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Indonesier
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Im Allgemeinen Sprachgebrauch wird die Bezeichnung
Indonesier politisch verstanden und auf die Staatsangehörigen der
Republik Indonesien eingeengt. Die Völkerkunde dagegen fasst die
Bezeichnung viel weiter. Sie versteht darunter die autochthone
Bevölkerung der Inselwelt SO-Asiens. Diese wird aus der Halbinsel
Malakka und einem Inselbogen gebildet, der sich von Sumatra über Java
und Sulawesi bis zu den Philippinen erstreckt, Singapur und Borneo
umschließt und im Osten eine weitere Inselkette nach Neuguinea
entsendet.
In vergangenen Jahren wurde für den Begriff
Indonesier noch die Bezeichnung Malaien verwendet. Heute allerdings
bezeichnet der Ausdruck Malaien einmal den zu den Indonesiern gehörenden
Volksstamm der Malaien sowie zum anderen die olitisch gesehene
einheimische Bevölkerung des Staates Malaysia. Darüber hinaus gibt es
auch außerhalb des südostasiatischen Archipels, in Mikronesien, im
nördlichen Südvietnam, auf Taiwan und Madagaskar Völker und
Stammesgruppen, die zu den Indonesiern gerechnet werden. Um das Jahr
1800 gab es etwa 14 Mio. Menschen, die zu den Indonesiern (damals noch
Malaien) zählten, 1970 waren es bereits rund 170 Mio. und in der
heutigen Zeit sind die 200 Mio. längst überschritten.
Die
Indonesier gliedern sich in eine Vielzahl ethnischer Gruppen, die sowohl
von Millionenvölkern wie Javanen, Malaien, Tagalen, als auch von
vergleichsweise recht kleinen Stammeseinheiten gebildet werden. Ihre
Zahl wird von 150 bis weit über 300 Ethnien geschätzt. Die
Brückenstellung des Archipels zwischen dem asiatischen
Festland, Ozeanien und Australien förderte und ermöglichte schon in
frühester Zeit umfangreiche Wanderungen zahlreicher Völker, die sich
überlagerten, vermischten und gegenseitig verdrängten. Das Ergebnis ist
ein Bild ethnischer Vielfalt. Im Tropengürtel gelegen, umfasst der
Archipel mehr als 20.000 Inseln, von denen rund 8.500 permanent
besiedelt sind.
Borneo mit den Dayak als der Hauptbevölkerung,
Sumatra mit den Aceh, Batak und Minangkabau, Sulawesi mit
den Toraja, Luzon und Mindanao mit den Igorot und Moros zählen zu den
größten Inseln der Welt. Die Indonesier gehören der mongoliden Rasse an.
Typische Merkmale der Mongoliden, wie z.B. die Mongolenfalte, sind bei
ihnen nur schwach entwickelt. Sie sind von relativ kleiner Statur, haben
eine hell- bis dunkelbraune Hautfarbe und schwarzes, straffes Haar.
Insgesamt gesehen ist ihr körperlicher Habitus nur sehr wenig
einheitlich. Somatische Unterschiede sind auf Vermischungen mit
verschiedenen, nichtmongolischen Bevölkerungsgruppen zurückzuführen, die
schon vor der Ankunft der Mongoliden im Archipel ansässig waren.
Die Sprachen der Indonesier sind alle miteinander verwandt. Sie bilden
den westlichen Zweig der austronesischen Sprachfamilie und gliedern sich
in die Gruppen der west-, nordwest-, südwest- und ostindonesischen
Sprachen. Die Vorfahren der heutigen Indonesier sind zwischen 2500 und
1500 v. Chr. vom asiatischen Festland aus in den Archipel eingewandert.
Sie waren die Träger einer neolithischen Kultur und verfügten bereits
über genaue Kenntnisse des Pflanzenanbaus und der Tierhaltung. Sie
zerstörten die ethnische Eigenständigkeit der hier lebenden
wildbeuterischen Vorbevölkerung weitgehend oder assimilierten deren
Reste. Es gibt nur sehr wenige Gruppen im indonesischen Archipel, die
noch bis in die jüngste Gegenwart als Wildbeuter leben und die auf eine
nichtmongolide Vorbevölkerung zurückzuführen sind. Spätestens um 300
v. Chr. begann mit der Bronze und bald auch dem Eisen die Zeit der
Metallverarbeitung.
