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Chinantek
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Zweig der mittelamerikanischen Oto- Pame-Sprachfamilie (Otomangue-Sprachen), deren Sprecher etwa 100.000 Menschen in Chinantla, einem kleinen und sehr schwer zugänglichen Gebiet auf den bewaldeten Nordabhängen des Oaxaca-Gebirges im Norden des mexikanischen Bundesstaates Oaxaca sind. Sie teilen sich in die Untergruppen:
- Chiltepek - mit etwa 1.000 Sprechern (1994) einer ethnischen Gruppe von rund 4.000 Angehörigen in San José Chiltepec im Kreis Chiltepec des Bundesstaates Oaxaca, von denen etwa 250 monolingual sind (1990). Etwa 76% Verständlichkeit besteht zum Tlacoatzintepek und 20% zum Usila und Ojitlán sowie 13% zum Valle Nacional.
- Comaltepek (Jmii’) - mit etwa 2.000 Angehörigen (1990), von denen ca. 145 monolingual sind in Santiago Comaltepec, La Esperanza, San Martín Soyolapan, Vista Hermosa (Quiotepec), Soledad Tectitlán, San Pedro Yolox, Rosario Temextitlán und Maninaltepec im Norden von Oaxaca. Es besteht etwa 69% Verständlichkeit zum Quiotepek und 7% zum Tepetotutla.
- Lalana (Chinanteco de San Juan Lalana) - mit etwa 10.500 Angehörigen (1998), von denen ca. 2.500 monolingual sind, in 25 Städten an der Grenze der beiden Bundesstaaten Oaxaca und Veracruz. Es besteht etwa 87% Verständlichkeit zum Tepinapa, 43% zum Ozumacín und 24% zum Lealao.
- Lealao (Chinanteco de San Juan Lealao) - mit etwa 2.000 Angehörigen (1990), von denen etwa 500 monolingual sind, in San Juan Lealao, Latani, La Hondura und Tres Arroyos im Nordosten Oaxacas. Ihre Sprache ist die am meisten abweichende des Chinantek.
- Ojitlán - mit etwa 22.000 Angehörigen (1990), von denen ca. 2.800 monolingual sind, in San Lucas Ojitlán, inklusive vier Städten und 15 Rancherías im nördlichen Oaxaca, und in den Kreisen Hidalgotitlán und Minatitlán in Veracruz. Der größte Teil der Bevölkerung wurde wegen einer Dammflutung 1991 umgesiedelt. Es besteht etwa 49% Verständlichkeit zum Sochiapan, 43% zum Usila, 39% zum Palantla und 31% zum Chiltepek.
- Ozumacín (Chinanteco de Ayotzintepec, Juujmii) - mit etwa 5.000 Angehörigen (2000), von denen ca. 260 monolingual sind (1990), in Santiago Progreso, San Pedro Ozumacín und Ayotzintepec im Nordosten Oaxacas. Ein zugehörender Dialekt ist Ayotzintepek. Die Ortschaft Ozumacín besitzt leichte Dialektdifferenzen. Etwa 63% Verständlichkeit besteht zum Palantla und 22% zum Lalana und Valle Nacional.
- Palantla (Chinanteco de Santiago Tlatepusco) - mit etwa 12.000 Angehörigen (1990), von denen ca. 1.500 monolingual sind, in San Juan Palantla und 13 weiteren Städten in Oaxaca. Es besteht 78% Verständlichkeit zum Tepetotutla, 72% zum Valle Nacional, 69% zum Usila und 54% zum Ozumacín.
- Quiotepek (Hochland-Chinantek) - mit etwa 8.000 Angehörigen (1998), von denen ca. 1.750 monolingual sind, in San Juan Quiotepec, Reforma, Maninaltepec, San Pedro Yolox, Rosario Temextitlán im Ixtlán-Distrikt, und in San Juan Bautista Atatlah im Etla-Distrikt von Oaxaca. Ein Dialekt ist das Yolox Chinanteco. Etwa 87% Verständlichkeit besteht zum Comaltepek und 7% zum Tepetotutla. Die Sprache der Hochland-Chinantek besitzt eine Vielschichtigkeit von erweiterten Tönen und Vokallängen, die die Varianten Tepetotutla und Palantla nicht haben.
