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Fulbe
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- Ein großer und sehr weitverbreiteter Sprachstamm im westlichen Afrika, dessen eigentliches Stammland der Senegal ist. Hierbei handelt es sich um eine rassisch und kulturell heterogene Gruppe, die mit anderen Sprachen nicht viel gemein hat. Früher wurde ihre Sprache als eine hamitosemitische Sprache bzw. als eine prähamitische angesehen, heute zählt sie zum Nordzweig der Familie der westatlantischen Klassensprachen, in der sie eine selbständige Gruppe bildet und neben dem Hausa und Mandingo die Sprache einer der größten Bevölkerungsgruppen Westafrikas bildet. Die Sprache der Fulbe wird als Fulfulde bezeichnet und ist von den Staaten Senegal im Westen bis zur Republik Sudan im Osten in insgesamt 18 Ländern z.T. als Verkehrssprache verbreitet und in zahlreiche Dialekte unterteilt.
Sie hat 24 bis 28 Nominalklassen und besitzt eine reichhaltige Literatur. Die Fulbe, ursprünglich ein Nomadenvolk, haben in ihrer Geschichte weite Wanderungen zurückgelegt. In früheren Jahrhunderten entstanden große und bedeutende Fulbestaaten, so z.B. im Westen das Reich von Tekrur (heute Nordsenegal), im Osten das Sokotoreich (Nigeria), das bedeutende Fulbe-Imperium im Nigerdelta von Mali gab zu Beginn des 19. Jahrhunderts wichtige kulturelle und politische Impulse. Im gesamten 18. Jh. und 19. Jh. trugen die Fulbe viel zur Veränderung der politischen Landkarte in ganz Westafrika bei. In den Gebieten der früheren bedeutenden Fulbestaaten und -gebiete leben die Fulbe heute in starker Konzentration und bilden so die Überreste früherer großer politischer Einheiten.
In der gesamten Sahelzone sind sie als nomadisierende oder halbnomadisierende Viehzüchter wie auch als sesshafte Städter anzutreffen. Mit der Bezeichnung Fulanke und Fuladugu leben die Fulbe seit dem 12. Jh. im Südwesten Malis und seit dem 16. Jh. unter dem Namen Foutajalonke im Fouta Djalon in Guinea sowie unter dem Namen Fellani im Lande der Hausa, in Nord-Nigeria. Sie heißen auch Ful oder Fellata. Es gibt viele Dialekte wie das Gombe, weiterhin das Kano, Katsina, Zaria, Bornu und Bauchi. Mehr als 13 Mio. Menschen rechnen zu dem Volk der Fulbe, die in mehreren Gruppen leben. Sie sind zwar im gesamten Bereich der Sahelzone und der Grenze des tropischen Regenwaldes verbreitet, doch sind sie in den meisten Gebieten nur eine Minderheit inmitten anderer Volksgruppen.
Nur in wenigen Siedlungsgebieten stellen sie die eigentliche Mehrheit der Bevölkerung, das ist in Fouta Toro (Senegal), Fouta Djalon (Guinea), Massina und Liptako (Mali), Sokoto und Bauchi (Nigeria) und Adamaua (Kamerun). Die einzelnen Gruppen, in die sich die Fulbe unterteilen, sind folgende:
- Adamaua - sie machen nur ein paar Tausend von insgesamt über 7,61 Mio. aller Fulbe in Nigeria (1991) oder 8,6% der Population des Landes aus. Alternative Namen sind hier: Ost-Fulfulde, Fula, Fillanci, Fulani und Fulatanchi . Die Adamaua leben im Adamaua- und im Taraba-Staat, mit dem Zentrum in Yola. Die Sprache heißt in Nigeria „Fulatanchi“, „Fillanci“ oder „Fula“, ein Sprecher heißt „Pullo“ und das Volk trägt die Bezeichnung „Fulbe“ oder „Fulani“. Ihre Sprache ist hier ebenso eine Nationalsprache wie Handelssprache.
