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Karibische Sprachen
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Eine der größten und am weitesten verbreitete südamerikanische Sprach- und Völkerfamilie. Ihr Verbreitungsgebiet reicht über ganz Nord-, Nordost- und weit bis ins zentrale Südamerika hinein. Von ihnen stammt auch der Name „Karibik“. Die Anzahl der karibischen Sprachen, einschließlich der bereits ausgestorbenen, wird auf 50 bis 55 geschätzt, die auf ehemals etwa 200 Stämme verteilt waren. Heute leben noch rund 25.000 Kariben in 20–30 verschiedenen Stämmen in Kolumbien, Venezuela, Guyana, Surinam, Französisch Guayana und Brasilien und 32 karibische Sprachen werden noch gesprochen.
Früher besaßen sie eine riesige Sprecherzahl von Honduras über die Karibischen Inseln bis nach Nord-Brasilien, Guyana sowie nach Kolumbien und Peru. Das Gebiet von Guyana war von jeher das Kerngebiet der karibischen Stämme. Die weitaus größte Zahl der Kariben lebte und lebt noch heute in dem Kulturareal Guyana, zu dem außer den drei Guyanaländern noch die angrenzenden Teile Brasiliens und Venezuelas gerechnet werden. Die Kariben werden in der Sprachwissenschaft nach verschiedenen Gesichtspunkten eingeteilt. Eine dieser Einteilungen ist die nach dem Linguisten MARSHALL DURBIN , der die karibischen Sprachen in zwei große Sprachgruppen, das nördliche Karibisch, das mit fünf Untergruppen den größten Teil der karibischen Sprachen umfasst und das südliche Karibisch mit drei Untergruppen unterteilt.
Zur nördlichen Gruppe gehören zum einen die bereits ausgerotteten Karibenstämme der Küste von Venezuela, die Maracaibo-Gruppe im nordwestlichen Grenzgebiet zwischen Venezuela und Kolumbien sowie die verschiedenen Binnenlandgruppen des westlichen Venezuela. Im Nordosten schließen sich dann die –› Küsten-Kariben Guyanas an, die einst die Küste von der Mündung des Orinoco bis zur Amazonasmündung besiedelten. Reste von ihnen wohnen heute an den Unterläufen sowie auch im Mündungsgebiet der großen Flüsse, nach denen sie benannt sind. Diese werden oft auch als Galíbi oder –› Karib bezeichnet, was abgeleitet von „Kaliña = Mensch“ ist, woher auch die Bezeichnung „Kariben“ stammt. Daneben gibt es noch eine Gruppe von Kariben im Küstengebiet von Französisch Guayana, die ebenfalls die Bezeichnung Galibí trägt, jedoch als Eigenname, und noch etwa 700 Personen zählt.
Ferner gehören zur nördlichen Gruppe eine Reihe von Kariben des Binnenlandes, wie die Akawai des oberen Mazaruni in Guyana, die Arekuna, Makushi u.a., die auch unter der Bezeichnung „Pemon (Pemong)“ zusammengefasst werden und in Venezuela, im Grenzgebiet zu Brasilien leben. Eine letzte Untergruppe des nördlichen karibischen Sprachraumes bilden die verschiedenen brasilianischen Kariben-Stämme, südlich des Amazonas, von denen aber lediglich die Txikão im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso überlebten. Zur südkaribischen Sprachfamilie gehören z.B. die Carijona des Kulturareals Nordwestamazonien am oberen Vaupés im Kolumbien, die Nahukwa (Kalapalo, Kuikuru) des oberen Xingú-Gebietes in Zentralbrasilien, die Bakaïri des Rio Batovi in Zentralbrasilien und einige Stämme in Venezuela und in Nordbrasilien, von denen vor allem die Makiritare (Yecuana) im Süden Venezuelas besonders hervorzuheben sind.
