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Ketschua
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Auch bekannt unter:
- Kechwa
- Quechua
Die bedeutendste südamerikanische indianische Sprachfamilie, die mit all ihren zugehörenden Sprachen, 46 an der Zahl, allgemein nur als Ketschua bezeichnet wird. Sie wird in den Anden weithin als Verkehrssprache verwendet. „Runa-Simi“ und „Runa Kuna“ sind die Eigenbezeichnung des Ketschua. Sie wird von über 12 Mio. Menschen von Süd-Kolumbien über Ecuador, Peru, Bolivien bis in die Andenregion des nördlichen Chiles und bis an den Ucayali in Brasilien gesprochen. Ursprünglich war sie die Sprache der Inkas.
Heute ist das Ketschua eine Schriftsprache mit eigener Literatur von allerdings nur provinzieller Reichweite. Eine Blütezeit erlebte die Ketschua-Literatur im 18. Jh. Im eigentlichen Sinn ist der Begriff „Ketschua“ lediglich eine Sammelbezeichnung für verschiedene Varianten oder Dialekte dieser Sprache. Allein 32 verschiedene Varianten werden in Peru gesprochen mit 3,5 bis 4,4 Mio. Sprechern:
- Ambo-Pasco-Ketschua (San Rafael Huariaca Quechua) - mit etwa 90.000 Angehörigen (1998), von denen ca. 20% monolingual sind, in der Provinz Ambo (Departement Huánuco), in den Distrikten Huacar, San Francisco de Mosca und San Rafael sowie in der Provinz Pasco (Departement Pasco), in den Distrikten Huachón, San Francisco de Asís de Yarusyacán, Chaupimarca, Huariaca, Ninacaca, Pallanchacra, Ticlacayán, Simón Bolívar, Tinyahuarca, Vicco und Yanacancha.
- Arequipa-La-Unión-Ketschua (Arequipa Quechua, Cotahuasi Quechua) - mit etwa 18.630 Angehörigen (2000), von denen ca. 10.000 monolingual sind, in der Provinz La Unión (Arequipa Departement), im Distrikt Cotahuasi sowie in der Provinz Antabamba im Apurímac- Departement. Dialekte sind: Cotahuasi, Hochland-Arequipa, Nord-Arequipa und Antabamba (Apurimac). Linguistisch steht die Sprache dem Cuzco und dem östlichen Apurímac näher als dem Ayacucho.
- Ayacucho-Ketschua (Runasimi, Chanka) - mit ca. 900.000 Angehörigen (2000), von denen ca. 300.000 monolingual sind, in der südwestlichen Ayacucho-Region und in Lima. Dialekte der Sprache sind: Andahuaylas und Huancavelica. Die lexikalische Similarität beträgt 96% mit Surcubamba, Puquio und Cuzco.
- Cajamarca-Ketschua - mit ca. 30.000 Angehörigen (2000) in den Distrikten Cajamarca, Chetilla und Los Baños. Die Dialekte sind West- und Ost-Cajamarca, zwischen denen nur geringe Unterschiede bestehen. Der Westdialekt ist im Distrikt Chetilla und die Ostvariante in Porcon und verschiedenen Gebieten rund um das Tal von Cajamarca verbreitet. Die lexikalische Similarität beträgt 94% mit Lambayeque und 92% mit Pacaraos.
- Cajatambo-Nord-Lima-Ketschua - mit etwa 7.000 Angehörigen (2000), von denen ca. 2.800 monolingual sind, im Nordosten des Lima-Departements, in den Distrikten Copa, Cajatambo, Huancapón, Nord-Manas und NO-Gogor sowie im Südosten des Departements Ancash, in den Distrikten Pacllón, La Primavera und Mangas (südlich des Rio Llamac und östlich des Rio Pativilca). Die Verständlichkeit mit dem Huamalíes- Ketschua beträgt 74%.
