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Berber
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Sammelbezeichnung für einen großen Teil der Bevölkerung des nördlichen Afrika. Bis zu der im 7. Jh. beginnenden arabischen Eroberung besiedelten sie das gesamte Gebiet von Marokko (einschließlich der Kanarischen Inseln) bis zu den Grenzen Ägyptens und darüber hinaus (Oase Siwa). Heute leben sie in viele kleinere und größere Einheiten aufgeteilt über diese Region verstreut. Die nordafrikanische Bevölkerung von angeblich arabischer Herkunft stammt ohne Zweifel größtenteils von den alteingesessenen Berbern ab.
Ihre Sprachen bilden eine umfassende Sprachfamilie innerhalb des hamitischen Sprachzweiges des hamitosemitischen Sprachstammes, die insgesamt von mehr als 11 Mio. Menschen gesprochen werden und auf viele Sprachinseln in Nordafrika inmitten einer arabischen Umwelt verteilt sind. Häufig herrscht unter ihnen Zweisprachigkeit, doch ist es manchmal für Außenstehende recht schwierig, beide Gruppen auseinanderzuhalten. Sie dienen, dem Arabischen untergeordnet, nur der Kommunikation verschiedener Lokalgruppen. Die Berbersprachen stehen im Lautbestand dem Arabischen sehr nahe, Morphologie und Grammatik sind jedoch überwiegend hamitischen Ursprungs. Rassisch stellen die Berber Reste einer in der vorgeschichtlichen Zeit eingewanderten Altschicht vorwiegend europid-mediterraner Rasse dar.
Ihre Sprache zerfällt in viele Dialekte, die Schrift ist die arabische, nur die –› Tuareg bedienen sich eigener Schriftzeichen. Berber sind in allen drei Regionen Marokkos zu finden: im nördlichen Rif (hügelige Landschaft), im mittleren und zentralen Hohen Atlas und im westlichen Hohen Atlas. Je nach Gegend im Rif sind die Ghomara- Berber Bauern. Sie pflanzen und leben von Gerste, Mais, Hirse, Weizen und Roggen. In Gegenden, wo es reichlich Wasser gibt, werden Gemüsesorten wie Tomaten, Zwiebeln, Kürbisse, Pfefferschoten und Kartoffeln angebaut. Hühner, Ziegen und Schafe werden auch gezüchtet. Dadurch ist für weitere Nahrungsmittel wie Milch, Eier Butter und Fleisch gesorgt. Obwohl im Gebiet des Rif immer mehr Städte entstehen, leben viele Berber noch in Häusern, die aus Lehmziegeln und Steinen hergestellt sind. Die Häuser in den Bergdörfern sind ganz ähnlich. Dort gibt es normalerweise Steinhäuser mit Flachdächern, die mit getrocknetem Lehm abgedichtet werden.
Die Berber kleiden sich genauso wie auch die arabischen Nachbarn. Die Männer tragen den traditionellen „Djellaba“ , einen Umhang aus Wolle, der weite Ärmel und eine Kapuze hat. Außerdem haben sie Turbane aus Baumwolle oder Käppchen. Die Männer gehen auf die Jagd, arbeiten auf dem Feld und beaufsichtigen ihre Herden, während die Frauen die Hausarbeit erledigen und für die Kinder zuständig sind. Nur während der Erntezeit helfen die Frauen den Männern bei der Feldarbeit, wenn sie das frischgeschnittene Getreide auf den Dreschboden bringen. Für die Berber dreht sich das Leben um solche wichtigen Feierlichkeiten wie Geburten, Hochzeiten und Todesfälle. Viele der dabei durchgeführten Riten sind ein wichtiger Teil ihrer Kultur, genauso wie Ereignisse wie der erste Haarschnitt oder die Beschneidung der Jungen. Die aufwändigste und die bedeutendste von allen ist die Hochzeitszeremonie. Die Ghomara leben, wie andere Berber auch, in einer Gesellschaft, die von den Männern bestimmt wird.
