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Melanesische Sprachen
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Darunter versteht man die auf den Inseln des westlichen Pazifik, von den Inseln Neukaledoniens bis zum Bismarck-Archipel und den Admiralitätsinseln sowie an der Nord- und Südküste des östlichen und des mittleren Neuguinea gesprochenen Sprachen. Die melanesischen Sprachen bilden zusammen mit den indonesischen und den polynesischen Sprachen die malaio-polynesische oder aber die austronesische Sprachfamilie. Sie besitzen einen unterschiedlichen Anteil von Elementen aus den Papuasprachen.
Während die Zusammengehörigkeit der beiden anderen Untergruppen in den ersten Jahrzehnten des 19. Jh. zur Anerkennung gelangte, war es der deutsche Sprachwissenschaftler G. C. V. D. GABELENTZ, der als erster 1861 und 1879 in einer grundlegenden Arbeit die Zusammengehörigkeit der ihm damals bekannten melanesischen Sprachen zueinander darlegte, ohne dass er über ihre Verwandtschaft mit den polynesischen Sprachen mehr zu sagen gewagt hätte, als dass sie „mehr miteinander gemein haben, als aus einer bloßen Entlehnung der einen von den anderen hervorgehen kann“.
Mit einer Fülle von neuem, in langjähriger Missionstätigkeit selbst gesammeltem und in gründlichen Untersuchungen verarbeitetem Material war Reverend R. H. CODRINGTON 1885 hervorgetreten und erweiterte den Kreis der bekannten melanesischen Sprachen nach Norden hin und gewährte zuverlässigeren und tieferen Einblick besonders in ihren grammatischen Aufbau. Er war es auch, der einen Mischcharakter der melanesischen Sprachen, so wie ihn manche andere Wissenschaftler darstellten, ausschloss.
Da begann von 1891 an SYDNEY H. RAY mit seinen Arbeiten einzugreifen, in denen er die Existenz durchaus nichtaustronesischer Sprachen zunächst in Britisch-Neuguinea nachwies, denen er den Namen „Papuasprachen“ beilegte. In mehreren Arbeiten legte von 1899 an W. SCHMIDT dar, dass die polynesischen Sprachen als ein Abkömmling der melanesischen zu betrachten seien und zwar speziell der Gruppe der südsalomonischen Sprachen. Die große Masse der melanesischen Sprachen seien nicht als Mischsprachen, sondern als wirkliche austronesische Sprachen aufzufassen.
In Hinsicht auf den Lautbestand beweisen sämtliche melanesische Sprachen den indonesischen gegenüber ihren sekundären Charakter dadurch, dass sie alle Geräuschlaute, Nasale und Liquiden (r, l), die im Auslaut stehen, abwerfen. Nur „r“ wird zuweilen beibehalten. Ein Teil der Sprachen geht noch weiter und wirft auch den primären oder sekundären Vokalauslaut ab. In der Wortbildung ist die Außergebrauchsetzung der Infixe hervorzuheben. Formen mit älterem Infix „in“ oder „um“ kommen zwar gelegentlich vor, aber die Infixe selbst funktionieren nicht mehr.
Unter den durchgängig verbreiteten Präfixen sind besonders hervorzuheben: ma- als Adjektiv- und Zustandspräfix, ta- als Zustands- und Konditionalpräfix, ka-, als Sammelpräfix, vaka, vaga, haa, va, ta, ha, a als Kausativpräfix und vei, hei, we, e oder var, ver Reziprokalpräfix bei Verben. Nicht so allgemein verbreitet ist i- als Instrumentalpräfix. Unter den Suffixen ist zu erwähnen: -a, -ga als Substantiv- und Adjektivsuffix, -i seltener -a als Transitivsuffix bei Verben, aki, akan als Beziehungssuffixe. Auch die Reduplikation wird als Wortbildungsmittel gebraucht, sowohl die einfache (Repetition) als die qualifizierte in mannigfachen Formen. Beim Substantiv und Adjektiv kann sie sowohl die Verstärkung (Mehrzahl) als auch die Abschwächung (= deutsche Endung „lich“ in „schwärzlich“) ausdrücken.
