Erhalten Sie täglich per Twitter News, Tips und Tricks zum Fremdsprachen lernen. Über 5700 begeisterte Fremdsprachenlerner folgen uns bereits.
Malaiisch
Diesen Artikel empfehlen
- Bedeutendste Sprache des lokal-malaiischen Zweiges der malaiischen Gruppe der malaiisch-polynesischen Sprachen innerhalb der austronesischen Sprachfamilie. Sie ist in vier Formen jeweils die Amts- und Staatssprache in vier verschiedenen Staaten Südostasiens – in Indonesien mit dem Namen Bahasa Indonesia, in Malaysia als Bahasa Malaysia, in Singapur als Bahasa Melayu und in Brunei als Bahasa Kebangsaan. Insgesamt wird sie heute von mehr als 250 Mio. Menschen, allerdings in ausgeprägten regionalen und dialektalen Varianten gesprochen.
Die Mehrheit der Muttersprachler des Malaiischen lebt in dem Gebiet der Straße von Malakka. Malaiische Dialekte sind aber auch verbreitet entlang der Süd- und Westküsten Borneos, der Halbinsel Malakka, in den südlichsten Provinzen Thailands, im Mergui-Archipel Myanmars (Birma) sowie auf den Inseln zwischen Malakka und Borneo, vor allem auf Riau und Lingga. Als Lingua franca der indonesischen Inselwelt und der Malaiischen Halbinsel hat sich im Lauf der Jahrhunderte die Sprache durchgesetzt, die an der Ostküste Sumatras, auf der Halbinsel Malaya (besonders im Süden) sowie in den anschließenden Archipelen Riau und Lingga gesprochen wird.
Noch heute hat das Riau-Malaiisch das höchste Prestige, ist also eine Art Hochsprache und diente einst auch als die Grundlage bei der Schaffung der beiden Nationalsprachen Bahasa Indonesia sowie Bahasa Malaysia. Die ältesten Zeugnisse der malaiischen Sprache (Altmalaiisch) sind die Sanskritinschriften des Reiches Srivijaya aus der Zeit Ende des 7. Jh. Nach der Islamisierung wurde die arabische Schrift eingeführt, die inzwischen in der Republik Indonesien und später auch in Malaysia vom lateinischen Alphabet abgelöst wurde.
Das Malaiische diente schon vor Ankunft der Portugiesen im 16. Jh. in vielen Regionen als Verkehrssprache des ganzen Malaiischen Archipels. Noch vor der Ankunft der Kolonialmächte war das sogenannte Bazar-Malaiisch (Melayu Pasar) die allgemeine Verständigungssprache im gesamten Archipel. Insbesondere nach der Befreiung vom Kolonialjoch nach dem Zweiten Weltkrieg konnte sich die Bahasa Malaysia durch Annäherung zwischen Schrift- und Umgangssprache und unter Aufnahme zahlreichen Lehngutes zu einer Nationalsprache der malaiischen Bevölkerung in Malaysia weiterentwickeln, wo sie neben dem Chinesischen und dem Englischen als offizielle Staatssprache gilt.
Sie enthält viele indische, arabische und andere Lehnwörter und im Jahre 1969 wurde für sie der Begriff Bahasa Malaysia geprägt. Sie steht heute zur Bahasa Indonesia sowie zu den beiden anderen Amtssprachen des Malaiischen in einer Art Dialektverhältnis. Im Ergebnis zahlreicher Expansionen malaiischer Fürstentümer bzw. durch die Schaffung von Handelsniederlassungen bis hin nach Papua-Neuguinea bildeten sich im Laufe der Zeit auf den indonesischen Inseln eine Vielzahl verschiedener einzelner malaiischer Küstendialekte sowie Sprachvarietäten der eigentlichen malaiischen Sprache heraus.