- Chachapoyas-Ketschua (Amazonas) - mit etwa 7.000 Angehörigen (2003), von denen etwa 100 bis 300 monolingual sind (2003), in den Provinzen Chachapoyas und Luya im Departement Amazonas. Dialekte sind: Lamud (West-Chachapoyas), Grenada-Mendoza (Ost- Chachapoyas), La Jalca (Süd-Chachapoyas) und Llakwash Chachapoyas. Die Sprache ist nahe verwandt dem San Martín-Ketschua.
- Chincha-Ketschua - mit etwa 6.000 Angehörigen (2000) in Ica, im Nordosten der Chincha-Provinz, in Huancavelica, im Nordwesten der Castrovirreyna-Provinz sowie in Lima, im Südosten der Yauyos-Provinz.
- Chiquián-Ancash-Ketschua - mit etwa 10.000 Angehörigen (2000), von denen ca. 4.000 monolingual sind, in der Bolognesi-Provinz, im Südosten des Ancash- Departements, im Chiquián-Distrikt, in West-Bolognesi westlich des Rio Pativilca und nördlich des Rio Llamac, und im östlichen Ocros; dieses Gebiet grenzt an das Corpanqui-Tal. Das West-Ocros ist möglicherweise mit einbezogen, aber der Dialekt ist ziemlich unterschiedlich. Es bestehen einige Kontakte mit Cajatambo und einige wenige mit Huamalíes. Die Verständlichkeit mit dem Cajatambo-Ketschua beträgt rund 73%.
- Corongo-Ancash-Ketschua - mit etwa 4.000 Angehörigen (2000), von denen rund 1.700 monolingual sind (2000), in der Corongo-Provinz (im Norden des Ancash-Departements), in den Distrikten Corongo, Aco, Cusca, La Pampa und Yanac. Die größte Häufigkeit besteht in Aco und Cusca. Die Sprache ist nahe verwandt dem Huaylas und Sihuas-Ketschua. Einige Kontakte bestehen mit Sihuas, Nord-Conchucos und Huaylas.
- Cusco-Ketschua (Cuzco Quechua, Quechua de Cuzco, Quechua Qosqo-Qollaw, Quechua de Cusco-Collao, Runasimi Qusqu Qullaw, Qheswa, Quechua Cusco) - mit etwa 1,5 Mio. Angehörigen (1989), von denen ca. 300.000 bis 500.000 monolingual sind, im Departement Cusco. Dialekte sind: Ost-Apurímac Quechua, Puno Quechua und Caylloma Quechua. Es gibt nur geringe Dialektdifferenzen, aber wesentliche morphologische sowie auch phonologische Unterschiede zum Ayacucho-Ketschua.
- Huallaga-Huánuco-Ketschua - mit etwa 40.000 Angehörigen (1993), von denen ca. 66% monolingual sind, im Nordosten des Departements Huánuco, inklusive der Stadt Huánuco.
- Huamalíes-Dos-de-Mayo-Huánuco-Ketschua - mit etwa 72.440 Angehörigen (2000), von denen 20.000 bis 30.000 monolingual sind, innerhalb einer ethnischen Population von ca. 80.000 bis 110.000 Angehörigen im Nordwesten des Departements Huánuco. Dialekte sind: Monzón, Huamalíes und Nord-Dos-de-Mayo. Die lexikalische Similarität beträgt 96% mit dem Margos-Yarowilca- Lauricocha-Ketschua.
- Huaylas-Ancash-Ketschua (Huaraz Quechua) - mit etwa 336.330 Angehörigen (2000), von denen weniger als 20.000 monolingual sind, in der Provinz Huaraz (im zentralen Ancash-Departement), in Carhuaz und Caraz sowie in Callejón de Huaylas. Dialekte sind: Huaraz, Yungay und Huailas (Huaylas). PARKER ist der Meinung, dass keinerlei Verständlichkeiten bestehen zum Cuzco, Ayacucho, Süd-Junín (Huanca), Cajamarca, Amazonas (Chachapoyas) oder San-Martín-Ketschua.
