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Ojibwa
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Auch bekannt unter:
- Anishinabe
- Chippewa
- Chippeway
- Odjibwa
- Ojibway
- in Kanada Odjibwa, Ojibway in den USA
- Sammelbezeichnung für ein in fünf Gruppen unterschiedenes Volk, das der Sprachfamilie der Algonkin angehört und im Gebiet der Großen Seen sowie nördlich davon, in Kanada lebt. Alle Gruppen sprechen unterschiedliche Dialekte des Ojibwa, einer polysynthetischen und fusionierenden Sprache mit einer grammatischen Besonderheit, der inversen Flexion. Sie besitzt eine Art Genus, wobei aber nicht zwischen dem allgemeinen Maskulinum, Femininum und Neutrum, sondern zwischen „belebt“ und „unbelebt“ unterschieden wird.
Die Ojibwa bilden heute eines der größten nordamerikanischen Indianervölker, da die Weißen ihr für den Ackerbau wenig geeignetes Land weitgehend verschmähten. Ihnen am nächsten verwandt, nur dialektal unterschieden, sind die Ottawa, Maskegon, Potawatomi und Missingsig. Traditionell lebten die Chippewa, oder Ojibwa, vor 500 Jahren in der Gegend östlich des Lake Superior und nördlich des Lake Huron in der Region des heutigen US- Bundesstaates Michigan. Der Fischreichtum der Großen Seen und das Wild in den Wäldern ermöglichte es diesem Stamm sich weiter auszudehnen und zu vermehren.
Es gibt heute etwa 200.000 Mitglieder, die in mehr als 100 Reservaten und Siedlungen in Michigan, Wisconsin, Minnesota, North Dakota und Montana leben. Ebenso leben in den kanadischen Provinzen Ontario, Manitoba und Saskatchewan zahlreiche Ojibwa. In den USA leben heute über 103.800 (1990) ethnische Chippewa (Südost- Ojibwa) auf verschiedenen Reservationen in den US- Bundesstaaten Michigan, North Dakota und Wisconsin sowie auch in unbestätigten Gruppen in Montana. Dazu kommen noch viele Mischlinge.
Die in Kanada lebenden Ojibwa machen etwa das Dreifache aus und sind verstreut auf die Provinzen Ontario, Manitoba und Saskatchewan. Die Gesamtzahl der Ojibwa betrug schon im Jahre 1980 fast 200.000 Angehörige, also mehr als die Cree, obwohl deren Sprache wesentlich weiter verbreitet ist.
Heute sind es wesentlich mehr, die sich unterteilen in:
- Zentral-Ojibwa - im zentralen Ontario, vom Nipigon- See im Westen zum Nipissing-See im Osten;
- Ost-Ojibwa - mit etwa 25.885 Angehörigen (1998) in Süd-Ontario, nördlich des Ontario-Sees und östlich der Georgian Bay, im Osten einer Nord-Süd-Linie bis zur Bruce-Halbinsel;
- Nordwest-Ojibwa - mit etwa 20.000 Angehörigen (2000) im südlichen NW-Ontario und in Manitoba. Hierzu gehören die Dialekte: Saulteaux (Berens River Ojibwa), Lac Seul Ojibwa, Albany River Ojibwa, Lake of the Woods Ojibwa, Rainy River Ojibwa;
- Severn Ojibwa (Ojicree, Oji-Cree) - mit etwa 8.000 oder etwas weniger Angehörigen (1999), wahrscheinlich innerhalb einiger Nordwest-Ojibwa mit den Dialekten: Winisk River Ojibwa, Severn River Ojibwa;
- West-Ojibwa (Saulteaux, Plains Ojibway) - mit etwa 10.000 Sprechern (2002) einer ethnischen Gruppe von ungefähr 60.000 Angehörigen (1997) westwärts des Winnipegsees in Saskatchewan mit außerhalb lebenden Gruppen im Westen British Colombias.
Die Eigenbezeichnung der Ojibwa ist „Ishinabe = die ersten Menschen“ oder „Anishinabe = menschliche Wesen“. Der Name stammt ab von den Wörtern „ojib = runzeln“ und „ubway = rosten“, was sich auf die gefurchte Naht ihrer Mokassins bezieht. Sehr unterschiedliche Lebensweisen charakterisieren die verschiedenen Gruppen der Ojibwa. Die nördlichen Ojibwa im Südwesten der Hudson Bay gehören zu den subarktischen Indianern des Waldlandes und waren Fischer sowie Elch- und Karibujäger. Sie sind stark von den Cree beeinflusst und unterscheiden sich in wesentlichen Merkmalen von ihren südlichen Verwandten.