Zu diesen malaiischen Varianten gehören beispielsweise Batavia-Malaiisch im nordwestlichen Teil Javas, besonders um die indonesische Hauptstadt Djakarta (früher: Batavia) herum; das Banjar (Bandjari-, Kalimantan-, Borneo-Malaiisch), welches fast die gesamte Küste der Insel Borneo – ausgenommen einiger Nordgebiete – umfasst; das Molukken-Malaiisch (Ambo) besonders auf den Molukkeninseln Seram, Buru und Misool; das Palembang- Malaiisch im südlichen Barisan-Gebirge auf Sumatra; das Mergui und Orang Laut im Mergui-Archipel; das Menado- Malaiisch auf der Insel Sulawesi und auch noch verschiedene weitere Varianten.
Die regional unterschiedlichen Varianten der malaiischen Sprache sind: - Bacan (Bacan-Malaiisch, Batjan, Bacanesisch) - von etwa 2.500 Muttersprachlern (1991) gesprochene Variante des Malaiischen auf der Molukkeninsel Bacan, westlich des südlichen Halmahera (Indonesien), von über 1.000 Angehörigen in Labuha und einem Teil der Bevölkerung von Waya und Lele, zwei Dörfern auf der Insel Mandioli. Es gibt keinen Beweis für eine frühere eingeborene Sprache. Die Portugiesen schnitten 1515 das Bacan vom anderen Malaiischen ab. Sie ist keine Zweitsprache für irgendeine Bevölkerung.
- Bali-Malaiisch - ein von über 3,151 Mio. Menschen (2000) auf der Insel Bali gesprochenes Malaiisch. - Banjar (Bandjari, Banjar-Malaiisch, Kalimantan-Malaiisch, Bandjaresisch, Borneo-Malaiisch) - von etwa 5 Mio. Menschen (2001) einer Population von ca. 5,9 Mio. Angehörigen gesprochenes Malaiisch rund um die Stadt Banjarmasin im Süden und in einer Enklave an der Ostküste, südlich der Mündung des Kelai in Kalimantan (Indonesien) sowie in der Umgebung von Tawau in Sabah (Malaysia). Zugehörende Dialekte sind das Kuala und Hulu. Das Banjar übt einen recht starken Einfluss auf das Djavanische aus. Die lexikalische Similarität beträgt 45% mit Bakumpai und 35% mit Ngaju.
- Bengkulu (Benkulan, Bencoolen) - von ca. 55.000 Menschen (1989) in einem kleinen Gebiet rund um die Stadt Benkulu im Süden der Insel Sumatra gesprochen.
- Berau (Berau-Malaiisch, Merau Malay) - eine von rund 20.000 Menschen (1981) gesprochene malaiische Variante in dem östlichen Küstenareal Kalimantans (Indonesien), von Tanjungreder und Muaramalinau im Norden bis Sepinang im Süden. Sie besitzt gemeinsame phonologische Elemente mit dem Kutai Malay, Banjar und Brunei.
- Brunei (Kadajan, Brunei-Kadajan, Orang Bukit, Bekiau) - die Sprache einer ethnischen Gruppe mit etwa 304.000 Angehörigen, wovon etwa 250.000 (1984) im Distrikt Brnei-Muara, in der Hauptstadt Brunei und im Küstenstreifen lebt. Etwa 46.000 Angehörige leben in Sabah in den Distrikten Beaufort, Kuala Penyu, Labuan, Labuk-Sugut, Papar, Sipitang, Sandakan und Tenomam sowie etwa 7.500 in Sarawak am oberen Balait und Tutau, an der Nordküste Borneos.
Zugehörende Dialekte sind: Brunei Malay, Kedayan (Kadaian, Kadajan, Kadian, Kadien, Kadyan, Karayan, Kedyan, Kedien. Kerayan) und Kampong Ayer. Brunei-Kadajan und Kedayan haben mehr als 90% lexikalische Similarität mit allen anderen zugehörigen Dialekten sowie 73% bis 80% mit dem Standard- Malaiisch. Der nationale Dialekt ist äußerst umfassend. „Orang Bukit“ ist der Name der Bevölkerung. Die Brunei und Kedayan sind beides von der Regierung anerkannte eingeborene Völkerschaften.
