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Chinesisch
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Auf Grund der äußerst hohen Bevölkerungszahl ist das Chinesische die am meisten gesprochene Sprache der Welt. Sie ist die wichtigste und bedeutendste Sprache innerhalb der sinotibetischen Sprachfamilie. Chinesisch ist die amtliche Staatssprache der Volksrepublik China, Taiwans, Hongkongs (heute zur VR China gehörend) und Aomens (früher Macao) sowie Nationalsprache der chinesischen Minderheiten in vielen weiteren, vorwiegend südostasiatischen Ländern.
Die Selbstbezeichnung der Chinesen lautet „Han“. Der im Altchinesischen äußerst komplizierte Lautstand mit konsonantischen Auslauten und Konsonantenhäufungen im Anlaut (die auf eine noch viel weiter zurückliegende Mehrsilbigkeit schließen lassen), vereinfachte sich bis zum abgeschliffenen, nur noch (mit Tondifferenzierungen rund 1.600) Lautkomplexe umfassenden Pekingdialekt, der in der Moderne zur chinesischen Hochsprache wurde (früher: Guan-hua, Kuan- hua, „Mandarin“, heute: Pu-tong-hua, P’u-t’ung-hua „Gemeinsprache“ oder: Guo-yu, Kuo-yü. „Staatssprache“).
In der chinesischen Historiographie werden die Han gerne als eine ethnische und kulturelle Einheit betrachtet, deren Geschichte sich in der Vergangenheit scheinbar endlos verliert. In Wirklichkeit waren sie jedoch nie die völlig in sich geschlossene Nation, als die sie sich gerne darstellen, sondern vielmehr das historische Ergebnis verschiedener ethnischer Gruppen, deren Traditionen erst in sehr langwierigen Assimilierungsprozessen zu einem halbwegs organischen Komplex verschmolzen sind. Die Chinesen sprechen zahlreiche verschiedene, in der Literatur meist nur als Dialekte bezeichnete Sprachen, die zur chinesischen Gruppe zusammengefasst werden.
Sie unterteilt sich in folgende Untergruppen:
- Gan (Gan-yu, Kan) - etwa 20,58 Mio. Angehörige (1984), das sind 2% der chinesischen Gesamtpopulation, in Jiangxi und in der Südostecke der Provinz Hubei, inklusive in Dachi, Xianning, Jiayu, Chongyang und in Teilen der Provinzen Anhui, Hunan und Fujian; Dialekte sind: Chang-Jing, Yi-Liu, Ying-Yi, Fu-Guang und Ji-Cha. Der Chang-Jing-Dialekt schließt die Sprache in Nanchang City, Xiuhui und Jing’an mit ein, wie auch das Yi-Liu das Yichun (Ichun) in Jiangxi bis Liuyang in Hunan mit einschließt. Am Rande des Verbreitungsgebietes des Mandarin und Wu-Chinesisch ist das Gan verständlich. Die Sprecher sind meist bilingual in Standard-Chinesisch, das sie für die Literatur benutzen.
- Hakka (Hokka, Kejia, Kejiahua, Ke, Xinmin-hua, Tu Guangdonghua, Majiahua) - ungefähr 25,725 Mio. Angehörige (1984) auf dem Festland, das macht rund 2,5% der Gesamtpopulation aus, etwa 2,366 Mio. in Taiwan in den Regionen Taoyuan, Hsinchu, Pingtung, und Miaoli, das sind rund 11% der Inselbevölkerung, etwa 985.600 in Malaysia, 640.000 in Indonesien, 69.000 in Singapur, 58.800 in Thailand, 19.200 in Französisch Polynesien, 6.000 in Surinam, 6.000 in Panama, 3.000 in Brunei u.a. Es wird in vielen Teilen der VR China eng neben anderen Dialekten gesprochen. Die größte Konzentration weist Hakka-Chinesisch im Osten und Nordosten der Provinz Guangdong auf, ansonsten speziell in den Provinzen Fujian, Jiangxi, Guangxi, Hunan und Sichuan. Dialekte des Hakka sind: Yue-Tai (Meixian, Raoping, Taiwan Kejia), Yuezhong (Zentral-Guangdong), Ning- Long (Longnan), Tingzhou (Min-Ke), Huizhou, Yuebei (Nord- Guangdong), Yugui und Tonggu. Das Meixian ist der Standard-Dialekt.