Beim Verb drückt sie zumeist Wiederholung, Fortdauer oder Emphase der Handlung aus. Für die grammatischen Verhältnisse sei auf die beiden Punkte besonders hingewiesen, durch welche die melanesischen Sprachen sich am leichtesten sowohl von den indonesischen als von den polynesischen Sprachen unterscheiden lassen. Das sind der Zahlausdruck beim Personalpronomen, der Possessivausdruck und die damit zusammenhängende Gruppierung der Substantive in zwei Klassen. Während eine eigentliche Bezeichnung des Numerus nicht vorhanden ist, wird beim Personalpronomen auf die Numerusbezeichnung der größte Wert gelegt. Wie in den indonesischen Sprachen sind zunächst Singular- und Pluralformen vorhanden.
Die melanesischen Sprachen entwickelten außerdem einen Dual und eine große Mehrzahl bildet auch einen Trial. Einige der jüngsten Sprachen, so auf den Südsalomonen und einige von Vanuatu selbst einen Quatral. Alle diese Formen werden gebildet durch Anfügung der Zahlformen für „zwei“, drei“ bzw. „vier“ an die Pluralformen, schmelzen aber oft so eng mit diesen zusammen, dass ihr eigentlicher Ursprung undeutlich wird. In mehreren Sprachen mit Vierzahl ist der einfache Plural außer Gebrauch gekommen, und eine ursprüngliche Vierzahl wird jetzt an seiner Statt als Plural gebraucht. Einzig die am äußersten Grenzgebiet nach Osten vorgeschobene Sprache der Gilbertinseln kennt, wie die indonesischen Sprachen, außer Singular und Plural keine weiteren Formen.
Die Possessivbezeichnung wird durch Anfügung von Suffixen bewirkt, die von den Personalpronomina abgeleitet sind. Die melanesischen Sprachen teilen alle Substantive in zwei Klassen. Eigene Numerusbezeichnung ist im allgemeinen ebenso wenig vorhanden wie eine eigene Genusbezeichnung. Doch wird bei Bezeichnungen von Personen in manchen Sprachen durch Vor- oder Nachsetzung des nach Zahl und Geschlecht wechselnden persönlichen Artikels ein Numerus- und Genusausdruck geschaffen, der besonders bei den suffigierenden Sprachen von Papua-Neuguinea und den nordwestlich vorgelagerten Inseln die Form von Pluralsuffixen annimmt.
Im scharfen Gegensatz zur straffen Einheitlichkeit der polynesischen Sprachen offenbart sich bei melanesischen Sprachen eine weitgehende Verschiedenheit des Wortschatzes wie der Grammatik. Als „Melanesier“ werden weitgehend die etwa 5 Mio. Bewohner der pazifischen Inseln bezeichnet, die sich in einem weiten Bogen von Neuguinea über die Salomonen und Neuen Hebriden bis zu den Fidschi-Inseln erstrecken und im engeren Sinne die fast 1,5 Mio. Sprecher melanesischer Sprachen auf diesen Inseln. Melanesien besteht aus überwiegend großen und gebirgigen Inseln, die z.T. kontinentalen Charakter haben und im Bereich der feuchtheißen Tropen liegen.
Neben Neuguinea im Westen und den Inseln des Bismarck-Archipels im Norden werden die Salomonen mit den Santa-Cruz- Inseln im Osten, die Neuen Hebriden mit den Banks- Inseln und Neukaledonien mit den Loyalty-Inseln im Süden und Südosten zu Melanesien gerechnet. Die Grenzen zu Polynesien und Mikronesien sind fließend. Der Begriff Melanesier ist eine Sammelbezeichnung und wird in der Völkerkunde uneinheitlich verwendet. Geographisch gehören die Papua zu Melanesien, kulturell und sprachlich unterscheidet man zwischen den Papua und den Melanesiern. Das Gebiet der Fidschi-Inseln ist ein Übergangsgebiet. In anthropologischer Sicht sind die Fidschianer Melanesier, auf kulturellem Gebiet überwiegen polynesische Einflüsse und sprachlich sind sie eine eigene Gruppe des ost-ozeanisch-polynesischen Zweiges der austronesischen Sprachfamilie.
