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Cheyenne
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Zur Algonkin-Sprachfamilie zählender bedeutender nordamerikanischer Volksstamm, der von 1710 in Minnesota lebte, später aber ihre Jagdgebiete in die Gegend um den Cheyenne-River und die Black Hills in South Dakota verlegte. Sie gehörten zu den Stämmen in den großen Ebenen. Traditionell waren sie mit den Arapaho verbündet und mit den Sioux verfeindet. Ihr Name stammt ab von dem siouanischen Wort „shahi’yena = Leute mit fremder Sprache“ . Ihre Eigenbezeichnung lautet „Tsitsistas“. Die Cheyenne gliederten sich in mehrere Unterstämme, die sich im Dialekt unterschieden.
Am meisten wichen die Sutaio ab. Ab 1832 teilten sie sich in nördliche Cheyenne am Platte River (heute auf der Tongue River Reservation im Südosten Montanas) und südliche Cheyenne am Arkansas River (heute mit den südlichen Arapaho im US-Bundesstaat Oklahoma auf parzelliertem Privatland lebend). Die nördlichen Cheyenne schlossen sich den Dakota an, die südlichen hatten bald Verbindung mit den Arapaho sowie auch mit Kiowa und Comanche, deren Hauptstreifgebiete in Wyoming und Oklahoma waren. Obwohl die Arapaho und die Cheyenne zu den Algonkinvölkern gehören, sind ihre Sprachen so unterschiedlich, dass sie sich untereinander mit einer Zeichensprache verständigten.
Sie gehörten einst zu den bedeutendsten Reitervölkern der Great Plains und setzten sich lange gegen die Weißen zur Wehr. Mehrere Orte und Flüsse in den nordwestlichen USA tragen bis in die heutige Zeit ihre Namen. Die Cheyenne hatten nach ihrer Einwanderung in die Plains (Black Hills) die charakteristische Plainskultur entwickelt bzw. übernommen. Sie wurden nomadische Bisonjäger und lebten wie die anderen Plainsstämme in großen Lederzelten. Die zehn Lokalgruppen der Cheyenne unterstanden einer Ratsversammlung von 44 Häuptlingen. Unter ihren Kriegerbünden besaß der Hundebund die Exekutivgewalt, d.h. er führte die Anordnungen des Großen Rates aus. Dabei entwickelte er sich zum selbständigen „Polizeiorgan“.
Das heilige Stammesbündel mit einem Hut aus Bisonleder und vier Pfeilen symbolisierte Erfolg bei Jagd und im Kampf. Es wurde sorgfältig gehütet und durfte nur unter genauester Einhaltung von bestimmten Riten geöffnet werden. Es gab Medizinmänner, die in esoterischen Bünden zusammengeschlossen waren, um Krankheiten zu heilen und den Machtfaktor gegenüber profanen Führern zu erhalten. Männer- und Kriegerbünde dagegen sorgten für die Erziehung der jungen Männer im Sinne eines Kriegerideals. L A S ALLE entdeckte den Stamm 1680 im Gebiet des heutigen Minesota. Sie wohnten in Erdhäusern, lebten vom Jagen und Sammeln und betrieben Landwirtschaft. Ende des 17. Jh. wurden sie von den Sioux und den Ojibwa aus diesem Gebiet vertrieben und wanderten daraufhin westwärts ins heutige North Dakota und ließen sich schließlich an dem nach ihnen benannten Cheyenne River nieder.
Bei den Sioux hieß die Region „Der Ort, wo die Cheyenne pflanzen“, was darauf hinweist, dass sie früher Ackerbau betrieben. Später „verloren sie das Maiskorn“, wie die Legende überliefert. Ihre Siedlungen wurden um das Jahr 1770 von den Ojibwa zerstört, und die Cheyenne mussten nach Süden ausweichen. Als sie die Black Hills in South Dakota erreichten, gaben sie ihre bisherige Lebensform als sesshafte Bauern und Kleinwildjäger auf und führten daraufhin das nomadische Leben als Büffeljäger. Mit Hilfe des Pferdes, das um 1750 in diesen Teil Amerikas kam, wurden die Cheyenne zu einer der wichtigsten Gruppen der westlichen Plains- Indianer. Sie waren typische Vertreter der nomadischen Präriekultur, waren hervorragende Büffeljäger und tapfere Krieger.
