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Nahuatl
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Eine der heute bedeutendsten Indianersprachen Mittelamerikas, die in Mexiko von mehr als 3 Mio. Menschen gesprochen wird. Genauer gesagt ist die aztekische Sprache der Nahuatl-Dialekt der Nahuasprache der uto-aztekischen Sprachfamilie und aufgrund dieser Zugehörigkeit nimmt man ihre Herkunft aus dem Nordwesten Mexikos an.
Das klassische Nahuatl (Mexicatlatolli, Mexikanisch) ist eine polysynthetische und leicht fusionierende Sprache. Es war die literarische Sprache der Azteken zur Zeit der Conquista und ist durch zahlreiche Schriften aus der früheren Kolonialzeit überliefert. Heute ist es die Sprache ihrer Nachkommen, der Nahua (= „Sprecher einer klaren Sprache“ bzw. des „Nahuatl = des Wohlklingenden“), auch „los mexicanos“ genannt, die die zentralmexikanischen Bundesstaaten México, Puebla, Tlaxcala, Morelos, Guerrero und den Westen Oaxacas bewohnen und damit die größte eingeborene Sprachgruppe in Mexiko bilden.
Kleinere Enklaven gibt es auch in Hidalgo, Michoacán, Veracruz, Jalisco, San Luis Potosí und Durango. Das Nahuatl wird an der gesamten pazifischen Küste Mexikos von ungefähr 1.376.900 Menschen gesprochen und die Nahua-Bevölkerung stellt in Zentralmexiko die größte Gruppe der nahuatlsprechenden Indianer dar. Das Nahuatl teilt sich in folgende Untergruppen:
- Coatepec-Nahuatl (Coatepec-Aztekisch, Náhuatl de Coatepec) - mit etwa 1.400 Angehörigen (1990) in Coatepec Costales, Tlacultlapa, Texcalco, Tonalapa, Miacacsingo, Maxela, Chilacachapa, Acapetlahuaya, Los Sabinos und Machito de las Flores, jeweils westlich von Iguala, im Bundesstaat Guerrero. Die Sprache wird dauerhaft in Coatepec Costales und Chilacachapa verwendet. Es bestehen 54% Verständlichkeit mit den Sprachen von Santa Catarina (Morelos), 48% von Atliaca (Guerrero), 35% von Copalillo Guerrero sowie 28% von Zongolica (Orizaba).
- Durango-Nahuatl (Mexicanero, Náhuatl de Durango, Durango-Aztekisch) - mit ungefähr 1.000 Angehörigen (1990) in Mezquital Municipio, San Pedro de la Jicoras und San Juan de Buenaventura im südlichen Durango. San Pedro liegt ca. 30 Minuten zu Fuß vom nächsten Fluglandeplatz und etwa eine Tagesreise von der nächsten Bundesstraße entfernt. Es existieren in den Sprachen zwischen San Pedro Jicoras und San Agustín Buenaventura vokabularische und phonologische Unterschiede. Die Verständlichkeit mit dem Michoacán Nahuatl beträgt 76%.
- Guerrero-Nahuatl (Guerrero Aztekisch, Náhuatl de Guerrero) - mit etwa 150.000 Angehörigen (1998) am Rio Balsas in Guerrero.
- Hochland-Puebla-Nahuatl (Náhuat de la Sierra de Puebla, Sierra Puebla Náhuatl, Sierra Aztekisch, Zacapoaxtla Náhuat, Mejicano de Zacapoaxtla) - mit etwa 125.000 Angehörigen (1983) im nordöstlichen Puebla.
- Huaxcaleca-Nahuatl (Huaxcaleca Aztekisch, Náhuatl de Chichiquila) - mit etwa 7.000 Angehörigen (1990) in den Orten Chichiquila und Chilchotla in Puebla. Es bestehen 87% Verständlichkeit mit dem Hochland- Puebla-Nahuatl und 85% mit dem Orizaba-Nahuatl.
