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Huronen
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Ein ehemals mächtiges Indianervolk von Mais- und Tabakpflanzern, deren Sprache zum irokesischen Zweig der großen Irokesen-Caddo- Sprachfamilie gerechnet wird. Ihr Lebensraum lag an der Georgian Bay, an den östlichen Ufern des Huron-Sees, sowie am St.-Lorenz-Strom im heutigen Ontario in Kanada. Die Huronen wurden von den Franzosen wegen ihrer Haarfrisuren so genannt „hure = Wildschweinkopf“, ihre Eigenbezeichnung war jedoch „Onkwaonwe“.
Ihre Sprache galt als eine der schwierigsten unter den Indianersprachen und ihre traditionelle Kultur glich der ihrer engsten Sprachverwandten, den Stämmen der Irokesen-Liga. Das Volk der Huronen bestand aus ursprünglich vier Nationen, zu denen später noch eine fünfte kam, die Tionontati. Die vier Nationen setzten sich zusammen aus den „Attignawantan (Bärenvolk)“, „Ardendahronon (Felsenvolk)“ , „Attigneenongnahac (Schnurenvolk)“ und „Tahontaenrat (Hirschvolk)“ . Es soll Anfang des 17. Jh. an die 20.000 Huronen gegeben haben, die in befestigten Dörfern aus sogenannten Langhäusern lebten.
Auch die Stämme der Erie und Attiwendaronk zählten zu ihnen. Die Huronen-Konföderation war vermutlich das Vorbild der späteren Irokesen-Konföderation. Der eigentliche Zweck des Zusammenschlusses dieser vier Nationen war es, kriegerische Auseinandersetzungen unter den einzelnen Gruppen zu verhindern. Im 16. und 17. Jh. waren die Huronen wichtige Mittelsmänner im Pelzhandel zwischen den französischen Händlern am St.- Lorenz-Strom und den subarktischen Jägerstämmen des kanadischen Binnenlandes.
Sie waren die Freunde der Chippewa und Franzosen und organisierten zwischen beiden Völkern die Handelsbeziehungen. So erhielten die Franzosen die wertvollen Pelze der Chippewa und als Gegenleistung bekamen diese europäische Waren, aber vor allem die Waffen. Im frühen 17. Jh., als die ersten französischen Siedler und Missionare in diese Gegend vordrangen, befanden sich die Huronen auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Als sich dann die Franzosen am St.-Lorenz-Strom ansiedelten, kehrten die Huronen in ihre alte Heimat am heutigen Huron-See zurück.
Etwa 20.000 Huronen lebten in etwa 25 Dörfern an der Georgian Bay, einem Arm des Huronsees. Hier lebten sie in achtzehn befestigten Dörfern und ernährten sich hauptsächlich vom Ackerbau. Die meisten der Huronensiedlungen bestanden aus großen Langhäusern, die als Gemeinschaftsunterkünfte dienten. Sie waren zwischen 45 und 55 Meter lang und aus stabilen Holzgerüsten gebaut. Die größeren dieser Siedlungen, in denen mehr als 1.000 Menschen lebten, waren zu Festungen ausgebaut. Die Huronen hatten in einem Dorf ein Versammlungszentrum eingerichtet; jedes Dorf entsandte Abgesandte, die dann gemeinsam über die Fragen von Krieg und Frieden sowie den Handel mit anderen Ethnien oder den Europäern entschieden.
Die Huronen waren sesshafte Bauern, die vor allem Mais, Sonnenblumen, Bohnen, Kürbis und Tabak pflanzten und Fischfang betrieben. Jedoch berühmt wurden sie durch den Anbau von Tabak. Die Konföderation der Huronen setzte sich ausschließlich aus Indianern der ethnischen Großfamilie der Irokesen zusammen. Eine sehr große Übereinstimmung wies ihre Kultur mit der der Irokesen auf, obgleich die beiden Verbände verfeindet waren. Zu Beginn des 17. Jh. – genauer im Jahre 1615 – duldeten die Stämme der Irokesen-Liga keine Rivalen mehr, auch Stammesverwandte nicht.
