Klassifikation der Sprachen | Begriffserklärungen
A
Abstrakta (Pl.) - (Sg.) Abstraktum: semantische Unterklasse der Substantive. Sie bezeichnen abstrakte Begriffe, die sinnlich nicht wahrnehmbar sind, z.B. Eigenschaften wie Mut, Fleiß; Zustände wie Frieden, Zuneigung oder Vorgänge wie Leben, Erholung u.s.w.
Acres (Pl.) - (Sg.) Acre: englisches und nordamerikanisches Flächenmaß (etwa 4.047 m2).
Adstrat (Gegenbildung zu Substrat) - Bezeichnung für eine Sprache, die auf eine andere, benachbarte einwirkt und von dieser ihrerseits beherrscht wird (z.B. Flämisch und Wallonisch in Belgien).
Affix - zum Wortstamm hinzutretendes Wortbildungsmorphem; je nach Stellung unterscheidet man: Präfix – Vorsilbe, Infix – Innensilbe und Suffix – Endsilbe.
Affrikata (Pl.) - (Sg.) Affrikat: enge Verbindung eines Verschlußlautes mit einem unmittelbar folgenden Reibelaut (z.B. im Deutschen – pf, ts).
Agglutination - Aneinanderreihung; Ableitung und Beugung eines Wortes mit Hilfe von Affixen, die an den unveränderten Wortstamm angehängt werden.
agglutinierende Sprachen - ein Sprachtyp, dessen grammatische Funktionen (z.B. Plural, Kasus u.s.w.) durch Aneinanderreihung eindeutig bestimmter grammatischer Morpheme (Affixe) gekennzeichnet sind. Agglutinierende Sprachen sind z.B. finno-ugrische, altaische u.a. Sprachen.
akkulturieren - (anpassen, angleichen); Übernehmen von Elementen (z.B. geistige oder materielle) einer fremden Kultur durch Einzelpersonen oder durch ganze Gruppen.
ambivalent - doppelwertig, zwiespältig; ambivalente Substantive können sowohl weibliche als auch männliche Personen bezeichnen, wie z.B. das russische Wort „Директор“ männlich und weiblich sein kann.
Ananinokultur - wichtigste früheisenzeitliche Formengruppe an der mittleren Kama und im Ural. Namengebend ist dabei das Brand- und Körpergräberfeld von Ananino im russischen Gebiet Kirow. Sie entwickelte sich im 8. Jh. v. Chr. und ist kennzeichnend durch Einzel- und Kollektivbestattungen, niedrige Grabhügel und Steinstelen.
Anlautpermutation - nach festen Regeln erfolgende Veränderung bestimmter Konsonanten im Wortanlaut, die z.B. in den Westatlantischen Klassensprachen Afrikas vorkommt, wo sie bei Nomina und Verben auftritt.
Aorist - erzählende Zeitform der Vergangenheit, besonders im Griechischen. Außerhalb der indoeuropäischen Sprachen, z.B. im Türkischen, eine Form des Verbs zur Kennzeichnung allgemeingültiger Aussagen, die in verschiedenen Zeiten auftreten.
Aspekt - eine besonders in den slawischen Sprachen ausgeprägte grammatische Kategorie, mit der die Sprecher die Vollendung oder Nichtvollendung eines Geschehens ausdrücken.
autochthon - eingeboren, alteingesessen, bodenständig.
B
Balsaholz - äußerst leichtes Nutzholz des Balsa-Baumes, das vor allem in Lateinamerika als Floßmaterial, Wärmedämmstoff u.a. Verwendung findet.
Blockgewannflur - [aus mhd. gewande – Grenze] aus in Blöcke aufgeteilten und begrenzten Flurstücken bestehende Flur.
C
Cargo-Kult - [aus engl. cargo – Schiffsladung] Bewegung, die in vielen Regionen Melanesiens seit dem Ende des 19. Jh., vor allem aber seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges entstand, teilweise wieder verloschen ist, jedoch in manchen Gegenden bis heute fortbesteht. Ihr Ziel war die Hoffnung auf eine Heilsperiode. Der Cargo-Kult hatte sowohl religiöse als auch politische Aspekte und richtete sich auf den Gewinn von Gütern europäischer Herkunft, die zunächst als Schiffsladungen bekanntgeworden waren und nach den Vorstellungen der Anhänger des Kultes von ihren Ahnen gesandt, ihnen aber von den Weißen unrechtmäßig vorenthalten wurden.
