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Bretonisch
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Ein Teil des britannischen Zweiges des keltischen Sprachstammes innerhalb der indogermanischen Sprachfamilie, der am nächsten dem ausgestorbenen Kornischen verwandt ist. Die vier Hauptdialekte der bretonischen Sprache sind die von Léon, Tréguier, Cornouaille und Quimper. Erst in den jüngsten Jahren erlangte diese Sprache ihre offizielle Anerkennung. Es erscheinen heute Bücher, Zeitungen, es wird Theater gespielt, an der Universität zu Rennes besteht ein bretonischer Lehrstuhl und an den Schulen wird fakultativ Bretonisch unterrichtet. Kaum zu glauben ist, dass eine solch schwierige Sprache vor mehr als 2000 Jahren in Europa am weitesten verbreitet war.
Hätte einst Britannien nicht vor den Germanen kapituliert und deren Sprache anzunehmen brauchen, würden heutzutage mindestens 30 Mio. Menschen diese keltische Sprache sprechen. Bis zum 12. Jh. war Bretonisch in der Bretagne neben dem Latein Staats, Rechts- und Literatursprache. Ab diesem Zeitpunkt übernahmen dann die führenden Gesellschaftsschichten, vor allem Adel und Klerus, das sozial höher gewertete Französisch. Bretonisch verlor immer mehr an Bedeutung und wurde bald nur noch vom einfachen Volk, von Fischern und Bauern gesprochen. In der Romantik setzte dann eine Rückbesinnung auf das mündlich überlieferte Bretonisch ein. Es entstand die bretonische Schriftsprache, und eine Grammatik und ein Wörterbuch wurden herausgegeben.
Allerdings war dem Staat diese Sprache ein Dorn im Auge. Schon die im Gefolge der französischen Revolution regierenden Jakobiner erlaubten keine weitere Regionalsprache mehr neben der französischen Einheitssprache. Und dieses Verbot wurde, mit einer Unterbrechung im 19. Jh., bis in das 20. Jh. hinein aufrecht erhalten. Mit der Einführung der allgemeinen Schulpflicht im ausgehenden 19. Jh. in Frankreich, wurden sämtliche Minderheitensprachen auf französischem Boden systematisch unterdrückt. An den Schulen war es streng verboten Bretonisch zu sprechen. Schüler, die gegen diese Vorschrift verstießen, wurden äußerst hart bestraft, so mussten sie u.a. ein Hufeisen oder einen Holzschuh um den Hals tragen, und durften dieses „Zeichen der Schande“ erst wieder ablegen, wenn sie ihrerseits einen anderen Mitschüler verrieten, der auch Bretonisch sprach.
Erst 1951 hob der französische Staat das Verbot der regionalen Sprachen auf und seit 1977 darf Bretonisch in Vorschulen unterrichtet werden. Heute schätzt man, dass von den rund 2,8 Mio. Bretonen nur noch 300.000 zu Hause Bretonisch sprechen und etwa noch einmal soviel diese Sprache zumindest verstehen. Die Sprachgrenze verläuft heute etwa in einer Nord-Süd- Linie zwischen den Städten St.-Brieuc und Vannes. Die bretonische Sprache klingt seltsam polternd, mit ihren geheimnisvollen Lauten und Silben. Sie kennt fünf Numeri – Singular, Plural, Kollektivum, Singulativum und Dual. Manchmal werden zwischen Singular und Plural Silben oder gar ganze Wörter gewechselt, z.B.: Sohn - mab Söhne - mibien Pferd - marc’h Pferde - kezek Das Kollektivum ist ein Wortgebilde, welches die Zusammenfassung einzelner Dinge bestimmt und das Singulativum meint eines davon, z.B.: chevr - Krabben chevren - eine Krabbe Ebenso kompliziert ist es um den bestimmten und unbestimmten Artikel bestellt.
Er wechselt, ähnlich wie in allen keltischen Sprachen, je nachdem mit welchem Laut das folgende Wort beginnt, z.B.: an tad - der Vater, da dad - dein Vater, va zad - mein Vater. Überhaupt ist die Grammatik des Bretonischen sehr schwierig. Wie zu ersehen ist, stellten die Bretonen als letzte Kelten an ihre Sprache hohe Anforderungen. Daher besitzt das Bretonische einen reichen Wortschatz und vermag feine Gedankennuancen auszudrücken. Die Bretonen, mit der Eigenbezeichnung „Breizh“, sind die keltischstämmigen Bewohner in der Bretagne, deren Vorfahren im 5./6. Jh. vor den Angelsachsen an die französische Atlantikküste geflüchtet waren. Seit 1532 gehört die Bretagne zu Frankreich. Die überwiegend verarmte Landbevölkerung lebte in Streusiedlungen und baute Weizen, Gemüse und Gerste an. Auch heute ist die Bretagne vor allem ein Agrarland.
Eine gewisse Berühmtheit haben die rund 1.000 Dolmen (Grabstätten) und 5.000 stehenden Menhire (Steinblöcke) erlangt. Die Bretoninnen tragen als ihre traditionelle Tracht hohe, zylinderförmige Hüte aus weißen Spitzen und dazu schwarze Röcke, die Männer runde Hüte und lackierte Holzschuhe. Anlässlich der „pardons“, was eine Art der Heiligenfeste sind, werden feierliche Prozessionen, die von Tanz, Spiel, Musik und dem Vortrag von Sagen und Legenden begleitet werden, veranstaltet. Im 19. Jh. erlebten die Bretonen einen gegenüber den Franzosen sich in Minderwertigkeitsgefühlen niederschlagenden kulturellen und sozialen Niedergang. Heute jedoch setzen sich Bretonen in politischen Organisationen für immer mehr Selbstbestimmung und sogar Unabhängigkeit vom Nationalstaat ein.
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