Weitere etwa 90.000 Angehörige (1982) der Adamaua (Fellata) leben im Norden der Republik Sudan, in der Region Blue Nile und Kordofan. Ein hier verbreiteter Dialekt ist das Gombe. Im Sudan ist das Adamaua auch die dominante Fulbesprache, die aber schon ziemlich vom Arabischen beeinflusst worden ist. Ein großer Teil der Bevölkerung spricht Arabisch als Zweitsprache, andere Hausa oder Songhai und einige sind auch monolingual, vor allem die Kinder.
Die Muwalid-Gruppe ist monolingual, im Allgemeinen Sudanesisch-Arabisch und die Mahdist-Gruppe ist bilingual in Fulfulde und Sudanesisch-Arabisch. Etwa 668.700 Angehörige (1986) leben in Kamerun, weit verteilt über die Far North Provinz, Adamaua- und Nord-Provinz, was ca. 7% der Landespopulation ausmacht (etwa 5 Mio. sind es hier inklusive der Sprecher mit Fulbe als Zweitsprache) sowie etwa 128.000 im Südwesten der Republik Tschad (1993), in der Mayo- Kebbi Präfektur, rund um Léré.
In Kamerun und in der Republik Tschad besitzt diese Gruppe noch zahlreiche weitere Namen wie: Gapelta, Pelta Hay, Domona, Pladina, Palata, Paldida, Paldena, Dzemay, Nagapelta, Zemay, Pullo, Zaakosa, Pule, Taareyo, Boulbe, Sanyo und Biira. In Kamerun sowie auch im Tschad werden die Dialekte: Maroua, Ngaondéré, Kambariire, Garoua, Nomadic Fulfulde und Bilkire Fulani (Bilkiri) , letzteres vor allem als Zweitsprache, gesprochen. „Fulbe“ ist die Bezeichnung für die Bevölkerung, „Fulfulde“ für die Sprache, „Adamaua“ ist eines der größten geopolitischen Fula-Staaten.
- Bagirmi (Baghirmi Peul, Bagirmi Fula) - sie leben mit etwa 24.000 Angehörigen in der Republik Tschad, in der Chari-Baguirmi-Präfektur in den Kreisen Massénya und Bokoro. Etwa 156.000 Angehörige (1996) der Gruppe leben verstreut in der Zentralafrikanischen Republik. Das Bagirmi-Fulfulde wird auch von der Bevölkerung der Wodaabe-Lineage, welche in Norden der Republik Niger, Nord-Kamerun und in der Zentralafrikanischen Republik lebt, gesprochen. Bagirmi-Fulfulde ist möglicherweise dem Bororo-Fulfulde sehr nahe verwandt und es wird berichtet, sie seien eine nomadische Gruppe der Mbororo.
- Barani (Barain, Baraniire, Nordost-Fulfulde) - sie leben mit etwa 750.000 Angehörigen (1999) rund um Barani im Nordosten von Burkina Faso, vor allem in der Region von Matialoali bis Sebba, Bogandé, Koupela, Ourgaye, östlich bis zum Nationalpark du Niger, den Say aufwärts bis an die Grenze zum Niger und vielleicht sogar bis Niamey in der Republik Niger. Die Gesamtzahl der Sprecher des Fulfulde liegt hier bei über 1,038 Mio., was etwa 10% der Gesamtpopulation des Landes ausmacht. Zur Sprache gehören die Dialekte: Barani, Bogandé, Gourmantche, Jelgoore, Liptaakoore, Barkoundouba, Ouhiguyua, Seeba-Yaga (Yaaga) und Fada Ngurma. Der Dialekt Bogandé ist mit keinem anderen Fulani-Dialekt oder einer anderen Fulani-Sprache verständlich.
