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Delaware
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Ein ehemals bedeutender und mächtiger nordamerikanischer Volksstamm der östlichen Algonkin-Familie, der am Delaware-River und am Schuykill im heutigen US-Bundesstaat Pennsylvania bis hin zur atlantischen Küste von Long Island sowie bis zu dem nördlichen Teil des heutigen Bundesstaates Delaware seine Sitze hatte, bis er später dann immer weiter nach Westen zurückging. Der Name „Delaware“ galt jedoch als ein Sammelname für alle im 17. Jh. im Delaware-Tal lebenden Algonkin sprechenden Indianer.
Die Delaware zerfielen in die drei Unterstämme: Munsee (Miusi), Unami und Unalachtigo, die sich jeweils durch ihre Stammestiere (Wolf, Schildkröte und Truthahn) unterschieden und zwei Dialekte (Munsee und Unami) sprachen. Diese drei Stämme bildeten den Kern eines mächtigen Fünfvölkerbundes, zu dem außer ihnen die verwandten Nationen der Shawnee, Mohikaner, Nanticoke und Kanawe zählten. Ihre Eigenbezeichnung war „Lenni Lenape = erste bzw. wirkliche Menschen“ oder „Wir, sind das Volk“ . Eine andere Selbstbezeichnung ist „Woapanachke“, was wörtlich „Person des östlichen Landes“ bedeutet. Die Bezeichnung „Delawaren“ geht zurück auf den Namen des ersten englischen Gouverneurs von Virginia, dem Lord DE LA WARRE . Die Sprache der Delaware ist eine der bekanntesten Algonkinsprachen überhaupt und sehr viele Namen aus indianischer Kultur, die allgemein bekannt sind, sowie zahlreiche geographische Namen in den amerikanischen Bundesstaaten, die früher ihre Wohngebiete waren, stammen aus ihr.
Die Nachbarn der Delaware im Norden waren die Abenaki, Wappinger und die Housatonic des Hudson-Tales und im Süden die Nanticoke und Kanawe in Maryland, die im 18. Jh. bei den „Sechs Nationen“ der Irokesen Zuflucht suchten und in späterer Zeit unter diesen aufgingen. Die Delaware lebten überwiegend vom Anbau von Mais, Bohnen und Kürbissen, aber auch vom Fischfang und der Jagd. Ihre Dörfer bestanden aus tonnenförmigen Langhäusern, in denen die Familien eines matrilinearen Klans beisammen wohnten. Von den Ältesten des Klans wurden dann die Häuptlinge bestimmt, die sie im Dorfrat repräsentieren sollten. Während der Kolonialzeit waren die Dörfer zu einem Stamm bzw. einem Stammesverband zusammengeschlossen. Einem intensiven Kontakt mit den Weißen waren die Delaware seit dem Jahre 1609 ausgesetzt, als HENRY HUDSON , in niederländischen Diensten stehend, den nach ihm benannten Fluss erkundete und 1614 die Holländer dort einen Pelzhandelsposten errichteten.
1626 verkauften die Delaware Manhattan für einen Gegenwert von 60 Gulden an die Holländer, die dann dort Neu Amsterdam (das heutige New York) erbauten. Die Beziehungen zu den Holländern, die die Delaware und Mahican (Mohikaner) vom Hudson abdrängten, waren konfliktreicher als jene zu den Schweden oder später zu den Briten am Delaware River, wo Land durch Privatkauf oder Verträge verloren ging. Der Oberhäuptling der Delaware hatte einst seinen Sitz nahe der heutigen Stadt Germantown. Im Jahre 1682 kaufte WILLIAM PENN das Land zwischen dem Delaware River und Lehigh River sowie das Gebiet von Bethlehem (Pennsylvania) für einen lächerlichen Preis ab. TAMMANY (TAMANEND ) war der große und berühmte Sachem jener Zeit, der von seinem Volk so sehr verehrt wurde dass er deshalb von den Weißen „St. Tammany“ genannt wurde. Die mythische Geschichte der Delaware ist in ihren Annalen, einer Bilderschrift, die auf Baumrinde angefertigt wurde, aufgezeichnet. Durch diese in Birkenrinde geritzte Nationalchronik in Bilderschrift wurden sie auch in der Literatur bekannt. Dieses Dokument trägt den Namen „Walam Olum = Rote Niederschrift“ (allerdings soll es sich nach neueren Forschungen dabei lediglich um eine Fälschung handeln).