- Huaylla-Wanca-Ketschua (Huanca Huaylla Quechua, Süd- Huancayo-Quechua) - mit etwa 250.000 Angehörigen (2002), im Süden des Junín-Departement, in den Provinzen Huancayo und Concepción. Dialekte sind: Waycha (Huaycha, Zentral-Huancayo), West-Waylla und Ost-Waylla.
- Jauja-Wanca-Ketschua (Huanca Jauja Quechua, Shausha Wanka Quechua) - mit ca. 14.550 bis 31.500 Angehörigen (die Zählung stammt allerdings noch aus dem Jahre 1962), einer ethnischen Population von ca. 77.730 Angehörigen (2000), in der Jauja-Provinz im zentralen Junín-Departement. Es gibt erhebliche phonologische Unterschiede zum Tarma.
- Lambayeque-Ketschua (Ferreñafe) - mit etwa 20.000 Angehörigen (1998) in der Lambayeque-Region, in den Distrikten Inkawasi, Kañaris und Miracosta, in den Gemeinden von Penachí und Santa Lucía sowie in angrenzenden Gebieten anderer Departements, wie Cajamarca und Piura. Dialekte sind Incahuasi und Cañaris. Die lexikalische Similarität beträgt 94% mit dem Cajamarca-Ketschua.
- Margos-Yarowilca-Lauricocha-Ketschua - mit etwa 83.400 Angehörigen (1993), von denen ca. 14.000 monolingual sind, innerhalb einer ethnischen Population von ca. 114.000 Angehörigen (1993), im Südwesten und zentralen Süden des Huánuco-Departements, in den Distrikten Obas, Aparicio Pomares, Cahuac, Chavinillo, Chacabamba, Jacas Chico, Rondos, San Francisco de Asis, Jivia, Baños, Queropalca, Jesús, San Miguel de Cauri, Yarumayo, Margos und Chaulán. Die Literatur ist angepasst an Huamalíes-Dos de Mayo. Die lexikalische Similarität beträgt 90% mit Panao und 85% mit Corongo (Ancash), Sihuas, Monzón, Tarma, Ulcumayo-Ketschua.
- Napo-Flachland-Ketschua (Runa Shimi, Santa Rosa Quechua, Santarrosino, Quixo, Kicho, Quijo, Napo, Yumbo, Lowland Napo Quichua, Napo Kichua) - mit etwa 8.000 Angehörigen in Peru, in der Region des Rio Napo und in einzelnen Gemeinden am Rio Putumayo sowie bis zum Rio Madre de Dios, von einer insgesamten Population von ca. 12.000 Angehörigen, von denen Teile in Kolumbien und Ecuador leben.
- Nord-Conchucos-Ancash-Ketschua (Conchucos Quechua, Nord-Conchucos-Quechua) - mit etwa 250.000 Angehörigen (2002), von denen etwa 65.000 monolingual sind (1994), im Osten des Departements Ancash, in Pomabamba bis San Luis und Huacrachuco im nordwestlichen Huánuco- Departement. Ein kleiner Teil lebt im nördlichen Marañon-Gebiet. Die Sprache steht nahe dem Süd- Conchucos, Huamalíes und Sihuas.
- Nord-Junín-Ketschua (Tarma-Junín Quechua, Junín Quechua) - mit etwa 60.000 Angehörigen (1998), von denen ca. 7.000 monolingual sind (Zählung stammt noch aus dem Jahre 1972), im nördlichen Departement Junín, in den Distrikten Junín, Carhuamayo, Ondores, San Pedro de Cajas und im südöstlichen Pasco. Dort sind zwei Dialekte in der Tarma-Provinz, welche sich unterscheiden von denen der Stadt Junín. Die lexikalische Similarität beträgt 97% mit Cajatambo und 96% mit dem La-Unión-Ketschua.
- Nord-Pastaza-Ketschua (Tigre Quechua, Alama, Bobonaza) - mit etwa 2.000 Angehörigen in Alamos, am Rio Tigre.