Ab 1615 setzte auch eine äußerst starke jesuitische Missionierung auf französische Initiative ein. Die französischen Missionare begannen mit der Errichtung von Jesuitenmissionen in den Dörfern. Zu Anfang konnten die Huronen ihr Stammesgebiet noch erfolgreich verteidigen, später jedoch, als die Irokesen begannen benachbarte Algonkin-Stämme zu überfallen und die unterjochten Völker zu Hilfstruppen verpflichteten und somit ihre Schlagkraft verstärkten, konnten sie sich Siege mit hohen Verlusten leisten, da die Krieger der Algonkin in vorderster Linie kämpfen mussten. Holländische Händler waren es, die den Hudson River heraufkamen und Feuerwaffen mitbrachten und damit das Kräfteverhältnis zwischen den Stämmen mit einem Schlag veränderten.
Zwischen 1634 und 1640 schrumpfte die Bevölkerungszahl der Huronen durch Pockenepidemien und andere Krankheiten auf einen Bruchteil ihrer ursprünglichen Größe. 1643 konnten die Irokesen bereits 400 Gewehrschützen aufbieten. Die Huronen ihrerseits konnten keine Gewehre besorgen, da sie durch ihre Wanderungen viel zu weit von den französischen Händlern entfernt waren. Ihnen blieb nur Pfeil und Bogen gegen einen übermächtigen Gegner. Trotz Friedensvertrag sollten die Huronen mit jedem erdenklichen Mittel ausgerottet werden – so groß war der Hass der Irokesen gegen die Huronen.
Die Irokesen und ihre Helfershelfer griffen das Huronen-Stammesgebiet von Süden her an und eroberten zuerst das von Palisaden geschützte Grenzdorf Teanaustayae, deren Bevölkerung niedergemetzelt wurde. Auf diese Weise wurde Dorf nach Dorf dem Erdboden gleichgemacht. Gefangene wurden zu Tode gemartert. In den Jahren 1648/49 wurden die verschiedenen Verbände der Huronen von der Irokesen- Liga überfallen und aus ihrer Heimat vertrieben. Im März des Jahres 1649 waren bereits 10.000 Huronen von den Irokesen und den unter ihren Schutz stehenden und für sie Kriegsdienst leistenden Stämme getötet worden.
Dies war den Irokesen jedoch noch nicht genug, sodass sie ein weiteres Jahrhundert erbarmungslos auf sie Jagd machten. Die Überlebenden eines einst mächtigen Stammes flohen nach Michigan, wo sie auch nicht zur Ruhe kommen sollten. Wenn der Aufenthaltsort eines Huronen den Irokesen bekannt wurde, so wurde dieser getötet. Einige Huronen erreichten auf ihrer Flucht das Quellgebiet des Michigan-Sees, wo sie sich ein wenig später dann erneut vor den „Fünf Nationen“ in Sicherheit bringen mussten und sich in Wisconsin versteckten. In Wisconsin erhielten die Huronen dann Zulauf von den Tobacco, die im Dezember 1649 von den Irokesen fast ausgerottet worden waren, und von den Eries, die 1656 von der Liga fast vollständig ausgelöscht wurden.
Als eigentlicher Stamm wurden sie von den Irokesen fast völlig vernichtet. Die meisten Huronen, die damals noch über 10.000 Menschen zählten, gingen später in den irokesischen Seneca auf. Auch Algonkin-Stämme dieser Gegend gewährten den Flüchtlingen für eine kurze Zeit Unterkunft, bevor sie erneut auf der Flucht waren. Die überlebenden Huronen, Erie und Tobacco gründeten einen neuen Stamm, der sich „Wyandot“ nannte. Eine Gruppe der Huronen siedelte sich unter dem Schutz der Franzosen in Lorette (heute: Wendake) bei Quebec im heutigen Kanada an, wo noch über 1.500 von ihnen leben.
Andere flohen mit den vom gleichen Schicksal betroffenen Khionontateronon (Petun, Tobacco) zu den algonkinsprachigen Ottawa, mit denen sie zunächst im nördlichen Michigan, später bei Detroit und schließlich im nördlichen Ohio lebten. Von da mussten sie aber erneut fliehen und wurden 1867 nach Oklahoma umgesiedelt, wo sie meistens assimiliert sind. Die Huronen von Oklahoma sind heute bekannt als „Wyandot“ , während die von Wendake sich als „Wendat“ bezeichnen.
Obwohl die Sprache der Huronen schon seit 1912 als ausgestorben gilt, haben die Huronen von Lorette (Wendake) ihre Identität erhalten können, während die Wyandot von Oklahoma in wesentlich höherem Maße assimiliert sind. Im 18. Jh. wurden die Huronen durch Vermittlung der französischen Aufklärung zu den klassischen „Edlen Wilden“ stilisiert und treten als solche in der Literatur dieser Epoche in Erscheinung.
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