Erhalten Sie täglich per Twitter News, Tips und Tricks zum Fremdsprachen lernen. Über 5700 begeisterte Fremdsprachenlerner folgen uns bereits.
Maori
Diesen Artikel empfehlen
Zum tahitischen Zweig der polynesischen Sprachen der zentralpazifischen Untergruppe der zentral-ostozeanischen Sprachen der ozeanischen Gruppe des ost-malaiisch-polynesischen Zweiges zählende Sprache der Zentral-Ostgruppe der austronesischen Sprachfamilie, die von dem Volk der Maori, der autochthonen Bevölkerung Neuseelands, die vor allem an der Nord- und Ostküste sowie im Inneren der Nordinsel beheimatet ist, gesprochen wird.
Maori wird von 50.000 bis 70.000 Menschen (1991) gesprochen, etwa 100.000 Menschen (1995) verstehen sie, aber sprechen sie nicht und die ethnische Population in Neuseeland besteht aus etwa 530.000 Angehörigen (2002). Das Maori hat sich im Laufe der Zeit zu einer Schriftsprache entwickelt, zu der die Dialekte: Waikato-King-Maori, Südinsel-Maori, Moriori, Rotorua-Taupo, Taranaki-Wanganui-Maori und Bay-of-Plenty-Maori gerechnet werden. Die lexikalische Similarität der Sprache beträgt 71% mit dem Hawaiischen sowie 57% mit dem Samoanischen. Als einzige Inselgruppe Polynesiens liegt Neuseeland außerhalb der Tropen, im Westwindgürtel der gemäßigten Breiten.
Das wesentlich rauere Klima prägte auch die materielle Kultur der hier lebenden Maori, die sich in manchem bemerkenswert vom Kulturbild der anderen Polynesier unterscheidet. Nachdem die Bevölkerung der Maori zwischen 1773 bis Anfang 1900 immer weiter rückläufig war, ist sie seitdem in einer stetigen Zunahme. Sie bildet heute etwa 13% der Bevölkerung Neuseelands. Man vermutet heute, dass bereits im 8. Jh. n. Chr. erste Einwanderer die Inseln von Tonga und Tahiti aus erreichten. Diese werden als „Archaische Maori“ oder „Moa-Jäger“ bezeichnet, weil ihr Leben weitgehend von der Jagd auf den Moa, einen etwa 3 Meter großen, flugunfähigen Vogel, abhängig war
Bereits gegen Ende des 13. Jh. starb der Moa aus. Um 1350 kamen weitere Einwanderergruppen aus Polynesien nach Neuseeland, und noch heute leiten sich die verschiedenen Stämme der Maori von den unterschiedlichen Besatzungen der Einwandererschiffe ab. Wie alle Südseevölker, hatten die Maori nur steinzeitliche Werkzeuge und Technologien entwickelt. Ihre Lebensgrundlage bildeten der Anbau von Yams, Taro und Süßkartoffeln sowie der Fischfang. Ihre Gesellschaft, die streng hierarchisch geordnet war, hatte drei Klassen ausgebildet, den Adel (ariki, rangatira), die Freien (tutua) und die Hörigen (taurekareka, mokai), wobei die Zugehörigkeit durch Geburt, in Ausnahmefällen auch durch Adoption bestimmt wurde.
Die Adligen führten ihre Herkunft direkt auf Schöpferwesen zurück, wohingegen die Freien und Untertanen von diesen erst erschaffen wurden. Die traditionelle Religion entsprach allgemein der polynesischen und hatte die Ahnenverehrung zum Mittelpunkt. Tempelanlagen sind nicht überliefert. Die Maori lebten in Dörfern, die auf Hügeln angelegt waren und durch hohe Erdwälle oder hölzerne Palisaden gegen feindliche Angriffe geschützt wurden. Eine Kriegsführung zwischen verschiedenen Maori-Stämmen war durchaus nicht ungewöhnlich, doch blieben Tötungen meist auf Einzelfälle beschränkt. Die unterlegene Partei hatte Tributzahlungen zu leisten. Begünstigt durch den Überfluss an längsgemasertem Holz, das wesentlich leichter zu bearbeiten ist als das quergemaserte der meisten Bäume Polynesiens, war bei den Maori das Kunsthandwerk, insbesondere die Schnitzkunst, sehr hoch entwickelt.
Eine wichtige Rolle spielten auf diesem Gebiet die Häuptlinge. Sie vergaben Auftragsarbeiten an Berufsspezialisten (tohunga), die ihre Kenntnisse in einer steten Folge vom Vater auf den Sohn weitergaben. Waffen, Geräte, Boote, Hausplanken und Götterbildnisse wurden aus Holz mit Steinwerkzeugen, wie Meißeln aus Grünstein oder aus Obsidiansplittern gearbeitet und mit Schnitzwerk wie Spiralmotiven oder stark stilisierten menschlichen Figuren verziert. Auch Ohr- und Halsschmuck, Handkeulen, Breitbeile und andere Geräte wurden aus Grünstein (Nephrit) gearbeitet und mit ähnlichen Motiven verziert. Vor allem Schmuckanhänger (hei tiki: abgeleitet von „hei = um den Hals tragen“ und „tiki = menschenähnliches Bildnis“) zählten zu den wertvollsten und bedeutendsten Objekten der Maori.