Die Vorfahren werden immer auf der väterlichen Linie zurückverfolgt und alle Erbstücke werden an die Söhne weitergegeben. Außerdem dürfen die Ghomara, um sich als Volk zu erhalten, niemanden außerhalb ihrer Gruppe heiraten. Die Berber unterteilen sich sprachlich in verschiedene Untergruppen, wozu in Marokko die Sprachen Tashelhait, Tamazight und Tarifit gehören und in Algerien Zenatiya, was wiederum in zahlreiche Untergruppen zersplittert ist. Ebenfalls in Algerien verbreitet ist das Tamaschek, des in der westlichen Sahara weit verbreiteten Volkes der Tuareg. Zentrale nordalgerische Berbervölker sind die: Beni Snush, Beni ber Said, Chenoua (Shenuwa), Blida, Harawa, Ouarseni u.a. Berbervölker in SW-Algerien, teilweise nach Marokko übergreifend, sind die Tidikelt, Figuig, Ain Sfisifa, Twat Tamentit, Twat Tittaf und Guara. Tunesische Berbervölker sind die Zrawa, Tamezret, Taudjut, Tanagurt, Zawa, Sened sowie die auf der Insel Djerba lebende Berberbevölkerung mit eigenen Dialekten. Libysch-ägyptische Berbervölker sind die Zwagha, Ghadames, Sokna, Audjila in Libyen und die Siwa u.a. in Ägypten.
Die Namen dieser Völker sind meist mit ihren Wohngebieten identisch. Eine Gruppe sind noch die heute allerdings schon ausgestorbenen Guanchen auf den Kanarischen Inseln. Als die Araber im 7./8. Jh. zur Verbreitung des Islams nach Westen zogen, nannten sie die bodenständige Bevölkerung Nordafrikas „al-barbar – die Berber“ und deren Sprache „barbariya – berberisch“. Indessen darf aber diese einheitliche Bezeichnung nicht darüber hinwegtäuschen, dass Berberisch nur in einer Vielzahl von Sprachen und Dialekten gesprochen wird, dass es eine gemeinsame Hochsprache nicht gibt. Die Berber selbst benennen ihre Sprache immer innerhalb ihres Verbreitungsgebietes, von der Oase Siwa in Nordwest-Ägypten in der Libyschen Wüste bis hin zum Atlantik, unterschiedlich. Am meisten verbreitet ist heute allerdings die Bezeichnung „tamazight“, was bedeutet: Sprache der „imazighen“ – eine Selbstbezeichnung, die ebenfalls nicht von allen Berbern verstanden wird.
Im Unterschied zu den indogermanischen Sprachen wird die Bedeutung eines Wortes in den Berbersprachen vor allem von den Konsonanten bestimmt. Aus diesem Grund können berberische Schriften – ähnlich wie auch die arabische – weitgehend auf Vokale verzichten. Die Mehrzahl der Wörter besteht in der Grundform aus drei Konsonanten (Radikalen), so z.B. das Wort „adrar – Berg“ aus den Radikalen d-r-r. In der berberischen Schrift werden nur diese drei Konsonanten geschrieben, die Vokale treten bei der Umschrift hinzu. Bekannt sind zwei grammatische Geschlechter – männlich und weiblich. Die weibliche Form wird durch ein als Präfix vorgesetztes t-, der Plural durch das Suffix -n sowie durch bestimmte Vokalveränderungen charakterisiert. Folgende Beispiele sind typisch: „amghar = alter Mann, Familien-, Dorf- oder auch Stammesoberhaupt“; Singular männlich: amghar; Singular weiblich: tamghart; Plural männlich: imgharen; Plural weiblich: timgharin. Bei den Verben unterscheidet man nur eine einzige Grundform, aber mehrere abgeleitete Formen (Stämme). Letztere werden durch das Anfügen, die Verlängerung oder die Verdoppelung von Konsonanten gebildet und bringen stets einen bestimmten Wandel der Bedeutung zum Ausdruck.
Die frühesten Sprachdenkmäler des Berberischen sind die sogenannten libyschen Inschriften. Unter dem Namen „Libyer“ fassten die Griechen sowie auch die Römer die gesamte alteingesessene Bevölkerung Nordafrikas, d.h. die Vorfahren der späteren Berber, zusammen. Die von den Inschriften wiedergegebene Sprache wird daher als libysch oder frühberberisch bezeichnet. Die libyschen Inschriften, die über die Sahara und den gesamten Maghreb verstreut sind, bestehen aus geometrischen Zeichen, die senkrecht oder waagerecht aneinandergereiht sind. Sie werden von oben nach unten, von rechts nach links oder auch umgekehrt gelesen. Trotz der Ähnlichkeit dieser Schrift gibt es in Form und Bedeutung der Zeichen in den einzelnen Verbreitungsgebieten Unterschiede. So unterscheidet man im Norden in der Schrift und in der Sprache eine westlibysche (mauretanische) und eine ostnumidische Variante. Als Numidien wurde das Gebiet Ostalgerien und Nordtunesien bezeichnet. Zu den bekanntesten berberischen Schriften gehören die libysch-punischen Inschriften von Thugga in Tunesien. Eine davon, eine Tempelinschrift nennt als Entstehungsjahr das „10. Jahr der Herrschaft M ICIPSAS “ das ist 149 v.u.Z. Am längsten hat sich die libysch- berberische Schrift bei den Völkern der Sahara erhalten, wo sie noch heute als „tifinagh“ bei den Tuareg allgemein verbreitet ist.