- Isthmus-Cosoleacaque-Nahuatl (Náhuatl del Istmo- Cosoleacaque, Cosoleacaque Aztekisch) - mit ungefähr 5.145 Angehörigen (1990) in Cosoleacaque, Oteapan, Soconusco, Hidalgotitlán und Jáltipan de Morelos in Veracruz. Es bestehen 84% Verständlichkeit mit Pajapan, 83% mit Mecayapan und 46% mit Xoteapan. Die Sprache ist nicht mit dem Pipil in El Salvador verständlich.
- Isthmus-Mecayapan-Nahuatl (Náhuat de Mecayapan, Isthmus-Mecayapan-Aztekisch) - mit ca. 20.000 Angehörigen (1994) in den Orten Mecayapan und Tatahuicapan im Kreis Mecayapan im südlichen Veracruz. Die Sprache ist nicht verständlich mit dem Pipil von El Salvador.
- Isthmus-Pajapan-Nahuatl (Náhuat de Pajapan) - mit etwa 7.000 Angehörigen (1990), von denen etwa 500 monolingual sind, in den Orten Pajapan, San Juan Volador, Santanón, Sayultepec und Jicacal in Veracruz. Es bestehen 83% Verständlichkeit mit dem Mecayapan (Isthmus Nahuatl) und 94% mit Oteapan (Cosoleacaque).
- Klassisches Nahuatl (Klassisches Aztekisch) - Eine bereits seit langem ausgestorbene Sprache des aztekischen Reiches in Tenochtitlán in Zentral-Mexico.
- Michoacán-Nahuatl (Michoacan Aztekisch, Nahuatl de Michoacán) - mit etwa 3.000 Angehörigen (1990) in Michoacán, nahe der Küste rund um Pómaro.
- Morelos-Nahuatl (Náhuatl de Cuentepec) - mit etwa 15.000 Angehörigen (1990), von denen rund 300 monolingual sind, in den Orten Santa Catarina Tepoztlán, Cuentepec, Tetela del Volcán, Hueyapan, Xocotitlán, Temixco, Tepetlapa und Puente de Ixtla in Morelos. Es bestehen 72% Verständlichkeit mit der Sprache von Cuaohueyalta (Nord-Puebla), 69% mit der von Atliaca (Guerrero), 54% mit der von Macuilocatl (West- Huasteca), 40% mit der von Yahualica (Ost-Huasteca), 36% mit der von Pómaro (Michoacán), 34% mit der von Tetelcingo, 27% mit der von Chilac (Südost-Puebla), 19% mit der von Tatóscac (Hochland-Puebla) und keine Verständlichkeit mit dem Mecayapan (Isthmus).
- Nord-Oaxaca-Nahuatl (Náhuatl del Norte de Oaxaca) - mit etwa 9.000 Angehörigen (1990), von denen etwa 1.400 monolingual sind, im Nordwesten Oaxacas, nahe dem Südost-Puebla-Náhuatl, in den Orten Santa María Teopoxco, San Antonio Nanahuatipan, San Gabriel Casa Blanca, Teotitlán del Camino, San Martín Toxpalan, Ignacio Zaragosa, Apixtepec, El Manzano de Mazatlán, Cosolapa und Tesonapa (einer der letzgenannten Orte liegt in Veracruz) sowie in Coxcatlán in Puebla. Es bestehen 80% Verständlichkeit mit Orizaba-Nahuatl, 76% mit Südost-Puebla und dem Dialekt vonCanoa, 75% mit Nord-Puebla und 48% mit Tatóscac.
- Nord-Puebla-Nahuatl (Nord-Puebla-Aztekisch, Náhuatl del Norte de Puebla) - mit ungefähr 60.000 Angehörigen (1990) in Naupan, im nördlichen Puebla.
- Ometepec-Nahuatl (Ometepec-Aztekisch) - mit etwa 430 Angehörigen (1990) in den Orten Acatepec, Quetzalapa de Azoyú, Rancho de Cuananchinicha, Arcelia und El Carmen im südlichen Guerrero, in den Orten Cruz Alta und San Vicente Piñas im Juxtlahuaca-Distrikt in Oaxaca sowie im Putla-Distrikt in dem Ort Concepción Guerrero.
- Orizaba-Nahuatl (Orizaba Aztekisch, Náhuatl de la Sierra de Zongolica) - mit etwa 120.000 Angehörigen (1991) in der Region Orizaba in Veracruz. Hierher gehört der Dialekt Ixhuatlancillo Nahuatl. Die Sprache besitzt 79% Verständlichkeit mit dem Morelos-Nahuatl.