Die südöstlichen Ojibwa, östlich von Sault Sainte Marie im südlichen Ontario (Kanada) sowie im angrenzenden Michigan (USA) waren von den Bodenbauern des Präriegebietes stark beeinflusst worden und sind teilweise mit den Ottawa vermischt. Auch bei ihnen spielte besonders im 19. Jh. der Bodenbau eine bedeutende Rolle. Für sie, sowie für die südwestlichen Ojibwa vom Oberen See bis zum oberen Mississippi in Wisconsin und Minnesota ebenso auch für die Salteaux im Südwesten Ontarios und Südosten Manitobas, hatte neben Fischfang und Jagd das Sammeln von Wildreis (Zizania aquatica) in den flachen Seen und den seichten Ufergewässern der Großen Seen sowie das Sammeln von Ahornsaft eine große Bedeutung.
Am weitesten nach Westen drangen die Plains-Ojibwa oder Bungi, die in den südlichen kanadischen Provinzen Saskatchewan und Manitoba als Bisonjäger lebten, aber mit der Ausrottung des Bisons, Ende des 19. Jh., ihre Existenzbasis verloren. Die Ojibwa fertigten aus Birkenrinde ihre Boote und auch zahlreiche Haushaltsgeräte. Mit Birkenrinde wurden auch die kuppelförmigen Wigwams abgedeckt, und auf Birkenrinde ritzte man piktographische Zeichen, die im Midewiwan-Ritual, einem geheimen Medizinbund, als mnemotechnische Hilfen bei dem Erzählen von Mythen verwendet wurden.
Die Zeichnungen wurden für das Aufzeichnen von Informationen verwendet und damit gehören die Ojibwa zu den wenigen indianischen Völkern, die eine Form des Schreibens benutzten. Es gab bei ihnen keine zentrale Stammesautorität, sondern nur Lokalgruppen, die aus Mitgliedern exogamer Klane bestanden. Erst durch den Pelzhandel erhielten die Sprecher dieser Lokalgruppen im Laufe der Zeit eine gewisse Autorität und Häuptlingsqualität, die darauf dann immer in der männlichen Linie weitervererbt wurde. Die Glaubensvorstellungen der Ojibwa waren von der Kraft übernatürlicher Mächte durchdrungen, die man sich im „Midewiwin-Bund“ beispielsweise durch die sogenannten Kraftübertragungsriten in der Gestalt einer Muschel zu verschaffen vermochte.
Die Geschichte der Ojibwa seit der Kolonialzeit weist keine besonderen Höhepunkte auf. Sie entstanden im frühen 17. Jh. aus der Verschmelzung mehrerer Gruppen der Algonkinvölker im Umkreis von Sault Sainte Marie, zwischen dem Oberen und dem Huronsee und verbreiteten sich darauf unter dem Einfluss des Pelzhandels nach fast allen Richtungen. Im 18. Jh. waren sie selber stark am Pelzhandel beteiligt, der sie mit europäischen Waren und Feuerwaffen vertraut machte und ihre Westexpansion bis auf die Plains weiter vorantrieb.
Heiraten von Ojibwa-Frauen mit französischen Händlern führte sie auf die Seite der Franzosen im Kampf gegen die Engländer. Mit der allmählichen Entstehung von Reservationen (ab 1854) in ihren alten Wohngebieten vollzog sich die teilweise Eingliederung in die euro- amerikanische Kultur und die Abwendung von ihrer traditionellen Ökonomie und materiellen Kultur. Wirtschaftlich geht es heute den meisten Ojibwa überdurchschnittlich schlecht. Es gibt unter ihnen große Arbeitslosigkeit. Viele von ihnen sind in die großen Städte abgewandert, aber es bleiben die Verbindungen zu den Verwandten in den Reservationen bestehen. Ihr Kunsthandwerk ist nicht so sehr entwickelt, von einzelnen Quillwork-Arbeiten abgesehen, die gute Preise erzielen.
In einzelnen Dörfern hat sich seit einigen Jahren die „Waldland-Schule“, eine originelle Malerei mit traditionellen Motiven entwickelt, die von Weißen sehr hoch geschätzt wird und somit einen guten Absatzmarkt gefunden hat. Die Chippewa-Stämme von Wisconsin sehen sich heutzutage immer öfter mit Weißen konfrontiert, die ihre vertraglich zugesicherten Rechte auf den Fischfang in Frage stellen wollen. Traditionell fischten die Chippewa nachts mit Booten und Fackeln. Heute tun sie es mit modernen Lampen, und die Anwohner der Seen werfen den Indianern vor, dadurch die Fischbestände zu dezimieren.