Compadrazgo-System - [aus span. compadre – Gevatter] das System der Gevatterschaft in Lateinamerika. Coup - ein bei den nordamerikanischen Prärieindianern angewandtes Bravourstück, mit dem sie ihre Tapferkeit unter Beweis stellten. Die Coups waren je nach Gefährlichkeit in Rangstufen eingeteilt. Der Rang des eigenen Coup richtete sich aber ebenso nach dem des Gegners, welche Position dieser z.B. vertrat.
D
Dentaliumschnecken - Zahnschnecken, die mit etwa 40 Arten in allen Meeren vorkommen.
divergierend - [auch: divergent] auseinanderstrebend, unterschiedlich, in verschiedenen Richtungen verlaufend.
Divination - das Erahnen des Heiligen in Naturphänomenen und irdischen Begebenheiten.
Dualismus - Zweiheit, Gegensätzlichkeit.
Durra - afrikanische Hirseart, die als Brotgetreide dient.
E
elaborieren - differenziert ausbilden, sorgfältig ausarbeiten.
Eleusine - eine Grasart, die in sechs Arten in der tropischen und subtropischen Zone Afrikas und Asiens wächst und in vielen Ländern kultiviert wird. Die Samen bilden in manchen ärmeren Gegenden Afrikas trotz ihres bitteren Geschmacks die Hauptnahrung.
endogam - die Heiratsordnung betreffend, nach der nur innerhalb eines bestimmten sozialen Verbandes (z.B. Stamm eines Naturvolkes, Kaste o.ä.) geheiratet werden darf.
Enklave - Gebietsteil eines fremden Staates, der vom eigenen Staatsgebiet vollständig umschlossen ist. Vom Standpunkt des anderen Staates aus wird der abgetrennt liegende Gebietsteil als Exklave bezeichnet.
Enklitika - (Pl.) - (Sg.) Enklitikon: der Lautverlust des schwachtonigen Wortes bei Anlehnung an das vorhergehende Wort (z.B. geht es? – geht‘s?).
Ensete - eine in Nordostafrika angebaute Bananenart, deren Früchte ungenießbar sind, aber ihre Sprößlinge bilden ein vortreffliches Gemüse und auch das Innere des Stammes wird gekocht und bildet oftmals die einzige vegetabilische Nahrung mancher Ethnien.
Ergativkonstruktion - der Ergativ ist Subjektkasus in transitiven Sätzen verschiedener Sprachen und bezeichnet den Handlungsträger in obliquem abhängigen Kasus, was dann Ergativkonstruktion heißt.
Ethnie - ein von W. E. MÜHLMANN eingeführter Begriff für Menschengruppen, die eine kulturelle, soziale, historische und genetische Einheit bilden und andersweitig auch als „Stämme“ oder „Völker“ bezeichnet werden.
Ethnogenese - Formationsprozeß von Völkern oder anderen ethnischen Einheiten.
Exklave - –› Enklave
exogame Gruppen - Gruppen, die Heiraten innerhalb derselben Gruppe verbietet und vorschreibt, daß die Ehepartner aus verschiedenen Gruppen stammen müssen.
F
Filaria - ein tropischer Fadenwurm, der im Bindegewebe und Lymphsystem von Mensch und Tier parasitiert und die Krankheit „Filariose“ verursacht.
flektierende Sprachen - Sprachen, in denen die grammatischen Kategorien und syntaktischen Beziehungen durch Veränderung der Wurzel oder des Stammes, bzw. durch das Anfügen von Formelementen, die mit dem Stamm eng verbunden sind, markiert werden. Dazu zählen u.a. indogermanische und hamitosemitische Sprachen.
Frikativ - Reibelaut
fusionierend - verschmelzend
G
Gelbguß - ältere Bezeichnung für gegossene Kupfer-Zink-Legierungen (Messing).
genealogisch - abstammungsgeschichtlich, die Verwandtschaftsverhältnisse untersuchend
genuin - echt, unverfälscht, natürlich.