- Ost-Huasteca-Nahuatl (Ost-Huasteca-Aztekisch, Náhuatl de Hidalgo, Náhuatl de la Huasteca Oriental) - mit etwa 410.000 Angehörigen (1991) in Huautla, mit dem Zentrum in Hidalgo sowie in Puebla und Veracruz. Es besteht 85%Verständlichkeit zwischen Ost- und West- Huasteca-Nahuatl.
- Santa María la Alta Nahuatl (Náhuatl de Santa María la Alta) - mit etwa 2.470 Angehörigen (2000) in den Orten Santa María la Alta und Atenayuca in Puebla sowie ein Teil nordwestlich von Tehuacán außerhalb des Puebla- Tehuacán-Highway. Mit dem Dialekt von Pómaro (Michoacán) bestehen 60% Verständlichkeit, 53% mit dem vonHuatlatlauca in Puebla, 50% mit dem von Zautla (Hochland-Puebla), Chilac (Südost-Puebla), 40% mit dem von Zongolica (Orizaba), 33% mit dem Mecayapan in Veracruz (Isthmus) und 30% mit dem von Canoa in Puebla.
- Südost-Puebla-Nahuatl (Náhuatl del Sureste de Puebla, Tehuacán Náhuatl) - mit ca. 130.000 Angehörigen (1991) in den Orten Chilac und San Sebastián in der Tehuacán- Region des Zinacatepec-Areals im Südosten Pueblas. Es besteht annähernd 60% Verständlichkeit mit dem Morelos-Nahuatl. - Tabasco-Nahuatl (Tabasco-Aztekisch) - bereits ausgestorbene Varietät des Nahuatl, die in den Orten Cupilco und Tecominoacan in Tabasco verbreitet war.
- Temascaltepec-Nahuatl (Almomoloya Náhuatl, Temascaltepec Aztekisch) - mit etwa 310 Angehörigen (1990) in den Orten San Mateo Almomoloa, Santa Ana, La Comunidad und Potrero de San José, südwestlich von Toluca im Bundesdistrkt Mexico. Es bestehen 53% Verständlichkeit mit dem Dialekt von Coatepec in Guerrero, 45% mit dem von Pómaro, Michoacán. 40% mit dem von Santa Catarina, Morelos und 10% mit dem von Tlaxpanaloya und Puebla.
- Tenango-Nahuatl (San Miguel Tenango Náhuatl, Tenango Aztekisch) - mit etwa 1.980 Angehörigen (2000) im Norden von Puebla City, südlich von Zacatlán, in Puebla, in sechs Orten: San Miguel Tenango, Yehuala, Cuacuila, Tetelatzingo, Zonotla und Zoquitla. Etwa 50% bis 60% Verständlichkeit bestehen zum Sierra Nahuatl und Nord-Puebla-Nahuatl und etwa 80% bis 90% zum Südost-Puebla-Nahuatl.
- Tetelcingo-Nahuatl (Tetelcingo Aztekisch) - mit etwa 3.500 Angehörigen (1990) in dem Ort Tetelcingo in Morelos. Die Sprache ist unterschiedlich zum Morelos- Nahuatl.
- Tlalitzlipa-Nahuatl - mit ca. 110 Angehörigen (1990) in einem Dorf nahe Zacatlán in Puebla. Es bestehen 77% Verständlichkeit mit Tlaxpanaloya (Nord-Puebla), 58% mit Macuilocatl (West-Huasteca-Nahuatl) und 41% mit Tatóscac (Hochland-Puebla).
- Tlamacazapa-Nahuatl - mit ca. 1.550 Angehörigen (1990) in Tlamacazapa, etwa eine Stunde entfernt von Taxco. Die Sprache ist unterschiedlich zum Morelos- Nahuatl und Guerrero-Nahuatl.
- West-Huasteca-Nahuatl (Náhuatl de la Huasteca Occidental, West-Huasteca-Aztekisch, Náhuatl de Tamazunchale) - mit etwa 400.000 Angehörigen (1991) in Tamazunchale mit dem Zentrum in San Luis Potosí sowie auch in Hidalgo. Es bestehen 85% Verständlichkeit zwischen Ost- und West-Huasteca-Nahuatl.