Die Bewohner der südlichen Santa-Cruz-Inseln der Salomonen bilden eine polynesische Exklave. Die nördlich von Neuguinea lebenden Admiralitäts-Insulaner sind zwar Melanesier, zeigen aber ziemlich starke mikronesische Einflüsse, weswegen sie z.T. auch als Para- Mikronesier bezeichnet werden. Die Völker Melanesiens sind sprachlich und kulturell stark zersplittert, und auch in ihrem Aussehen unterscheiden sie sich beträchtlich voneinander. Die Geschichte der Besiedlung Melanesiens ist bisher nur relativ ungenau geklärt. Es wird angenommen, dass schon sehr früh, gegen Ende der letzten Eiszeit, Völker in mehreren Einwanderungsschüben diese Inseln besetzt haben und später, in einer zweiten Wanderungswelle, aus Südostasien kommend im Zeitraum zwischen 2000 und 800 v. Chr. die Nordküste Neuguineas erreichten.
Die Einwanderer trafen auf die voraustronesische Bevölkerung und vermischten sich mit dieser. Als Ergebnis dieser Wanderungen und Überlagerungen bildeten sich allmählich relativ einheitliche und spezifisch melanesische Kulturen heraus, die auch die umliegenden Inseln prägten. Der Name Melanesien, der auf den griechischen Wörtern: „mela = schwarz“ und „nesos = Inseln“ basiert und sich auf die tiefdunkle Hautfarbe seiner Bewohner bezieht, geht zurück auf den französischen Forschungsreisenden DUMONT D’URVILLE, der 1832 den Pazifik in die Gebiete Melanesien, Mikronesien und Polynesien einteilte. Die Melanesier haben, ebenso wie die Papua, dunkles, krauses Haar.
Meist werden sie nach den Inseln bzw. deren Teilen benannt, auf denen sie leben. Die Mehrheit der Melanesier lebt noch heute als Pflanzer und Fischer in traditioneller Wirtschaftsform. In den Sumpfgebieten der Küste wird vorwiegend Taro angebaut, daneben auch Süßkartoffeln, Yams und Bananen. Die Anbaumethoden sind entsprechend den natürlichen Gegebenheiten vielfältig. Sie reichen vom Brandrodungsfeldbau bis zum Terrassenanbau der auf Bewässerung beruht. Beim Brandrodungsfeldbau sind die an häufig wechselnden Orten angelegten Gärten oft mehrere Kilometer von den Dörfern entfernt. Die Küste und die Flusstäler bieten reichlich Fische und fast überall werden Schweine, Hühner und Hunde gehalten. Die erfolgreiche Schweinezucht gilt oft als prestigeträchtige Tätigkeit.
Die technische Ausstattung der Melanesier ist im allgemeinen sehr gering. Grabstock, Querbeil und messerähnliche Klingen sind oftmals das einzige Werkzeug. Dazu kommen teils sehr ausgefeilte Geräte für die Sagogewinnung und den Fischfang, ebenso Fallen für Kleinsäuger sowie Pfeil und Bogen für die Jagd auf Vögel. Die Nahrungszubereitung erfolgt meist in einem Erdofen. Die traditionelle Wirtschaftsform bildet auch heute noch weitgehend die Lebensgrundlage, wird aber vielfach durch importierte Lebensmittel ergänzt. So stellen Fleisch-, Fisch- und Gemüsekonserven sowie Reis, Cola und Bier hochgeschätzte Luxusgüter dar. Als einziges traditionelles Genussmittel ist das Betelnusskauen weit verbreitet.
Dabei wird ein Stück der Areka-Nuss in Blätter des Pfefferstrauches eingewickelt und mit gebranntem, pulverisiertem Kalk gekaut. Dieser Kalk wird in kunstvoll verzierten Kalebassen aus Bambus oder auch aus Kürbis aufbewahrt. Die Melanesier sind wie alle Ozeanier hervorragende Bootsbauer. Dabei haben sie auf diesem Gebiet schon Hervorragendes geleistet. Auf den Flüssen Neuguineas und Neubritanniens fahren Einbäume von bis zu 20 Metern Länge, zur Küsten- und Hochseefahrt werden Auslegerboote verwendet. Zwischen einzelnen Inseln bestehen mitunter sehr intensive Beziehungen. So existierte beispielsweise im Trobriand-Archipel ein streng organisiertes Handels- und Tauschsystem (kula), an dem die Bewohner von über 20 Inseln beteiligt waren.
