Erhalten Sie täglich per Twitter News, Tips und Tricks zum Fremdsprachen lernen. Über 5700 begeisterte Fremdsprachenlerner folgen uns bereits.
Mapuche
Diesen Artikel empfehlen
- Eine südamerikanische Bevölkerung, die auch als Araukaner (Araucano) bekannt ist und im eigentlichen dessen Hauptgruppe bildet. Die Sprache der Mapuche ist eine isolierte Sprache. Sie leben mit einer Gesamtpopulation von etwa 928.000 (1992), davon ca. 400.000 Angehörige in Chile, südlich des Rio Bío-Bío, zwischen den Flüssen Rio Itata und Tolten. Die ihr zugehörenden Dialekte sind: Moluche (Ngoluche, Manzanero), Picunche und Pehuenche. Die Sprache wird „Mapudungun“ bezeichnet und die Menschen als „Mapuche“, was soviel wie „Menschen des Landes“ bedeutet. Die Untergruppen tragen Namen wie z.B. „Picunche = Nordleute“ und „Huilliche = Südleute“.
Auf der argentinischen Seite leben etwa 100.000 oder mehr Mapuche (2000) in den Provinzen Neuquén, Chubut, Rio Negro, Buenos Aires und La Pampa. Ein Dialekt ist das Pehuenche. Nachdem andere Araukaner im chilenischen Volk aufgegangen oder mapuchisiert sind, haben heute die Bezeichnungen „Mapuche“ und „Araukaner“ fast die gleiche Bedeutung für ein Volk. Gegen Ende des 15. Jh. unternahmen die Inka eine Invasion in des Gebiet der Mapuche, die jedoch durch deren erbitterten Widerstand in der Umgebung der heutigen Hauptstadt von Chile, Santiago, aufgehalten werden konnte.
Auch gegen die seit 1536 eindringenden Spanier setzten sich die Mapuche heftig zur Wehr. Ein sehr berühmter Anführer aus dieser Zeit war L AUTARO . Berüchtigt wurden die Mapuche vor allem durch die Übernahme des Pferdes sowie für südamerikanische Indianer fast einzigartige Entwicklung einer kriegerischen Reiterkultur, die sie durch systematischen Pferdediebstahl aufbauten. Damit begann ein jahrhundertelanger Kampf, in dessen Verlauf die Kolonialmacht ihre Unabhängigkeit anerkennen musste. Die Mapuche errichteten nun einen antikolonialen Gegenstaat, der viel von der spanischen Organisation übernahm.
Sie dehnten während des 17. und 18. Jh. ihren Siedlungsraum allmählich nach Osten über die Anden in das heutige Argentinien aus. Ein Teil der dort lebenden Chonqui (Tehuelche) übernahmen die Pferdezucht und aus der Verbindung dieser Gruppe mit den Mapuche entstand die Araukanergruppe der Pehuenchen. Dieser Prozess ist als die „Araukanisation der Pampa“ bekannt geworden, in deren Folge die Mapuche die dort lebenden indianischen Jäger stark beeinflussten. Die Sprache der Mapuche breitete sich in Argentinien immer weiter aus und wurde so zu einer Handelssprache.
Die neue Heimat, eine Graslandschaft, eignete sich ausgezeichnet für Viehzucht. Die Mapuche hielten dort große Herden Rinder, Pferde und Schafe. Sie errichteten eine militärische Barriere zwischen Chile und Argentinien, die ihnen sogar eine wirtschaftliche Schlüsselstellung verlieh. Zeitweise besaßen sie ein Monopol auf den Salzhandel nach Buenos Aires und auf den Viehhandel zwischen Argentinien und Chile. Durch Überfälle auf argentinische Haciendas erzwangen sie regelmäßige Zahlungen. Erst gegen Ende des 19. Jh. kam der bewaffnete Widerstand der Mapuche in Chile und Argentinien zum Erliegen.
Die Allianz Argentiniens und Chiles mit dem Industriestaat Großbritannien führte zu immer modernerer Bewaffnung der chilenischen und argentinischen Armeen, die durch den Eisenbahnbau unterstützt wurden. Die argentinische Armee unternahm blutige Expeditionen gegen die Mapuche, die unter der heroisierenden Bezeichnung „La conquista del desierto = Die Eroberung der Wüste“ einen schäbigen Eingang in die Nationalgeschichtsschreibung fanden. General ROCAS Vernichtungsfeldzug von 1879 bis 1883 besiegelte die Unterwerfung der Indianer. Er rottete die Chonqui (–› Chon-Sprachen ) fast völlig aus.