Genus verbi - Verhaltensrichtung des Verbs als Aktiv und Passiv.
geschlechtsdifferenzierendes Genussystem - Substantive mit schwankendem Genus (z.B. der / das Bonbon, der / das Pflichtteil).
glottal - auf die Stimmritze (Glottis) bezüglich.
H
Habitat - Aufenthaltsort, Wohnstätte.
Häretiker - Die Anhänger einer Denkweise, die im frühen Christentum im Sinne einer willkürlichen Auswahl aus dem Lehrgut der Kirche und einer Abweichung von deren Dogma verwendet wurde und damit den Sinn für den Begriff Ketzer gewann.
heterodox - andersgläubig, von der herrschenden Religion abweichend.
heterogen - einer anderen Gattung angehörend.
Hyläa - griech. hýl ́e – Wald, Gehölz] eine von A. VON HUMBOLDT geschaffenen Bezeichnung für das tropische Regenwaldgebiet Amazoniens, die aber gelegentlich für alle tropischen Regionen mit Regenwald verwendet wird.
I
Idiom - 1) Art der Phraseologie, lexikalisierte feste Wortverbindung, Redewendung; 2) die einer kleinen Gruppe oder sozialen Schicht eigentümliche Sprechweise.
Initiation - Aufnahme eines Neulings in eine Standes- oder Altersgemeinschaft, einen Geheimbund u.ä.
inkorporiert - eingegliedert, eingemeindet, angeglichen.
Intonation - Tongebung, Veränderung des Tones nach Höhe und Stärke beim Sprechen von Silben oder ganzen Sätzen.
inverse Flexion - Besonderheit bei den kaukasischen oder den Algonkinsprachen, die eine spezifische Variante der personalen Verbal-Flexion darstellt durch zwei zusätzliche Verbalaffixe, mit deren Wechsel sich die Subjekts- bzw. Objektsfunktion umkehrt.
isolierende Sprachen - Sprachen, die die Beziehungen der Wörter im Satz nur durch die Wortstellung ausdrücken. Als Beispiele gelten die sinotibetischen Sprachen.
J
Jats - Angehörige einer Stammeskaste im Nordwesten Indiens und in Pakistan. Sie bilden die größte Bevölkerungsgruppe und sind in Indien Sikhs oder Hindus und in Pakistan Muslime.
K
Kassave - eine indianische Bezeichnung für Maniok.
Kaurischnecken - eine Art Porzellanschnecken, die im Indischen und Pazifischen Ozean an Korallenstöcken leben. Ihre Gehäuse dienten mancherorts in Afrika und Südostasien bis in das 19. Jh. als Zahlungsmittel.
Klassensprachen - Sprachen, deren morphologische Merkmale in der Einteilung in Kategorien (Klassen) besteht. Mit diesen Nominalklassen verbinden sich Unterscheidungen im Numerus sowie semantische Unterschiede. Zu den Klassensprachen gehören die Bantusprachen und zahlreiche in Westafrika verbreitet Sprachen.
Koine - eine durch Einebnung von Dialektunterschieden entstandene Sprache.
Konglomerat - Zusammenballung, Gemisch.
Konservativismus - politische Anschauung, die sich am Hergebrachten, Überlieferten orientiert.
Konsolidierung - Festigung, Sicherung.
Konsonantencluster - Folge von aufeinanderfolgenden ungleichen Konsonanten.
Kreolen - Bezeichnung für in Lateinamerika geborene Nachkommen von kolonialzeitlichen Einwanderern aus romanischsprachigen Ländern Europas, später Bezeichnung für Mischlinge aus Schwarzen und Europäern.
Kreuzcousine - die Tochter vom Bruder der Mutter bzw. von der Schwester des Vaters.
L
Labial - ein mit den Lippen artikulierter Laut.
land grant - Bewilligung, Gewährung von Land
Laterale - Laute, bei dem die Luft nicht in der Mitte, sondern auf einer oder beiden Seiten des Mundes entweicht (z.B. l).
