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Armenisch
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Eine eigenständige Sprache innerhalb der indogermanischen Sprachfamilie und die offizielle Landessprache in Armenien (früher Armenische SSR). Sie wird insgesamt von etwa 6,8 Mio. Menschen zum Teil auch in den angrenzenden Gebieten Russlands, Aserbaidschans, Grusiniens und einigen Ländern des Vorderen Orients, ebenso wie in der Türkei und im Iran gesprochen. Die armenische Sprache besitzt eine eigene Schrift, die zum iranischen Schriftkreis gerechnet wird und unterteilt sich in mehrere, untereinander ziemlich unterschiedliche Dialekte.
Die beiden bedeutendsten sind dabei das Neuwestarmenisch, das in der Türkei, in einigen Ländern des Mittleren Ostens sowie in Europa und Amerika, und Neuostarmenisch (Aschcharabar), das in Armenien selbst und auch in den benachbarten Kaukasusländern sowie im Iran gesprochen wird. Das Lautsystem der armenischen Sprache hat sich zwischenzeitlich vom Indogermanischen ziemlich weit entfernt, doch das Kasussystem ist erhalten geblieben. Sein Verbalsystem und die Syntax sind heute sogar stark vereinfacht.
Der Wortschatz besitzt viele iranische, syrische und griechische, aber ebenso französische, türkische und arabische Lehnwörter. Armenien ist ein Hochgebirgsland mit trockenem Kontinentalklima. Bodenbau ist daher vielfach nur mit Bewässerung und in steilen Lagen auf Terrassenfeldern möglich. In tiefergelegenen Gebieten ist der Anbau von Wein, Obst und Getreide möglich, im Bergland überwog jeher die Viehzucht, vor allem Schafe und Ziegen mit sommerlichem Almabtrieb. Ein Großteil der Armenier, hauptsächlich in den nordkaukasischen, georgischen und osmanischen Städten war seit jeher schon im Handel tätig.
Durch geschicktes Geschäftsgebaren verdrängten sie bald die einheimische Händlerschaft. Antiarmenische Ausschreitungen galten dadurch zwar in erster Linie dieser Händlerschicht, trafen aber, besonders im Osten der Türkei, in der Hauptsache die armenischen Bauern. Die armenischen Dörfer waren im Gebirge festungsartige Hangstufenanlagen und bestanden in den flacheren Gebieten aus Kuppeldachhäusern, oft halbunterirdisch, als deren Zentrum die Kirche galt. Das Christentum war in Armenien schon im 3. Jh. zur Staatsreligion erhoben worden und wurde trotz innerkirchlicher Spaltungen zur alle Armenier einigenden Kraft gegen Expansion des Islam und politischer Teilung. Kirchen, Klöster und auch Wallfahrtsorte waren eher nationale Gedenkstätten und christliche Feiertage die Demonstration des armenischen Zusammengehörigkeitsgefühls.
Der reiche heidnische Volksglaube lebte oft unter einem beträchtlich dünnen christlichen Firnis weiter. Die Armenier sind ein altes Kulturvolk im Grenzgebiet zwischen der Türkei, Aserbaidschans, Georgiens und dem Iran und bezeichnen sich selbst „Haykh“. Das Wort „Armenier“ ist persischen Ursprungs und wurde später von den Griechen übernommen. Ihre früheste Geschichte ist mit dem Geschick des Reiches Urartu, das im 8. Jh. v. Chr. fast das gesamte spätere Armenien umschloss, eng verbunden. Nach ihrer Einwanderung im 7. Jh. v. Chr. vom Balkan her in das später nach ihnen benannte Bergland Hayastan vermischten sich indogermanische Armenier hier mit der vorindogermanischen Bevölkerung und nahmen von den Urartäern mesopotamische und altmediterrane Einflüsse besonders im Geistesleben auf, zugleich aber auch starke iranische Strömungen, die in späterer Zeit viel zum synkretistischen Gepräge der armenischen Kultur beitrugen.
Trotz einer ständigen Bedrohung von außen vermochten die Armenier ihre sprachliche und ethnische Identität zu behaupten. Die selbständige armenische Kirche hatte dabei wohl das größte Verdienst an der kulturellen Kontinuität. Die Tätigkeit des Bischofs GREGORIUS ILLUMINATOR bewirkte, dass das Christentum um 300 n. Chr. zur Staatsreligion erklärt wurde. Seit dieser Zeit spricht man auch von der gregorianischen Kirche. Diese Kirche ist das Symbol religiöser und nationaler Einheit. Ein kleiner Teil der armenischen Bevölkerung unterstellte sich im 15. Jh. der römisch-katholischen Kirche, behielt aber Sprache und Kultur bei. Schon zu Beginn des 5. Jh. schuf der Mönch MESROP (361–440) ein eigenes Alphabet und eine bedeutende Literatur konnte entstehen.