- Huizhou - in der südlichen Provinz Anhui und im Norden der Provinz Zhejiang gesprochenes Chinesisch mit den Dialekten: Jixi, Xiuyi, Yanzhou, Jingzhan und Qide. Es wurde früher als ein Teil des Jianghuai-Dialektes des Mandarin erachtet, gilt aber heute als eine separate große Variante des Chinesischen. Die einzelnen Dialekte weichen erheblich voneinander ab und sind auch völlig verschieden zum gleichnamigen Huizhou-Dialekt des Hakka. Die Sprecher des Huizhou sind größtenteils zweisprachig in Standard-Chinesisch.
- Jinyu - etwa 45 Mio. Angehörige (1995) vorwiegend in der Provinz Shanxi und Henan. Das Jinyu wurde früher erachtet als ein Teil des Xibei Guanhua-Dialekts des Mandarin, gilt heute aber als eine separate große Variante des Chinesischen.
- Mandarin (Mandarin-Chinesisch, Guanhua, Beifang Fangyan, Nord-Chinesisch, Guoyu, Kuoyu, Putonghua) - etwa 867 Mio. Angehörige (1999) auf dem Festland, das sind rund 70% der Gesamtpopulation, inklusive 8,7 Mio. Hui, etwa 4,323 Mio. Angehörige (1993) auf Taiwan, das sind ca. 20,1% der Inselbevölkerung, vor allem gesprochen in der Hauptstadt Taipei sowie in fünf Provinzstädten, weiterhin auch in Malaysia, Singapur, Indonesien, Russland, USA, Mongolei, Vietnam, Brunei, Südafrika, Thailand, Laos, Kambodscha, Hongkong, auf Mauritius und in Großbritannien. In der VR China ist es nördlich des Changjiang verbreitet sowie in einem Gürtel im Süden des Changjiang, von Qiujiang (Jiangxi) bis Zhenjiang (Jiangsu), in der Provinz Hubei, vor allem in der Südostecke, in den Provinzen Sichuan, Yunnan und Guizhou, im nordwestlichen Guangxi und im äußersten Nordwesten von Hunan. Dialekte sind: Huabei Guanhua (Nord-Mandarin), Jinghuai Guanhua (Jiangxia Guanhua, Unteres Yangtze-Mandarin), Xibei Guanhua (Nordwest- Mandarin), Xinan Guanhua (Südwest-Mandarin) und Taibei Mandarin auf Taiwan.
Das Mandarin wird als offizielle Sprache in allen Schulen gelehrt. Die Hui-Nationalität spricht als erste Sprache Mandarin und viele von ihnen lesen und schreiben auch Chinesisch. Sie entsprechen den „Khoton“ , „Hoton“ oder „Qotong“ in der Mongolei. Das Wenli ist eine literarische Form. Das geschriebene Chinesisch basiert auf dem Beijing-Dialekt, wurde aber von anderen Varietäten des Nord-Mandarin ziemlich bEinflusst. Das Putonghua ist eine offizielle Form, die heute in Schulen gelehrt wird. Hezhouhoua wird in der Autonomen Präfektur Linxia Hui und in der Autonomen Präfektur Gannan Tibet, in der südlichen Provinz Gansu und in den Nachbarregionen der Provinz Qinghai gesprochen.
Die Grammatik basiert auf der altaischen oder tibetischen Sprache, während das Vokabular und die Phonology auf dem Nordwest-Mandarin basiert, oder eine aus dem Tibetischen losgelöste Form ist. Putonghua ist verständlich mit dem Beijing-Dialekt und auch anderen Mandarin-Varietäten des Nordostens. Die Mandarin- Varietäten im unteren Plateau in Shanxi sind nicht verständlich mit dem Putonghua, während sich die Sprecher in Guilin und Kunming mit den Putonghua- Sprechern sprachlich gut verstehen. Taibei-Mandarin und Beijing-Mandarin sind untereinander vollkommen verständlich. Nahezu alle Erstsprachler des Mandarin in Taiwan sprechen es mit Min beeinflusster Grammatik sowie auch zahlreichen Beeinflussungen des Min in der Aussprache. Manche gebildete Personen eifern eine Standard-Aussprache an.