- Ost-Apurímac-Ketschua (Quechua del Este de Apurímac, Apurímac Quechua) - mit etwa 200.000 Angehörigen (2002), von denen ca. 80.000 monolingual sind (30% in Städten und 60% bis 70% in entfernten Gebieten, speziell im Hochland), in den Provinzen Grau, Cotabambas, Aymaraes und Antabamba Ayamaraes, Abancay, Chuquibambilla und Anda des Departements Apurímac sowie in Arequipa der Provinz La Unión. Die Dialekte sind: Abancay, Antabamba und Cotabambas. Das La-Unión- Ketschua (Arequipa) ist sehr ähnlich mit dem Antabamba.
- Pacaraos-Ketschua - mit etwa 250 Sprechern (1984) einer ethnischen Population von ca. 900 Angehörigen, in dem Dorf Pacaraos im Departement Lima. Die Sprache unterscheidet sich lexikalisch, morphologisch sowie auch phonologisch von den anderen Ketschua-Sprachen. Die lexikalische Similarität beträgt 94% mit Huarí, Tarma, Cajatambo und Carás-Ketschua.
- Panao-Huánuco-Ketschua (Pachitea Quechua) - mit ungefähr 50.000 Sprechern (2002), von denen rund 10.000 Angehörige monolingual sind, im zentralen Osten des Huánuco-Departement. Die lexikalische Similarität beträgt 98% mit La Unión und 96% mit dem Cajatambo- Ketschua.
- Puno-Ketschua (Quechua Qollaw, Quechua Collao) - mit etwa 500.000 Angehörigen, von denen ca. 100.000 monolingual sind (2002), im Puno-Departement und in angrenzenden Gebieten wie NO-Arequipa, im Hochland von Moquegua. Dialekte sind Nord-Bolivien-Ketschua und Cailloma Quechua. Es besteht eine gegenseitige Verständigung mit Cusco-Ketschua und Nord-Bolivien- Ketschua.
- San-Martín-Ketschua (Ucayali, Lamista, Lamisto, Lama, Lamano, Motilón) - mit etwa 15.000 Angehörigen (2000), von denen ca. 2.000 monolingual sind, einer ethnischen Population von rund 43.980 Angehörigen (2000), im Loreto-Departement, in der Region San Martín, in Sisa, Lamas und anderen Distrikten sowie entlang eines Teils des Rio Ucayali. Die Stadt Lamas gilt als „die Wiege der Kultur“ und liegt ca. 22 km entfernt von Tarapota. Es existieren verschiedene kleine Dialekte.
- Santa-Ana-de-Tusi-Pasco-Ketschua - mit etwa 10.000 Angehörigen (1993) im Pasco-Departement, im südöstlichen Teil des Distrikts Daniel Carrion. Vielleicht handelt es sich hierbei auch nur um einen Dialekt des Chaupihuaranga-Ketschua.
- Sihuas-Ancash-Ketschua - mit 6.500 Angehörigen (2002), von denen etwa 3.000 monolingual sind, im Ancash-Departement, in der Sihuas-Provinz, in den Distrikten westlich des Rio Sihuas und nördlich des Rio Rupac: in Sihuas, Alfonso Ugarte, Huayllabamba, im südlichen Quiches und westlichen Ragash. Die Sprache ist nahe verwandt mit Nord-Conchucos und Corongo- Ketschua.
- Süd-Conchucos-Ancash-Ketschua (Conchucos Quechua, Süd-Conchucos-Quechua) - mit ca. 250.000 Angehörigen (1994 ), von denen ca. 80.000 monolingual sind, im Osten des Ancash-Departement, Chavín bis San Luis und Huacaybamba, Huacrachuco, Pinra und San Buenaventura im nordwestlichen Huánuco-Departement. Einige leben auch im südlichen Marañon. Die Sprache ist nahe verwandt mit Nord-Conchucos, Huamalíes und Huaylas.