- Sochiapan - mit etwa 5.800 Angehörigen (2000), von denen ca. 725 monolingual sind (1990) in San Pedro Sochiapan, Retumbadero, San Juan Zautla, Santiago Quetzalapa und San Juan Zapotitlán in Cuicatlán im Norden Oaxacas. Etwa 66% Verständlichkeit besteht zum Tlacoatzintepek, 56% zum Chiltepek, 45% zum Usila und 11% zum Tepetotutla.
- Tepetotutla - mit etwa 2.000 Angehörigen (1990) in Santa Cruz Tepetotutla, San Antonio del Barrio, San Pedro Tlatepusco, Santo Tomás Texas, Vega del Sol und El Naranjal im Norden Oaxacas. Es besteht etwa 60% Verständlichkeit zum Quiotepek, 59% zum Palantla und 48% zum Yolox.
- Tepinapa - mit etwa 8.000 Angehörigen (1990), von denen ca. 2.500 monolingual sind, in Santiago Jocotepec im Choapan-Distrikt, im Kreis San Pedro Tepinapa; in San Juan Petlapa in den Kreisen Santa María Lovani, San Juan Toavela und Santa Isabel Cajonos in Oaxaca. Ihr Wohngebiet ist ein sehr entferntes Areal. Etwa 79% Verständlichkeit bestehen zum Comaltepek, 87%–68% zum Lalana, 24% zum Lealao und 23% zum Ozumacín.
- Tlacoatzintepek - mit etwa 2.000 Angehörigen (1990), von denen ca. 550 monolingual sind, in San Juan Bautista Tlacoatzintepec, San Pedro Alianza, Santiago Quetzalapa und San Juan Zapotitlán in Oaxaca. Etwa 85% Verständlichkeit besteht zum Chiltepek, 84% zum Usila, 74% zum Sochiapan und 15% zum Tepetotutla.
- Usila - mit ca. 9.000 Angehörigen (1990), von denen rund 2.200 monolingual sind, in San Felipe Usila und in zwölf Städten in Oaxaca sowie einer in Veracruz (Pueblo Doce). Die Verständlichkeit zum Tlacoatzintepek beträgt 48%, zum Palantla 33%, zum Sochiapan 32% und zum Ojitlán 31%.
- Valle Nacional - mit 1.000 bis 2.000 Angehörigen (1990) in San Juan Bautista und vorwiegend in San Mateo Yetla im Norden Oaxacas. Etwa 71% Verständlichkeit besteht zum Chiltepek, 53% zum Ozumacín, 70% zum Palantla und 40% zum Tepetotutla. In dem stark bewaldeten Bergland betreiben die Chinantek einen intensiven Bodenbau, besonders im Becken von Papaloapan. Hauptanbaufrüchte sind vor allem Mais, Bohnen, Yams und Maniok (yucca). In einem bescheideneren Umfang werden aber auch Bananen und Kokospalmen angebaut sowie Tabak und Kaffee werden zur Vermarktung kultiviert. Heute halten sie auch einige Rinder, Schweine und Geflügel.
Ihre Felder liegen an terrassierten Hängen und im fruchtbaren Talboden des Rio Papaloapan. Größere Siedlungen liegen im Tal, kleine Dörfer finden sich in den Bergen. Seit der spanischen Kolonialzeit gibt es in jeder Siedlung der Chinantek ein Dorfzentrum (plaza) mit Kirche, Schule, Gefängnis sowie einem Versammlungshaus. Die Behausungen, die mit einem Vorratsspeicher und einem Hühnerhaus sowie dem Schweinestall umgeben sind, sind rechteckige, große, mit Schilf abgedeckte Häuser aus Holzpfosten. Die Mädchen der Chinantek stecken noch immer ihre zu dicken Zöpfen geflochtenen Haare mit bunten Bändern kronenartig auf.
Doch werden die alten Trachten in der heutigen Zeit kaum noch getragen. So sind auch die alten Handwerkskünste wie die Korbflechterei, Töpferei sowie die Weberei durch die zunehmende Anbindung der bäuerlichen Agrarwirtschaft an das mexikanische Wirtschaftssystem stark zurückgegangen. Die Hochland- oder westlichen Chinantek sind weniger stark akkulturiert. Der Blitzkult und die Zauberei sind bei ihnen noch stärker verbreitet. Die Zwangsumsiedlung eines Teiles der Tiefland- Chinantek wegen eines Staudammbaues hat zu einer starken Auflösung der traditionellen Kultur und einem teilweisen Ethnozid unter ihnen geführt.
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