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Javanisch
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Eine der bedeutendsten malaiisch-polynesischen Sprachen, die eine eigene Gruppe dieses Zweiges innerhalb der austronesischen Sprachfamilie bildet, die im mittleren Teil der Insel Java, insbesondere in den Provinzen Yogjakarta und Djawa- Tengah sowie teilweise in den angrenzenden Provinzen Ost- und West-Javas verbreitet ist und von ca. 75,2 Mio. Menschen (1989), den Javanern, gesprochen wird.
Knapp 300.000 Angehörige sprechen in dem südamerikanischen Land Surinam und rund 6.750 Angehörige (1987) in Noumea, der Hauptstadt von Neukaledonien, javanisch. Sie ist eine Schrift- und Literatursprache und besitzt verschiedene Dialekte. Sie wird auch in kleinen Enklaven auf Sumatra, Borneo, Papua-Neuguinea, Sulawesi und Maluku gesprochen.
Zu den Dialekten des Javanischen zählen: Jawa Halus, Tegal, Indramayu, Solo, Cirebon (Tjirebon, Cheribon), Tembung, Pasisir, Surabaya, Malang-Pasuruan, Banten und Manuk; west-javanische Dialekte sind Banten, Cirebon und Tegal, zentral-javanisch ist das Solo in Yogyakarta und ost-javanische Dialekte sind Surabaya und Malang-Pasuruan.
Das Javanische in Neukaledonien sowie auch in Surinam ist nur teilweise verständlich mit der auf Java gesprochenen Sprache. Einzelne Dialekte gibt es auch in Sabah (Malaysia) auf Borneo. Hoch- Javanisch (Jawa Halus) ist die Sprache der Religion, aber sie ist heute ziemlich rückläufig. Durch die starken indischen Kultureinflüsse etwa vom 2. bis zum 14. Jh. ist sehr viel indisches (sanskritisches) Lehnwortgut in das Javanische eingedrungen, später auch aus Portugiesisch, Arabisch sowie aus Niederländisch.
Besonders kennzeichnend für die javanische Sprache sind die vier verschiedenen Rangsprachen (Ngoko, Krama, Madya und Krama inggil), deren Anwendung vom sozialen Status, dem Verwandtschaftsgrad oder aber von dem Alter der Gesprächspartner abhängig ist. Vor allem durch Unterschiede im Wortschatz sind die einzelnen Sprachebenen charakterisiert. Steht der Sprecher mit seinem Gesprächspartner in einem verwandtschaftlichen Verhältnis, so wendet er das Ngoko-Vokabular an.
Gegenüber Menschen, denen eine gewisse Formalität zu wahren ist, wird das Madya-Vokabular angewendet. Das Krama-Vokabular wird gegenüber zu respektierenden Personen und das Kramainggil-Vokabular gegenüber besonders hoch zu schätzenden Gesprächspartnern benutzt. Die von links nach rechts verlaufende javanische Silbenschrift leitet sich von südindischen Alphabeten ab. Die Javaner sind das größte Volk der Indonesier und stellen fast 65% der Bevölkerung der Inseln Java und Madura.
Eine besondere Gruppe bilden dabei die sogenannten „Orang Jakarta“, die etwa 10 Mio. Bewohner der Hauptstadt Indonesiens, die sich aus allen Völkern des Inselstaates zusammensetzt. Die javanischen Bauern leben und arbeiten ebenso in den fruchtbaren grünen Ebenen, wie auf den steilen Hängen der über 100 Vulkane, die wie eine Kette die Insel durchziehen und von denen 35 noch aktiv sind. Sie legen Gemüse- und Tabakfelder an, Obstbaumpflanzungen und ihre Dörfer umgeben bewässerte Reisfelder.
Die Häuser ihrer Dörfer liegen fast versteckt in dem sie umgebenden Grün. Mit Wänden aus dichtverwobenem Bambus oder gebranntem Lehm und rotbraunen Tonziegeldächern stehen rechteckige Häuser gerade ausgerichtet an den Wegen. In ihrer Größe unterscheiden sie sich stark, doch sind alle nach dem gleichen Plan gebaut. Im allgemeinen lebt die aus Mann, Frau und Kindern bestehende Familie allein. Nur in Notfällen werden Großeltern, unverheiratete Brüder oder Schwestern, hin und wieder auch mal weitläufigere Verwandte aufgenommen.
Da Scheidungen sehr häufig sind, leben auch manche Frauen allein mit ihren Kindern. Die Vorfahren der Javaner gerieten etwa um die Zeitenwende, wie auch andere Indonesier rings um die Javasee, unter den Einfluss der indischen Zivilisation. Für die Mitte des 5. Jh. n. Chr. ist im Westen von Java ein hinduistisches Königreich nachweisbar. Um diese Zeit entstand im Südosten von Sumatra das buddhistisch geprägte Königreich Srivijaya, dessen Dynastie um 770 n. Chr. auch in Mitteljava die Vormacht gewann und den Buddhismus dorthin brachte.