Die überlebenden Indianer, ihres Landes beraubt, mussten sich als Pferdeknechte oder ähnliches auf den Gütern der Weißen verdingen. Die Pehuenche, die im 19. Jh. von den Mapuche den Bodenbau übernommen hatten, wurden schwache, in ihren Landrechten stets bedrohte Kleinbauern. In Chile begann um das Jahr 1850 die systematische Ansiedlung militärisch ausgerüsteter und ausgebildeter Wehr-Kolonisten gegen die Mapuche-Bevölkerung. Noch einmal wehrten sich hier die Mapuche 1880 in einem großen Aufstand gegen den Landraub.
Doch nach zwei Jahren Massakern durch die Armee war ihr 300jähriger Abwehrkampf gegen die Angriffe der Europäer zu Ende. Heute beruht das Wirtschaftsleben der Mapuche auf dem Anbau von Mais, Kartoffeln, Bohnen und Weizen, der von den Konquistadoren übernommen wurde. Eine wichtige Nahrungsquelle bilden die Nüsse der Araukarie (Araucaria umbricata), eines für die Gegend typischen Nadelbaumes. Die Hauptbeschäftigung der Mapuche jedoch ist nach wie vor die Rinder- und Schafzucht. Sie leben in weit voneinander getrennten Gehöften, in denen sich drei Haustypen unterscheiden lassen, einerseits das traditionelle Haus mit Wänden und Dach aus Schilf, andererseits das Palisadenhaus, gebaut aus vertikalen Rundhölzern und seit dem 19. Jh. das Schindelhaus, das von den Häusern der europäischen Einwanderer dieser Zeit beeinflusst ist.
Stoffe für die Bekleidung werden auf einem vertikalen Webgerät hergestellt. Typisch sind Ponchos und Gürtel, sowohl für den Eigengebrauch wie auch für den Verkauf. Früher war bei den reicheren Mapuche vor allem Silberschmuck beliebt, z.B. bei der Reitausrüstung sowie auch aufwendiger Brustschmuck für die Frauen. Die Heiler und Seher der Mapuche, die sogenannten „machi“, sind vorwiegend Frauen. Sie kennen Heilkräuter und treten in Kontakt mit den höheren Mächten, um Heilungen durchzuführen oder auch Unheil abzuwenden. Einzigartig für den südamerikanischen Schamanismus sind die Benutzung einer Leiter, die die Machi während bestimmter Rituale besteigen, sowie das Schlagen einer Trommel, deren Fell häufig mit Zeichnungen versehen ist.
Eine zentrale Bedeutung im religiösen Leben der Mapuche hat die Zeremonie des „nguillatun“, die oft mehrere Tage lang andauert. Man bringt den höheren Mächten Opfer und bittet sie um Wohlergehen. Es ist vor allem auch ein soziales Ereignis, bei dem das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb des Volkes erneuert wird und neue Kontakte geknüpft werden. Selbst in der Stadt als Hausangestellte tätige Mapuchefrauen kehren anläßlich dieser Zeremonie in ihre Heimat zurück. Ende des 19. Jh. wurden den Mapuche viel zu kleine Verwaltungseinheiten, sogenannte „reducciones“ von durchschnittlich 180 Hektar zugeteilt, in denen mehrere Sippen zusammenleben mussten.
Jedem einzelnen weißen Siedler, der einen Landtitel im Gebiet der Mapuche in Chile beanspruchte, wurden durchschnittlich 500 Hektar zugeteilt. Die soziale Unruhe, die in der chilenischen Landbevölkerung seit Beginn der 60er Jahre des 20. Jh. schwelte, ergriff auch bald die Mapuche, die mit der Forderung nach Rückgabe ihres Landes hervortraten. Ihre Unruhe unterschied sich von derjenigen der übrigen Landbevölkerung durch eine größere Radikalität und Forderungen nach speziell indianischer Autonomie. In der neueren Zeit prägt eine äußerst starke Landflucht die demographische Entwicklung der Mapuche.
Nach dem Sturz des chilenischen Präsidenten SALVADOR ALLENDE 1973 hatten die Mapuche, die sich für Bodenreformen eingesetzt hatten, unter harten Repressionen unter dem Pinochet-Regime zu leiden. Mancherorts schien die Armee ihre Tradition der Verfolgung und Ermordung der Mapuche 1973/74 wiederbelebt zu haben. Nachdem im Jahre 2006 mit MICHELLE BACHELET eine Präsidentin der Sozialistischen Partei in Chile an der Macht ist, bleibt abzuwarten, was für Vorteile dies für die Zukunft der nur noch wenigen indianischen Urbevölkerung bringen wird.
Diesen Artikel empfehlen