- Benin-Togo-Peul (Peulh, Borgu, Fulbe-Borgu) - zu ihnen gehören etwa 280.000 Angehörige (2002) in Benin, in Dörfern und Lagern in den Provinzen Atakora und Borgou. Zu den Dialekten gehört das Bakuure, das in der Borgou-Region, nördlich von N’Dali gesprochen wird; Korakuure in der zentralen und südlichen Borgou-Region, rund um Parakou; Djougoure (Juguure) im Norden Benins, in der Atacora-Region, von Djougou nördlich bis zu der Grenze von Burkina Faso und nach Westen erweitert in den Norden von Togo sowie das Tchabankeere (Caabankeere) in der Zou-Region. Auch leben etwa 48.200 Angehörige (1993) im Norden Togos mit dem Dialekt Atakora Fulfulde . Im Westen Togos hat sich das Djougoure ausgebreitet.
Das eigentliche Verbreitungsgebiet des Benin-Togo-Fulfulde in Nigeria ist südlich und westlich des Niger, von der Ecke, wo die Staaten Nigeria, Niger und Benin zusammenstoßen bis hinunter, etwa 50 km südlich, wo der Sokoro, ein großer Nebenfluss, sich mit dem Niger verbindet und den Niger südlich folgend bis zu seinem Delta. Die südliche Grenze bildet etwa eine grobe Ost-West-Linie von unterhalb des Schnittpunktes der Flüsse bis rund 75 km südlich, auf eine Ecke in der Grenze zwischen Benin und Nigeria zu, wo die Grenze beinahe direkt nord-südlich abbiegt, bis etwa 30 km genau nach Osten.
- Fuuta Jalon (Pular, Foutajalonke, Fouta Dyalon, Futa Jallon, Fulfulde Jalon, Jalon, Fullo Fuuta, Futa Fula, Foula Fouta) - zu den Fulbe gehörendes Volk, das mit etwa 2,55 Mio. Angehörigen (1991) in Guinea lebt und dort etwa 40% der Landespopulation ausmacht. Ihr hauptsächliches Wohngebiet ist der Nordwesten des Landes, die Region des Fouta Djallon. Ihre Sprache ist jedoch unterschiedlich zum Pulaar in Senegal. Zu ihrer Sprache zählen die Dialekte Kebu Fula und Fula Peta. Weiterhin leben etwa 50.000 Angehörige (1991) im westlichen Mali, von der Grenze zu Guinea bis um die Gegend von Keniéba, speziell in den Distrikten Faléa und Faraba, etwa 178.400 Angehörige (1991) verstreut in Sierra Leone, im Norden, hier mit den Dialekten Krio Fula und Kebu Fula.
Sie leben hier in erster Linie in umherziehenden Gemeinschaften. Neue Einwanderer aus Guinea sprechen das Original Futa Jalon oder den Kebu- Dialekt. Ein kleinerer Teil Angehöriger der Fuuta Jalon lebt in Guinea Bissau und etwa 136.185 in Senegal (2002), hier mit dem Dialekt Kong Jula.
- Kano-Katsina-Bororo - sie leben mit etwa 1,708 Mio. Angehörigen (2000) in Nigeria. Sprachlich unterteilen sie sich in die Dialekte: Kano-Katsina in den Regionen Kano, Katsina, Zaria, im Jos-Plateau und im Südosten von Bauchi mit dem Zentrum in Gombe; Bororo (Bororro, Mbororo, Ako, Nomadic Fulfulde) im Bornu-Staat mit dem Zentrum in Maiduguri und Sokoto im Sokoto-Staat. Ein Teil lebt auch in Kamerun, in der Republik Niger, hier verstreut in der Region von Torodi und Wuro Gueladjo, am linken Ufer des Niger. Die Jaawambe- und Sillube- Lineage ließ sich nieder im Dallol-Bosso-Tal, entlang des Niger. Etwa 156.000 Angehörige dieser Gruppe leben verstreut in der Zentralafrikanischen Republik. Hier gebrauchen die Sprecher als Zweitsprache das Sango. Ebenso lebt ein Teil der Gruppe in der Republik Tschad, in der Moyen-Chari-Provinz, nahe Niellim.