Obwohl der oberste Gerichtshof der USA dieses Recht 1983 bestätigte, versammeln sich immer wieder Gruppen von Nicht-Indianern um lautstark und handgreiflich gegen das Fischen zu protestieren. Etwa 1.000 Mitglieder der Chippewa leben heute auf über 2.000 Acres Land in Bay Mills im Norden des US- Bundesstaates Michigan. Das Land wurde ursprünglich von den Methodisten gekauft und 1860 in ein Reservat umgewandelt. Erst 1984 wurde das Reservat Grand Traverse, ebenfalls in Michigan gelegen, per Erlass durch den Innenminister geschaffen. Ca. 1.500 Chippewa und Ottawa leben hier auf 374 Acres. Bingo und ein Kasino bilden die heutigen Einnahmequellen des Reservates an der Küste des Michigan-Sees.
Der kleine Stamm der „Huron-Potawatomi“ ist eng verwandt mit den Chippewa und Ottawa. 50 Mitglieder des nur vom US-Bundesstaat Michigan anerkannten Stammes der Huron-Potawatomi leben in einem kleinen Reservat. Sie sind die Nachkommen der Gruppe des einstigen Potawatomi Häuptlings M O - GA - JO , der sich im 19. Jh. weigerte nach Kansas umzuziehen. 40 Acres Land wurden vom Gouverneur zur Verfügung gestellt und weitere 80 Acres wurden von Privat dazugefügt. Das Reservat Isabella in Michigan wurde bereits im Jahre 1864 gegründet und für die „Saginaw Chippewa Indianer“ geschaffen.
Es gibt hier etwa 1.700 Mitglieder. 170 Mitglieder der „Lake Superior Chippewa“ bekamen 1988 das Reservat Lac Vieux Desert im Ottawa National Forest. Wie viele der anderen Stämme auch, betreiben sie hier Kasinos und Bingohallen. 1854 wurde das Reservat L’Anse für die Keweenaw, Ontonagon und „Lac Vieuw Desert Stämme“ gegründet. Heute leben fast 1.000 Mitglieder der zu den Chippewa gehörenden Gruppen der L’Anse und Ontonagon hier. Die Einkommen des Stammes kommen aus einer Baufirma und Kasinos. Das über 15.000 Acres große Reservat liegt im Nordwesten, nahe der Grenze zu Wisconsin. Wiederum durch den Innenminister von Michigan wurde das Reservat der „Sault Ste. Marie Chippewa“ 1974 ins Leben gerufen.
Etwa 9.000 der über 16.000 Stammesmitglieder leben hier im äußersten Osten der Michigan-Halbinsel, nahe der kanadischen Grenze. Der Stamm verfügt ebenfalls über ein Kasino. Das Bois Forte Reservat am Nett Lake in Minnesota wurde durch einen Vertrag im Jahre 1866 geschaffen. Es ist Heimat für die „Lake Superior Chippewa Indianer“. 110.000 Acres Land gehören zum Reservat, von dem fast die Hälfte von Nicht-Indianern gekauft wurde. Der östliche Teil des Reservats liegt auf dem Vermillion-See. Zu den Einkommensquellen des Stammes gehören vor allem die Ernten des Wilden Reis, den man auch bei uns in Deutschland zu kaufen bekommt.
Wie auch die meisten anderen Stämme in Minnesota führen diese Chippewa etliche Pow Wows während des ganzen Jahres durch. Die „Anishinaabe Milana“ sind eine Gruppe aus Reservatsbewohnern, die sich um die Bewahrung von Kultur, Kunst und Sprache des Chippewa-Stammes bemüht. Dieses Reservat liegt im Norden des US- Bundesstaates Minnesota und etwa 2.000 Indianer sind hier eingeschriebene Mitglieder. Rund 22.000 Acres Reservatsfläche umfasst das 1854 geschaffene Gebiet der „Fond du Lac Lake Superior Band of Chippewa Indians“. Etwa 1.500 der fast 3.000 Indianer leben im Reservat im östlichen Minnesota.
Die „Grand Portage Lake Superior Band of Chippewa Indians“ leben in Grand Portage auf 47.000 Acres Fläche. Es liegt im äußersten Nordosten des Bundesstaates Minnesota, begrenzt durch Kanada im Norden und den Lake Superior im Süden sowie auch im Osten. Der Stamm lebt von der Forstwirtschaft und Fischerei und betreibt ein Kasino. An jedem zweiten Wochenende im August findet hier seit Jahren ein „Rendezvous“ statt, eines der traditionellen Treffen zwischen Indianern und Trappern. Ein 260 Jahre altes Fort steht heute noch im nahen „Grand Portage National Monument“. Das Leech Lake Reservat umfasst außerdem das Deer Creek Reservat und das Sandy Lake Reservat.