Die Cheyenne praktizierten den Sonnentanz, eine Kultfeier, bei der die jungen Krieger mehrere Stunden lang „tanzten“, während sie mittels Holzpflöcken und Lederriemen, die man ihnen durch die Brustmuskeln gezogen hatte, mit einem zentralen Mast verbunden waren. Ihre Religion legte einen großen Wert auf visionäre Erfahrungen. So nahm man an, dass ein Mensch während der Visionen von einem Tier adoptiert würde, das ihm dann seine spezifischen Kräfte übertrug. Die besonders hochgewachsenen Cheyenne führten von da ab das Leben der typischen Bisonjäger der Great Plains und waren überaus kriegerisch. Als L EWIS und C LARK 1804 den Stamm aufsuchten, lebten die Cheyenne in den Black Hills von South Dakota, denn die Sioux hatten sie aus den Plains verdrängt.
Obwohl sich beide Unterstämme, sowohl die nördlichen als auch die südlichen Cheyenne gegen die Eroberung des Landes durch die Weißen heftig zur Wehr setzten und daher besonders der US-Armee und der Eisenbahngesellschaft starken Widerstand leisteten, empfanden die Cowboys ihnen gegenüber eine Art widerwilliger Sympathie, die von den Indianern so lange erwidert wurde, wie die Cowboys ihr Land lediglich mit ihren großen Herden durchquerten und dafür einen „Wegezoll“ entrichteten, indem sie meist einen geringen Prozentsatz Rinder an sie abgaben. Erst als Viehzüchter damit begannen, auch das Weideland in Wyoming, Nebraska, Kansas und Colorado in Besitz zu nehmen, kam es auch zwischen ihnen und den Cheyenne zu harten und blutigen Auseinandersetzungen.
Teile ihres Stammes zogen 1851 in die Gegend südlich des Arkansas River, wo sie als Süd-Cheyenne bekannt wurden und sich mit den dort ansässigen und auch zu den Algonkin zählenden Arapaho verbündeten. Mit dem Vertrag von Medicine Lodge von 1867 teilte die US- Regierung beiden Volksstämmen ein gemeinsames Reservat zu. Bereits nach einem ersten Vertrag mit den Amerikanern, geschlossen 1851 in Fort Laramie, kam es, nach wiederholten Übergriffen der Weißen, zu offenen Kämpfen. Bis dahin waren die Beziehungen der Cheyenne zu den Weißen verhältnismäßig gut gewesen, und zwar trotz des Massakers am Sand Creek von 1864. Damals hatte die US-Kavallerie einen unprovozierten Angriff auf das Lager der Cheyenne unter Häuptling BLACK KETTLE unternommen, bei dem auch unzählige Frauen und Kinder umkamen.
Das als eines der blutigsten Massaker an Indianern überhaupt in die amerikanische Geschichte eingehende Ereignis kostete Hunderten von Cheyenne das Leben, obwohl sie die amerikanische Fahne im Dorf wehend hatten und nicht an einem Kampf interessiert waren. Erst 132 Jahre später, im Jahre 1996 entschuldigte sich die Vereinigte Methodisten Kirche für das Massaker, das unter dem Befehl des Oberst J. M. CHIVINGTON , einem methodistischen Geistlichen, angeführt wurde. 1868 schlossen sich die Cheyenne dem Krieg der Plains- Indianer an. Am 27. November wurde das Lager von Häuptling BLACK KETTLE am Washita River in Oklahoma bermals Opfer eines Überraschungsangriffes der US- Kavallerie unter Oberstleutnant GEORGE A. CUSTER . Dabei wurde Häuptling BLACK KETTLE getötet. Die Schlacht von Washita förderten CUSTERS Ruf sowie seine militärische Laufbahn.
Die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Cheyenne und Weißen fanden erst 1875 ein Ende. Die Zeit bis 1879 war ein fast ununterbrochener Kampf ums Überleben. Die südlichen Cheyenne wurden von 1868–1879 in einem der härtesten Indianerkriege der nordamerikanischen Geschichte unterworfen. Dem letzten großen Aufstand der südlichen Plainsstämme von 1874 bis- 1875 schlossen sie sich erneut an. In North Dakota hatten die Cheyenne inzwischen längst Frieden mit ihren traditionellen Rivalen, den Sioux, geschlossen. Sie waren in den 1860er und 70er Jahren für einige gemeinsam begangene Überfälle auf weiße Siedler verantwortlich. Im Sommer 1876 unternahm die US- Armee energische Anstrengungen, um die Indianer zu fassen und zu besiegen sowie sie in ihre Reservate zurückzutreiben.