Ein Teil der Kano-Katsina-Bororro lebt in in der Region von Pala und Léré in der Mayo-Kebbi-Präfektur, zwischen Massakory und Massénya in der Chari-Baguirmi- Präfektur und nördlich des Tschadsees, nahe Rig-Rig in der Lac-Präfektur. Nomadische Bororo ziehen entlang der Ufer des Schari sowie auch anderswo. - Maasina (Macina, Peul) - diese Gruppe lebt mit rund 911.200 Angehörigen (1991) in Mali, wobei der westliche Dialekt rund um die Orte Segou und Macina gesprochen wird und der östliche nördlich von Mopti bis nach Timbuctou. Die Maasina bilden in Mali eine große geo- politische Einheit. Ihre Sprache ist hier vom Bambara beeinflusst worden. Die Bezeichnungen der Bevölkerung sind „Peul“ oder „Toucouleur“ in Französisch, „Fulani“ in Englisch und „Fulbe“ in Fulfulde.
Im nördlichen Ghana leben rund 7.300 Angehörige (1991) in kleinen Gruppen verteilt und in der Republik Elfenbeinküste etwa 1.200. Sie sind Nomaden, deren Zweitsprache Hausa ist. - Pulaar (Peul, Peulh, Haalpulaar, Fulbe Jeeri, Fulani) - sie leben mit über 2,387 Mio. Angehörigen (2002) in Senegal, entlang des Senegal-Flusses und unterteilen sich in mehrere Dialekte, wobei das Fulacunda (Fula Preto, Fula Forro, Fulkunda, Fulakunda) in der oberen Casamance- Region verbreitet ist, etwa 65 km westlich von Kolda, nördlich der Gambia-Region und im Nordosten von Tambacounda. Ebenso leben ca. 262.550 Angehörige von ihnen in Gambia (2002), ca. 245.130 in Guinea Bissau (2002), wo sie über 20% der dortigen Landespopulation ausmachen, etwa 24.000 in Guinea (1991), dabei lebt eine Gemeinschaft von ihnen nahe Dinguiray (Pulaar) und einige wenige Gemeinschaften im Norden, nahe Sareboido.
Hierher zählt der Dialekt Toucouleur (Tukulor, Tukolor, Pulaar, Futa Toro) . Eine umfassende Literatur in Pulaar besitzt Guinea. Alle Schulen der Region lehren diese Sprache. Etwa 175.000 Angehörige leben in Mali (1995) inklusive 40.000 Fulbe-Jeeri, wo sie sich meist rund um Bandiagara und Ségou niederließen, ca. 150.000 leben in Mauretanien und ein Teil auch in Burkina Faso.
- Sokoto - sie leben mit 709.500 Angehörigen in der Republik Niger und in Nigeria im Sokoto-Staat und bilden eine der großen geo-politischen Einheiten. Man rechnet sie dialektal zu den Kano-Katsina-Bororo. Der Sokoto-Dialekt ist unterschiedlich zu den anderen Fulbe- Dialekten Nigerias. In der Republik Niger machen sie ca. 15% der Population aus und leben vor allem im Gebiet von Torodi und Wuro Gueladjo, am linken Ufer des Nigerbogens. Die meisten Fula im Niger sprechen den Sokoto-Dialekt.
- West-Niger-Fulbe (West-Niger-Fulfulde, Peul, Fulani, Gorgal) - sie leben mit ca. 400.000 Angehörigen (1998) in Niger, von der Grenze Burkina Fasos ostwärts, bis rund um Dogondoutchi. Etwa 30.000 Angehörige leben in Benin und ein Teil ebenso in Burkina Faso. Dialekte sind das Dallol und Bitinkoore. - Zentral-Ost-Niger-Fulbe (Wodaabe) - sie leben mit etwa 450.000 Angehörigen (1998) im zentralen und östlichen Niger, von rund um Dogondoutchi ostwärts, bis zur tschadischen Grenze. Die Wodaabe-Kultur ist zu den anderen Fulbe-Varianten sehr unterschiedlich. Das physisch-anthropologische Erscheinungsbild der Fulbe hat zu sehr vielfältigen Spekulationen über ihren Ursprung und ihre Herkunft geführt.