Die Indonesier scheinen die neuen Techniken
über die Handelsbeziehungen mit dem asiatischen Festland erworben zu
haben. In der wohl zur gleichen Zeit erfolgten Besiedlung der Insel
Madagaskar vor dem afrikanischen Kontinent zeigt sich ihre Fähigkeit,
weite Seefahrten zu meistern. In dieser Zeit entstand die sogenannte
altindonesische Kultur mit ihren Megalithen, den aus religiösen und
sozialen Gründen errichteten Menhiren und Dolmen sowie den
Steinsarkophagen und Steinkistengräbern. Bei einigen Gruppen der
Indonesier, wie der auf der Insel Nias lebenden Bevölkerung, blieb diese
Megalithkultur bis in unsere Zeit lebendig. Um die Zeitenwende gerieten
die Küstengebiete um die Java-See unter den Einfluss Indiens.
Inschriften aus dem 5. Jh. n. Chr. bezeugen Königreiche nach indischem
Vorbild. Mit dem Hinduismus und dem Buddhismus fanden Schrift und
Literatur Eingang in die indonesische Kultur. Es entstanden Residenzen
und Tempelbauten mit reichem Figurenschmuck.
Vermutlich waren
oft indonesische Seefahrer und Kaufleute die Vermittler des Neuen.
Indische und indigene Elemente verbanden sich zu der hinduindonesischen
Kultur, in der die Indonesier ihre Sprache und Eigenart bewahrten.
Hinduistisch und buddhistisch geprägte Königreiche konkurrierten um die
Macht. Die hindu-javanische Epoche kulminierte in dem einst mächtigen
Reich Madjapahit, das 1293 das ost- javanische Reich Singharasi abgelöst
hatte, und das im 14. Jh. seine Herrschaft über die ganze Welt des
heutigen indonesischen Staates und die Halbinsel Malakka ausgedehnt und
die Inseln zu einer staatlichen Einheit verbunden hatte. Mit seinen
Stützpunkten und Vasallen kontrollierte es die Küsten und den Seehandel
der Inselwelt. Um diese Zeit hatte aber schon der Islam im Norden von
Sumatra Fuß gefasst, den die seefahrenden Malaien und Bugis in alle
Teile der Inselwelt trugen. Die Vasallen nutzten die neue Religion, um
sich unabhängig zu machen.
Das Reich Madjapahit wurde mehr und
mehr zurückgedrängt und zerbrach 1478 infolge innerer Wirren und im
Ansturm des Islams, der sich bald über weite Teile des Archipels
verbreitete. Lediglich auf Bali und in Teilen der Insel Lombok hat sich
der Hinduismus bis in die Gegenwart erhalten können. Doch noch heute
bestehen viele Bereiche der hindu-javanischen Kultur, wie Musik
und Tanz, unter dem Islam fort. 1511 erschienen die Portugiesen als die
erste Kolonialmacht im Archipel und eroberten die Stadt Malakka. Schon
ein Jahr später stießen sie zu den begehrten Gewürzinseln, den Molukken,
vor, wo sie erste Stützpunkte errichteten. Besondere Bedeutung hatten
die kleinen Inseln Ternate und Tidore, deren Fürsten – einst Vasallen
von Madjapahit – sich die Herrschaft über die Molukken teilten.
1522 konnten sich die Portugiesen auf Ternate etablieren und sich so in
den lukrativen Gewürzhandel einschalten, der bisher von arabischen
Händlern kontrolliert worden war. Spanier, Niederländer und Briten
folgten daraufhin als Kolonialherren. Spanier landeten auf den Inseln,
die heute zu den Philippinen gehören und 1596 kamen die ersten
Niederländer nach Java, wo sie mit Jakarta (seit 1619 Batavia) einen
Stützpunkt erwarben. 1599 setzten sie sich auch auf der Insel Ambon
fest. Im 16. Jh. dehnten sie ihre Macht auf ganz Java aus und
verdrängten bald darauf die Portugiesen, denen nur Ost-Timor blieb. Von
Java, Ambon und noch einigen anderen Inseln aus kontrollierten sie weit
effektiver als die Portugiesen den Seehandel der Inselwelt. Erst gegen
Ende des 19. Jh. stellten die Niederländer, auch das Innere der großen
Inseln und die Randzonen des Archipels unter die Kontrolle ihrer
Kolonialverwaltung.
Während die Spanier schon ab dem Jahre 1565
auf den Philippinen mit der Missionierung begannen, wurde diese in den
von Niederländern und Briten besetzten Gebieten erst zu Beginn des 19.