Levirat - Ehe eines Mannes mit der Frau seines kinderlos verstorbenen Bruders.
lexikalische Similarität - Ähnlichkeit des Wortschatzes von Sprachen.
Lexikostatistik - Analyse der Sprache hinsichtlich der Häufigkeit des Gebrauchs einzelner Wörter.
Lineage - Verwandtschaftsgruppe, deren Zusammengehörigkeitsgefühl auf der gemeinsamen Abstammung entweder in väterlicher oder mütterlicher Linie beruht.
Lingua franca - Verkehrssprache eines größeren Raumes, in dem Völker oder Stämme mit unterschiedlichen Sprachen leben.
M
malikitisch - bezogen auf die Malikiten, Anhänger einer islamischen Gesetzeslehre.
marginalisiert - mit Marginalien (Anmerkungen am Rande) versehen.
marginale Kulturen - Kulturen, die am Rande großer Kulturgruppen liegen.
Matriklan - eine Volksgruppe, deren Abstammung nach der mütterlichen Linie gerechnet wird.
matrilateral - Vorherrschen bzw. die Dominanz der mütterlichen und damit der weiblichen Linie.
matrilinear - in der Erbfolge der mütterlichen Linie folgend (–› auch Verwandtschaftssystem).
matrilokal - die Matrilokalität (Übersiedlung des Mannes zur Familie der Frau) betreffend.
melanid - Eigenschaftsform einer Menschenrasse, vor allem im indischen Raum, die dunkelhäutig und mittelgroß sind und volle Lippen sowie dunkles, welliges Haar besitzen.
Mestizen - Mischlinge zwischen Weißen und Indianern.
Mithan-Rind - ein domestiziertes Wildrind, das von vielen Völkern in Indien und Südostasien gehalten wird. Es stammt vom Gaur (Bibos gauris) oder (Bos gauris) einem großen, dunkel-überzogenen Rind ab und hat als domestizierte Variante mehrere Namen Gayal, Mithan oder Mithun (Bos frontalis).
Mnemotechnik - Verfahren, durch systematische Übungen oder Lernhilfen seine Gedächtnisleistung zu steigern.
modal - die Art und Weise bezeichnend.
Modus - Aussageweise des Verbs (z.B. im Deutschen: Indikativ, Konjunktiv, Imperativ).
Moieties (Pl.) - (Sg.) Moiety: in Gesellschaften mit Zweiklassensystem die Bezeichnung für jeweils eine Hälfte.
monophysitisch - die altkirchliche Lehre betreffend, nach der die zwei Naturen Christi zu einer neuen gottmenschlichen Natur verbunden sind.
Morphem - kleinste bedeutungstragende Gestaltseinheit in der Sprache (z.B. besteht das Wort „Festlichkeiten“ aus den drei Stammorphemen Fest / lich / keit und dem Endungsmorphem en.
Morphologie - Teil der Grammatik – Wissenschaft von den Formveränderungen, denen die Wörter durch Deklination und Konjunktion unterliegen.
morphologische Komplexität - Gesamtheit der Formveränderungen der Wörter.
Morphophonem - Variation eines Phonems, das im gleichen Morphem bei unterschiedlicher Umgebung auftaucht (z.B. i / a / u bei „binden, band, gebunden“).
N
Nartensagen - Dichtungsform, die bei verschiedensprachigen Völkern des nördlichen Kaukasus weit verbreitet ist. Es handelt sich dabei um Heldensagen, die sich zwischen dem 7. und 14. Jh. herausbildeten.
Nivellierung - Gleichmachung, Ausgleichung von Unterschieden.
Nominalinkorporation - Einbeziehung von Wörtern, vor allem Pronomen, direkt in die Wortform. So sind z.B. die Eskimosprachen inkorporierende oder polysynthetische Sprachen.
Nominalklassen - Zusammenfassung sprachlicher Elemente auf Grund gemeinsamer Eigenschaften von Nomen.
Nukleus - Kernglied einer sprachlich zusammengehörenden Einheit.
O
oblique - abhängig; betrifft den Kasus obliquus = abhängiger Fall (z.B. Genitiv, Dativ und Akkusativ).
Obviativ - eine zusätzliche 3. Person bei den Algonkinsprachen.
