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Eskimo
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Ein autochthones, mongolides Jäger- und Fischervolk, dessen Sprache, das Eskaleut, zu den Eskimo-Alëutischen Sprachen gehört. Dieses Eskaleut unterteilt sich wiederum in Inupiat, die Sprache der in Nord- und NW-Alaska lebenden Eskimo, in Inuktitut , der Sprache der in Kanada und Grönland lebenden Eskimo und in Yupik, der Sprache der Eskimo, die im zentralen Alaska und am Pazifik-Golf sowie in Sibirien leben.
Die Eskimo-Kultur ist vollkommen den arktischen Verhältnissen ihres Lebensraumes angepasst. Der Name „Eskimo“ stammt von den benachbarten algonkinischen Montagnais Naskapi, wobei es aber heute umstritten ist, ob von der Bezeichnung „ashkimeg“ was so viel wie „Rohfleischesser“ bedeutet, oder aber von „ayaskimew“ was „Schneeschuhflechter“ heißt. In ihrer Sprache nennen sie sich „Inuit“ was „Menschen“ bedeutet und ebenso die offizielle Bezeichnung in der östlichen kanadischen Arktis sowie im westlichen Grönland ist. „Kalaallit“ heißen sie im übrigen Grönland, „Inuvialuit“ im Mackenzie-Gebiet, „Inupiat“ in NW-Alaska, „Yuit“ in Süd-Alaska sowie auch in Sibirien, und ihre nächsten Verwandten, die eine Sonderstellung einnehmenden Alëuten, bezeichnen sich mit dem Namen „Unangan“.
Ihre hervorstechende Besonderheit ist die sprachliche, anthropologische und kulturelle Einheit, die sie deutlich sowohl von den benachbarten Indianern als auch den Paläosibiriern abhebt. Von einem Eskimo mit dem Namen UYAKOQ (bekannter unter der englischen Form „NECK “), wurde ab 1900 eine eigenständig entwickelte Schrift für das Eskimo (Yupik) in Alaska gebraucht, die sogenannte „Alaska-Schrift“. Trotz der nur sehr geringen Verbreitung ist sie schriftgeschichtlich recht bedeutend, da UYAKOQ sie im Laufe der Jahre von einer Wort- Bildschrift hin zu einer Silbenschrift weiterentwickelte. Vor etwa 2000 Jahren spalteten sich zwei Zweige der Eskimo heraus, die „Inupiaq (Inuktitut)“ und „Yupik“, wobei die Mündung des Yukon bis heute noch immer die Sprachgrenze bildet.
Sie unterteilen sich in folgende Gruppen:
Alëuten-Eskimo, Bering Strait Eskimo, Aivilik (Labrador-Eskimo), Nunivak (West-Alaska-Eskimo), Pazifik-Eskimo, Chugachigmiut (Chugash), Nunamiut (Nord-Alaska-Küsten-Eskimo), Tavenmiut, Point-Hope-Eskimo, Mackenzie-Eskimo, Copper-Eskimo, Sivokakmeit, Netsilik, Iglulik, Karibu-Eskimo, Baffinland-Eskimo, West-Grönland-Eskimo, Angmagssalingmiut (Ost-Grönland-Eskimo), Sagdlirmiut, Takamiut (Labrador-Eskimo), Polar-Eskimo und Quebec-Eskimo.
Die Eskimo bewohnen vor allem die Küsten der arktischen Tundrazone sowie die vorgelagerten Inseln. Ihre Verbreitung reicht von der Ostküste Grönlands und von Labrador längs der amerikanischen Nordküste, über die Beringstraße bis zum Gebiet um Kap Deschnew in Ost-Sibirien und umfasst insgesamt eine Küstenlänge von mehr als 20.000 km. Lediglich der Südrand der Hudson Bay gehört nicht mehr zum Siedlungsgebiet der Eskimo. Ihre Verbreitung nach Süden wird heute vor allem durch die nördliche Waldgrenze bestimmt, erstreckte sich aber in früheren Zeiten bis zur Nordspitze Neufundlands und zu den Nordufern des St.-Lorenz- Golfes hin. Im Norden wurden Ellesmere-Land, Nord- Devon und die Barryinsel aufgegeben. Der nördlichste Punkt, den die Eskimo je erreichten, lag bei 82,5° Nord.