- Min Bei (Nord-Min, Min Pei) - etwa 10,29 Mio. Angehörige (1984), oder ca. 1,2% der Gesamtpopulation der VR China. Es wird im Norden der Provinz Fujian in sieben Kreisen rund um Jian’ou gesprochen und ist auch in Singapur verbreitet. Die Chinesen unterteilen das Min- Chinesisch in fünf verschiedene Idioms: Min Nan, Min Bei, Min Dong, Min Zhong und Pu-Xian.
- Min Dong (Ost-Min) - etwa 8,82 Mio. Angehörige (2000) in China, ca. 15.000 Angehörige sprechen es in Singapur, 6.000 in Brunei und 20.000 in Indonesien. Hauptsächlich verbreitet ist es in einem Gebiet von Fu’an im Nordosten der Provinz Fujian bis Fuzhou im östlichen zenralen Fujian, ebenso in Thailand und in Malaysia. Ein zugehörender Dialekt ist das Fuzhou (Fuchow, Foochow, Guxhou) . Die Prestigevariante ist die in Fujian gesprochene. Die Sprecher sind meist bilingual in Standard-Chinesisch.
- Min Nan (Süd-Min, Minnanhua) - etwa 25,725 Mio. Angehörige (1984) auf dem Festland, das sind 2,5% der Gesamtpopulation, etwa 15 Mio. (1997) in Taiwan, das sind 66,7% der Inselbevölkerung, vor allem in Tainan, der Ost-Region, im Südwesten und der Küstenregion; etwa 1,948 Mio. in Malaysia, 1,17 Mio. in Singapur, 1,082 Mio. in Thailand, 700.000 in Indonesien, 540.000 in Hongkong, 493.500 auf den Philippinen und 10.000 in Brunei. In der VR China ist das Min Nan verbreitet im Süden der Provinzen Fujian und Guangdong, im Süden der Insel Hainan sowie im Süden der Provinzen Zhejiang und Jiangxi. Dialekte sind: Xiamen, Leizhou (Lei Hua, Li Hua), Chao-Shan (Choushan), Hainan (Hainanese, Qiongwen Hua, Wenchang), Longdu und Zhenan Min sowie auf der Insel Taiwan das Amoy (Taiwanesisch, Formosa) mit den beiden Subdialekten Sanso and Chaenzo.
Xiamen ist in Süd-Fujian, Jiangxi und Taiwan verbreitet, der Hainan- Dialekt auf Hainan, Leizhou auf der Leizhou-Halbinsel im Südwesten der Provinz Guangdong, Chao-Shan in der äußersten Ostecke von Guangdong in der Region Chaozhou-Shantou, Longdu ist ein Dialekt in der Region rund um Zhongshan City und Shaxi in Guangdong im Süden von Guangzhou, Zhenan Min in der südöstlichen Provinz Zhejiang rund um Pingyang und Cangnan und auf dem Zhoushan-Archipel im nordöstlichen Zhejiang. Amoy ist der Prestige-Dialekt. Das Chao-Shan besitzt Unterdialekte, wie das Chaoshou (Chaochow, Teochow, Teochew) und das Shantou (Swatow).
Es ist inklusive dem Swatow sehr schwer verständlich mit dem Amoy. Das Sanjiang ist etwas schwierig für andere Dialektsprecher zu verstehen. Das Hainan ist vollständig unterschiedlich zu den anderen Dialekten. Min Nan ist die am weitesten verbreitete und Einflussreiche Min-Varieät. Hier gibt es zwei Unterdialekte in Taiwan: Sanso and Chaenzo. Der größte Teil der Min Nan-Sprecher in Thailand spricht den Chaoshou-Dialekt.
- Min Zhong (Zentral-Min) - in einem Gebiet rund um Yong’an, Sanming und Shaxian in der zentralen Provinz Fujian gesprochen. Die Sprecher sind meist bilingual in Standard-Chinesisch.