Die unvermischten Fulbe stellen sich als eine „Kontaktrasse“ dar, bei der europide Elemente (relativ helle Hautfarbe u.ä.) negriden gegenüber überwiegen. Man trifft diesen Typus heute vor allem noch bei einer als Nomaden lebenden Minderheit, während die Sesshaften sich infolge generationenlanger Vermischung mit den negriden Völkern der Sudanzone kaum noch von diesen unterscheiden. Die Volkwerdung der Fulbe vollzog sich wahrscheinlich einst im Senegaltal, wo sie im 11. Jh. islamisiert wurden. In diesem Gebiet gab es bereits vor 1000 n. Chr. eine städtische Kultur, die mit dem transsaharischen Handel verbunden war.
Archäologischen Ausgrabungen zufolge und entsprechend alter arabischer Schriftquellen über den „Bilad as-Sudan - das Land der Schwarzen“ war Tekrur am mittleren Senegal, das vermutlich den Tukuleur ihren Namen gab, eine sehr frühe Wiege der Zivilisation in Afrika und zugleich Ausstrahlungspunkt für die weitere Verbreitung des Islam im Süden. Vom 15. Jh. an traten die Fulbe als eine bedeutsame Gruppe im Bereich zwischen dem mittleren Niger und dem Tschadsee auf. Im 18. und 19. Jh. bildeten sich Fulbe-Theokratien aus, die in Futa Toro (Senegal) und Futa Djalon (Guinea) ihre Zentren hatten und die dortigen Gesellschaften erheblich umgestalteten.
Da zum Ende des 18. Jh. sich der Islam in diesem Teil der Welt in einem Stadium des Verfalls befand, wurde bei verschiedenen Verfechtern des Glaubens der Wunsch erweckt, diesen zu reformieren. So wurden die bisher ungenutzten Möglichkeiten des Fulbevolkes zu einer neuen Erstarkung des Islam unter der Flagge des Heiligen Krieges (dschihad) genutzt. Unter den großen Gestalten der Fulbe, die sich als militante Kämpfer und geschickte Politiker für die Fortführung des Islam einsetzten, wird EL-HADJUMAR aus Futa Toro genannt. Er eroberte ein weites Gebiet, unter anderem das Gebiet der Bambara in Mali, das nach seinem Tod, im Jahre 1864, wieder verloren ging.
Ein anderer Führer der Fulbe war OSMAN DAN FODIO, der Anfang des 19. Jh. die Macht in den Hausa-Staaten erlangte und das mächtige Reich von Sokoto mit seinen Vasallenstaaten auf dem Gebiet des heutigen Nigeria gründete. Dieses Reich hatte bis zur Ankunft der Briten, zu Beginn des 20. Jh., in Nigeria Bestand und selbst heute finden sich noch Spuren davon. Obwohl die Fulbe besiegt wurden, blieb die Struktur ihres Staates als Basis für die indirekte Verwaltung von Nordnigeria erhalten. Auch in Guinea bestand vor der Kolonisation ein islamischer Staat der Fulbe, im Fouta Djalon. Der erfolgreiche Dschihad brachte einen beträchtlichen Wandel in das Leben der Fulbe. Bis dahin waren sie ein abhängiges Volk gewesen, durch ihr nomadisches Leben eingeschränkt.