Die Bevölkerungsdichte ist sehr gering, in dem riesigen Verbreitungsgebiet leben etwa nur 110.000 Eskimo: 45.000 auf Grönland, 25.000 in Kanada, 35.000 in Alaska, 5.000 auf den Alëuten und knapp über 1.000 in Sibirien. Die Eskimo sind Jäger von Seesäugern (Robben, Walrosse, Wale, Eisbären) und Fischer. Nur wenige Binnenlandgruppen – zum Beispiel in Nord-Alaska die Nunamiut und in den Barren Grounds an der Hudson Bay die Karibu-Eskimo – ernähren sich von der Jagd auf das Karibu, das nicht domestizierte amerikanische Rentier. In ihrer Jahrtausende alten Kultur (ab ca. 2000 v. Chr.) hatten die Eskimo in dem extremen Milieu der Arktis sehr spezielle Techniken entwickelt, so dass ihre Lebensmöglichkeiten hier sogar besser waren als in den weiter südlich an ihren Lebensraum angrenzenden Waldgebieten der Subarktis. Vor allem die Robbenjagd versorgte die Eskimo mit dem lebenswichtigen Öl, das in Tranlampen Licht in den langen arktischen Nächten und Wärme in der arktischen Kälte sicherte.
Die Kleidung bestand aus zwei Fellschichten, damit die Körperwärme in größtem Umfang erhalten werden konnte. Flickzeug war bei ihnen lebenswichtig. Die wichtigsten Transport- und Verkehrsmittel waren der Kufenschlitten mit einem Hundegespann auf dem Lande sowie der Kajak und Umiak, das große Fellboot für den Walfang, auf dem Wasser. Das Schneehaus (iglu) wurde lediglich auf dem Eis und nur während der Jagd kurzfristig errichtet. Im übrigen waren die Häuser der Eskimo eingetieft und bestanden aus Steinen, Walrippen und Grassoden. Harpune und Schleuder für die Robbenjagd, die Bola für den Vogelfang, die Lanze für die großen Jagdtiere und der Fischspeer sowie Pfeil und Bogen waren seit jeher ihre Jagdwaffen. Die Eskimo lebten früher in kleinen autonomen Lokalgruppen an den Buchten der Küsten. Im religiösen Bereich setzten sich bei ihnen z.T. christliche Vorstellungen ihres Glaubens gegen die traditionelle Annahme einer Allbeseeltheit der Umwelt durch.
Schamanen waren die Mittler zu ihrer übernatürlichen Welt, Krankenheiler, aber auch Jagdhelfer, indem sie mit Hilfe ihrer tierischen Schutzgeister in magischen Zeremonien das Jagdwild herbeischafften. Das Weltbild der Eskimo ist dort, wo keine indianische Beeinflussung vorliegt, absolut statisch und kennt daher keinen Schöpfungsmythos. Die europäischen Einflüsse im Leben der Eskimo begannen in Grönland schon im 17. Jh., als Dänen die Küsten besetzten. Auf der anderen Seite des riesigen Verbreitungsgebietes der Eskimo drangen die Russen über die Alëutenkette bis in den Süden Alaskas vor und errichteten Handelsstationen, die bis zur Bucht von San Francisco reichten. Aber erst nach dem Verkauf Alaskas an die Amerikaner (1867) wurde die Kultur der Alaska- Eskimo in größerem Umfange von den Weißen verändert. Große Teile der Eskimo-Bevölkerung fielen daraufhin den eingeschleppten Krankheiten wie Masern, Syphilis, Grippe und Tuberkulose zum Opfer.