Das auf den Admiralitätsinseln vorkommende glasartige Obsidiangestein wurde über weite Entfernungen gehandelt, da es sich zu scharfen Klingen und Pfeilspitzen verarbeiten lässt. Sogenanntes „Primitivgeld“ aus Muscheln oder aus Federn wird bei Tauschaktionen verwendet, hat aber jedoch meist keinen unmittelbaren ökonomischen Wert, sondern symbolisiert Prestige und damit soziale Verpflichtung des Besitzers. Es kann nicht gegen beliebige Waren eingetauscht werden und kursiert nur innerhalb eines von komplexen Regeln bestimmten Tauschsystems. In ganz Melanesien sind die Töpferei sowie Flecht- und Knüpfarbeiten verbreitet und auf einigen Inseln, wie Santa Cruz und St. Matthias auch Webarbeiten. Die technischen Fertigkeiten der Melanesier sind steinzeitlich.
Geschliffene und polierte Steinklingen in verschiedenen Holzfassungen dienen als Beile bzw. Arbeitsgeräte für den Haus- und Bootsbau. Berühmtheit erlangten hölzerne Schnitzwerke und Masken aus ganz Melanesien, die trotz der relativ groben Werkzeuge z.T. filigran gestaltet sind. Die Baining auf Neubritannien stellten überdimensionale Masken von 10–15 Metern Höhe her, die bei speziellen Zeremonien von mehreren Tänzern gleichzeitig balanciert wurden. Grundlage war ein leichtes Holzgerüst, das mit Baststoff aus Rinden überzogen und dann bemalt wurde. Diese Tradition hat sich bis heute gehalten, allerdings werden nur noch kleinere Masken angefertigt. Ähnlich wie die westafrikanischen Skulpturen waren auch verschiedene melanesische Arbeiten Vorbilder der europäischen naiven Kunst.
Schnitzarbeiten sind in allen Lebensbereichen anzutreffen, von verzierten Gebrauchsgegenständen über Hauspfosten oder auch andere Bauelemente bis hin zu Kultobjekten. Vereinzelt wurden Skulpturen und auch Gebrauchsgegenstände wie Boote beispielsweise mit aufwendigen Intarsien und Besätzen aus Perlmutt, Muscheln, Schnecken und Samenkörnern versehen. Die Alltagsbekleidung war in der Regel auf aus Bast und Gräsern gefertigte Schambedeckungen beschränkt. Schmuck spielte bei besonderen Anlässen schon immer eine größere Rolle. Charakteristisch sind prunkvolle Gehänge und Kopfaufsätze aus wertvollen, seltenen Materialien wie Muscheln, Insekten, Federn u.a. in einer Kombination mit farbenprächtigen Körperbemalungen.
Starke Unterschiede bestehen bei den Melanesiern in der Hausbau- und Siedlungsweise. In den Sumpfgebieten der Tiefländer und im Küstenbereich stehen die Häuser auf Pfählen. Bei den Manus auf den Admiralitätsinseln schieben sich die Pfahlbauten oft in langen Reihen in die Lagune hinaus. Die in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht wichtigste Grundeinheit stellt in Melanesien die Siedlungsgemeinschaft dar, die in Form und Größe erheblich variieren kann. An den Küsten Neuguineas befinden sich große geschlossene Dörfer, die von 1.000 bis 2.000 Einwohnern bewohnt werden.
Im Unterschied dazu leben die Menschen in den entlegeneren Regionen des Inselinneren in kleinen Weilern mit maximal 300 Einwohnern oder in Einzelgehöften, die über das Land verstreut sind und meist einem Klan gehören. Traditionell lebten die Melanesier in kleinen Siedlungsverbänden mit meist wenigen hundert Menschen. Staatsähnliche Organisationsformen waren ihnen unbekannt. Die Gesellschaft ist patriarchalisch organisiert, die politische und religiöse Herrschaft obliegt ausschließlich den Männern. Ihr Machtanspruch gründet sich nicht auf besonderer Herkunft oder Erbrecht, sondern auf herausragendes Prestige, das mit ökonomischem, politischem und kriegerischem Erfolg erworben wird.
