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Hasara
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- Ein mit den
–› Aimak sehr nahe verwandter Volksstamm der Moghol, einem Volk von
türkisch-mongolischer Herkunft und mit einer mongolischen Randsprache,
der mit rund 1,77 Mio. Angehörigen (2000) im Hazaradschat, in den
zentralafghanischen Bergen zwischen Kabul und Herat, in Kabul und in
einem Gebiet zwischen den Orten Sari- Pul und Maimana sowie in einigen
Siedlungen Nord- Afghanistans, direkt südlich der Koh-i-Baba-Bergkette
bis nach Mazar-e Sharif und in der Region von Qunduz verbreitet ist.
Eine größere Anzahl Angehöriger lebt ebenso in Belutschistan und nahe
Quetta in Pakistan sowie einige in den nördlichen Gebieten Irans.
Heute
sprechen die Hasara meist Persisch, das vermischt ist mit einigen
mongolischen Worten und Hasaragi genannt wird. Ihr Name stammt vermutlich von „hesor“ ab, was in der persischen Sprache „Tausend“ bedeutet, bzw. von „Tausendschaft“
, was in der Zeit D SCHINGIS K HANS sowie der seiner Nachfolger die
übliche Bezeichnung für eine militärische Einheit war. Die Schätzungen
über ihre Gesamtzahl in allen drei Ländern liegen bei 2,21 Mio. und sie
stellten vor Jahren in Afghanistan die viertgrößte Bevölkerungsgruppe
dar. Während der 80er Jahre des 20. Jh., nach der sowjetischen Invasion
und dem damit hervorgerufenen Krieg, flüchteten viele von ihnen nach dem
Iran sowie nach Pakistan.
Diese Hasara leben heute dort zusammen mit
Paschtunen und Belutschen in der pakistanischen Provinzstadt Quetta und
in der Nähe der ostiranischen Stadt Mashhad – dort allerdings besser
unter dem Namen „Berberi“ bekannt. Die Hasara treiben in ihrem
bergigen und kärglichen Siedlungsraum Bewässerungs- und Trockenfeldbau
bis in große Höhen. Ihre Felder sind als Terrassen angelegt.
Hauptanbaufrüchte sind Weizen, Gerste, Hülsenfrüchte, Futterpflanzen für
das Vieh und im Süden Mais. Kühe, Schafe und Ziegen liefern den Hasara
Fleisch und Milch, Ochsen ziehen ihre Pflüge und werden neben Eseln und
auch Pferden als Lasttiere gehalten.
Die Viehzucht wird durch das raue
Klima der Wintermonate eingeschränkt, Fütterung und Stallhaltung der
Tiere werden dann zum Problem. Man hält nur so viel Vieh, wie auch
Winterfutter zur Verfügung steht. Die Winterzeit verbringen die Hasara
in kompakten Dörfern (kishlak) in den Tallagen, deren Lehmhäuser
sie mit getrocknetem Dung beheizen. Es sind aus Lehm und Stein
errichtete Häuser, die den klimatischen Bedingungen gut angepasst sind.
In den kälteren Gegenden besteht ein Haus aus nur einem fensterlosen
Raum mit einer Vorlaube. Ein Abzugsloch für den Rauch im Dach ist
gleichzeitig auch die einzige Lichtquelle und selbst diese bleibt
zeitweilig geschlossen.
Im Sommer dagegen zieht man mit den Schafen und
Ziegen auf die weiter höher im Gebirge gelegenen Weiden (ailak). Dort leben die Hasara in großen mit Filz belegten Rundzelten (chapari).
Was ihre Wirtschaft nicht selbst zu liefern vermag, müssen die Hasara
von nomadischen Paschtunen-Händlern erwerben. Sie tauschen dann bei
ihnen ihre Überschüsse an Weizen oder Butterschmalz (ghi) gegen
Tee, Zucker und billige Baumwollstoffe.
Die teilweise extreme Armut der
Hasara wurde einerseits durch die oftmals ausbeuterischen Praktiken
gerade dieser paschtunischen Händler noch verstärkt, geht aber
andererseits auch auf die drückende und despotische Herrschaft ihrer
eigenen Khane zurück, die im 19. Jh. ihre Stammesuntertanen zu Hunderten
an usbekische und afghanische Aufkäufer gegen Geld und Güter als
Sklaven verkauften. Um deren Druck der Verschuldung und auch dem
kärglichen Dasein im Hazaradschat zu entfliehen, verdingten sich viele
Hasara für dauernd oder nur saisonal in den afghanischen Städten als
Diener, Lastenträger, Wasserholer u.a.m. Sie gelten dort als äußerst
fleißig, aber ebenso dumm und hinterwäldlerisch. Mit zu diesem Vorurteil
hat die Zugehörigkeit der Hasara zur Schia, im Gegensatz zur
sunnitischen Mehrheit der Afghanen, beigetragen.
Ein tiefes Misstrauen
zwischen Hasara und Paschtunen hält bis heute an. Die Hasara sind in
eine Reihe von Stämmen unterschieden, die sich durch gewisse kulturelle
und sprachliche Besonderheiten voneinander abheben. Die Namen einiger
dieser Stämme sind: Dai Kundi, Dai Zangi, Behsud, Yekaulang, Polada, Urusgani, Jaguri, Ghazni Hazaras, Dai Miradad, Kabul. Die Hasara behaupten von sich, im 13. Jh. mit den Armeen DSCHINGIS KHANS ins Land gekommen zu sein, stützen dies auch durch geschriebene
Genealogien ab, die jedoch recht unglaubwürdig sind. Richtig ist jedoch
durchaus, eine mongolische oder turko-mongolische Herkunft der Hasara
und eine Einwanderung zwischen 1229 und 1447 nach Afghanistan
anzunehmen. Dafür sprechen nicht zuletzt ihr äußeres Erscheinungsbild
und die türkischen und mongolischen Ausdrücke in ihrem ansonsten
persischen Wortschatz.
Im unwegsamen und abgelegenen Gelände des
Hazaradschat konnten sie sich bis Ende des 19. Jh. ihre Unabhängigkeit
bewahren. Die Öffnung ihres Siedlungsraums seit dem Jahr 1892 durch die
Expansion der afghanischen Zentralgewalt unter König ABDURRAHMAN , der
mit brutaler Gewalt, wie z.B. durch Errichtung von Schädelpyramiden
Erschlagener, ihre Integration erzwang, brachte Zehntausende der
paschtunischen Nomaden in das Land herein, die ihre Sommerweiden nun
hierher verlegten. Je mehr den paschtunischen Händlern in anderen
afghanischen Teilen Absatzmöglichkeiten durch modernes Konsumverhalten
verloren gingen, desto intensiver verlegten sie sich auf den Handel im
Hazaradschat und brachten nicht selten durch scheinbar großzügiges
Geschäftsgebaren die Hasara in immer tiefere Verschuldung bis sie
schließlich als Gegenwert deren Land übernahmen.
Im Verlaufe des
Widerstands gegen die sowjetischen Invasionstruppen zählten die Hasara
zu den ersten Bevölkerungsgruppen Afghanistans, die das Gebiet des
Hazaradschat wieder zu einem befreiten und autonomen Gebiet machen
konnten. Ihre iranischen Glaubensbrüder kamen ihnen hierbei zu Hilfe. Ob
die letzten großen politischen Umwälzungen in dem Land, nachdem die
unterdrückerische Talibanführung entmachtet wurde, und eine
demokratische Regierung die politische Bedeutung dieses Volksstammes
wieder verbessern können, wird sich erst im Laufe der Zeit zeigen.
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