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Hui
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Eine ethnische Gruppe von knapp 10 Mio. Menschen (2000), die vor allem
im Tarimbecken und in der Dsungarei im Nordwesten der VR China, in den
Provinzen Xinjiang, Henan, Gansu, Qinghai sowie in der Autonomen Region
Ningxia-Hui als Kaufleute und als Bauern leben. Die Hui sprechen heute
überwiegend Mandarin-Chinesisch im jeweiligen örtlichen Dialekt sowie
Sprachen der örtlichen ethnischen Minderheiten. Im religiösen Bereich
gibt es einen umfangreichen Wortschatz arabischen, persischen und
türkischen Ursprungs.
Der nordwestchinesische Dialekt der Hui in
Shaanxi, Gansu und Ningxia (z.T. auch in Qinghai und Xinjiang) wird in
Kirgisien, Kasachstan, Usbekistan und Tadschikistan „Dunganisch“ genannt. Dort leben auch über 100.000 Hui unter der Bezeichnung „Dunganen“.
In Lhasa und einigen anderen Orten Tibets, im Autonomen Bezirk Dêqên
der Tibeter (Yunnan) und in den Gemeinden Dehenglong und Ashinu
(Autonomer Kreis Hualong der Hui, Provinz Qinghai) leben insgesamt knapp
15.000 Hui, die Tibetisch sprechen. Einige Tausend Hui, die sich
selbst „Tuomao“ bezeichnen, leben in dem Autonomen Bezirk Haibei
der Tibeter sowie auch im Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang. Sie
sprechen Oirat- Mongolisch. Die etwa 4.500 Utsat-Hui in Sanya an der
Südspitze der Insel Hainan sind Nachfahren von Cham- Einwanderern, die
Ende des 12. oder Anfang des 13. Jhs. aus Vietnam nach China kamen.
Sie
sprechen –› Tsat, eine austronesische Sprache, die zur westlichen
malaiisch- polynesischen Sprachfamilie zählt. In dem Autonomen Bezirk
Xishuangbanna der Dai leben knapp 600 Hui, die „Paxi-Dai“
genannt werden. Sie sprechen Dai, eine südwestliche Tai-Sprache. Weitere
knapp 6.000 Hui im Kreis Eryuan, im Autonomen Bezirk Dali der Bai
sprechen Bai, eine sinotibetische Sprache. Die Hui sind eine der 56
Nationalitäten Chinas, die offiziell als eigenständige Völker
„anerkannt“ worden sind. Sie sind in ihrer Kultur und viele auch in
ihrem Aussehen den Han-Chinesen ähnlich, mit der Ausnahme, dass sie
Muslime sind und deshalb einige religiös geprägte Sitten und Bräuche
haben.
Bei einer Zählung im Jahre 2000 wurden die ca. 20.000 Hui
in Hongkong und etwa 100 in Macau nicht mitgezählt. Die ca. 52.000 Hui
auf Taiwan werden von der Regierung der VR China nicht als eine
„Nationalität“ anerkannt, sondern als Han-Chinesen islamischen Glaubens
betrachtet. Zu den Hui zählen auch diverse kleinere muslimische Ethnien,
die keinem der anderen großen islamischen Völker Chinas (Uiguren,
Kasachen, Kirgisen, Dongxiang, Tataren, Tadschiken, Usbeken, Salar,
Bonan) zugeordnet werden konnten, aber zu klein oder zu kompliziert
waren, um sie als eigene Nationalitäten anzuerkennen. Eine Besonderheit
der Hui ist, dass sie zwar über ganz China verstreut, örtlich aber
konzentriert in „Hui-Stadtvierteln“ oder „Hui-Dörfern“, meistens im
Umkreis der Moschee leben.
Die jeweiligen lokalen Gruppen der
Hui unterscheiden sich oftmals erheblich voneinander, insbesondere
hinsichtlich ihrer Herkunft und Geschichte. Die Hui-Chinesen haben
verschiedene Ursprünge. Einige an der Südostküste stammen von arabischen
Händlern ab, die seit dem 9. Jh. in China siedelten und sich im Laufe
der Zeit der einheimischen Bevölkerung anpassten, sich mit ihr
vermischten und letzten Endes nur die andere Religion beibehielten. Für
die Mandarin sprechenden Hui von Yunnan und in Nordchina gibt es eine
andere Erklärung der Abstammung: Ihre Vorfahren waren mongolische,
türkische und andere zentralasiatische Siedler, welche während
der Yuan-Dynastie die Elite bildeten. Dokumente belegen, dass ein
Großteil der nomadischen oder auch militärischen Gruppen eigentlich
nestorianische Christen waren und während des Sinisierungsdrucks der
Ming- und Qing-Dynastien zum Islam übertraten.