Diese Männer, meist als „Big Men“ bezeichnet, besaßen ein besonderes „Mana“, eine außergewöhnliche, unmittelbare Wirkungskraft, die ihnen besondere Macht verlieh. In diesem Zusammenhang ist auch die in Melanesien einst weitverbreitete Kopfjagd und der Verzehr von Menschenfleisch zu sehen. Man suchte auf diese Weise das „Mana“ des Gegners sich anzueignen und das eigene damit zu verstärken. Die erwachsenen Männer bilden oft einen geschlossenen Geheimbund, von dem Frauen und Kinder ausgegrenzt sind. Das sind exklusive, sakrale Vereinigungen, deren Zugehörigkeit in der Regel durch Kauf erworben wird.
Der Versammlungsort dieser Geheimbünde ist das an Größe und Ausschmückung alle anderen Gebäude übertreffende Männer- und Kulthaus. Männliche Jugendliche werden im Rahmen einer Initiationsfeier in den Geheimbund aufgenommen. Dabei wird die Trennung von den leiblichen Eltern, d.h. die Erwachsenwerdung, besiegelt. Der Kandidat muß die verschiedensten Mutproben bestehen und wird in die geheimen Lehren der mythischen Tradition eingeweiht. Zu den bekanntesten Geheimbünden Melanesiens zählen der Duduk-Bund auf der Gazelle- Halbinsel Neubritanniens, der Suque-Bund auf den Banks-Inseln sowie der Iniet-Bund in Nord- Neubritannien.
Ein weiteres Strukturelement sozialer Organisation sind Klane, Verwandtschaftsgruppen, die ihre Abstammung auf einen gemeinsamen mythischen Ahnen zurückführen. Dieser wird im jeweiligen Totem eines Klans symbolisiert. Zwischen Angehörigen eines Klans besteht oft Heiratsverbot. Die traditionelle Religion der Melanesier hat sich auf lokaler Ebene sehr stark ausdifferenziert. Fast jede Siedlungsgemeinschaft hat eine eigene spezifische Ausformung entwickelt. Trotzdem lassen sich ähnliche Grundstrukturen erkennen. Die Grenze zwischen Gottheiten, Halbgöttern und Dämonen verläuft fließend.
Grundlage der religiösen Überzeugungen ist die Ahnenverehrung, die sowohl unmittelbare Vorfahren als auch mythische Urwesen, die die Welt erschaffen haben, miteinbezieht. Diese Schöpferwesen sind nach der Überzeugung der Melanesier auch in der Gegenwart noch existent. Sie leben in derselben Welt wie die verstorbenen Ahnen und können im guten wie im schlechten Sinn jederzeit in das Alltagsleben eingreifen. Die Lebenden dürfen nicht durch Verstöße gegen bestimmte Regeln, die zugleich auch als soziale Normen das Leben der Gemeinschaft strukturieren, den Unwillen eines Wesens der Ahnenwelt erregen. Eine Möglichkeit, um direkt mit den Ahnen zu kommunizieren, ist die Magie.
Ihr Einfluss kann sowohl für „gute“ als auch für „böse“ Zwecke in Anspruch genommen werden. Das ganze Weltbild der Melanesier ist von gegensätzlichen, aber letztendlich doch zusammengehörigen Polaritäten bestimmt: Tag und Nacht, Mann und Frau, Himmel und Erde, Wasser und Luft usw. Die Schöpfung wird durch die Verbindung von diesen Gegensätzen ermöglicht. Obwohl bereits im Jahre 1526 der Spanier JORGE DE MENESES auf Neuguinea landete, blieb das unzugängliche Hinterland zum Teil bis ins 20. Jh. ein unerforschtes steinzeitliches Refugium. Im 19. Jh. ließen sich dann zunächst Missionare nieder, später folgten ihnen Händler, Militär und vor allem Siedler.
1828 wurde der Westen Neuguineas holländische und 1884 der Nordosten deutsche und der Süden britische Kolonie.1853 okkupierte Frankreich Neukaledonien und 1906 einigten sich Frankreich und Großbritannien auf ein Kondominium über die Neuen Hebriden. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen Ost-Neuguinea und der Bismarck-Archipel unter australische Verwaltung. Europa und die westliche Zivilisation übten auf die Völker und Stämme Melanesiens einen starken und zersetzenden Einfluss aus. Die Europäer führten in der zweiten Hälfte des 19. Jh. die Plantagenwirtschaft und den Handel mit Arbeitskräften ein. Auch gegen ihren Willen wurde die einheimische Bevölkerung zur Zwangsarbeit herangeholt.