Jh. eingeleitet. Um einen Überblick über die Vielfalt der indonesischen
Völker und Kulturen zu gewinnen, bedient sich die heutige Ethnologie
eines Ordnungsschemas, das Bezug nimmt auf die skizzierten historischen
Vorgänge im Archipel. Heute werden die Indonesier in alt- und
jungindonesische Ethnien unterschieden. Die Altindonesier haben ihre
kulturelle Prägung in frühen Geschichtsepochen erfahren. Die
Jungindonesier wurden erst wesentlich später durch Hinduismus,
Buddhismus, Islam und frühes Christentum geprägt, wobei die Unterschiede
zwischen einzelnen jungindonesischen Völkern und Stammesgruppen vor
allem auf die verschiedene Intensität ihrer hochkulturlichen
Beeinflussung zurückzuführen sind.
Die hindu-javanische Kultur,
der Islam und das Christentum verbreiteten sich jedoch nicht gleichmäßig
über alle Teile des Archipels. In den Randgebieten, auf entlegenen
Inseln und im Inneren der großen Inseln blieben Bevölkerungsgruppen
ausgespart, die von der Völkerkunde als Altindonesier klassifiziert
werden. In der Abgeschlossenheit ihrer Inseln bekamen die Altindonesier
nur durch Vermittlung der Bevölkerung an den Küsten von den
Veränderungen in der Inselwelt zu spüren. Erst in der zweiten Hälfte des
19. Jh. wurden beide Kulturen durch eine Eingliederung in das
niederländische Verwaltungs- und Schulsystem sowie durch Missionierung
einander angeglichen. Die Völker und Stämme im Inneren der großen Inseln
sowie auf den kleinen Inselgruppen blieben historisch gesehen in ihrer
Lebensweise weitgehend unberührt. Sie wurden vom Buddhismus, Hinduismus
und später vom Islam gar nicht oder nur gering beeinflusst.
So
überdauerte bei ihnen die altindonesische Kultur. Ohne staatliche
Ordnung und ohne schriftliche Überlieferung lebten diese Gruppen ganz im
engen Rahmen ihrer Dörfer und bewahrten ihre tief in der Vergangenheit
wurzelnde Religion, ihre Kunst und Gesellschaftsform. Diese Gruppen
werden als altindonesische Völker klassifiziert. Zu diesen
Altindonesiern werden die verschiedenen Gruppen der wildbeuterischen und
nicht-mongoliden Vorbevölkerung gerechnet, wie z.B. Orang Asli (–›
Asli) in den Wäldern und Gebirgen der Halbinsel Malakka. Die Semang und
Senoi, zwei Völker der Orang Asli, die Mon-Khmer-Sprachen sprechen,
bestreiten ihren Lebensunterhalt durch die Jagd mit dem Blasrohr und
durch das Sammeln von Produkten des Waldes. Zusammengeschlossen in
Lokalgruppen, sogenannten Horden, führen sie ein nomadisches Leben.
Ihre typische Behausung ist der Windschirm. Ihre Sesshaftmachung wurde
jedoch bereits eingeleitet. Abkömmlinge weddid beeinflusster Restvölker
sind die Orang Kubu, Lubu, Ulu, Mamak, Akit, Sakai oder Batin, Utan,
Darat oder Benua, Lom und Laut sowie die Moken auf Sumatra und den
vorgelagerten Inseln. Auch die Punan, Toala und Aëta auf Borneo,
Sulawesi und auf der philippinischen Insel Luzon sind Abkömmlinge der
nichtmongoliden, wildbeuterischen Vorbevölkerung. Ebenso die Tasaday
auf Mindanao, die erst Mitte 1971 in der Kordillere von Cotabato im SW
der Insel Mindanao entdeckt worden sind. Die Mehrheit der Altindonesier
dagegen ist sesshaft. Sie lebt in kleinen Dorfgemeischaften und betreibt
den Anbau von Reis, Kokos, tropischen Knollenfrüchten und Bananen
sowie Tierhaltung und Fischfang. Jagd- und Sammelerträge haben jedoch
nur einen geringen Anteil am Prozess der Nahrungsgewinnung.