- Pu-Xian - von etwa 2,52 Mio. Angehörigen (2000) in den Kreisen Putian und Xianyou im Osten der zentralen Provinz Fujian in der VR China gesprochen, ebenso von etwa 66.650 Angehörigen (2000) in Malaysia und von über 6.000 in Singapur. Dazu gehören die Dialekte: Putian (Putten, Xinghua, Hinghua, Henghua, Hsinghua) und Xianyou (Hsienyu) . Die Sprecher sind meist bilingual in Standard-Chinesisch.
- Wu (Wu-yu, Shanghai-Dialekt) - etwa 77,175 Mio. Angehörige (1984), oder ca. 7,5% der Gesamtpopulation der VR China. Es wird in Jiangsu südlich des Changjiang, östlich von Zhenjiang, auf der Insel Chongming in der Bucht des Changjiang, und nördlich des Changjiang in dem Gebiet rund um Nantong, Haimen, Qingjiang und Qidong sowie im Süden der Provinz Zhejiang in Quzhou, Jinhua und Wenzhou gesprochen. Dazu gehören die Dialekte: Jinhua (Kinhwa), Taizhou, Oujiang, Wuzhou, Taihu, Xuanzhou und Chuqu. Wu wird gebraucht im örtlichen Radio und Fernsehen sowie im öffentlichen Familienleben. Für offizielle Übertragungen, wie Nachrichten wird vorwiegend das Mandarin-Chinesisch verwendet. Subdialekte des Taihu-Dialekts sind: Piling, Su-Hu-Jia, Tiaoxi, Yongjiang , Hangzhou und Lin-Shao; Xuanzhou-Subdialekte sind Tongjing, Taigao und Shiling; Chuqu-Subdialekte sind Chuzhou und Longqu.
- Xiang (Hunan, Hunan-Chinesisch, Hsiang) - etwa 36,015 Mio. Angehörige (1984), das sind etwa 3,5% der Gesamtpopulation der VR China. Es ist über die Provinz Hunan, über 20 Kreise der Provinz Sichuan und Teile von Guangxi und Guangdong verbreitet. Zugehörende Dialekte sind: Changyi, Luoshao und Jishu. Das Xiang hat keine andere Schriftform als Standard-Chinesisch. Linguistisch steht es zwischen dem Mandarin- und Wu- Chinesisch und ist am Rand mit diesen verständlich.
- Yue (Kanton-Chinesisch, Cantonese, Yueh, Yue-yu, Gwong Dung Waa, Baihua) - ca. 52 Mio. Angehörige (1984) auf dem Festland, das sind ungefähr 4,5% der Gesamtpopulation in der VR China, 5,292 Mio. in Hong Kong, 314.000 in Singapur, 498.000 in Macao, 748.010 in Malaysia, 862.370 in Vietnam, 180.000 in Indonesien, 180.000 in San Francisco in den USA, 70.000 in den Niederlanden, 29.400 in Thailand, 20.000 in Neuseeland, 6.000–7.200 auf den Philippinen, 4.500 in Costa Rica, 3.500 in Brunei, einige Hundert auf Nauru sowie einige Hunderttausend in Kanada. Das Yue wird in der Provinz Guangdong gesprochen (außer in den Gebieten, wo vorwiegend das Hakka verbreitet ist, oder im Osten, wo das Min-Nan-Sprachgebiet ist bzw. entlang der Küste sowie auf der Insel Hainan) und im Südteil der Provinz Guangxi. Dialekte sind: Yuehai (Guangfu, Hong Kong- Kantonesisch, Macau-Kantonesisch, Wancheng, Shatou), Shiqi, Siyi (Seiyap, Taishan, Toisan, Hoisan), Gaolei (Gaoyang), Qinlian und Guinan.
Die Variante Guangzhou ist der Standard. Außerhalb des Festlandes existieren viele spezielle Eigentümlichkeiten, die im Schreibsystem des Kanonesischen verwendet werden. Subdialekte des Yuehai sind Xiangshan, das rund um Zhongshan und Shuhai, und Wanbao, das rund um Dongwan City und im Kreis Bao’an verbreitet ist. Das in Vietnam verbreitete Yue-Chinesisch hat viele weitere alternative Bezeichnungen wie: Suòng Phóng, Quang Dong, Hai Nam, Ha Xa Phang, Minh Huong, Nung-Chinesisch, Nung, Tiefland-Nung, Hoa, Han, Trièu Chau, Phúc Kién, Liem Chau und Samg Phang.