Um 870 eroberte eine hinduistische Dynastie Mitteljava zurück und gründete das Reich Mataram, zu dessen architektonischen Leistungen der hinduistische Tempelkomplex Prambanan zählt. Um 930 verlagerte sich das Machtzentrum des Reiches nach Ost-Java und zwischen den Reichen Mataram und Srivijaya (SO-Sumatra) begann nun ein wechselvoller Kampf um die Vorherrschaft im Seehandel, der von den nachfolgenden Reichen fortgesetzt wurde.
1294 entstand mit Majapahit ein neuer Staat im Osten von Java, der dann bis zur Mitte des 14. Jh. mit seinen Stützpunkten und Vasallen alle wichtigen Küsten und den Seehandel der indonesischen Inselwelt beherrschte. Die hindujavanischen Herrscher entfalteten eine prunkvolle Hofhaltung und ihre Residenzen waren Zentren des Handwerks, der Baukunst und der Literatur. Im 15. Jh. kam der Islam nach Java, und die Statthalter von Majapahit nutzten ihn, um sich unabhängig zu machen.
Majapahit verlor mehr und mehr seine Macht, und innere Wirren besiegelten 1448 seinen Untergang. Damit verlor der Hinduismus seine staatstragende Funktion, und der Islam wurde zur vorherrschenden Religion der Insel. Nur zwei kleine Gruppen konvertierten nicht, die Badui, die nördlich des Kendenggebirges, im Westen Javas, im Siedlungsgebiet der streng muslimischen Sundanesen leben und die Tenggeresen im Tengger-Gebirge in Ost- Java.
Bis heute bewahren die Tenggeresen ihren bäuerlich geprägten Hinduismus. Höhepunkt ihres religiösen Lebens ist das alljährliche Opferfest am Krater des Vulkans Bromo. Die wenigen Tausend Badui widersetzten sich im 17. Jh. entschieden dem Islam und leben seitdem in strikter Abgeschlossenheit. Als erste europäische Kolonialmacht erschienen die Portugiesen 1512 auf den Molukken, doch Java wurde von ihnen kaum behelligt. Im Jahre 1596 landeten die ersten Niederländer, die bald den Hafen Jakarta (seit 1619 Batavia genannt) als Niederlassung gewinnen konnten.
Binnen kurzem gelang es der Ostindiengesellschaft den gesamten Gewürzhandel unter ihre Kontrolle zu bringen. Im 17. Jh. dehnten die Niederländer ihre Macht auf Java immer weiter aus, nur das Sultanat Mataram konnte sich bis zu seiner Teilung 1755 gegen sie behaupten. Die nachfolgenden Sultanate Surakarta und Jogjakarta in Zentraljava behielten ihre Selbstverwaltung. Als Zentrum des niederländischen Kolonialreiches hatten Javas Bewohner durch ein Zwangsanbausystem im 19. Jh. unter kolonialer Ausbeutung besonders zu leiden.
Die Kultur der Javaner wurde in der hindujavanischen Epoche geprägt. Kennzeichnend dafür ist die starke Schichtung der javanischen Gesellschaft, die sich auch in der Sprache mit mehreren sozial gestaffelten Idiomen für Gleichgestellte, Ranghöhere und Rangniedrigere zeigt, aber auch in der Etikette. Zwar ist der Islam bei den Javanern heute fest verankert, doch finden sich bei den einfachen Reisbauern noch sehr viele vorislamische Erscheinungen. Zahlreiche Geister bestimmen über das Geschick der Menschen. Besondere Verehrung genießt die Reisgöttin „Dewi Sri“ als Inbegriff der Fruchtbarkeit.
Das Leben in den Dörfern wird bestimmt durch ein System gegenseitiger Hilfe. Diese dörfliche Solidarität findet ihren Ausdruck im „slametan“, einer feierlichen Reismahlzeit für Männer, die das Hauptritual der muslimischen Javaner bildet, bei dem auch den Geistern Speisen dargebracht werden. Es dient dazu, Spannungen abzubauen, und steht im Zusammenhang mit dem islamischen Kalender, dem Lebenszyklus und dem Agrarjahr.
Anlässe dafür können Geburt und Tod, das Beschneidungsfest, aber ebenso eine bevorstehende größere Reise sein. In der hindujavanischen Vergangenheit wurzelt auch der „Kris“, die Kultwaffe der Javaner, die Batiktechnik, aber mehr noch die Musik des Gamelan- Orchesters und das Theater (wayang), das alte Überlieferungen wiedergibt. Die Javaner sind heute allein schon wegen ihrer Zahl die politisch führende Kraft der Republik Indonesien. Ihr Hauptproblem ist die bedrohende Übervölkerung des Landes.
Der größte Teil der Bevölkerung wohnt auf dem Lande und dort leben sie von dem was sie erzeugen. Es gibt Gegenden auf Java, wo pro Quadratkilometer rund 2.000 Menschen leben. Das beste Beispiel bietet Jakarta, die Hauptstadt Indonesiens, die heute mehr als 10 Mio. Einwohner hat und Stadtplaner davon ausgehen, dass nach spätestens 20 Jahren eine neue Riesenstadt mit mehr als 25 Mio. Menschen entstanden sein wird, und die den Namen „Jabotabek“ trägt. Der Name setzt sich zusammen aus den Anfangsbuchstaben der vier Städte Jakarta, Bogor, Tangerang und Bekasi, die dann einmal die Grenzen dieser neuen Metropole bilden werden.
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