- Zentral-Nahuatl (Náhuatl del Centro, Zentral-Aztekisch, Tlaxcala-Puebla Nahuatl) - mit etwa 40.000 Sprechern (1980), von denen ca. 1.000 monolingual sind (1990) und einer ethnischen Population von ca. 63.000 Angehörigen (1986) in Tlaxcala und Puebla.
- Zentral-Huasteca-Nahuatl - mit etwa 200.000 Angehörigen (2000) in den Bundesstaaten Hidalgo, Veracruz und San Louis Potosi. - Zentral-Puebla-Nahuatl (Náhuatl del Suroeste de Puebla, Zentral-Puebla-Aztekisch, Südwest-Puebla-Nahuatl) - mit etwa 16.000 Angehörigen (1998), von denen ungefähr 1.430 monolingual sind, in Huatlatlauca und Teopantlán im Süden von Puebla City, in Teopantlán, Tepatlaxco de Hidalgo, Tochimilco, Atoyatempan, Huatlathauca und Huehuetlán (nahe Molcaxac). In vorspanischer Zeit erfolgten aus Norden mehrere Einwanderungswellen nach Zentralmexiko mit südlichen Ausläufern bis nach Nikaragua.
Nahuatl bekam als Sprache des Aztekischen Reiches und als zweite Verwaltungssprache in der Kolonialzeit weite Verbreitung auch als Zweitsprache. Nach der spanischen Eroberung entstand unter Verwendung des lateinischen Alphabets eine umfangreiche, vor allem historisch-administrative Literatur in Nahuatl; neuere Alphabetisierungsversuche haben dagegen nur geringen Erfolg. Im mexikanischen Spanischen finden sich zahlreiche Lehnwörter, vor allem Toponyme wie z.B. Mexiko, Guatemala, Popocatepetl und Acapulco. Einige Wörter haben über das Spanische den Weg ins Deutsche gefunden, z.B. Schokolade, Tomate, Kakao oder Chili. Nahuatl ist typologisch eine mesoamerikanisierte uto-aztekische Sprachen mit Übernahme der Konstruktion Possessivmorphem- Possessum und Possessor als Ersatz für den Genitiv und mit Tendenz des Verbs in Erstposition zu stehen.
Der Name „Azteken“ bedeutet – „Leute von Aztlan, = des Landes des weißen Reihers“. Durch die Zerstörung der einstigen staatstragenden Oberschicht verschwand die aztekische Hochkultur, und zurück blieb nur noch eine bäuerliche Bevölkerung, die kaum noch spezifisch aztekische Kulturzüge besitzt, sondern eine überwiegend allgemeinmexikanische Mischkultur darstellt. Die meisten Nahua sind heute bilingual und sprechen neben ihrer indianischen Sprache auch Spanisch. Die erste wichtige Veränderung in der Kolonialzeit war die Einführung des Christentums und die Bildung eines indianischen Katholizismus, der symbolisiert wird durch die wunderbare Erscheinung der dunkelhäutigen Jungfrau von Guadalupe, die Nahuatl sprach und nach der aztekischen Erdgöttin auch „Tomantzin“ genannt wurde.
Weitere wichtige Veränderungen fanden auf dem Gebiet der Wirtschaft statt. So wurde die Haltung von Haustieren eingeführt, wie Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde und neue Kulturpflanzen angebaut, wie Weizen, Gerste und Obst, die nun auch mit neu eingeführten Ackergeräten, wie dem Pflug und verschiedenen anderen Werkzeugen aus Metall bearbeitet wurden, während das höfische Kunsthandwerk unterging. Der alte Grabstock (coa) ist nur noch dort im Gebrauch, wo der Pflug nicht eingesetzt werden kann. Die Felder in den Berggebieten (milpas) werden noch in der althergebrachten Weise, durch Brandrodung, gewonnen. Die Hauptanbauprodukte sind Mais, Chilipfeffer, Bohnen, Tomaten, Kürbisse, Agaven (zur Erzeugung von Pulque, das im gebrannten Zustand Tequila genannt wird), Zuckerrohr, Reis und Kaffee.