Die
Häuser der Altindonesier sind gewöhnlich rechteckige Pfahlbauten, die
z.T. kunstvoll verzier t sind. Handwerkliche Techniken, wie
Weben, Flechten und die Metallverarbeitung sind bei ihnen von alters her
verbreitet. Ihre verwandtschaftliche Organisation ist überwiegend
patrilinear. Altersklassen und Reifefeiern, die Existenz von
Jung gesellenhäusern, eine ständische Gesellschaftsordnung und der
Glaube an Götter und Geister sowie Ahnenverehrung und Totenkult sind
weitere Stichworte zur ersten Charakterisierung der Altindonesier. Die
Zahl der altindonesischen Ethnien übertrifft die der Jungindonesier um
ein Vielfaches. Zu ihnen gehören solche Völker wie die Batak, Gajo und
Alas auf Sumatra; die Niasser, Mentaweier und die Engganesen auf den
vorgelagerten Inseln; die Dayak auf Borneo; die Toraja und Minahasa auf
Sulawesi; die meisten Bewohner der kleinen Sundainseln; die Igorot auf
Nord-Luzon; die Bukidnon, Manobo, Sabuanum, Bagobo, und Bilaan auf
Mindanao; die Mangya auf Mindoro; die Tagbanum auf Palawan u.a. Die
Eingriffe der Kolonialverwaltung in Sitten und Gebräuche, die
Konfrontation mit dem Christentum der Missionare und dem Islam ließen
die traditionellen Wertbegriffe vieler Völker fragwürdig werden. Mit dem
Übertritt zum Christentum oder Islam ing eine Angleichung an die übrige
Bevölkerung Indonesiens einher, doch bewahrten die altindonesischen
Völker ihre Sprache und Elemente ihrer Kultur.
Die
Jungindonesier stellen mit etwa 90% den Hauptteil der Indonesier, und
damit der Staatsbevölkerungen der verschiedenen politischen Einheiten.
Die Wirtschaft der Jungindonesier beruht vor allem auf dem Nassreisanbau
mit Pflug und Wasserbüffeln sowie auf der Fischerei. Techniken des
Webens, Flechtens, Färbens (Batik), das Goldschmiede-
und Waffenhandwerk sowie die Schifffahrt waren bzw. sind hoch
entwickelt. Die jungindonesischen Gesellschaftsordnungen reichen einmal
von egalitären Dorfformen bis hin zu überaus differenzierten, höfischen
Strukturen in urbanen Zentren. Schon sehr früh hatten sich verschiedene
Staatssysteme herausgebildet, die in unterschiedlichem Maße indischen,
muslimischen und später nachfolgenden christlichen und europäischen
Einflüssen ausgesetzt waren. Jungindonesische Völker auf Java sind die
Javanen, Sundanesen und Maduresen; auf Bali die hinduistischen
Balinesen; auf Ost-Sumatra, der Halbinsel Malakka und Teilen Borneos die
Malaien; im nördlichen Sumatra die Aceh; im zentralen Sumatra die
Minangkabau; auf Sulawesi die Makassaren und Bugi; auf den Philippinen
die christlichen Bevölkerungsgruppen der Tagalen und Bisaya sowie die
muslimischen Moros; auf Lombok und Sumbawa die muslimischen Sasack; im
Ostteil des Archipels die Ambonesen und Ternatesen.
Zu betonen
ist, dass die Scheidung der Indonesier in alt- und jungindonesische
Ethnien lediglich provisorischen Charakter hat. Eine feste Grenze
besteht zwischen beiden Gruppen nicht, denn es gibt jungindonesische
Völker, bei denen sich auch gewisse altindonesische Merkmale erhalten
haben. So ist die mutterrechtliche Gesellschaftsordnung bei den
Minangkabau nur schwer in Einklang zu bringen mit den Gesetzen des
Islams. Die Unterscheidung zwischen Alt- und Jungindonesier hatte nur
bis in die erste Hälfte des 19. Jh. Gültigkeit. Seither wurde durch
Christentum, Verwaltung und Schulwesen eine Angleichung beider Gruppen
eingeleitet oder bereits vollzogen. Daher werden heute nur jene
Bevölkerungsgruppen zu den Altindonesiern gerechnet, die um das Jahr
1825 weder hinduistisch, muslimisch noch christlich waren, d.h. bis zu
dieser Zeit die überkommene Religion bewahrt hatten. Der Widerstand
gegen das Kolonialregime vollzog sich bis weit ins 19. Jh. innerhalb der
einzelnen Völker.