- Bukit-Malaiisch (Bukit, Meratus) - eine von etwa 50.000 Menschen (1981) gesprochene Variante des Malaiischen im Südosten Kalimantans (Indonesien), am Fluss Sampanahan, nordwestlich von Limbungan.
- Cocos Island Malay (Cocos, Kokos, Kukus) - eine von über 5.440 Menschen (2000) in Tawau und Lahad Datu in Sabah (Malaysia) auf Borneo, ca. 500 Menschen (1987) auf den Cocos Islands (Keeling Islands) im Australischen Territorium und etwa 560 Menschen (1987) auf Christmas Island gesprochene malaiische Variante.
- Enim - eine von etwa 70.000 Angehörigen (1989) im Süden der Insel Sumatra, südlich von Muaraenim sowie östlich und südöstlich von Lahat gesprochene malaiische Variante.
- Jambi-Malaiisch - von etwa 890.000 Menschen (1989) in der Provinz Jambi im Süden der Insel Sumatra gesprochene malaiische Variante mit den Dialekten: Suku Batin (Batin), Ilir und Ulu.
- Kaur (Ka’ur, Bintuhan) - von ca. 20.000 Menschen (1989) im Südwesten der Insel Sumatra, in den Gebieten Süd-und Nord-Kaur und Süd-Bengkulu gesprochene malaiische Variante.
- Kedah-Malaiisch (Satun-Malaiisch) - eine in den malaiischen Provinzen Kedah, Penang und Perlis sowie in einigen Dörfern nahe des Ortes Satun, im Süden Thailands gesprochene malaiische Variante. Sie ist offensichtlich unterschiedlich zum Pattani-Malaiisch oder Standard-Malaiisch. Die Bevölkerung spricht mehr Thai als die Sprecher des Pattani. Es bestehen viele Kontakte mit der Thai-Bevölkerung in Songkhla, Phattalung und Had Yai sowie mit dem Malaiischen der Westküste der Provinzen Perlis und Kedah in Malaysia.
- Kerinci (Kerintj, Kerintji, Kintjai, Kinchai) - eine von ungefähr 300.000 Menschen (1989) im Osten der Bevölkerung der Minangkabau in Zentral-Sumatra, in den Bergen der Jambi-Provinz, rund um Sungaipenuh und auf den Inseln in der Malakka-Straße gesprochene malaiische Variante. Dazu gehören die Dialekte: Lubu, Sakei, Talang , Akit, Ulu und Mamaq. Sie ist aber unterschiedlich zum Kerinci-Minangkabau, das ein Dialekt des Minangkabau ist.
- Kota Bangun-Kutai-Malaiisch - von etwa 80.000 Menschen (1981) gesprochene Variante des Malaiischen auf Kalimantan (Indonesien) im Becken des zentralen Mahakam River. Sie ist nicht verständlich mit Tenggarong Kutai Malay, aber eventuell mit dem Nord-Kutai.
- Kubu --> Kubu - Lematang (Lemantang) - eine von etwa 150.000 Menschen (1989) im Süden der Insel Sumatra, rund um Muaraenim und in anderen kleineren Orten südöstlich von Sarolangun gesprochene malaiische Variante.
- Lembak (Linggau) - von rund 50.000 Angehörigen (1989) im Inneren des südlichen Sumatra, rund um Lubuklinggau und östlich von Bengkulu gesprochene Variante. Zu ihr gehören die Dialekte: Lembak Bliti (Bliti) und Lembak Sindang.
- Lintang - von rund 70.000 Angehörigen (1989) im Süden der Insel Sumatra, zwischen den Ortschaften Lahat und Kapahiang gesprochene malaiische Variante.