Dies erklärt das Ethnonym „Hui“, welches eine große Ähnlichkeit mit der Bezeichnung „Uiguren“ hat, obwohl die Bedeutung unterschiedlich ist. Das Wort „Hui“ wurde
zumindest seit der Qing-Dynastie als Oberbegriff für
chinesischsprachige Muslime und teilweise für Muslime im Allgemeinen
benutzt. So konnte zum Beispiel ein Chinese der Qing-Zeit einen Uiguren
als „Chantou“ beschreiben, der die „Hui“-Religion ausübte. Es wurde benutzt wie das Wort „Qingzhen“ im
Südosten Chinas. Bis in die frühmodernen Zeiten wurden die Hui- Dörfer
Nordchinas noch als „Blau-Kappen Huihui“, „Schwarz-Kappen Huihui“ und
„Weiß-Kappen Huihui“ bezeichnet, um sie hinsichtlich ihres
möglicherweise christlichen, jüdischen oder aber auch moslemischen
Ursprungs zu unterscheiden, obwohl schon damals die Hui Nordchinas im
großen und ganzen islamisch waren.
Die Turkvölker Zentralasiens und die Tadschiken bezeichnen die Hui-Chinesen als „Dunganen“. In Thailand werden chinesische Moslems als „Chin Ho“ genannt, in Bir ma und in Yunnan „Panthay“. Es gibt einige chinesische Moslems oder zum Islam übergetretene Chinesen in Malaysia. Diese werden offiziell als Teil des „Bumiputri“
, der dominierenden Malaiien gezählt. In der Gesellschaft werden sie
jedoch als ein Teil der chinesischen Minderheit angesehen. Die
Ethnogenese der Hui bzw. Dunganen ist immer noch sehr
unklar. Wahrscheinlich waren an ihr nicht nur autochthon chinesische,
sondern ebenso mongolische, türkische, arabische, iranische und Elemente
beteiligt. Dieser Verschmelzungsprozess fand seit dem Eindringen der
mongolischen Armeen nach China statt. Zwischen 1219 und 1258 eroberten
die Mongolen unter DSCHINGIS KHAN weite Teile Westasiens.
In
großer Anzahl wurden Muslime der verschiedenen Turkvölker sowie Araber
und Perser in die mongolische Armee eingezogen. Daneben brachten die
Mongolen viele muslimische Handwerker, Wissenschaftler und Ärzte mit
nach China, von denen einige während der Yuan-Dynastie recht
Einflussreiche Stellungen in Verwaltung, Militär und auch Wissenschaft
erlangten. Die muslimischen Soldaten wurden unter anderem zur
Urbarmachung von Ödland eingesetzt. Nach der Demobilisierung, vor allem
nach dem Ende der Mongolenherrschaft, wurden viele von ihnen sesshafte
Bauern. Im 13. Jh. bildeten sie dann unter der Herrschaft der
mongolischen Yuan-Dynastie eine eigenständige ethnische Einheit heraus.
Obwohl sie chinesische Frauen heirateten und zum Teil seit vielen
Generationen in China ansässig waren, lebten sie doch bis zur Mitte des
13. Jh. relativ isoliert.
Während der chinesischen Ming-Dynastie
(1368 bis 1644) vermischten sich die Dunganen teilweise auch mit den
alteingesessenen Muslimen. Der Name „Huihui“ , der während der
Zeit der Yuan-Dynastie alle Nichtchinesen bezeichnete, die westlichen
oder aber zentralasiatischen Ursprungs waren, wurde zum
Identifikationsmerkmal einer entstehenden Nationalität. Durch Ehen
verbanden sie sich immer stärker mit der chinesischen Bevölkerung. Sie
nahmen mit der Zeit sehr viele chinesische Sitten und Gebräuche an, und
die chinesische Sprache verdrängte in zunehmendem Maße ihre
ursprünglichen Sprachen. Den sunnitischen Islam als einigende Religion,
von dem die Hui bzw. Dunganen ihre ethnische Identität ableiten,
behielten sie jedoch bei. Ihr Stationsgebiet Xinjiang war nicht nur
strategisch sehr wichtig sondern auch landwirtschaftlich gut
erschlossen.