Okklusiv - Verschlußlaut (z.B. p)
Optativ - Modus des Verbs, der einen Wunsch ausdrückt (z.B. in Griechisch, Türkisch und Finnisch).
P
palatalisieren - einen Konsonanten erweichen, von einem nichtpalatalen in einen palatalen (am Gaumen gebildeten) Konsonanten umwandeln.
Parallelcousine - die Tochter von dem Bruder des Vaters bzw. von der Schwester der Mutter Paternalismus - das Bestreben eines Staates, einen anderen zu bevormunden
patrifokal - die Wohnfolgeordnung betreffend, nach der die Ehefrau mit der Heirat an den Wohnort ihres Mannes übersiedelt.
Patriklan - eine Stammesgruppe, die das Patriarchat als Gesellschaftsform anerkennt.
Patrilineage - Erbfolge in väterlicher Linie.
patrilinear - in der Erbfolge der väterlichen Linie folgend (–› auch Verwandtschaftssystem).
patrilokal - Wohnfolgeordnung, nach der die Ehefrau mit der Heirat an den Wohnort des Mannes übersiedelt.
Pejorativa - abwertender Ausdruck, Wort mit einer abwertenden Bedeutung.
perennieren - beständig, ausdauernd bleiben.
Permutation - Umstellung aufeinander folgender sprachlicher Elemente eines Satzes.
Phratrie - Sippengemeinschaft (besonders im alten Griechenland).
Phyla - (Pl.) - (Sg.) Phylum: systematische Bezeichnung für „Stamm“.
Pidginelemente - Merkmale innerhalb einer Sprache, die durch stark reduzierte Morphologie der Zielsprache entsteht. (z.B. bei dem Namen der Pidginsprache „Tok Pisin“ in Papua-Neuguinea, „Tok“ kommt von engl. „talk = sprechen“ und „Pisin“ von engl. „Pidgin“, was seinerseits eine pidginisierte Form aus dem Chinesischen ist und von dem Wort „business = Geschäft“ abstammt).
Pidginsprache - Mischsprache mit englischem Wortschatz und chinesischer Grammatik. Sie entstand im Handel zunächst zwischen chinesischen und europäischen Kaufleuten, später auch im Handel mit anderen Ländern. Im Unterschied zu den Kreolsprachen ist sie für niemanden Muttersprache, sondern bildet sich nur im Umgang mit Erwachsenen. Ist sie einmal entstanden, bildet sie eine echte Sprache mit fester Grammatik und einem bestimmten Grundstock an Lexemen.
piktographisch - symbol-, bildschriftlich
Polyandrie - die polygamische Form der ehelichen Verbindung einer Frau mit mehreren Männern (z.B. bei einzelnen Völkern in Tibet, SW-Indien und auf den Maquesasinseln).
Polygamie (aus griech. gámos = Ehe) - in der Völkerkunde die Form der Ehe, bei der ein Partner ständig mit mehreren Partnern des anderen Geschlechts zusammenlebt.
Polygynie - die polygamische Form der ehelichen Verbindung eines Mannes mit mehreren Frauen (ist ziemlich häufig anzutreffen, vor allem bei Naturvölkern in Südamerika sowie bei vielen afrikanischen Völkern und vor allem bei Völkern, die den Islam als Glaubenslehre haben).
polysynthetische Sprachen - Sprachen, die die Bestandteile des Satzes durch Einschachtelung zu einem großen „Satzwort“ verschmelzen lassen (inkorporierende Sprachen) (z.B. im Ungarischen „autó = Auto“ und „autóinkban = in unseren Autos“).
Possessivmorphem - ein Wort oder ein Teil eines Wortes, der grammatisch den Besitz anzeigt.
Possessor - der Besitzende
Possessivum - besitzanzeigendes Fürwort
Postvelar - ein Laut, der am hinteren Gaumensegel gebildet wird (z.B. in semitischen Sprachen).
Proklitika - (Pl.) - (Sg.) Proklitikon: unbetontes Wort, das sich an das folgende betonte anlehnt (z.B. „das ist‘s“ für „das ist es“).
Q
Quillwork - Verzierung, Applikation bei handgefertigten Kleidungsstücken vieler Naturvölker.
