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Khmer
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Wichtigster Zweig der Mon-Khmer-Sprachen innerhalb der austroasiatischen Sprachfamilie und eine der wichtigsten Bevölkerungsgruppen in Südostasien. Die eigentliche Khmer-Bevölkerung verteilt sich von Kambodscha über Thailand und Vietnam in zwei Zweige, wovon der kleinere mit etwa 1 Mio. Angehörigen die Nördlichen Khmer sind, die im Nordosten Thailands leben, vor allem in den Provinzen Buriram, Sisaket, Surin und Korat. Entsprechend werden auch ihre Dialekte so bezeichnet.
Ihre Sprache ist unterschiedlich zu der der wesentlich größeren Khmer-Gruppe, dem Zentralen Khmer (Kambodschanisch), das von etwa 12,1 Mio. Menschen in Kambodscha gesprochen wird, was rund 90% der Landespopulation sind. Das Zentrale Khmer ist die wichtigste Sprache der Mon-Khmer-Sprachgruppe. Sie ist die Staatssprache in Kambodscha sowie auch die Nationalsprache aller Khmer, beruhend auf der Basis des Zentraldialektes der Hauptstadt Pnom Penh. Sie wird außerdem von verschiedenen nationalen Minderheiten in Thailand, hier von etwa 100.000 Angehörigen, die in Flüchtlingskamps im Osten des Landes leben, von etwa 10.400 Angehörigen in Laos und rund 1.000 Menschen in China gesprochen.
Mehr als 700.000 Angehörige der Zentralen Khmer leben in Vietnam, die hier vor allem „Viet Goc Mien“, „Khome Krom“, „Cu Tho“ oder „Cur Cul“ bezeichnet werden. Ihre hauptsächlichen Wohngebiete sind der Südwesten des Mekong-Deltas, die Provinzen Hau Giang, Cuu Long, Kien Giang, Minh Hai, Thành phó Hò Chí minh (Saigon), Song Bé und Tay Ninh. Das Khmer ist eine alte Literatur- und Schriftsprache. Die älteste Inschrift stammt vom Kaiser HAN CEI im Tempel Papaneto aus dem 6. Jh. Zwischen der traditionellen Schriftsprache und der Standardumgangssprache bestehen erhebliche Unterschiede.
Das Khmer wird heute von mehr als 12 Mio. Menschen gesprochen. Kambodscha ist das ethnisch homogenste Land Südostasiens. Etwa 90% seiner Bevölkerung sind Khmer, welche die größte Ethnie innerhalb der kulturell auf unterschiedlichen Stufen lebenden, aber in ihrer Sprache verwandten Mon-Khmer- Völker, ausmachen. Das Khmer ist eine in erster Linie zweisilbige Sprache, die zahlreiche Lehnwörter aus dem Sanskrit und dem Pali übernommen hat. Neben der Hochsprache gibt es in Kambodscha noch 12 weitere Dialekte. Das Khmer kennt weder Konjugation noch Deklination und verfügt auch über keine Tonhöhen.
Von der einst das gesamte südliche Hinterindien beherrschenden Mon-Khmer-Bevölkerung konnten die Khmer als einzige Gruppe ihre politische Selbständigkeit wahren. Kulturell unterscheiden sie sich wenig von der Tieflandbevölkerung der Nachbarstaaten. Die Dörfer der Landbevölkerung, die aus gras- und schindelgedeckten Pfahlhäusern bestehen, basieren in der Mehrzahl auf Subsistenzwirtschaft (Reis, Früchte und Gemüse), einige haben sich jedoch auf Fischfang oder bestimmte Zweige des Handwerks spezialisiert.
Religiöser und sozialer Mittelpunkt eines Khmer-Dorfes ist der Tempelbezirk. Der Theravada-Buddhismus, der mit althergebrachten Geister vorstellungen kombiniert ist, übt einen wesentlichen Einfluss auf das Alltagsleben aus. Bis 1975 war es üblich, dass ein Mann für einige Monate oder Jahre in seinen lokalen Tempel als Mönch eintrat. In ländlichen Gebieten tragen die Khmer ihre herkömmliche Bekleidung, vor allem den Wickelrock (sampot), der sowie von Männern als auch von Frauen getragen wird und ein etwa drei Meter langes und einen Meter breites Stück Baumwoll- oder Seidenstoff ist, das um die Hüften geschlungen und vorn befestigt wird.
In der Länge reicht es bis zur Mitte der Wade. Das obere freie Ende wird zwischen den Beinen durchgezogen und hinten in das Taillenband gesteckt. Von vorn hat man den Eindruck weiter Hosen, während es von hinten eher einem Rock gleicht. Frauen tragen zum Sampot eine Bluse und einen Schal. Bei den Khmer ist die Einehe üblich. Die Frau spielt im Leben der Familien der Khmer eine bedeutende Rolle, die bei Haushaltsdingen, insbesondere bei der Erziehung der Kinder oder bei finanziellen Fragen, immer das letzte Wort hat. Khmerfrauen behalten ihren Mädchennamen auch nach der Eheschließung.