Die Lage Armeniens zwischen Iran und Byzanz bzw. später dem Osmanischen Reich führte zur mehrfachen Teilung des Landes in zwei ebenso kulturelle wie auch politische Einflusszonen. Diese Zerrissenheit förderte die Bildung verschiedener Parteien zwischen den mächtigen Adelsgeschlechtern, die sich untereinander bis zur völligen Selbstzerstörung bekämpften. Ein armenischer Nationalstaat konnte sich immer nur kurze Zeit gegen diese zentrifugalen Kräfte halten. Schon seit dem 11. Jh. suchten Armenier durch Auswanderung in die Länder des Vorderen Orients und nach Russland der politischen Unsicherheit ihrer Heimat zu entfliehen.
Antiarmenische Pogrome in der Osttürkei, die ihren Höhepunkt mit der Machtübernahme der Jungtürken im Ersten Weltkrieg erreichten, führten zur Vertreibung und Liquidierung von zwei Dritteln der dort lebenden Armenier. Der Status einer Religionsgemeinschaft (millet) gewährte den Armeniern im Osmanischen Reich eine weitgehende Freiheit auf dem Gebiet des Glaubens und der Kultur. Dennoch hatten sie die Sondersteuer für Nichtmuslime zu entrichten und blieben von hohen Regierungsämtern ausgeschlossen. Die anhaltende Diskriminierung der Armenier führte gegen Ende des 19. Jh. zu nationalistisch-revolutionären Bestrebungen der Partei der Daschnaken, die einen armenischen Staat forderte. Die osmanische Verwaltung antwortete 1894 bis 1896 und 1909, aber vor allem 1915 mit entsetzlichen Massakern und Massendeportationen.
Allein bei dem Genozid im Jahre 1915 haben zwischen 750.000 und 1,5 Mio. Menschen ihr Leben verloren. Hunderttausende flohen oder wanderten aus. In den Bergregionen nahmen viele Armenier äußerlich den Islam an, um den Pogromen durch den türkischen Staat zu entgehen. In der Türkei bilden die Armenier heute nur noch eine kleine religiöse Minderheit, die meist in Istanbul lebt. Trotz der Verträge von Lausanne werden ihre Rechte noch immer ständig beschnitten, so dass keine Rede von einem eigentlichen Minoritätenschutz sein kann. Trotz vieler internationaler Proteste überlässt der türkische Staat weiterhin uraltes armenisches Kulturgut der Vernichtung. Erst in der jüngsten Zeit flackerten, vor allem in den europäischen Ländern, erneute Diskussionen darüber auf, dass die türkische Regierung sich zu diesem Unrecht öffentlich bekennen soll.
Doch bisher hält sie entschieden an der Behauptung fest, es hätte nie einen Völkermord an den Armeniern gegeben. Die moderne Entwicklung des ehemaligen Armenien lässt sich kontinuierlich nur in einem einzigen heute noch geschlossenen Siedlungsgebiet der Armenier, in der Armenischen Republik (Armenische SSR in der früheren UdSSR) verfolgen. Dort kam es 1920, nach gewaltsamer Auflösung der „Unabhängigen Armenischen Republik“ – 1918 gegründet – durch die Rote Armee zu tiefgreifenden wirtschaftlichen Veränderungen, wie Abschaffung der Privatwirtschaft und dafür Einrichtung von Kolchosen und Sowchosen, Intensivierung von Landwirtschaft und Viehzucht, daneben Ausbau der Industrie, dem aber durch den Energiemangel Grenzen gesetzt worden sind.
Einschneidend für das armenische Selbstbewusstsein waren die staatlichen Eingriffe in die Strukturen der Kirche, in der jahrhundertelang die armenische Kultur, das starke Nationalgefühl und der niemals erlöschende Wille zur staatlichen Eigenständigkeit bewahrt worden waren. In den 90er Jahren des 20. Jh. kam es zwischen Armenien und seinem Nachbarn Aserbaidschan zu kriegerischen Auseinandersetzungen um die Exklave Berg-Karabach, die überwiegend von Armeniern besiedelt ist, was wieder viel Leid über die Bevölkerung gebracht hat.
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