- Loncong (Lontjong, Lonchong, Sekah) (–› auch Orang Laut) - eine lokale malaiische Variante, die an der Ostküste von Sumatra, zu beiden Seiten der Mündungen der Flüsse Kampat und Inderagiri, sowie an den Küsten der vorgelagerten Inseln Bangka und Belitung von einer Bevölkerung gesprochen wird, die auch als Orang Laut und mit Sekah bezeichnet wird. Sie zählen etwa 420 (2000) Angehörige.
- Lubu - von etwa 30.000 Menschen (1981) in der Zentralregion des östlichen Sumatras gesprochene malaiische Variante. Die Sprache ist nahe verwandt dem Kubu und Kerinci. Die Lubu-Bevölkerung erachtet den Namen „Kerinci“ als abwertend.
- Makassar-Malaiisch - eine von mehr als 1,876 Mio. Menschen (2000) in der Makassar-Region, im Südwesten der indonesischen Insel Sulawesi gesprochene lokale malaiische Variante.
- Musi - von etwa 403.000 Menschen (2001) in Musi Banyuasin in der Süd-Sumatra-Provinz, zu beiden Seiten des Flusses Musi gesprochene malaiische Variante. Zu ihr gehört der Dialekt Sekayu Malaiisch.
- Nord-Molukken-Malaiisch (Ternate-Malaiisch) - eine von etwa 700.000 Menschen (2001), von denen ca. 100.000 monolingual sind, gesprochene malaiische Variante auf den nordmolukkischen Inseln Halmahera, Sula und den Obi-Inseln. Diese leben in unmittelbarer Nachbarschaft von Familien, deren Eltern verschiedenen ethnischen Ursprungs sind. Der größte Teil der dort lebenden Bevölkerung gebraucht diese Variante als Zweitsprache. Es besteht ein natürliches Verständnis zum Menado Malaiischen.
- Ogan - von etwa 300.000 Menschen (1989) im Süden der Insel Sumatra, rund um Baturaja, Pagerdewa sowie nördlich und westlich von Kayuagung gesprochene lokale malaiische Variante.
- Palembang (Palembang-Malaiisch) - eine von etwa 500.000 Menschen (1989) im Palembang-Gebiet, im Südosten der Insel Sumatra, vor allem am Fluss Musi, gesprochene malaiische Variante. Sie ist mit anderen lokal- malaiischen Varietäten eng verwandt. Früher wurde sie mit dem Banjar zusammen als Palembang-Bandjari- Malaiisch bezeichnet.
- Pasemah (Besemah) - von etwa 400.000 Menschen (1989) im zentralen Bukit Barisan-Hochland auf der Insel Sumatra gesprochene malaiische Variante.
- Pattani-Malaiisch (Thai Islam) - eine von etwa 3,1 Mio. Menschen (1998) gesprochene lokale Variante der malaiischen Sprache, die an der Ostküste Süd-Thailands, unterhalb von Songkhla und Yala bis Suratthani, nahe Rangsit, verbreitet ist. Sie ist gleich dem Malaiischen in den Provinzen Kelantan und Trenganu in Malaysia, aber unterschiedlich zum Kedah-Malaiisch und auch zu dem Standard-Malaiisch.
- Penesak (Penasak) - von etwa 20.000 Menschen (1989) im Süden der Insel Sumatra, rund um Prabumulih gesprochene malaiische Variante.
- Rawas - eine von etwa 150.000 Menschen (1989) rund um Ambacang und entlang des Flusses Musi, in der Region Musi Rawas in der Süd-Sumatra-Provinz, gesprochene malaiische Variante. Zu ihr gehören die Dialekte: Rupit, Rawas Ulu und Rawas Ilir.
- Sabah-Malaiisch (Bazar-Malaiisch, Pasar Malay) - eine von wenigen Muttersprachlern in vornehmlich städtischen Regionen, aber speziell von Nachkommen von Sprechern, welche unterschiedliche Muttersprachen besitzen, verwendete Variante des Malaiischen. Sie wird vorrangig als Kontaktsprache verwendet und ist deshalb ein nicht vollständig entwickeltes Idiom. Die Sprecher weichen oft auf verschiedenartige andere Sprachen aus, um sich in Bereichen auszudrücken, wo das Vokabular des Sabah-Malaiischen unvollständig ist.