Allerdings gibt es keine eigentliche Literatur, die in der Berberschrift abgefasst wäre. So verwenden auch die Tuareg das Tifinagh im wesentlichen nur für kürzere Inschriften (auf Waffen, Schilden, Armringen usw.) sowie in seltenen Fällen in Briefen. Obwohl die Tuareg ihre Schrift „tifinagh = die Punische, die Phönikische“ nennen, ist man heute weitgehend der Auffassung, dass es sich bei diesen alten libysch-berberischen Alphabeten um Eigenschöpfungen der Nordafrikaner handelt, wobei aber eine gegenseitige Beeinflussung der Mittelmeerkulturen natürlich nicht ausgeschlossen werden kann. Die Nordafrikaner übernahmen im 8. Jh. zusammen mit dem Islam den Koran und damit die arabische Schrift. Als sich im 8./9. Jh. die charidschitischen Berber (stark sozial gefärbte religiöse Bewegung innerhalb des Islams) gegen das arabische Kalifat erhoben, um sich aus ihrer politischen Abhängigkeit zu befreien, begann sich ein religiöses Schrifttum zu entwickeln, das berberische Texte mit arabischer Schrift wiedergab. Nur wenige Zeugnisse dieser frühen berberisch-charidschitischen Literatur sind der Nachwelt erhaltengeblieben.
Wesentlich reicher und ursprünglicher ist die Volksliteratur der Berber mit ihren vielen Märchen, Geschichten, Gedichten und Rätseln. Im Gegensatz zur religiösen Literatur wurde sie jedoch ausschließlich mündlich weitergegeben und erst im 19./ 20. Jh. in Verbindung mit der Übersetzung ins Deutsche oder Französische aufgeschrieben. Obwohl der Islam seit dem 8. Jh. die Entwicklung der berberischen Sprache und Literatur äußerst stark beeinflusste, begann der Prozess der Arabisierung des Hauptteils der berberischen Bevölkerung erst später, im 11. bis 13. Jh., als die arabischen Beduinenstämme der Banu Sulaim, Banu Hilal und Ma’qil von Osten her in die Steppen- und Wüstengebiete Nordafrikas vordrangen. Die militärische Organisation und die Schlagkraft dieser Beduinen hatten sich im Verlaufe ihrer Wanderbewegung stark erhöht. So kam es dazu, dass viele berberische Nomaden in ihnen willkommene Verbündete im Kampf gegen ihre feindlichen Nachbarstämme sahen und sich dadurch unter ihre politisch-militärische Führung stellten. Daraus hervorgegangene ethnisch-kulturelle Kontakte sowie die verwandtschaftliche Vermischung, die aus machtpolitischen Gründen bei der Stammesaristokratie begann, führte zu der Arabisierung großer Teile der nordafrikanischen Nomadenbevölkerung.
Weit weniger wurde die sesshafte oder halbnomadische Bevölkerung in den abgelegenen Gebirgsregionen der Kabylei, des Aurès, Atlas, Rif usw. von dieser Entwicklung berührt. Hier war es im Gegenteil vielfach so, dass die arabischen Stammesgruppen, die in diese Gebiete abgedrängt wurden, nach und nach den Dialekt ihrer berberischen Verbündeten annahmen. Die ethnische und kulturelle Vermischung sowie von berberischen als auch arabischen Elementen gab der nordafrikanischen Bevölkerung schließlich ihr spezifisch kulturelles Gepräge. Zwar gibt es noch z.T. deutliche Unterschiede in Sprache, Kultur und Lebensweise zwischen Stadt und Land ebenso wie zwischen den einzelnen Regionen, keinesfalls können aber heute aus der jeweiligen sprachlichen Zugehörigkeit irgendwelche Rückschlüsse auf die ethnische Herkunft der betreffenden Bevölkerungsgruppe gezogen werden. Das Arabische entwickelte sich mit der Islamisierung in den Ländern Nordafrikas zur Verkehrssprache und wurde damit zu einem wichtigen Bindeglied nicht nur zwischen Berbern und Arabern, sondern ebenfalls auch zwischen den Angehörigen unterschiedlicher Berbergruppen.