Allein auf der Insel Tanna (Neue Hebriden) waren 1870 bereits 60% der arbeitsfähigen Männer abwesend, zur Arbeit auf Plantagen nach Australien deportiert worden. Bewusste, auf Ausrottung abzielende Praktiken der Europäer und eingeschleppte Krankheiten trugen zur Dezimierung der Melanesier bei. So starben z.B. zwischen 1910 und 1915 etwa die Hälfte der einheimischen Bevölkerung in den Dörfern der Südwestküste Neuguineas an eingeschleppten Infektionskrankheiten. Seit dem 19. Jh. sind die Melanesier dem Einfluss christlicher Missionen ausgesetzt. Über 50 verschiedene, oftmals gegeneinander arbeitende Sekten und Religionsgemeinschaften sind hier seither aktiv geworden.
Die traditionelle Religion der Melanesier wurde von diesen christlichen Missionen bekämpft. Inzwischen ist ein Großteil von ihnen zum Christentum konvertiert, aber oft wird dies als formales Bekenntnis verstanden. Vielfach existiert aber noch beides nebeneinander. Die christliche Religion wird in der Kirche praktiziert, die traditionelle Religion ist eine Angelegenheit für den Alltag. Im Zuge der Kolonisierung Melanesiens kam es in fast allen Landesteilen als Reaktion auf Kontakte mit Europa zur Entstehung der religiös und politisch orientierten Heilserwartungsbewegungen, den sogenannten „Cargo- Kulten“.
Die Konfrontation mit den bis dahin unbekannten Waren und Gütern (cargo) der weißen Zivilisation einerseits und das Bewusstsein einer Krise der eigenen Gesellschaft andererseits verbanden sich vor dem Hintergrund der religiösen Traditionen zu der Annahme, dass der Untergang der gegenwärtigen Gesellschaft unmittelbar bevorstehe. Anschließend werden die Ahnen, mit Gütern versehen, wiederkehren und eine neue Gesellschaft schaffen, in der es keinen Mangel an Gütern mehr gibt und die bestehend Weltordnung auf den Kopf gestellt wird. Dabei werden die Weißen die Diener und die Melanesier die Herren sein.
In der Erwartung dieses künftigen „paradiesischen“ Zustandes begannen melanesische Gesellschaften, die Anhänger dieses Cargo-Kultes waren, Vorsorge zu treffen. Sie errichteten Landepisten für die Flugzeuge, die die Güter bringen würden und vernichteten sogar z.T. ihre eigenen Pflanzungen, die nach ihrem Glauben dann ja nicht mehr nötig sein würden. Die früheste Cargo- Bewegung entstand 1885 auf dem Fidschi-Archipel und seitdem konnten ca. 200 Cargo-Kulte nachgewiesen werden, wobei einige von ihnen auch die Züge politischer Unabhängigkeitsbewegungen annahmen. In der zweiten Hälfte des 20. Jh. wurden in Melanesien Autonomiebestrebungen immer lauter.
Der Westen Neuguineas gehört seit 1963 unter dem Namen Papua Barat zu Indonesien und vor allem hier kam es in den letzten Jahren immer wieder zu Spannungen, die auf Autonomie dieser Region hinzielten. Der Osten bildet mit den vorgelagerten Inseln des Bismarck- Archipels und den nördlichen Salomoneninseln seit 1973 den eigenständigen Staat Papua-Neuguinea. Auch die übrigen melanesischen Inseln waren europäische Kolonien, sind jedoch mit Ausnahme des französischen Neukaledoniens inzwischen unabhängige Staaten geworden, wie Fidschi seit 1970, die Salomonen seit 1978 und die Neuen Hebriden, die seit 1980 die Republik Vanuatu bilden. Insgesamt gesehen zählt Melanesien trotz starker Fremdeinflüsse und moderner Entwicklungen noch zu den wenigen Regionen der Welt, in denen sich eine Vielfalt an traditionellen Kulturelementen und Lebensweisen erhalten hat.
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