Neben dem Oberhäuptling gab es in verschiedenen Stämmen und Unterstämmen eigene Häuptlinge sowie auch Berater. Die Delaware lebten in kleinen Dörfern, in denen viereckige mit Rinden gedeckte Hütten errichtet wurden. Sie waren Jäger, bauten jedoch auch etwas Mais und Gemüse an. In der Glaubenswelt der Delaware gab es nur eine einzige große Macht, und zwar die der vier Götter, denen weitere andere Mächte untergeordnet waren, die sich wiederum in verschiedene Ränge untergliederten. Unter ihrem Sachem TAMMANY erreichten die Delaware den Höhepunkt ihrer Macht. Diese wurde erst gebrochen, als sie mit Weißen im Süden und Osten ihres Siedlungsgebietes in Berührung kamen sowie durch die ständigen Kriege, die sie gegen ihre Nachbarn, den Fünfvölkerbund der Irokesen, im Norden und Westen führten, durch die sie empfindlich geschwächt wurden. Nach 1690, nach Zeiten friedlichen Zusammenlebens mit den Quäkern unter WILLIAM PENN , begannen die Stämme der Irokesen, die vom Norden her einen immer stärker werdenden Druck ausübten, die Delaware zu unterjochen. Nach 1720 wurden dann die Delaware den Irokesen sogar tributpflichtig gemacht.
Zur gleichen Zeit wurden sie von den Weißen weiter nach Westen, nach Pennsylvania, und später nach Ohio abgedrängt, wo aus den einstmals unabhängigen Gruppen nun der Stamm der Delaware entstand, und sie von der Herrnhuter Brüdergemeinde unter Graf ZINZENDORF christianisiert wurden. Die Delaware bewohnten als Untertanen der Irokesen von 1720 bis 1770 ein Gebiet innerhalb der heutigen Staaten New Jersey, West-Pennsylvania und Delaware. Um das Jahr 1770 zogen sie nach Florida und Miami, um sich dann später in Missouri und Ontario wieder anzusiedeln. Ihre Schwäche nutzten die Weißen sogleich aus und verdrängten die Delaware aus ihrer Heimat. Die neue Heimat der Delaware wurde 1724 Pennsylvania, wo sie jedoch auch keine Ruhe fanden. THOMAS PENN , der Sohn von WILLIAM PENN , fälschte 1734 eine Urkunde, was dazu führte, dass die Delaware 1742 ihr Stammesgebiet am gleichnamigen Fluss verlassen mussten. Sie wanderten daraufhin westwärts ab und wurden im Jahre 1751 abermals von Weißen verdrängt. Diesmal ließen sich die Delaware in Ohio nieder und bildeten zum ersten Mal eine ethnische Einheit.
Aber auch hier fanden sie keine neue Heimat, denn Ohio sollte nur wenige Jahre ihre Wohnstätte sein. 1770 zogen die Delaware nach Indiana, wo sie von den dort ansässigen Miami-Stämmen geduldet wurden. Die Mincie-Gruppe blieb hier und kämpfte im französisch-indianischen Krieg auf Seiten der Franzosen. In der Revolution waren sie Verbündete der Engländer. Die spanischen Behörden erlaubten einen Teil der Delaware sich in Missouri anzusiedeln, was auch der Hauptteil von ihnen machte. Der Rest zog nach Ontario. Auf diese Weise konnten sie sich einer Bestrafung durch die Vereinigten Staaten entziehen. In Ontario erhielten sie von den Engländern Reservate zugewiesen, wo heute noch Delaware leben. Im Jahre 1778 schlossen die Delaware den ersten Vertrag, der jemals zwischen einem nordamerikanischen Volksstamm und den USA gemacht wurde, ab. 1794 führten beide Seiten gegeneinander Krieg, wobei die Delaware am 20. August in der Schlacht bei Fallen Timbers in Ohio von General A NTHONY W AYNE und seinen Truppen geschlagen wurden.