- Süd-Pastaza-Ketschua (Inga) - mit etwa 1.550 Angehörigen (2000), von denen ca. 20% monolingual sind, in den nördlichen Waldgebieten am Anatico-See und an den Flüssen Pastaza und Huasaga sowie entlang des Rio Ñucuray River und Rio Manchari.
- Yanahuanca-Pasco-Ketschua (Daniel Carrion) - mit etwa 20.500 Angehörigen (Zählung stammt bereits aus dem Jahre 1972), von denen ca. 8.200 monolingual sind, im Westen des Pasco-Departement, in dem wenig bewohnten Hochland sowie in den dichter bewohnten Tälern der Distrikte Yanahuanca, Villcabamba, Tapoc, Chacayan, Paucar, San Pedro de Pillao, Goyllarisquizqa und Chinche. Hier werden viele verwandte Ketschua- Dialekte unterschieden: Junín, Ambo-Pasco, Santa Ana de Tusi, Cajatambo und Dos de Mayo.
- Yauyos-Ketschua - mit etwa 6.500 Angehörigen (2003) im Lima-Departement, in der Provinz Yauyos; im Ica- Departement, im Nordabschnitt der Provinz Chincha sowie im Huancavelica-Departement, in der Nordostecke der Provinz Castrovirreyna. Dialekte sind: San Pedro de Huacarpana, Madean-Viñac (Madeán), Tomás-Alis (Alis), Apurí, Huancaya-Vitis, Azángaro-Huangáscar-Chocos (Huangáscar), Tana-Lincha (Lincha), Cacra-Hongos und Laraos. In Bolivien werden folgende Sprachen unterschieden:
- Nord-Bolivien-Ketschua (Nord-La-Paz-Quechua) - mit über 116.480 Angehörigen in Bolivien (1978), von denen ca. 18.450 monolingual sind, in der Apolo-Region im Departement La Paz und den Dialekten: Charazani, Apolo und Chuma. Ein Teil von ihnen lebt auch in Peru.
- Süd-Bolivien-Ketschua (Quechua Boliviano, Zentral- Bolivien-Ketschua) - mit beinahe 2,783 Mio. Angehörigen (1987) in Bolivien, in den Hochlandregionen und im Tiefland, rund um die Ortschaft Apolo, mit den Dialekten: Sucre, Cochabamba, Oruro, Potosí und Chuquisaca sowie fast 1 Mio. Angehöriger in Argentinien (hier vor allem der Dialekt Nordwest-Jujuy-Quechua). Möglicherweise ist dieser verständlich mit dem in Chile gesprochenen Ketschua. In Kolumbien werden die folgenden zum Ketschua gehörenden Sprachen unterschieden:
- Inga (Hochland-Inga) - mit ca. 12.000 Angehörigen (2000) in Kolumbien, im Sibundoy-Tal, in und rund um Santiago, San Andrés und Colón in Aponte im Nariño- Departement, etwa 1.000 Angehörigen in Bogotá sowie einigen wenigen in anderen Städten. Auch wird es von ungefähr 4.000 Angehörigen in Venezuela gesprochen. Dazugehörende Dialekte sind: Santiago Inga, Aponte Inga und San Andrés Inga. Mit dem Imbabura-Ketschua von Ecuador gibt es eine gewisse Verständlichkeit. Das Aponte Inga könnte allerdings auch eine separate Ketschua- Sprache sein.
- Jungle Inga (Tiefland-Inga, Mocoa, Ingano) - mit etwa 9.140 Angehörigen (2000) am oberen Caquetá und Putumayo. Dialekte sind: Guayuyaco und Yunguillo- Condagua. Die Sprache ist nahe verwandt mit dem Hochland-Inga und unterschiedlich zum Napo-Ketschua. In Ecuador unterscheidet man folgende Sprachen:
- Calderón-Hochland-Ketschua (Calderón Quichua, Pichincha Quichua, Cayambe Quichua) - mit etwa 25.000 Angehörigen (1987) einer ethnischen Population von etwa 35.050 Angehörigen (2000) in den Gebieten Calderón und Cayambe der Provinz Pichincha, rund um Quito. Die Sprache ist unterschiedlich zum Chimborazo, Imbabura und Salasaca.