Heute beherrscht der größte Teil der berberisch sprechenden Bevölkerung auch Arabisch. Trotzdem das Arabische die Staatssprache in diesen Ländern ist, bleiben doch die lokalen Berberdialekte als Zweitsprache innerhalb der Familien und Gemeinden in weiten Gebieten erhalten und bilden mit dem reichen Schatz ihrer Überlieferungen einen wertvollen Bestandteil des kulturellen Erbes. Die Grundlage der sozialen, wirtschaftlichen und politischen Organisation der Berber ist die Großfamilie, der das älteste männliche Familienmitglied vorsteht. Bei den Nomaden ist sie durch ihr ringförmiges Lager (duwar), bei den Sesshaften durch eine Ansammlung von Bauten, die um einen Hof angeordnet sind, gekennzeichnet. Mehrere Großfamilien, die sich der Abstammung von einem häufig fiktiven Ahn rühmen, bilden eine größere soziale – und später auch administrative – Einheit, die unter der Leitung eines (berberisch) „amghar“ oder (arabisch) „muqaddim“ steht, der von der Versammlung (djama’a) aller Familienoberhäupter durch Wahl bestimmt wird.
Bei Entscheidungen über wichtige Fragen, die die Gesamtheit des Stammes betreffen, wie beispielsweise die Errichtung oder die Erhaltung eines gemeinsamen Getreidespeichers (agadir), bei Bewässerungsproblemen und bei der Nutzung von Weideflächen sowie auch bei Fragen, die das Verhältnis zur Obrigkeit betreffen, ist die Einstimmigkeit dieser Ratsversammlung erforderlich. Private Streitfälle werden grundsätzlich innerhalb der davon betroffenen Familien geregelt und zwar nach dem Gewohnheitsrecht der Berber (izref). Hier kommt der Versammlung höchstens nur eine schiedsrichterliche und vermittelnde Funktion zu. Erst unter dem französischen Einfluss während der Kolonialzeit wurde das bis in dieses Jahrhundert nur mündlich tradierte Gewohnheitsrecht der verschiedenen Berbergruppen kodifiziert. Übergreifende soziale Einheiten, wie etwa das Dorf oder die Fraktion, die sich gleichfalls von einem einzigen Ahnherrn herleiten, bilden in ihrer Gesamtheit schließlich den Stamm, der die höchste Einheit in der Sozialordnung der Berber darstellt.
Im Gegensatz hierzu steht die gelegentliche Gründung von Stammeskonföderationen (leff), die weit über die Blutsverwandtschaft hinausgreift. Mit solchen Großgruppierungen, die verschiedentlich die historische Entwicklung des Maghreb wesentlich mitbestimmt haben, konnten jeweils bestimmte machtpolitische oder religiöse Ziele verfolgt werden. Heute sind die Berber in den modernen arabischen Staaten des Maghreb voll integriert. Die sprachliche Arabisierung schreitet schnell voran. Viele der zum Nomadismus getriebenen Berbergruppen sind zu einer sesshaften Lebensweise zurückgekehrt und erzeugen landwirtschaftliche Marktprodukte wie Weizen, Gerste, allerhand Früchte und Gemüse, Nüsse, Oliven sowie Datteln. Allenthalben wird Vieh, wie z.B. Pferde und Kamele gehalten. Bodenbeschaffenheit und das Klima machen vielfach die Transhumanz, eine halbnomadische Form der Fernweidewirtschaft-, notwendig. Töpferei und Weberei wird betrieben, ist aber vor allem nur Sache der Frauen.
Besondere Handwerksspezialisierungen wurde dagegen Farbigen und früher den Juden überlassen. Bis in jüngste Zeit sind Juden häufig als Silberschmiede tätig gewesen. Die Berber selbst bekennen sich allgemein zum Islam, haben aber die Vielehe nicht übernommen. Die politische Organisation ist demokratisch und die Grundlage ihrer Gesellschaft bilden patrilineare Großfamilien. Jede Woche treffen sich die Männer auf Dorfplätzen oder in Moscheen. Vorsitzende, Schriftführer u.a. Funktionäre werden eigens für diesen Zweck gewählt, jedoch die Gemeinschaft behält sich alle wichtigen Entscheidungen vor. Einstimmigkeit ist das Ziel der uneingeschränkten Diskussionen von miteinander rivalisierenden Gruppen.
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