- Semendo - eine von etwa 105.000 Menschen (1989) in zwei Regionen im Inneren des südlichen Sumatra, westlich von Baturaja sowie südlich von Pajarbulan gesprochene malaiische Variante.
- Serawai (Serawaj, Serawi) - von etwa 225.000 Menschen (1989) an der Küste der Insel Sumatra, südlich von Bengkulu gesprochene malaiische Variante.
- Sindang Kelingi (Kelingi) - eine von etwa 50.000 Menschen (1989) im Süden der Insel Sumatra, rund um Muaraklingi gesprochene malaiische Variante.
- Tenggarong-Kutai-Malaiisch (Tenggarong, Kutai) - eine von etwa 210.000, Menschen (1981) gesprochene malaiische Variante im Becken des Mahakam River, in der östlichen Küstenregion, von Sepinang, Tenggarong, Mangkalihat, im Norden bis Muarabadak und Samarinda im Süden Kalimantans (Indonesien). Hierher gehören die Dialekte: Tenggarong Kutai, Ancalong Kutai, Nord-Kutai u.a. Teng garong und Kota Bangun sind nicht untereinander verständlich. Sie besitzt gemeinsame phonologische Elemente mit dem Berau-Malaiisch, Banjar und Brunei.
Die eigentlichen Malaien sind ein Volk der Indonesier auf der Malaiischen Halbinsel, im Osten Sumatras, im Küstenbereich von Kalimantan, auf den Riau- und Ling ga-Inseln sowie an noch vielen anderen Küstenplätzen des südostasiatischen Archipels. Wegen der Größe und der Zersplitterung ist die eigentliche Anzahl der Malaien kaum zu bestimmen. In Malaysia sind sie das staatstragende Volk, obwohl sie kaum die Hälfte der Gesamtbevölkerung stellen. Nach den Javanern sind sie das bedeutendste Volk des südostasiatischen Archipels.
Als Seefahrer, Kaufleute und Piraten waren sie den Europäern weit besser bekannt als alle anderen Völker der Inselwelt. Daher wurden früher alle südostasiatischen Inseln (einschließlich der Philippinen) unter der Bezeichnung Malaiischer Archipel geführt. Selbst die verschiedenen Völker der Inselwelt wurden als Malaien zusammengefasst, so dass immer überprüft werden muss, ob die eigentlichen Malaien oder die Bevölkerung des südostasiatischen Archipels gemeint sind. Heute spricht man statt dessen von Indonesiern.
So sind beispielsweise die Kap-Malaien die Nachkommen von Angehörigen verschiedener Ethnien Indonesiens, die während der holländischen Kolonialzeit als Dienstkräfte nach Südafrika gingen bzw. dorthin deportiert wurden. Der eigentliche Ursprung der malaiischen Bevölkerung, deren Eigenbezeichnung „Orang Melayu“ ist, liegt im Osten der Insel Sumatra und ist im gegenüberliegenden Küstenbereich der Malaiischen Halbinsel zu suchen. Dieser Raum wurde vor etwa 4.000 Jahren von Trägern einer jungsteinzeitlichen Kultur bewohnt.
Spätestens um 300 n. Chr. begann die Metallzeit mit Bronze und bald auch mit Eisen. Anscheinend gab es auch damals schon ziemlich große Stammesverbände mit den Vorformen einer staatlichen Ordnung, und sicherlich wurde ein sehr ausgedehnter Seehandel betrieben. Etwa zur Zeitenwende kam dieses Gebiet unter den Einfluss der indischen Zivilisation. Ein chinesischer Pilger berichtete um 670 n. Chr. von der Existenz zweier blühender Königreiche nach indischem Vorbild: Malayu in der Landschaft Jambi und Srivijaya in der Gegend des heutigen Palembang.
