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Aymará
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Südamerikanische indianische Sprach- und Völkerfamilie im bolivianisch-peruanischen Grenzgebiet, vor allem um den Titicaca-See und bis zum Salar de Uyuni und zum Poopó-See in Bolivien. Sie wird im Spanischen auch Colla genannt. Das Aymará wird heute von über 2,2 Mio. Menschen gesprochen, davon ca.: 350.000 in Peru (ca. 5% der Bevölkerung), 1,785 Mio. in Bolivien (ca. 30 bis 40% der Bevölkerung) und 20.000 in Chile (ca. 0,3% der Bevölkerung). Es war eine einst vor allem in Peru und Bolivien sehr weit verbreitete Kultursprache, wurde aber später weitgehend von dem Ketschua verdrängt. Mit der Eingliederung ins spanische Vizekönigreich Peru, im Jahre 1542, nahm schließlich die Bedeutung der Sprache als Folge der kolonialen Sprachpolitik immer weiter ab.
Das Aymará besitzt eine umfangreiche Reihe an Dialekten, wie das Lupaca als Standardsprache mit schriftsprachlichen Ansätzen sowie Ubina, Charka, Pakase, Kollahuaya, Karanka, Killaka, Jaquaru-Cauqui und Kauka. Die anderen Aymará-Dialekte sind völlig vom Ketschua absorbiert.
Die Aymará-Bevölkerung, deren Eigenbezeichnung „Haqe = Menschen“ bedeutet, oder die die Namen ihrer verschiedenen Stammesgruppen benutzten, wurden erst nach der Ankunft der Spanier allgemein mit „Aymará“ bezeichnet. Ihre Vorfahren waren möglicherweise die Erbauer von Tiahuanaco und somit die Träger einer die Zentralanden beherrschenden Kultur, vielleicht in einem dem Inka-Reich vorangegangenen Imperium gegen Ende des 1. Jt. n. Chr. Sie glauben ganz fest daran, dass sie göttlichen Ursprungs sind und sind überzeugt, vom höchsten Gott „Huiracocha“ zur gleichen Zeit erschaffen worden zu sein, als dieser aus dem Titicaca-See die Sonne emporsteigen ließ.
Ihre Geschichte berichtet von einer andauernder Knechtschaft, zuerst unter den Inka, später unter den Spaniern, die das Hazienda-System eingeführt hatten, das daraufhin die Aymará verpflichtete, bis zu sechs Tagen in der Woche für den Gutsbesitzer zu arbeiten für ein Stück Land als Gegenleistung, welches erst 1953 endgültig aufgehoben wurde. Im 15. Jh. dem Inka-Reich unterworfen, konnten die Aymará hier als die einzige Sprachgruppe weiter eine wichtige Rolle neben den Ketschua spielen. Ob aber die Aymará als ein Volk zu betrachten sind, ist ähnlich umstritten wie im Fall der Ketschua.
Dass die Aymará jedoch im Kerngebiet eines modernen Staates leben – ihre Sprache wird auch in der bolivianischen Hauptstadt La Paz sehr häufig gesprochen – dessen Bevölkerung mehrheitlich indianisch ist, gibt den Bestrebungen in Richtung eines Aymará- Nationalismus ein wesentlich stärkeres Gewicht als entsprechende Tendenzen bei den Ketschua. Ganz grob kann man heute bei ihnen drei soziale Hauptgruppen deutlich unterscheiden, bei denen sich das Problem der ethnischen und kulturellen Identität aber jeweils unterschiedlich stellt:
a) Die indianischen Kleinbauern mit einer relativ großen wirtschaftlichen Selbständigkeit – bei ihnen sind die Abwehr des urbanen Einflusses und die Verachtung der aus der bäuerlichen Bevölkerung hervorgegangenen, aber heute von ihr getrennten, Minenarbeiter Grundlage eines starken Bewusstseins der ländlichen Traditionen, die mit der Aymará-Sprache in Verbindung gebracht werden. Deutlich ist hier die Tendenz eines indianischen Nationalismus, der die Aymará als zentrales Volk unter den bolivianischen Indianern sieht.
b) Die Minenarbeiter, in Tradition und Sprache den Bauern eng verwandt – bei ihnen ist heutzutage das gewerkschaftliche Engagement, das sie mit den Nicht- Aymará verbindet, stärker ausgeprägt als das eigentliche Aymará-Bewusstsein. Sie sind mehrheitlich auf einen gesamtbolivianischen Nationalismus mit indianischen Akzenten ausgerichtet.
c) Die groß- und kleinstädtische Bevölkerung mit ländlicher Herkunft - sie bemüht sich heute meist eher um die Anpassung an die städtische Lebensweise als um die Bewahrung ihrer ländlichen überlieferten Aymará- Traditionen und scheint zwischen einem indianischen Bewusstsein und Integrationswunsch zu schwanken. Diese Zweiteilung in Kleinbauern und Minenarbeiter stammt bereits aus der Kolonialzeit. Die ländliche Aymará-Kultur ist derjenigen der Ketschua in vielem ähnlich, jedoch vielleicht noch stärker das Ergebnis eines gegenseitigen Durchdringungsprozesses indianischer und kolonial-spanischer Kultur. Die Aymará sind auf dem Land Gebirgsbauern, die verschiedene Feldfrüchte und Gemüse anbauen und Lama- sowie auch Schafherden halten. Dabei sind die meisten Familien in den höheren Regionen in erster Linie Hirten und nicht Bauern. Die Solidarität innerhalb der Dorfgemeinschaft ist bei den Aymará insgesamt wesentlich stärker ausgeprägt als es bei den Ketschua der Fall ist.
Während der Zeit der Kolonialherrschaft erlitten die Aymará, wie alle anderen Anden-Indianer auch, durch Epidemien sowie rücksichtslose Ausbeutung starke Bevölkerungsverluste. Heute stellen die etwas mehr als 1,2 Mio. Aymará etwa ein Fünftel der Gesamtbevölkerung in Bolivien. Hauptsächlicher Lebensraum ist der Altiplano, wie das auf einer Höhe von bis zu 4.000 Metern gelegene bolivianische Hochplateau genannt wird. Dort betreiben sie unter schwierigsten Bedingungen intensiven Anbau verschiedener Nutzpflanzen wie z.B. Kartoffeln, Quinoa, Gerste u.a. sowie Tierhaltung von Lamas, Alpakas und Schafen. Auch Kokasträucher sind von den Indianern der Anden seit Jahrhunderten in den warmen, feuchten Tälern der Yungas angebaut worden.
Diese Blätter zu kauen scheint den Aymará so unentbehrlich zu sein wie Kartoffeln zu essen. Bereits zur Inka-Zeit war für die Aymará das Koka wichtig, weil es anregend wirkte und man nach ihrer Meinung damit die Zukunft voraussagen konnte. Trotzdem spricht einiges dafür, dass Koka in alten Zeiten trotzdem für die allgemeine Bevölkerung als ein Luxus galt. Die Spanier verachteten diese Droge, doch erkannten sie, dass sie für die Indianer wichtig war, da sie ohne sie nicht arbeiteten. Auf dem Land konnten sich teilweise noch vorspanische Organisationsformen wie die vielen kleinen, verstreut liegenden Siedlungen (ayllus), bis heute erhalten. Trotz der jahrhundertelangen Missionierung durch die Spanier, sind bei den Aymará bis in die Gegenwart viele Traditionen, wenngleich mit christlichem Glaubensgut vermischt, erhalten geblieben.
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