In Greenville wurde am 3. August 1795 zwischen beiden Seiten ein Friedensvertrag geschlossen. Die Delaware erhielten das Recht, in Ohio zu leben, jedoch bereits 1829 erhielten die USA alle Gebiete wieder zurück. Die Delaware zogen daraufhin in den Osten von Kansas, wo sie 1835 eine Reservation erhielten. Da sie es in Kansas nicht aushielten, zogen sie 1867 ins Indianerterritorium in Oklahoma. Eine andere Gruppe, welche bis 1866 bei den Choctaw in Kansas gelebt hatte, gründete im Jahre 1839 eine eigene Regierung. 1867 verließen 985 Delaware Kansas und zogen nach Süden an den Caney River. Hier wurden sie Stammesmitglieder der Cherokee. Einige von ihnen hatten unter Diskriminierungen zu leiden, andere wiederum wurden in den obersten Rat der Cherokee gewählt. Die Delaware schickten ihre Kinder in Schulen der Cherokee. Fast 150 Jahre lang zogen die Delaware von einem Jagdgebiet in ein anderes. Die Mohikaner (Mahican), die ebenfalls der Algonkin-Sprachfamilie angehören, zogen von Anfang an mit den Delaware. Vom Ohio an wanderten auch die kriegerischen Shawnee mit den Delaware.
Von dem Zeitpunkt an, als die Delaware die östlichen Waldgebiete ihres Stammesgebietes verlassen hatten, waren sie ohne Heimat und wenn nicht die Shawnee ihnen zur Seite gestanden hätten, wären sie wegen ihrer wenigen Krieger sehr rasch ausgelöscht worden. Alle kriegerischen Auseinandersetzungen konnten jedoch die Shawnee ziemlich erfolgreich zurückschlagen. Bevor die Delaware ihre angestammte Heimat verließen, zählte der Stamm 10.000 Personen, aber durch die Kämpfe mit den Irokesen und Weißen wurden sie stark dezimiert. Auf ihren Wanderungen nach Westen wurden sie zusätzlich durch Krankheiten wie auch durch den Ohio-Grenz-Krieg weiterhin geschwächt. Siebenmal verließen die Delaware ihre Jagdgründe immer auf der Suche nach neuen Wohngebieten. Im Durchschnitt war jeder Delaware in seinem Leben an zwei Wanderungen beteiligt. Immer wieder schlossen ihre Anführer mit anderen Stämmen Verträge, um in Frieden leben zu können. Im Bürgerkrieg wie auch in den Indianerkriegen dienten die Delaware zahlreichen Generälen als loyale Scouts. Die im Osten verbliebenen Delaware schlossen sich z.T. dem Stamm der Mahican von Stockbridge an, die im 19. Jh. nach Wisconsin übersiedelten.
Trotz eines 1775 mit den Amerikanern geschlossenen Vertrages waren die Delaware weiter dem Druck der weißen Siedler ausgesetzt und wichen zunächst nach Indiana, 1789 nach Missouri, später nach Arkansas und sogar bis nach Texas aus. Um das Jahr 1835 lebte der Hauptteil der stark zersplitterten Delaware auf einer Reservation in Kansas, ab 1867 dann in Oklahoma. Im Jahre 1823 wurden etwa 2.400 und zu Beginn des 20. Jh. 2.200 Stammesangehörige der Delaware gezählt. Im US-Bundesstaat Oklahoma wurden im Jahre 1950 noch 2.162 Nachkommen registriert, davon waren 1.250 Personen Nachfahren der Delaware aus Kansas. Ihre ehemalige Bevölkerungszahl war auf ein Sechstel ihrer ursprünglichen Anzahl zurückgegangen. Die Hauptmasse kam 1867 in die Wichita-Reservation. 1985 wurden von der Anadarko-Behörde in Oklahoma noch 396 Angehörige des Stammes der Delaware registriert. Die Mehrheit der einstigen Delawaren ist stark mit anderen Indianern oder aber auch mit Weißen vermischt und weitestgehend in der amerikanischen Landbevölkerung assimiliert.
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