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Guaraní
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- Der Begriff „Guaraní“ beinhaltet insgesamt drei unterschiedliche Bedeutungen:
a) - Als erstes wird damit eine durch eine gemeinsame Sprache verbundene südamerikanische Volksgruppe der Tupí-Guaraní-Sprachfamilie bezeichnet. Die Guaraní- Bevölkerung sind der südlichste Zweig der einst sehr bedeutenden Sprachfamilie der Tupí-Guaraní und leben mit einer Anzahl von etwa 3.000 bis 4.000 Angehörigen im großen Becken des Paraguay-Paraná und auch entlang der südlichen Küste Brasiliens, größtenteils in den Bundesstaaten Mato Grosso, Paraná und dem nordwestlichen Rio Grande do Sul. Der weitaus größere Teil der zu dieser Gruppe zählenden Indianer lebt jedoch in Paraguay (–› auch Gran-Chaco-Indianer).
Dazu zählen die etwa 25.000 (1995) Pai Tavytere (auch Kayowá oder Kainguá – historisch: „Itatines, Caagua“) im Nordosten Paraguays und Südwesten Brasiliens, ebenso die etwa 2.640 (1997) Mbiá (historisch: „Monteses, Caagua“) im Nordosten Argentiniens, Ost-Paraguay und Süd- Brasilien, die mehr als 6.000 Avákatúeté (Chiripá und Nhandeva – historisch: „Apapocuva“) in Ost-Paraguay und in SW-Brasilien sowie auch die seit dem 15. Jh. durch eine Westabwanderung in den Gran Chaco abgespaltenen, etwa 45.000 Angehörige zählenden westlichen Guaraní (Chiriguano, Tapieté, Izozeños u.a.). Die Guaraní-Indianer bauen vorrangig zahlreiche Maissorten an.
Doch pflanzen sie auch Baumwolle, Maniok, Süßkartoffeln, Bohnen, Tabak und Urucú an, das einen roten Farbstoff für ihre Körperbemalung ergibt. Die Jagd und der Fischfang sind bei ihnen heute durch den Verlust von Landeigentum sehr stark zurückgegangen und werden teilweise, aber unvollständig, durch Hühner- und Schweinezucht ersetzt. Heute dient insbesondere der Baumwollanbau dem Markt und nicht mehr zu der eigenen Versorgung. Viele der Guaraní arbeiten als Gelegenheitsarbeiter z.B. bei Waldrodungen. Traditionell typisch ist das große, nicht in einem Dorf, sondern einzeln stehende Gemeinschaftshaus mehrerer Familien. Mehrere solcher Gemeinschaftshäuser bilden eine Territorialgruppe von etwa 30–500 Personen mit engem politisch-sozialen Zusammenhalt sowie auch starken Häuptlingen.
Doch ist diese Organisationsform nicht oder aber nicht mehr bei allen Guaraní in gleicher Weise ausgebildet. Die Mbiá beispielsweise bilden keine Territorialgruppen wie die anderen Guaraní, sondern sind im Rahmen eines viel größeren Gebietes freizügig. Die Person des Medizinmannes verschmilzt bisweilen mit der des Häuptlings. Die Religion, in deren Mittelpunkt die Gleichsetzung von Wort und Seele, die Verehrung eines höchsten Wesens, die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tode in dessen Nähe und die Sorge um die Erhaltung der kosmischen Ordnung stehen, ist gekennzeichnet durch starke Abstraktion und die Bedeutung von Träumen und Visionen. Man hat die Guaraní als das am stärksten mystische Volk Amerikas bezeichnet. Zwar sind viele von ihnen heute christlich missioniert, andere allerdings halten sehr bewusst an der eigenen Religion fest, so wie die Pai Tavytere.
Alle Guaraní glauben an zwei Seelen in jedem Menschen, eine geistige, „aywu oder nee = Sprache“ und „atsyygwa = aus Schmerzen geboren“, die für das Temperament verantwortliche Tierseele. Die Geschichte der Guaraní seit dem 16. Jh. war sehr ereignisreich. Während der spanischen Conquista schlossen sich oft Gruppen von Guaraní den Europäern an und führten gemeinsam mit diesen, manchmal sogar gegen Indianer ihrer eigenen Sprache und Kultur, Kriege. Zu anderen Zeiten wiederum rebellierten sie, weil unerträglich ausgebeutet, gegen die europäische Vorherrschaft. Ein Großteil der Guaraní ging seit der Kolonialzeit in der Mischlingsbevölkerung auf, der sie vor allem in Paraguay den Stempel ihres Einflusses, so auch ihrer Sprache, aufgedrückt haben.
Ein Hindernis für die Vermischung bildete 1609–1786 die Absonderung vieler Guaraní im System der in dieser Zeit errichteten Jesuiten-Missionsdörfer, wo ihre Sprache Schriftsprache u.a. theologischer Werke wurde. In den als „Reduktionen“ bezeichneten Dörfern waren zuletzt knapp 150.000 Guaraní zusammengefasst. Die Auflösung von Missionen und die drohende Übergabe ihres Landes an europäische Siedler führten zu dem sogenannten „Krieg der Guraní-Dörfer“ von 1754 bis 1756, einem Aufstand, der dann schließlich niedergeschlagen wurde. Nach endgültiger Ausweisung der Jesuiten ging ein Teil der Indianer der Missionen im 19. Jh. in der Mischbevölkerung auf, ein Teil zog sich aus den Dörfern wieder in die Wälder zurück.
Viele Guaraní vertreten heute die Ansicht, es habe einst einen Vertrag zwischen ihnen und den Weißen gegeben, in dem letzteren die Savannen und ersteren die Wälder zugeteilt wurden. Die Guaraní sind in einigen Gebieten zahlenmäßig heute recht bedeutende Minderheiten, so die Pai Tavytere im Nordosten Paraguays, die allerdings infolge ihrer starken politischen Zersplitterung kaum zu gemeinsamen Aktionen finden.
b) - Die zweite Bedeutung des Begriffes „Guaraní“ bezieht sich auf die Umgangssprache von Mischlingen und Weißen in Paraguay sowie auch der nördlichen argentinischen Provinz Misiones, die aus der Sprache der dort beheimateten Guaraní-Indianer hervorgegangen und bis heute ziemlich stark vom Spanischen beeinflusst worden ist. Sie wird auch Avañe’e (Paraguayan Avañée) bezeichnet und von etwa 4,648 Mio. Menschen (1995) in Paraguay gesprochen, wo sie neben dem Spanischen als die offizielle Amtssprache des Landes gilt. Ebenso wird sie von etwa 200.000 Menschen in Argentinien verwandt. Ein Dialekt ist das Jopará (Yopará), das die umgangssprachliche Form, vermischt mit Lehnwörtern aus dem Spanischen ist und von etwa 90% der Population in und rund um Asunción, die Hauptstadt Paraguays, gebraucht wird. Die lexikalische Similarität beträgt 80% mit dem Chiriguano und 75% mit dem Mbiá.
c) - Drittens ist „Guaraní“ eine andere Bezeichnung für die Tupí-Sprachfamilie.
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