Die neueren Kulturpflanzen werden meistens vermarktet. Als Grundnahrungsmittel dient allen Indianern Mexikos gleichermaßen der Mais. Er wird mit Handreibsteinen (manos) auf steinernen Mahlplatten (metates) zusammen mit Staub aus gebranntem Kalk zu Mehl zerrieben, das dann auf erhitzten Steinen oder Tonplatten (comales) in dünnen Fladen (tortillas) gebacken wird. Als Beikost dienen ihnen verschiedene Gemüse- oder Fleischarten, früher meist Truthahn, heute ist es in erster Linie das Hühnerfleisch. Für die Hochebenen und höheren Lagen im Gebirge ist das Rechteckhaus aus Trockenlehmziegeln (adobes) mit einem Giebeldach aus Palm- oder Agaveblättern, Gras oder Holzschindeln charakteristisch. Daneben gibt es in den tieferen Lagen eine flüchtig erbaute Hütte (jacal) aus mexikanischem Bambus mit Strohdach. Neben den Wohnhäusern sind Vorratsspeicher und Schwitzhütten (temascales) zu finden.
Die Dörfer der Nahua sind um ein Zentrum mit Kirche und Marktplatz angelegt (cabecera), in den kleinen Städten haben die Stadtviertel (barrios) ihre eigenen Kirchen mit eigenen Schutzheiligen. Die Märkte sind ein Treffpunkt der Frauen aus den entlegenen Weilern. Jedes Dorf hat seinen festen Standplatz auf dem Markt des Hauptdorfes. Die politische Struktur der Gemeinde wird heute im wesentlichen von den allgemein geltenden Gesetzen des Staates bestimmt, welche die Zahl der Amtsträger, ihre Amtsbezeichnungen und auch ihre Funktionen genau festlegen. Neben den offiziellen Amtspersonen gibt es die von den Nahua nach eigener Tradition eingesetzten religiösen Würdenträger, deren Ämter auf ein altes System einer strengen sozialen und religiösen Rangstufenleiter zurückgehen und meist einjährig besetzt sind.
Alle Männer einer Gemeinde ordnen sich diesem System unter. Je nach ihren Erfolgen und Interessen können sie sich für eine politische (früher militärische) oder zeremonielle Laufbahn entscheiden. Sie durchlaufen eine Anzahl von Ämtern (cargos) und haben die Möglichkeit, im Laufe ihres Lebens bis zur höchsten Stufe eines „Ältesten“ (principal) zu gelangen, aus denen die Mitglieder der Ratsversammlungen gewählt werden. In diesen Gremien verzahnt sich schließlich das indianische mit dem spanischen Verwaltungssystem. In der Sozialstruktur bildet die Familie in der Form der Gemeinschaft des Haushaltes auch heute noch den Kern der intakten sozialen Umwelt. Gleichzeitig stellt der Haushalt auch die ökonomische Grundeinheit dar, die die Produktion, die Konsumtion und die Rekrutierung der Arbeitskräfte kontrolliert, d.h. die Mitglieder eines patrilokalen Haushaltes bestellen gemeinsam ein Stück Land oder üben gemeinsam ein Handwerk aus, dessen Produkte dann auf den Märkten feilgeboten werden.
Neben der Familie als Blutsverwandtschaft steht das Compadrazgo-System, die zeremonielle Patenschaft, die vor allem die Gevatter (compadre) verbindet und zu gegenseitiger Hilfe verpflichtet. Es wurde von den Spaniern eingeführt und ist hauptsächlich von den Priestern verbreitet worden, um die Christianisierung voranzutreiben. Die Nahua sind fromme Katholiken. Der Dorfheilige als Schutzpatron steht heute anstelle des früher verehrten Schutzgeistes. Ihm zu Ehren werden die Fiestas abgehalten, die von den Mayordomos, einem Ehrenamt innerhalb einer Hierarchie von in jedem Jahr neu gewählten religiösen Würdenträgern, organisiert und finanziert werden. Der Glaube an vorchristliche Götter und Geister ist bei den Nahua heute kaum noch verbreitet.
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