Das Königreich Srivijaya gewann bald die Vorherrschaft und konnte seine Macht auf die Malaiische Halbinsel, auf West-Java und auf West-Kalimantan ausdehnen. Somit kontrollierte es viele Jahrhunderte lang auch den Seehandel innerhalb der malaiischen Inselwelt. Srivijaya war zugleich ein Zentrum des Mahayana-Buddhismus. Seine Herrscher unterhielten diplomatische Beziehungen mit den Höfen Indiens und mit dem Kaiser von China. Chinesische und arabische Quellen rühmen die Pracht und den Reichtum der Hauptstadt.
Mit Srivijaya kämpften die hinduistischen Königreiche auf Java um die Vorherrschaft. Um 1300 war die Macht von Srivijaya zerfallen, und Melayu trat in den Vordergrund. Um die Mitte des 14. Jh. unterwarf das mächtige javanische Reich Majapahit den Osten von Sumatra und die Malaiische Halbinsel. Kaum 100 Jahre später hatte sich dort aber der Islam durchgesetzt. Die islamischen Nachfolgestaaten übernahmen schließlich den Feudalismus von Majapahit und seinen Vorgängern. Die dünne Adelsschicht trennte eine tiefe Kluft vom gemeinen Volk der Malaien.
Wahrscheinlich bildete sich im 14. Jh. durch die verbindende Kraft des Islam „Orang Melayu“ als gemeinsamer Name heraus. Die Malaien sind gläubige Muslime. Als Seefahrer und Händler trugen sie den Islam schon im 15. Jh. in weite Teile der Inselwelt. Dennoch wird das Leben der einfachen Reisbauern und Fischer weitgehend vom Glauben an eine Geisterwelt, die Wirksamkeit von Amuletten und magischen Praktiken bestimmt, und manche Riten bei der Hochzeit, Geburt und beim Feldbau sowie auch bei der Hofhaltung des Hochadels lassen einen vorislamischen Ursprung vermuten.
Die Lebensgrundlage der meisten Malaien ist auch heute noch die Landwirtschaft. Der auf bewässerten Feldern angebaute Reis ist die Hauptnahrungspflanze. Auf vielen Inseln leben die Malaien an der Küste und betreiben dort Fischfang und Seehandel mit Produkten der alteingesessenen Bevölkerung. Das Dorf und die dörfliche Solidarität bilden die Basis ihrer Gesellschaft. Anders als bei den eng verwandten Minangkabau ist die Abstammungsrechnung der Malaien bilateral, zu der Verwandtschaft zählen also Angehörige der väterlichen sowie der mütterlichen Linie, was die Bildung starker Verwandtschaftsgruppen verhinderte.
Darin liegt vielleicht die wichtigste Voraussetzung für ihre enorme Fähigkeit, andere Kulturen zu assimilieren. Die meisten Malaien auf der Insel Borneo dürften Nachfahren der Dayak sein. Die Malaien haben selbst größere Gruppen der Javaner assimiliert, so z.B. in der vor Beginn der Kolonialzeit mächtigen Stadt Malakka. Die Banjaresen im Südosten von Kalimantan, die zumeist aus Java eingewandert sind, können heute, trotz einiger Besonderheiten, zu den Malaien gerechnet werden.
Um zu den Malaien zu gehören, genügt es, ihre Sprache und Kleidung zu übernehmen und vor allem sich zum Islam zu bekennen. Diese Norm versagte allerdings völlig gegenüber den Chinesen, die in vielen Gebieten einen Großteil der Bevölkerung stellen. In der Republik Malaysia liegt die wirtschaftliche Macht vorwiegend in den Händen der in den Städten überall konzentrierten Chinesen, während die Malaien die Politik und Verwaltung dominieren. Immer wieder führte dieses soziopolitische Gefüge in der Vergangenheit zu manchen Spannungen und z.T. auch zu schweren Konflikten. Der Rassenkonflikt führte sogar zu verschiedenen Guerillaaktionen kommunistischer Untergrundkämpfer.
Diesen Artikel empfehlen