Die südlichen und auch südöstlichen chinesischen Dialekte bewahren z.T. noch den älteren Lautstand der Sprache mit einem viel komplizierteren Worttonsystem. Da in den Dialekten, in erster Linie in der chinesischen Hochsprache die wenigen Lautkomplexe zur Wiedergabe des reichen Wortschatzes schon nicht mehr genügten und zu unzähligen Homonymen (gleichlautende, aber bedeutungsverschiedene Wörter) führten, entstanden Wortzusammensetzungen zur Vermeidung von evtl. Verwechslungen, damit auch sehr komplizierte Begriffe gewissermaßen synthetisch ausgedrückt werden konnten, und die Sprache wurde in der Praxis letztendlich wieder „mehrsilbig“.
Parallel dazu übernahmen auch alte grammatische Hilfswörter allmählich die Funktion von Affixen, so dass die chinesische Sprache langsam auch ihren isolierenden Charakter einbüßte und sich dem einer agglutinierenden Sprache annäherte. Die Han sind traditionell sesshafte Ackerbauern, bei denen nicht, wie oft angenommen wurde, der Reis die wichtigste Kulturpflanze war, sondern über weite Phasen in der Geschichte standen die Hirse und mit einigen Abstrichen der Weizen im Vordergrund. Nassreisanbau auf bewässerten Terrassenfeldern ist hingegen eine vergleichsweise junge Errungenschaft, die lediglich in Süd- China im Vordergrund steht. Viele technologische Entwicklungen können mehr oder weniger direkt mit den Han-Chinesen in Verbindung gebracht werden, so bereits schon seit dem 2. Jahrtausend v. Chr. die Seidenweberei, bestimmte Formen des Metallgusses und auch die Lackherstellung.
Damit verbunden war zumindest in der späteren Zeit ein recht schwunghafter Handel, in dem auch das Porzellan eine wichtige Rolle spielte. Das Verwandtschaftssystem der Han ist, so weit sich dies historisch zurückverfolgen lässt, patrilinear geprägt. Zwar wurde die Abstammungsrechnung zuweilen über erstaunlich viele Generationen hinweg verfolgt, doch handelt es sich hierbei offenbar nur um Konstrukte, deren Ziel weniger die korrekte Wiedergabe genealogischer Realität als die Herstellung und Veranschaulichung sozialer Beziehungen ist. Überdies lässt die chinesische Nomenklatur, die ansonsten sehr reich an präzisen Verwandtschaftstermini ist, eine verbindliche Trennung zwischen Lineage und Klan nicht zu. Lediglich in der Oberschicht erreichte die tatsächlich zusammenlebende Familie zuweilen beträchtliche Ausmaße.
Im übrigen konnten sich nur wirtschaftlich entsprechend situierte Männer die Verbindung mit Konkubinen leisten, die zusätzlich in die Familie aufgenommenen Nebenfrauen hatten indes nicht den gleichen Status wie die Ehefrau, weshalb das häufig verwendete Etikett Polygamie schlicht falsch ist. Ansonsten waren die Familien, auch wenn die Quellen gelegentlich einen anderen Eindruck vermittelten, mehrheitlich relativ klein. Die Verehrung von Ahnen, die eng mit der patrilinearen Abstammungsrechnung verknüpft ist – die erklärt, warum die Geburt von Söhnen bevorzugt wird – erfolgt im Prinzip auf allen Ebenen: in der Familie, der Lineage oder aber dem Klan.
Die nicht zuletzt in einen höchst elaborierten Totenkult umgesetzte Kommunikation mit den Vorfahren bildet aber nicht nur einen Brückenschlag zum Jenseits. Besonders die durch den Konfuzionismus vermittelten ethischen Normen knüpfen daran an und selbst die Religionen, die in ihrer Grundstruktur eigentlich ganz anders ausgerichtet sind, wie Daoismus, Buddhismus, Islam und zeitweise auch das Christentum. Mehrere Millionen Han-Chinesen, die sogenannten „Huaquiao = Überseechinesen“, leben in anderen südostasiatischen Ländern, oder in Amerika und in Europa, wo es ihnen im Allgemeinen erstaunlich gut gelang, ihre kulturelle Identität weiter beizubehalten.
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