Daher konnten die Niederländer auch große
Aufstände wie 1825/30 auf Java niederschlagen. Erst nach der
Jahrhundertwende entstanden nationale Bewegungen, arteien und
Gewerkschaften, die über die ethnischen Grenzen hinausgingen. Nach dem
Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Indonesien, das seit 1942 von den
Japanern besetzt war, unabhängig. Nach schweren Kämpfen mit der
niederländischen Kolonialmacht, die sich 1947/48 erneut Teile des Landes
sicherte, wurde 1949 die Republik Indonesien konstituiert. Der junge
Staat stand vor der heiklen Aufgabe, getreu der Devise seines
Staatswappens „Einheit in der Vielfalt“ ein Nationalbewusstsein zu
schaffen, ohne die kulturelle Eigentümlichkeit der ahlreichen Völker und
Stämme zu zerstören. Die indonesischen Stämme und Völker lebten in der
Mehrheit noch bis ins 20. Jh. beziehungslos nebeneinander, mit nur
wenigen Kontakten zur Außenwelt.
Heute sind sie in politischen
Staatssystemen, wie die die Republiken Indonesien, Singapur,
Philippinen, die Föderation Malaysia, oder das Fürstentum Brunei (ein
auf der Insel Borneo gelegenes britisches Protektorat) eingebunden, die
in ihren Grundlagen und Grenzen von europäischen Kolonialmächten
geschaffen wurden. Etwa drei Viertel des Archipels, über 13.000 Inseln,
gehört politisch zur Republik Indonesien. Auch Ost-Timor, eine ehemals
portugiesische Kolonie, wurde von Indonesien okkupiert, als dort 1975
die „Unabhängige Volksrepublik Ost-Timor“ ausgerufen wurde. Gegen den
Willen der Timoresen wurde im Jahre 1976 der Ostteil der Insel dem
indonesischen Staat als 27. Provinz eingegliedert. Auf der Grundlage des
Malaiischen, das zuvor schon weithin als Verkehrssprache diente, wurde
die „Bahasa Indonesia“ , die Nationalsprache Indonesiens
geschaffen, die heute faktisch allen Indonesiern vertraut ist.
Die Balance zwischen dem Streben nach nationaler Einheit und dem Erhalt
der ethnischen Vielfalt sind noch gewahrt, aber die starke Zentrierung
von Politik und Wirtschaft auf der Insel Java, Unterschiede in der
Landesentwicklung – vor allem die Vernachlässigung der Außeninseln –
sowie ethnische und religiöse Gegensätze tragen zu dem Komplex der
Spannungen bei, der die interethnischen Beziehungen der Völker
Indonesiens in der heutigen Zeit kennzeichnet und sich in
Separationsbewegungen und Aufständen einzelner Gruppen manifestiert.
Etwa 215 Mio. Menschen leben heute in Indonesien und Jahr für Jahr
werden es etwa 3 Mio. mehr. In den ländlichen Gebieten lebt etwa 40% der
Bevölkerung unter dem Existenzminimum. Vor allem in vielen
übervölkerten Dörfern Javas und Balis werden von Familienplanungshelfern
Ernährungsprogramme für Kinder durchgeführt. Weit über die Hälfte der
Bevölkerung konzentriert sich auf der zentralen Insel Java, dem Zentrum
wirtschaftlicher und politischer Macht des Landes.
Hier leben
etwa 2.000 Menschen auf einem Quadratkilometer. Seit 1950 schon versucht
man im Rahmen der sogenannten Transmigrasi-Programme, Menschen aus
übervölkerten Regionen in weitgehend unbewohnte Wildnis umzusiedeln.
Junge Familien, vor allem von den Inseln Java und Bali, bekommen zur
landwirtschaftlichen Nutzung 2 ha große Parzellen zur Verfügung
gestellt, meist gerodete Dschungelgebiete oder trockengelegte Sümpfe,
die jeweils nur notdürftig erschlossen sind. Nach anfänglicher
Unterstützung von Seiten des Staates und der Welternährungsorganisation
FAO sind die Siedler nach wenigen Jahren auf sich selbst gestellt. So
kommt es schon in der Anfangsphase dieses Projektes zu Problemen. Dazu
kommt, dass es in vielen Landesteilen zu schweren Ausschreitungen unter
der einheimischen Bevölkerung gegen Umsiedler gekommen ist, wobei bei
einigen Völkern die Tradition der ehemaligen Kopfjagd wieder aufblühte.
Von Preissteigerungen in Panik versetzte und aufgebrachte Massen
plünderten in verschiedenen Großstädten die Einkaufszentren, Supermärkte
und andere Geschäfte, die meist Chinesen gehörten. In West-Kalimantan
bekämpften einheimische christliche Dayak eingewanderte islamische
Maduresen. Darüber hinaus wurden die Untergrundkämpfer in Aceh wieder
aktiv. Das gesamte Programm der Transmigrasi- Politik wird auch in
absehbarer Zukunft der Überbevölkerung der zentralen Inseln nicht
entgegenwirken können.
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