Im Norden Alaskas dezimierten die europäischen und amerikanischen Walfangflotten die großen Walbestände, von denen die Küstengruppen um Point Barrow lebten. Ende des 19. Jh. wurde in Alaska und NW-Kanada die Rentierzucht mit Hilfe samischer Experten eingeführt, um den Eskimo eine Alternative zur traditionellen Subsistenzwirtschaft zu bieten. Der größte Eingriff in die Kultur der Eskimo erfolgte nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Errichtung von Militärbasen. Zur militärischen Absicherung ihrer Nordflanke brachten die Amerikaner riesige Mengen von Material in das damalige Territorium von Alaska. Später wurde dann auch die kanadische Arktis mit in diese Fernraketenabwehrzone der Amerikaner einbezogen. Mit den Materialanlieferungen verbunden waren der Ausbau von Straßen und Häfen sowie die Anlage von Flugplätzen. Der Zustrom von Menschen und Gütern veränderte die Eskimokultur bis tief in ihre Wurzeln. Er brachte die Möglichkeit der Lohnarbeit, die aber stets mit der Gefahr der zeitweiligen Arbeitslosigkeit einherging und ein Klima von ständiger Unsicherheit und Existenzangst schuf, bis schließlich die Arbeitslosenfürsorge eingeführt wurde.
Die Zuwanderung von Eskimo in die Militärlager und die schnell entstehenden neuen Siedlungszentren schnitten den Faden zu ihrer traditionellen Subsistenzwirtschaft vollends ab. Die allmähliche Stabilisierung von neuen wirtschaftlichen Bedingungen sowie die allgemeine Schulpflicht führten dann schließlich zu einer ersten politischen Willensbildung der alaskischen Eskimo durch die Gründung der Partei „Alaska Federation of Natives“, die bemüht war, die Rechte der Eskimo zu schützen. Neuerdings steht auch die „Alaska Native Brotherhood“, die ursprünglich eine indianische Organisation in Süd- Alaska war, dem Volk der Eskimo offen. Die Situation der kanadischen Eskimo war insofern anders, als hier bestimmte traditionelle Zentren sozialer Kristallisation nicht vorhanden waren, wie z.B. das Männerhaus (karigi), feste Handelspartnerschaften, die bilaterale Großfamilie sowie auch die größeren Dauersiedlungen.
Letztere entstanden erst, als Handelsposten, Missionsstationen und Wohlfahrtseinrichtungen errichtet wurden. Sie wurden oft in der Nähe von Wetterstationen, kleinen Flugplätzen oder Militärbasen angelegt. Diese neuen Siedlungen zogen immer weitere Bevölkerungsteile der Eskimo an. Auch die im Hinterland weiterhin von der Jagd lebenden Gruppen wurden weitgehend von diesen neuen Stationen in den Grundnahrungsmitteln und Gebrauchsgütern abhängig. Sie übernahmen gelegentlich auch Lohnarbeit oder sie bekamen Wohlfahrtsunterstützung. Vor allem die kanadische Zentralregierung unterstützte die Gründung von Genossenschaften, um typische Produkte der Eskimo, vornehmlich das Pelzwerk und neuerdings aber auch Kunsthandwerk, wie z.B. Schnitzereien zu verkaufen. Die Genossenschaften werden heute von den Eskimo selbst betrieben und sind auch recht erfolgreich.
Die meisten Siedlungen besitzen heute Schulen und für die Schüler wurde ein neues verbindliches Schriftsystem eingeführt. Schneemobile und Transistorradios sind in der heutigen Zeit zur Selbstverständlichkeit im Leben der Eskimo geworden. Weitere starke Veränderungen im Leben der Alaska-Eskimo, wie beispielsweise die Zerstörung der natürlichen Umwelt, bringt die Ausbeutung der reichen Erdöl- und Erdgasvorkommen mit sich. Der Ausbau der Fischindustrie und die Einführung von Schafzucht und Ackerbau führten zur Konzentration der Bevölkerung in größeren Siedlungen Grönlands. Dadurch wurde die Verwaltung der ca. 40.000 Eskimo vereinfacht und die schulische Erziehung verbessert. Unter allen Eskimo sind die grönländischen zu größtem Wohlstand gekommen. Bereits 1952 kündigte die dänische Regierung einen letzten Schritt zur Entwicklung einer selbständigen Eskimo-Nation in Grönland an. Schon 1860 hatten die Dänen in Grönland das Analphabetentum besiegt, während noch in den fünfziger Jahren des 20. Jh. nur wenige der kanadischen Eskimo lesen und schreiben konnten.
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