- Cañar-Hochland-Ketschua - mit etwa 100.000 Angehörigen (1991) in den südlichen Hochländern in der Provinz Cañar. Lexikalische Differenzen und ein festes Empfinden der linguistischen und kulturellen Identität machen eine separate Literatur notwendig.
- Chimborazo-Hochland-Ketschua - mit etwa 1,0 Mio. Angehörigen (1990) im zentralen Hochland der Provinzen Chimborazo und Bolivar. - Imbabura-Hochland-Ketschua (Otavalo Quichua) - mit etwa 300.000 Angehörigen (1977), von denen viele noch monolingual sind, in den nördlichen Hochländern der Provinz Imbabura.
- Loja-Hochland-Ketschua (Saraguro Quichua, Loja Quichua) - mit über 30.520 Angehörigen (2000) im Norden der Provinz Loja, in den südlichen Hochländern. Nahe verwandt ist das Cañar-Hochland-Ketschua.
- Napo-Tiefland-Ketschua (Ingano, Tiefland-Napo- Ketschua, Napo Quichua, Runa Shimi) - mit etwa 4.000 Angehörigen (2000) in Ecuador und etwa 1.000 in Peru, in den östlichen Waldgebieten, entlang der Flüsse Napo, Aguarico und Putomayo, konzentriert in der Nähe von Schulen. Ein Dialekt ist das Santa Rosa Quechua.
- Nord-Pastaza-Ketschua (Bobonaza Quichua, Pastaza Quichua, Alama, Canelos Quichua, Sarayacu Quichua) - mit etwa 4.000 Angehörigen in Ecuador und ca. 2.000 in Peru, in den östlichen Waldgebieten entlang der Flüsse Bobonaza und Conambo
der Provinz Pastaza. Der in Peru gesprochene Dialekt ist das Tigre Quechua.
- Salasaca-Hochland-Ketschua (Tungurahua-Hochland- Quichua, Salasaca Quichua, Tungurahua Quichua) - mit etwa 14.330 Angehörigen (2000) im Süden und Osten von Ambato in der Provinz Tungurahua.
- Tena-Flachland-Ketschua (Yumbo) - mit ca. 5.000 Angehörigen (1976) in den östlichen Waldgebieten der Regionen Tena, Arajuno und Shandia. Die Sprecher des Napo, Pastaza und Tena Quichua verstehen jede andere Ketschua-Sprache, aber keine geschriebenen Texte. In Argentinien gibt es das:
- Santiago del Estero-Ketschua (Santiagueño Quichua) - mit etwa 60.000 Angehörigen (2000) in der Provinz Santiago del Estero, im nördlichen zentralen Argentinien, in den Departements Figueroa, Moreno, Robles, Sarmiento, Brigadier J. F. Ibarra, San Martín, Silipica, Atamisqui, Avellaneda, Salavina, Quebrachos, Loreto, Mitre, Aguirre, einige in der südöstlichen Provinz Salta, im westlichen Departement Taboada, entlang des Rio Salado und in Buenos Aires. Sie ist unterschiedlich zum Bolivien-Ketschua (lexikalische Similarität 81%) oder zu anderen Ketschua-Sprachen. In Chile gibt es:
- Chilenisches Ketschua - eine ethnische Population mit ca. 4.560 Angehörigen (2000) im Norden des Landes. Die Sprache ist sehr verständlich oder möglicherweise sogar dasselbe wie Süd-Bolivien-Ketschua. Das Ketschua war die Staatssprache des Inkareiches und später, nach dessen Eroberung Verwaltungs- und Missionssprache der Spanier im Umgang mit den zentralandinen Indianern.