Indianer dieser Sprachfamilie waren die ersten, die im 15. Jh. mit ihren Auslegerbooten die Inselgruppe der Kleinen Antillen eroberten und gehörten zu den ersten Völkerschaften der Neuen Welt, zu denen 1493 Kolumbus und die ihm folgenden Konquistadoren Berührung hatten. Diese recht kriegerischen Kariben, die anscheinend auch Kannibalen waren (ein Ausdruck, der abgeleitet wurde von „Karibe“), hatten seit ungefähr 1400 die Inseln der Kleinen Antillen erobert, die ursprünglich von Indianern der aruakischen Sprachfamilie besiedelt worden waren. Dabei wurden die männlichen Aruaken getötet oder versklavt und die Frauen geheiratet. Bei der Ankunft der Europäer waren diese Insel-Kariben offenbar im Begriff, auch die Großen Antillen, die ebenfalls von Aruaken (Taino) bewohnt waren, zu erobern.
Auf den Kleinen Antillen kam es zu einem Nebeneinander von karibischen und aruakischen Sprachen, wobei sich in wenigen Fällen auch das Aruakische durchsetzte. Ein Beispiel ist die aruakisch-karibische Sprache Garif der sogenannten Black Carib –› Garífuna, Nachkommen von Kariben der Antilleninsel St. Vincent, die sich mit entflohenen schwarzen Sklaven vereinigten und 1896 an die Küste von Honduras deportiert wurden. Die Kariben auf Haïti und den Kleinen Antillen wurden von den Spaniern bis auf zahlenmäßig unbedeutende Reste vernichtet. Die kriegerische Haltung der Kariben gegen die Europäer begründete ihre weitgehende Ausrottung, andere wurden versklavt oder gingen an Krankheiten zugrunde.
Von den 1493 schätzungsweise noch 5,8 Mio. Indianern der westindischen Inseln, wozu Kariben und auch andere gezählt werden, überlebten hier bis heute noch knapp 500 Kariben, die sogenannten Yellow Caribs auf den Inseln Dominica und St. Vincent, die aber kaum noch Karibisch, sondern Kreolfranzösisch sprechen. Aufgrund der Kämpfe der Spanier mit den Insel-Kariben entstand das Bild des „kriegerischen Kariben“, das später auf alle karibischen Stämme ausgedehnt wurde. Dies ist aber ein Stereotyp, das in dieser Form nicht haltbar ist. Vollkommen anders verlief das Schicksal der im Nordosten des südamerikanischen Festlandes lebenden karibischen Stämme, die in den Gebieten der gewaltigen Ströme des Orinoco, des Essequibo, des Caroni oder des Parima beheimatet waren.
Sie zogen sich vor den landeinwärts, dem sagenhaften „Eldorado“ zustrebenden Fremdlingen stromaufwärts in die unzulänglichen Weiten der Savannen und in die Urwälder zurück, wo man ihnen unter den verschiedenartigsten Namen begegnete. Man schätzte die Anzahl der Stämme, die einst zu den Kariben gehörten, auf 200. Die heutigen karibischen Stämme leben weit verstreut und legen verschieden großen Wert auf Landwirtschaft, Fischfang und die Jagd. Nahezu all diese Stämme bauen Maniok an.
Die Männer roden das Land und flechten Körbe, die Frauen ernten und stellen Töpferwaren her. Die karibischen Stämme in der Nähe der Küste bauen ihre Häuser meist auf Pfählen. Die Dächer werden mit Stroh gedeckt. Die Männer heiraten vorzugsweise eine Kusine väterlicherseits, und viele heiraten gleich mehrere Schwestern. Bis sein erstes Kind geboren ist, lebt der Mann beim Vater seiner Frau und arbeitet für ihn. Die Dörfer der Kariben werden von Vorstehern mit begrenzter Macht geleitet und sind selbständig. Die heute wohl von den meisten Menschen noch gesprochene karibische Sprache ist das Macushi in Brasilien, Guyana und Venezuela.
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