Die nördlichen Cheyenne kämpften zusammen mit den westlichen Dakota in der Schlacht am Little Bighorn (1876) und trugen entscheidend mit bei zur Niederlage der Truppen von CUSTER . Ende Juni hatten etwa tausend von ihnen ihr Lager am Ufer des Little Bighorn River aufgeschlagen, im Südosten Montanas. Die meisten gehörten zu den Sioux, doch es war auch eine größere Gruppe von Nord-Cheyenne unter Häuptling DULL KNIFE unter ihnen. Die 7. US-Kavallerie operierte in derselben Gegend, und am Morgen des 25. Juni überfiel eine Abteilung unter dem Kommando von CUSTER das Lager. Obwohl seine Truppe zahlenmäßig den Indianern weit unterlegen war, hoffte CUSTER auf einen Überraschungserfolg wie in Washita. Jedoch erwies sich der Plan als eine folgenreiche Fehlkalkulation.
In der schwersten Niederlage der US-Army während der Zeit der Indianerkriege wurden große Teile der Streitmacht vernichtet. Nach der Zerstörung des Lagers von Häuptling DULL KNIFE und TWO MOONS (1877 und 1878) ergaben sich schließlich auch die nördlichen Cheyenne den übermächtigen amerikanischen Truppen. Nach der Schlacht gingen dann die Stammesgruppen, die am Little Bighorn zufällig zusammen waren, wieder eigene Wege. Dies ermöglichte der verstärkten US-Armee, die Indianer in kleinen Gruppen zu unterwerfen und sie bis 1877 in das Indianerterritorium zurückzudrängen. Die Cheyenne des Nordens vertrugen die dortigen Lebensbedingungen sehr schlecht, viele Stammesangehörige erkrankten oder litten unter Seuchen und Unterernährung. Im September 1878 beschlossen die Häuptlinge LITTLE WOLF und DULL KNIFE , sich mit 353 ihrer Getreuen heimlich wieder auf den Weg gen Norden zu machen.
Dabei wurden viele von ihnen getötet bzw. wieder gefangengenommen. Nur 30 konnten fliehen, und schafften es zurück bis nach Montana, wo sie von der US-Regierung die Erlaubnis zum Bleiben in einem Reservat am Tongue River erwirkten. 1883 lebten dort schließlich alle nördlichen Cheyenne aus dem Indianerterritorium. In den 30er Jahren übernahmen die Cheyenne unter dem „Indian Reorganization Act“ eine eigene moderne Form ihrer Stammesorganisation. 1885 zählte das Reservat der nördlichen Cheyenne in Montana 3.177 Bewohner, 1970 waren es noch 2.100. Das Reservat der Cheyenne-Arapaho in Oklahoma hatte 1970 noch 6.674 Bewohner und 5.220 im Jahre 1985. Nach einer Statistik aus dem Jahre 1990 sprechen über 1.700 Menschen von einer Population von etwa 5.000 Angehörigen (1987) noch ihre Sprache.
Heute leben die meisten Südlichen Cheyenne und Arapaho meist als Farmer auf einer Reservation im US-Bundesstaat Oklahoma. Die beiden Stämme waren sich schon immer freundlich gesinnt und wurden 1869 in dem gemeinsamen Reservat in Oklahoma untergebracht. Heute verfügen die Stämme über 85.000 Acres Land westlich von Oklahoma City, welches von beiden gemeinsam verwaltet wird. Die Stämme zählen zusammen etwa 9.400 Mitglieder, von denen etwa die Hälfte in Concho lebt. Diese Cheyenne sind die südlichen Verwandten der im Bundesstaat Montana lebenden Nördlichen Cheyenne. Der Sonnentanz wird noch heute im Sommer abgehalten. Die „Native American Church“ (Peyote-Kult) ist weit unter ihnen verbreitet. In dem Reservat der Nördlichen Cheyenne ist die Arbeitslosigkeit ziemlich hoch.
Der Stamm lebt von der Forstwirtschaft, Farmen und der Viehzucht. Lame Deer ist der Veranstaltungsort des alljährlich Anfang Juli stattfindenden Pow Wows, wo sich die Cheyenne mit Angehörigen fast aller nördlicher Plainsstämme treffen. Ebenso gibt es dort ein Stammesmuseum. In den letzten Jahren haben sich die Nördlichen Cheyenne zusehends gegen den von ihnen zunächst erlaubten Kohleabbau im Tagebau gewendet, der zusammen mit dem Ausbau von Kleinstädten ihr landwirtschaftliches Potential zu beeinträchtigen droht und die Umwelt zerstört. Ihre Proteste führten dazu, den Abbau etwas einzuschränken.
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