Die Geschichte der Khmer geht weit zurück. Starke indische Kultureinflüsse zu Beginn unserer Zeitrechnung führten zur Entstehung von Khmer-Reichen mit starker hinduistischer Prägung, an deren Spitze Gottkönige und eine Führungselite von Adligen, Brahmanen und Beamten standen. In der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends n. Chr. standen die Khmer wie auch viele andere Völker des südostasiatischen Festlandes unter der Herrschaft von Funan, der ersten historisch fassbaren Staatsgründung in Südostasien. Das Zentrum des Funan-Reiches lag im Gebiet des heutigen Südvietnam, doch reichte seine Macht bis weit nach Birma (Myanmar) hinaus.
Eine ethnische Zugehörigkeit der damaligen Bevölkerung ist nicht sicher, wahrscheinlich waren es jedoch Khmer. Im 6. und 7. Jh. wurde die Vormachtstellung Funans durch Chenla, dessen früheres Zentrum nordöstlich des Großen Sees (Tonle Sap) lag, gebrochen. Nachdem die Macht Chenlas im 8. Jh. niederging, fiel das von den Khmer bewohnte Land kurze Zeit unter javanische Kontrolle. 802 n. Chr. erklärte JAYRVARMAN II. die Unabhängigkeit von Java und gründete nicht weit von Angkor die neue Hauptstadt.
Mit einer neuen Dynastie begann im Jahre 1080 n. Chr. die Blüte des Reiches Angkor. Unter dem Herrscher SURYAVARMAN II. (1113–1150), der auch den bekannten Tempelbezirk Angkor Vat erbauen ließ, entstand ein mächtiges Imperium, das Siam und den Südteil Vietnams mit einschloss. Das Interesse der Khmer beschränkte sich im wesentlichen auf das Festland, d.h. Chenla und Angkor blieben immer eine Landmacht.
Die Seemacht des Funan-Reiches ging an die Staaten des Malaiischen Archipels und an Champa über. Champa wurde der Hauptgegner der Khmer, dem es 1177 sogar gelang, in einem Überraschungsangriff Angkor zu erobern und zu zerstören. Angkor konnte diesen Schlag jedoch überwinden und unter JAYAVARMAN VII. (1181–1218) erneut seine Macht entfalten, bis das gesamte Festland Südostasiens praktisch unterworfen war.
In Angkor (Bayon) entstanden neue Bauwerke, deren Glanz und Schönheit von allen Zeitgenossen gerühmt wurden. Der Mahayana-Buddhismus trat an die Stelle des Hinduismus und wurde zu einer Quelle der Inspiration für Kunst und Architektur. Die spätere Einführung des Theravada- Buddhismus aus Ceylon trug durch die individualistische Komponente dieser Religion und die Entstehung selbständiger dörflicher Kultzentren zur Dezentralisierung des Staates bei. Durch die Kämpfe mit Champa und einen Mongoleneinfall (1283–1285) geschwächt, verloren die Khmer während des 14./15. Jh. immer mehr Boden an die neueingewanderten Siamesen ( Thai ).
Seit dem 15. Jh. musste sich Kambodscha gegen den ständigen Druck seiner Nachbarreiche Siam und Vietnam behaupten. Angkor musste aufgegeben werden, und Phnom Penh wurde zur neuen Hauptstadt. Im 17./ 18. Jh. verloren die Khmer Cochinchina (Südvietnam) an die Vietnamesen, und ihr Königreich wäre wohl ganz dem Zangengriff der Nachbarvölker erlegen, wäre es 1863 nicht ein französisches Protektorat geworden. Erst die französische Kolonialherrschaft (1863–1954) sicherte die Grenzen des Landes.
1887 wurde Kambodscha Teil der Kolonie Französisch-Indochina. Im Jahre 1947 wurde es als konstitutionelle Monarchie unabhängig und löste im Jahre 1955 alle politischen Verbindungen mit Frankreich. Prinz SIHANOUK versuchte mit einer neutralen Politik, das Land aus dem Vietnamkrieg herauszuhalten, wurde aber 1970 von einer Militärjunta unter LON NOL gestürzt, und Kambodscha wurde in den Vietnamkrieg hineingezogen. Gleichzeitig kam es einem blutigen Bürgerkrieg, in dem 1975 die kommunistischen Roten Khmer siegten. Das Land verfiel in einen brutalen Umerziehungsprozess, den die Roten Khmer auslösten und in dem Tausende von Menschen mit ihrem Leben bezahlen mussten.
Jegliche Verbindung mit der Außenwelt wurde abgeschnitten und die Zahl der Todesopfer betrug wahrscheinlich mehrere Millionen. Seit 1977 kam es zu vereinzelten Grenzkämpfen mit dem kommunistischen Vietnam und Anfang 1979 überrannten dann vietnamesische Truppen das Land. Der Sturz des menschenverachtenden Pol-Pot-Regimes mit Hilfe vietnamesischer Besatzungstruppen ließ die alte Furcht vor den Hegemoniebestrebungen des östlichen Nachbarn wieder aufleben. Bis zu dem heutigen Tag hat sich das Land von den Folgen aus diesen politischen Verwirrungen noch nicht richtig erholen können.
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