Es wurde für die Chippewa-Stämme im Jahre 1855 in Minnesota geschaffen. Viele der über 6.600 Stammesmitglieder leben im Reservat durch Einkommen von verschiedenen Firmen und dem Fischfang. Hier befindet sich auch das Stammeszentrum der Chippewa-Stämme von Minnesota. Bekannt ist das Gebiet vor allem für seine guten Fisch- und Jagdgründe. 1855 wurde das Reservat Mille Lacs geschaffen, aber ein Großteil der Fläche ging seitdem verloren. Heute umfasst es nur noch über 4.000 Acres. Der Stamm gehört zu den Chippewa und hat etwa 2.500 eingeschriebene Mitglieder. Mille Lacs liegt im Zentrum von Minnesota und in Onamia unterhält der Stamm ein Museum, welches Gegenstände der Ojibwa und auch der Dakota ausstellt.
Jagd, Fischerei und die Ernte von wildem Reis gehören neben einem Kasino zu den Einnahmequellen des Stammes. Red Lake ist eines der größten Reservate von Minnesota mit einer Fläche von 805.000 Acres. Es wurde für die „Red Lake Band of the Chippewa“ geschaffen. Teile des Reservats liegen in Manitoba, Kanada. Viele der etwa 8.000 Stammesmitglieder leben im Reservat im äußersten Norden des Bundesstaates Minnesota durch die Einkommen aus der Forstwirtschaft, ebenso wie der aus den Kasinos. Red Lake führt auch jeden Sommer eine Reihe von Pow Wows durch. Ein anderes großes Reservat der Chippewa mit einer Mitgliederzahl von über 20.000 Angehörigen ist White Earth.
Fast 60.000 Acres Reservatsfläche sorgen für Einnahmen aus der Fischerei und Forstindustrie. Wie fast ganz Minnesota ist auch dieses Land im Nordwesten eine ewig weite Fläche aus Seen und Wäldern. Zum Gedenken des Vertrages von White Earth im Jahre 1867 führt man am Wochenende, welches am nächsten zum 14. Juni liegt, alljährlich ein großes Pow Wow durch. Das Reservat Red Cliff in Wisconsin ist die Heimat für die „Red Cliff Band of Lake Superior Chippewa Indians“. Rund 1.500 der 3.000 Mitglieder leben im 8.000 Acres umfassenden Reservat. Die „St. Croix Chippewa“ leben seit der Gründung im Jahre 1938 in diesem fast 2.000 Acres umfassenden Reservat St. Croix.
Etwa die Hälfte der fast 1.300 Indianer leben im Reservat selbst, welches aber keine einheitliche Fläche bildet, sondern aus mehreren kleineren, einzeln zusammengelegten Grundstücken im Westen des US-Bundesstaates Wisconsin besteht. Das 2.000 Acres umfassende Reservat Sokaogon Chippewa Community am Mole Lake liegt im Nordosten des US-Bundesstaates Wisconsin und ist das Herz des „Wilden Reis Landes“. Etwa 400 Mitglieder der „Mole Lake Band of Sokaogon Chippewa“ leben hier und betreiben mehrere Kasinos. Das Reservat Lac Courte Oreilles – kurz LCO genannt – ist die Heimat für etwa 3.000 der 5.800 „Lac Courte Oreilles Band of Lake Superior Chippewa Indians of Wisconsin“.
Das Reservat wurde mit dem Vertrag von La Pointe im Jahre 1854 geschaffen und umfasst besondere Rechte für die LCO Indianer. Heute hat der Stamm seine wirtschaftliche Situation wesentlich verbessern können und betreibt ein Forstunternehmen und verschiedene Firmen. Während des gesamten Jahres gibt es Pow Wows und andere Veranstaltungen im Reservat. Lac du Flambeau ist die Urlaubs- und Ausflugsgegend im nördlichen US-Bundesstaat Wisconsin. Es leben hier zwar nur 2.400 Personen, aber im Sommer wird diese Zahl durch die Touristen meist verdreifacht.
Das Reservat umfasst 98.000 Acres und beinhaltet zahlreiche Seen und Wälder. In Lac du Flambeau unterhält der Stamm ein Museum und ein rekonstruiertes Dorf der Indianer. Bingo, Kasinos und natürlich der Tourismus bringen ihnen die notwendigen Einnahmen. 1.700 der 5.000 Stammesmitglieder „Bad River Band of Lake Superior Chippewa Indians“ leben im äußersten Norden des US-Bundesstaates Wiscon, im Bad River Reservat am Lake Superior. Das Reservat ist 55.000 Acres groß und ist bedeckt mit Wald und zahlreichen Feuchtgebieten. In Odana verfügt der Stamm über ein Museum und einen Komplex, der sich mit der Kultur der Chippewa befasst.
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