Nach dem Krieg wurden sie zu einer Elite und konnten sogar Sklaven halten. Die Teilung der Fulbe stammt aus dieser Periode. Vorher waren sie ein weit einheitlicheres Volk, dessen Lebensweise weder die Anhäufung großer Reichtümer gestattete noch die Ungleichheit in ihrer Verteilung, wie das nach dem Dschihad der Fall war. Die Bevölkerung der Fulbe ist in verschiedene Gruppen gegliedert, die sich kulturell, wirtschaftlich und auf religiösem Gebiet unterscheiden und sie lassen sich in vier Hauptgruppen einteilen:
1. - Die vor allem sehr europäisch anmutende Züge besitzenden halb- und vollnomadischen Viehzüchter im Norden Nigerias, die Wororobe (Mbororo’en) - Singular Bororo deren Eigenbezeichnung Wodaabe ist). Sie sind Rinderhirten, die in bestimmten Wanderzyklen zwischen Sahel und dem Regenwald nomadisieren und pflanzliche Nahrungsmittel gegen Viehzuchtprodukte eintauschen. Sie sind nur oberflächlich islamisiert und nehmen am politischen Leben ihrer Staaten nur sehr wenig Anteil. Ihre Wertvorstellungen und Verhaltensweisen zeichnen sich durch eine ungemein starke emotionale Bindung an ihre langhornigen Zebu-Rinder aus und sie besitzen eine wahre Besessenheit für eigene physische Schönheit. Neben den Rindern spielen andere Haustiere, wie Ziegen, Schafe, Kamele und Pferde, eine eher untergeordnete Rolle. Sie scheinen den wahren Charakter der Nomaden aus der Zeit vor dem Dschihad gewahrt zu haben.
2. - Die Fulbe na’i („na’i = Rinder“) sind halbsesshafte Hirten mit ergänzendem Feldbau um ihre Standquartiere, die sie in der Trockenzeit auf der Suche nach neuen Weidegründen vorübergehend verlassen. Sie betrachten sich als die einzigen „wahren“ Fulbe und fühlen sich den im gleichen Raum lebenden Vollnomaden überlegen, obwohl sie diesen gegenüber auch einen gewissen Neid empfinden, da sie nicht so viele Rinder besitzen, um all ihre Bedürfnisse befriedigen zu können und daher noch nebenbei Ackerbau betreiben müssen.
3. - Die Fulbe sire („sire = Häuser“), die „Stadt-Fulbe“, die mehr negride Züge zeigen, sind sesshafte Feldbauern geworden, weil sie zumeist ihr Vieh durch Missgeschicke verloren haben. Die Entwicklung wurde z.B. durch die Saheldürren in den zurückliegenden Zeiten beeinflusst. Hauptanbaufrüchte sind Sorghum und Erdnüsse. In ihrem Kulturinventar haben sich die sesshaften Fulbe fast vollständig den Völkern ihrer jeweiligen Wohngebiete angeglichen und sprechen z.T. sogar deren Sprachen.
4. - Die Torobe und Tukuleur, die dunkelhäutigsten Menschen Westafrikas, leben zumeist in Städten und größeren Dörfern. Sie sind strenggläubige Muslime und stellen eine religiöse Elite, die auch administrative und erzieherische Aufgaben in ihrem Gemeinwesen wahrnimmt. Von der überkommenen Lebensweise der Fulbe losgelöst, sprechen viele von ihnen nicht mehr Ful und haben sich mit der unterworfenen Hausabevölkerung und zum Teil auch mit Berbern vermischt. Die Kinder eines freien Mannes und einer Sklavenmutter können nach islamischem Gesetz so frei sein wie der Vater. Als Folge davon wurde die Hautfarbe vieler Fulbe dunkler, jedoch wurde ihre aristokratische Anmaßung keineswegs gemindert. Die Torobe und Tukuleur waren hauptsächliche Initiatoren von den religiös motivierten „Heiligen Kriegen“ im 18. und 19. Jh., die zu der Vorherrschaft der Fulbe in weiten Teilen Westafrikas führten. Sie behielten auch nach dem durch die europäischen Kolonialmächte besiegelten Ende ihrer Staaten (z. B. Massina, Sokoto, Adamaua) eine sehr Einflussreiche Stellung und haben heute in mehreren westafrikanischen Ländern politische Schlüsselpositionen inne.
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