Quinoa - ein in den südamerikanischen Hochländern als Nahrungspflanze angebautes Gewächs der Gattung Chenopodium.
S
Sachem - ein aus dem Algonkin stammender Begriff für das erbliche Oberhäuptlingsamt bei den Algonkin- und Irokesenvölkern der Neuenglandstaaten.
sakral - den Gottesdienst betreffend.
Satznexus - Satzverbindung, -verflechtung
Schwa - in bestimmten unbetonten Silben erscheinende Schwundstufe des vollen Vokals (häufig in semitischen Sprachen, aber z.B. auch das Murmel-e in indogermanischen Sprachen).
segmentäre Stammesorganisation - eine sich aus einzelnen Klanen zusammensetzende Organisation eines Stammes.
Sandico (aus dem Italienischen) - Bürgermeister
somatisch - den Körper betreffend.
Soziolinguistik - Wissenschaft, die sich mit den wechselseitigen Beziehungen zwischen Sprach- und Sozialstrukturen beschäftigt. Der Terminus wurde in den 50er Jahren des 20. Jh. in den USA geprägt.
Subsistenzgüter - die in Subsistenzwirtschaft produzierten Güter.
Subsistenzwirtschaft - landwirtschaftliche Wirtschaftsform, die ganz oder überwiegend für die Selbstversorgung produziert.
Supinum - an das Verb zurückgelehntes Wort; Bezeichnung für ein Verbalabstraktum v.a. im Lateinischen.
suppletiv - bezogen auf den Suppletivismus, ein ergänzender Zusammenschluß von Wörtern verschiedenen Stammes zu einer formal oder inhaltlich geschlossenen Gruppe (z.B. bin, war, gewesen).
Switch reference (aus engl. „switch = Umleitung von Kapital“) - Auskunft über Kapitalumleitungen besonders im Außenhandel.
Synkretismus - Verschmelzung verschiedener Kasus zu einem Kasus (z.B. Lokativ und Instrumentalis zu Ablativ im Lateinischen).
Syntax - Lehre vom Satzbau; ein Teilgebiet der Grammatik.
Synthese - Zusammenfügung gedanklicher Verknüpfungen einzelner Teile zu einem Ganzen.
synthetische Sprachen - Charakterisierung von Sprachen, in der die grammatischen Beziehungen durch morphologische Markierung am Wortstamm gekennzeichnet werden und nicht durch einzelne Partikeln wie beim analytischen Sprachbau (z.B. lat. „domi = zu Hause“ gegenüber franz. „à la maison“).
T
Tempus - grammatische Kategorie beim Verb, die zeitliche Verhältnisse zueinander und zur zeitlichen Perspektive des Sprechers oder Hörers einordnet.
Tonsprachen - Sprachen, in denen die Tonhöhe der Silben eine Wortes oder auch ganze Wörter für die Unterscheidung von Wörtern und grammatischen Formen relevant ist (z.B. viele westafrikanische Sprachen und sino-tibetische Sprachen).
Totem (aus der Ojibwa-Sprache „ot-oteman = er ist aus meiner Verwandtschaft“) - eine Tier- oder Pflanzenart, mit der sich, insbesondere bei wildbeuterischen Volksstämmen, ein menschlicher Sozialverband emotional oder verwandtschaftlich verbunden fühlt.
Transhumanz (von span. „transhumare = auf die Weide führen“) - eine Form der halbnomadischen Fernweidewirtschaft, bei der Viehherden zwischen weit voneinander entfernten Gebieten im jahreszeitlichen Klimarhythmus wechseln.
Trepang - aus dem Malaiischen stammende Handelsbezeichnung für getrocknete Seewalzen.
Transitivität - sprachwissenschaftliche Bezeichnung für das Nachziehen eines direkten Objekts (Akkusativobjekt) beim Verb und die Bildung eines pers. Passiv können (z.B. sind schreiben, lesen transitive Verben).
Trickster-Figuren - künstlerische Figuren mancher Naturvölker, die mytologische Gestalten, die durch zwiespältigen Charakter gekennzeichnet sind, darstellen. Trickster erscheinen oft in Tiergestalten.
