich zu ihrer Rettung katholische Missionare auf der Insel nieder, und obwohl sie immer wieder beraubt und sogar vertrieben wurden, waren bereits im Jahre 1868 alle Bewohner getauft.
Eine dauerhafte Mission konnte erst im Jahre 1934 errichtet werden. Seit 1888 gehört die Osterinsel zu Chile (Isla de Pascua). Etwa 90% des Landes wurde an private Schafzuchtfirmen verpachtet. Den Ureinwohnern wurde lediglich ein kleines Reservat um Hanga Roa, der heutigen Inselhauptstadt, zugewiesen, in dem sie noch bis gegen Ende der fünfziger Jahre ein kärgliches Dasein fristeten. Das Reservat war eingezäunt, um Schafdiebstählen vorzubeugen, so zumindest lautete die offizielle Begründung. Jahrzehntelang wies die Bevölkerung den höchsten Prozentsatz von Lepra auf der Welt auf. Nur einmal im Jahr wurde die Insel von chilenischen Kriegsschiffen angelaufen.
Als sich dann in den fünfziger Jahren des 20. Jh. die Außenkontakte vermehrten, verbesserte sich auch die Situation der Osterinsulaner. Ein Krankenhaus, eine Schule und Geschäfte wurden errichtet. Heute leben über 2.000 Menschen, darunter aber sehr viele Chilenen und Mischlinge, auf der Insel. Einige von ihnen leben nur zeitweilig dort. Man ist auch bemüht, die Insel, die in historischen Zeiten kahl war, in einem größeren Maße wieder aufzuforsten. Pollenfunde haben enthüllt, dass die Osterinsel einst von Palmen sowie anderen Bäumen bestanden war, ehe der Mensch deren Holz für den alltäglichen Bedarf vollkommen verbrauchte.
Die Lebensgrundlage der Menschen besteht heute weiterhin aus der Viehhaltung, vor allem Schafe, Pferde und Rinder, und seit dem Jahre 1968 in ansteigendem Maße aus dem Tourismus. Die Tourismusbranche wandelte die Osterinsel in eine Art Freilichtmuseum um. Vor den Statuen der Vergangenheit agieren Inselbewohner als Statisten und gegen Geld wird ihr Leben den Fremden nahegebracht, so wie auch ihre Kunst als Souvenir verkauft und ihre althergebrachte Tradition zur Folklore degradiert wird.
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