Die Sprachgrenze lehnt sich an die historische Grenze des Inkareiches an bzw. überschreitet sie dort, wo in der Kolonialzeit eine intensive Beeinflussung aus dem ehemaligen Inkagebiet erfolgte. Eine Ausnahme bildet dabei das Aymará- Gebiet, das sich im Inkareich und danach eine kulturell- sprachliche Sonderstellung bewahrte. Die gemeinsame Inka- und Kolonial-Vergangenheit und relativ starke kulturelle Einheitlichkeit der bäuerlichen Bevölkerung bilden die Grundlage eines Gemeinsamkeitsbewusstseins der Indianer, das einen verbindenden Ausdruck im Gebrauch der Ketschua-Sprache sieht.
Doch existieren daneben auch starke Loyalitäten gegenüber der jeweiligen Provinz und auch des Nationalstaates, die einen Teil Ketschua-Sprecher von anderen Ketschua-Sprechern trennt sowie auch mit Nichtindianern verbindet. Es ist deshalb fraglich, ob gegenwärtig die Ketschua als ein eigenes und auch zusammenhängendes Volk bezeichnet werden können. Eher handelt es sich um eine Gemeinschaft von Sprache und Kultur in mehreren Nationen – ähnlich wie etwa die deutsche Sprachgemeinschaft teils zur deutschen, teils zur schweizerischen, teils zur österreichischen Nation gehört.
Mit dem Begriff „Ketschua“ sind generell die Bauern des Andenhochlandes gemeint, die Ketschua sprechen und eine relativ homogene Kultur aufweisen. Gemeinsame kulturelle Züge der Ketschua ergeben sich einerseits aus der gemeinsamen vorspanischen Kultur, andererseits aus deren Umwandlung unter kolonialspanischem Einfluss. So sind etwa die vielfältigen Volkstrachten und auch die sehr reiche Volkskunst in ihren Grundlagen überwiegend kolonialspanisch, daher die barocke Prägung ihrer Volkskunst. Die zentralandine Volksmusik verbindet dagegen indianische und kolonialspanische Elemente miteinander.
Überwiegend indianisch ist dagegen, unter einem offiziellen katholischen Mantel, die Volksreligion, die eng mit der in den Grundlagen noch immer indianischen Landwirtschaft verbunden ist. In abgelegenen Dörfern haben sich Reste der kollektiven Ayllu-Dorfverfassung der Inkazeit erhalten. Diese Dörfer besitzen eine eigene Verwaltungshierarchie mit Selbstverwaltungsrechten. Ihr politischer Aufbau ähnelt der altspanischen städtischen Selbstverwaltung. Die politischen Organe im Dorf üben auch Kontrolle über die Reste von Gemeineigentum aus und helfen bei der Regelung der Gemeinschaftsarbeit.
Die Ketschua sind wie die Aymará vor allem Feldbauern und Viehzüchter. In hohen Gebirgslagen – über 4.200 Meter – wo der Anbau von Feldfrüchten nicht mehr möglich ist, bildet die Haltung von Alpakas, Lamas und Schafen ihre Lebensgrundlage. Bereits auf etwa 4.000 Metern bauen die Ketschua verschiedene Körner- und Knollenfrüchte an. Allein von der Kartoffel sind es 650 verschiedene Arten. Die Indianer des Andenhochlandes begegnen den schwierigen ökologischen Verhältnissen mit einer Reihe von Intensivierungsmaßnahmen, wie Brache, Bewässerung u.a. In niederen Höhenlagen mit mildem Klima wird Mais in unterschiedlichen Sorten angebaut und in den feuchtheißen Tälern gedeiht die Coca-Pflanze.
Coca-Blätter, deren Genuss im Inkareich nur der Oberschicht vorbehalten war, werden nicht nur als Stimulans und zur Unterdrückung des Hungergefühls gekaut, sondern spielen auch eine sehr wichtige Rolle im Kult der Ketschua. Sie dienen als Opfergabe für die Götter sowie zum Wahrsagen. Die Baumwoll- und die Wollweberei in vielerlei Mustern sind neben dem Fertigen von Korb- und Töpferwaren sowie einigen Holzarbeiten die wichtigsten Handwerksarten dieser Bevölkerung.
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