Sie stellten Erinnerungszeichen an die Vorfahren dar und wurden von einer Generation an die andere weitergegeben. Das wertvollste Material für Schmuck waren die Zähne des Pottwals. Besonders imposant waren Bauwerke, wie die Versammlungs- und Zeremonialhäuser (whare whakairo) der Maori mit sehr aufwendig geschnitzten Holzpaneelen, die einem berühmten Häuptling oder Ahnen geweiht waren und als symbolischer Gegenwert der Ahnen dienten. Der Dachfirst z.B. veranschaulicht das Rückgrat, die Sparren die Rippen und die großen Planken an der Seite die Arme eines Menschen. Je kunstvoller solche Schnitzereien und dargestellten Dinge am Versammlungshaus waren, um so mächtiger war das Ansehen des Gemeinwesens. In größerem Maßstab schmückten die Maori-Schnitzer auch ihre Kriegskanus mit meisterhaften Verzierungen. Diese Kriegsboote, mit denen Seeschlachten geführt wurden, konnten bis zu 150 Menschen aufnehmen.
Sie wurden aus Stämmen von ca. 20 Metern Länge angefertigt und waren an den Seiten mit geschnitzten, durchbrochenen Paneelen sowie mit verzierten Bug- und Heckteilen versehen. Auch die Kenntnis des Tätowierens, Webens, Flechtens und der Malerei waren bei den Maori weit verbreitet. Die Kleidung wurde meist aus Flachs hergestellt, den die Frauen im Fingerwebverfahren fertigten, da man Webstühle nicht kannte. Ihre traditionellen Kleidungsstücke waren vor allem Schurze und Umhänge, die oft mit Federn oder Hundefellstreifen besetzt waren. Im Jahre 1642 wurde Neuseeland vom holländischen Seefahrer ABEL TASMAN entdeckt. Walfischfänger, Sträflinge aus Australien, Jäger und Abenteurer ließen sich ab 1792 in Neuseeland nieder. 1796 betrat JAMES COOK das Land und mit ihm wurde die Einbeziehung der Maori in die Welt der Weißen eingeleitet. 1814 folgten dann Missionare der anglikanischen Kirche.
Später kamen Presbyterianer und auch katholische Maristen aus Frankreich. Die Auseinandersetzungen unter den verschiedenen Missionen um die Anhängerschaft und Kämpfe mit englischen Siedlern um Bodenbesitz sowie eingeschleppte Krankheiten rafften einen Großteil der Maori dahin. Im Jahre 1840 wurde im Vertrag von Waitangi Neuseeland der britischen Krone unterstellt. Zugleich sicherte dieser Vertrag den Ureinwohnern Besitzrechte an ihrem Land und ihren Fischgründen zu. Doch bei den Landverkäufen an die immer größer werdende Zahl weißer Immigranten wurden die Rechte der Maori allzu oft und gern übergangen. Ein wütender, jedoch hoffnungsloser Widerstandskampf entbrannte, der sich über viele Jahre hinzog. 1890 gehörten den Maori nur noch die Hälfte ihres Landes, das sie 1860 noch besessen hatten.
Zu jenem Zeitpunkt waren das religiöse und soziale System der Ureinwohner bereits zerstört, die Widerstandskraft gebrochen und sie selbst vom Aussterben bedroht. Administrative Maßnahmen zur Rettung der Maori wurden daraufhin von der neuseeländischen Regierung und den Missionaren eingeleitet. Mit einer jährlichen Zuwachsrate von 3,6 % haben die Maori in der gegenwärtigen Zeit eine der höchsten Geburtenziffern der Welt. Der moderne Maori spricht Englisch ebenso wie seine Muttersprache und hat zu allen Bildungsinstitutionen der Weißen Zugang. Die Maori-Kultur erfährt seit einiger Zeit schon eine Art Neubelebung. Schulen und Universitäten des Landes haben in ihren Lehrplänen die Sprach- und Kulturgeschichte der Ureinwohner aufgenommen.
Dennoch sind in der heutigen Zeit unter ihnen sehr viel mehr Wohlfahrtsempfänger, Arbeitslose und ungelernte Hilfskräfte zu finden als unter den weißen Neuseeländern (pakehas). Verglichen mit der gegenwärtigen Situation der autochthonen Bevölkerung Hawaiis repräsentieren die Maori das Beispiel einer Integration, die ohne allzu großen Verlust der ethnischen und kulturellen Identität vollzogen wurde.
Diesen Artikel empfehlen