Während der Yuan-Dynastie waren die Huihui in
Changji, Fukang, Jimsar, im Einzugsgebiet des Ili-Flusses, Hotan und
Kashgar stationiert, wo sie auch den Boden bestellten. Ab Mitte des 18.
Jahrhunderts zogen zahlreiche Hui aus dem Landesinneren nach Xinjiang.
Sie vor allem sind die Vorfahren der heutigen Hui in Xinjiang. Allgemein
bekannt wurden die Hui vor allem durch ihre zahlreichen Aufstände im
19. und 20. Jh. gegen die chinesische Zentralgewalt. Nach der
Niederschlagung verschiedener Aufstände flohen zwischen 1862 und 1877
einige Hui aus China in die angrenzenden russischen Gebiete der heutigen
Republiken Kasachstan, Kirgistan und Usbekistan, ein wieder anderer
Teil der Hui, aus dem chinesischen Xinjiang wurden schon in der zweiten
Hälfte des 18. Jh., nach den Dsungarenkriegen, ins Ili-Gebiet an die
russische Grenze deportiert oder wanderten dort ein.
Sie
sprechen den Shanxi-Gansu-Dialekt NW-Chinas, der in den Republiken der
einstigen Sowjetunion eine Schriftsprache ist und dort in kyrillischer
Schrift geschrieben wird. Im religiösen Bereich sind bei den Hui auch
heute noch Wörter arabischen, persischen und turksprachigen Ursprungs zu
finden. Die dunganische Sprache enthält zahlreiche russische
Fremdwörter. Heute bilden die Hui die drittgrößte Minderheit in der VR
China. Infolge ihrer unterschiedlichen Herkunft und ihrer recht
komplizierten Geschichte leben sie über alle Provinzen und Städte
verstreut, an ihrem jeweiligen Wohnort aber konzentriert in Dörfern oder
Stadtvierteln, meist in der Nähe der Moschee. Die mündlichen
Überlieferungen und volkstümlichen Balladen der Hui-Nationalität sind
besonders inhaltsreich. Zu den Volksliedarten zählen „Huar“, „Xiaodiao“
(kleine Volksweisen) und „Bankettslieder“.
Die Hui-Trachten sind
sehr schlicht. Die Männer tragen weiße Mützen, weiße Hemden und
schwarze Westen, die Frauen tragen ebenfalls weiße Mützen oder mit
Schmuck verzierte Kopfbedeckungen. Traditionell sind die Wohngebäude der
Hui, ebenerdige Häuser, die nach Süden gerichtet sind. Das Haus hat
eine Tür, zwei Fenster und ist mit Lehmerde gemauert. Es ist vorwiegend
aus Holz und hat ein Flach- oder Satteldach. Heute jedoch leben viele
Hui in Hochhäusern. In den ländlichen Gegenden sind die Hui Bauern, die
vor allem Reis und Gemüse anbauen. In den Städten arbeiten sie als
Handwerker, Geschäftsleute, zunehmend auch als Fabrikarbeiter oder
Angestellte. Mehlspeisen sind die Hauptnahrungsmittel.
Zu nennen
sind dabei vor allem langgezogene Nudeln, in kleine Stücke gerissene
Mehlfladen, gedämpfte Zopfbrötchen, Nudelsuppe und Sanzi (in Öl
gebratene Kringel) und Fleischsoße mit Nudeln. Ihre Feste und Riten sind
vom Islam bestimmt und unterscheiden sich nur in Einzelheiten von denen
der Muslime anderer Länder. Das „Bairam“ ist das große und „Kurban“ das
kleinere Fest bei den Hui. Bis heute sind Ehen zwischen Hui-Frauen und
han-chinesischen Männern recht selten, während Hui-Männer häufiger
chinesische Frauen heiraten.
Diese konvertieren dann entweder
zum Islam oder stimmen zumindest einer islamischen Erziehung der Kinder
zu. Die Hui leben in Monogamie. Seit dem Ende der „Kulturrevolution“ hat
sich das religiöse Leben innerhalb der Hui-Bevölkerung wieder
normalisiert. Jedes Jahr pilgern Hui nach Mekka zur Hadsch und es werden
auch zu islamischen Ländern Beziehungen gepflegt. In den großen Städten
gibt es Koranschulen, wo vor allem der geistliche Nachwuchs ausgebildet
wird. Die Hui sind weitgehend in die chinesische Gesellschaft
integriert.
2) --> Tsat
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