U
Urucú - rote Farbe, die aus dem Samen einer Wildpflanze gewonnen wird, mit der sich Angehörige vieler südamerikanischer Völker ihre Körper bemalen.
V
Velar - Gaumenlaut (z.B. ch in „ach“)
Verwandtschaftssystem - Sprachliche Studien über die Begriffe von den Verwandtschaftsgraden der Familienangehörigen führten zu den Erkenntnissen, daß bei zahlreichen Völkern die Anschauung herrscht, daß der Vater mit seinen Kindern gar nicht blutsverwandt sei, so daß die Kinder bei manchen asiatischen und amerikanischen Völkern in seine Verwandtschaft (patrilinear), aber niemals in diejenige der Mutter (matrilinear) einheiraten dürfen. Die Forscher MCLENNAN, MORGAN u.a. fanden außerdem heraus, daß in den Anredeformen und Bezeichnungen vieler Naturvölker Söhne und Töchter vielfach gar nicht von Neffen, Nichten und ganz fremden Kindern unterschieden werden, daß sie ebenso wie die Väter und Mütter, Großväter und Großmütter vielmehr der ganzen Geschlechtsgenossenschaft gemeinsam gewesen seien. Zahlreichen Forschern zufolge haben sich erst allmählich aus dieser Gemeinschaft Gruppen und Paare ausgesondert, die in polygynischer, polyandrischer oder monogamer Ehe zu leben begannen, dies aber nur ausführen konnten, indem die Männer durch Raub, gewöhnlich aus fremden Stämmen, Frauen gewannen, wodurch der weitverbreitete Brauch des Brautraubes seine Erklärung fände.
Bei zahlreichen Völkerstämmen aller Erdteile wird der Vater nicht zur Familie gerechnet, und die Verwandtschaft sowie das darauf beruhende Erbrecht gilt nur in der weiblichen Linie, so daß nicht der leibliche Vater, sondern der Bruder der Mutter als der nächste Aszendent gilt und von seinem Neffen beerbt wird. Darauf gründen sich dann weitere eigentümliche, fremdartig erscheinende Bezeichnungen und Verwandtschaftssysteme bei den verschiedenen Völkern. So bezeichnet beispielsweise ein polynesischer Eingeborener auf Hawaii alle Groß- und Urgroßeltern, Großonkel und -tanten als „kupuna = Ahne“, sämtliche Onkel väter- und mütterlicherseits gleich dem eigenen Vater als „makua kana = Vater“ und die entsprechenden weiblichen Verwandten als „makua waheena = Mutter“. Ebenso nennt der Vater sämtliche Neffen und Großneffen brüder- und schwesterlicherseits gleich den eigenen Söhnen „kaikee kana = Sohn“. Ähnliche Bezeichnungen der Verwandtschaft kehren bei den verschiedensten Naturvölkern wieder.
vigesimale Zahlsysteme - ein auf der Grundzahl 20 aufgebautes Zahlensystem, das nirgends rein ausgebildet ist und meist in Verbindung mit dem Dezimalsystem auftritt. Besonders weit entwickelt war es bei den Maya. Es tritt u.a. auch in kaukasischen Sprachen, im Baskischen, in den keltischen Sprachen, im Dänischen und im Französischen auf (z.B. „quatre-vingt = 80“ und „quatre-vingt-dix = 90“).
Y
Yams (auch Jams, Jamswurzel) (von portug. „inhame = essen“) - eine Wurzelknolle aus der Gattung Jamswurzelgewächse, die in vielen Ländern eine der Hauptnahrung bildet.
Z
Zwölfer Schia (von arab. „schi‘a = Partei“) - auch Imamiten genannte Gruppe der Muslime, die eine Reihe von zwölf Imamen anerkennen, die ihnen als frei von Sünde und mit unfehlbarem Wissen begabt gelten. Der zwölfte Imam befindet sich seit 873 in Verborgenheit. Ihre Anhänger sind „bis zum Ende der Zeit“ in Erwartung auf seine Wiederkehr. Bis dahin gelten als Vertretung oberste Religionsgelehrte der schiitischen Klerikerhierarchie, die als Mudschahids (arab.) oder Ayatollahs (pers.) anerkannt werden.
