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Amharisch
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Auch bekannt unter:
- Amarennja
- Amarinya
- Amhara
- Hamitosemitische Sprachen (europ. Teil)
Die bedeutendste, zum Südzweig der äthiopischen Gruppe der semitischen Sprachfamilie gehörende Sprache innerhalb des hamitosemitischen Sprachstammes. Sie wird als Nationalsprache von den Amharen gesprochen, die die Hauptbevölkerung Äthiopiens bilden, vor allem im Nordwesten und im zentralen Teil des Landes, und ist Staatssprache Äthiopiens. Über 12 Mio. Menschen sprechen sie als Muttersprache, jedoch bedienen sich ihr als Zweitsprache bzw. als Verkehrssprache weit mehr. Das Amharische ist im äthiopischen Reich seit dem 14. Jh. die Sprache des Hofes „lesanä negus = die Sprache des Königs“.
Sie hat sich vom Sabäischen entwickelt und wurde im Laufe der Zeit immer mehr vom Hamitischen beeinflusst, vor allem hat sie sich durch starke Einflüsse der kuschitischen Sprachen auf Lautsystem, Wortschatz und Morphologie immer weiter von ihrem eigentlichen semitischen Sprachtypus entfernt. Die amharische Sprache bedient sich einer eigenen Schrift. Diese ist im Gegensatz zu allen anderen semitischen Schriften rechtsläufig. Vokale werden ausgedrückt, indem an die Konsonanten verschiedene Haken und Kreise gesetzt werden, ähnlich wie es bei den indischen Schriften der Fall ist. Mit der gleichen Schrift werden auch andere Sprachen der äthiopischen Gruppe, so das Tigre und Tigray wiedergegeben.
Die Amharen, Eigenbezeichnung „Amhara“, sind ein hartes, stolzes und listenreiches Volk, das vor Tausenden von Jahren in das Gebiet des heutigen Äthiopiens kam. Sie kamen damals als Kolonisten, beherrschten die lokalen Stämme im gesamten Gebiet und brachten viele Überlieferungen mit, die bis heute erhalten geblieben sind. Nach dem arabischen Namen „Habascha“ verbreitete sich seit dem 16. Jh. durch die Portugiesen die allgemeine Bezeichnung „Abessinier“ für die Bevölkerung, deren Sprache das Amharische ist. Die Christianisierung seit dem 4. Jh. sowie auch die noch frühere Übernahme und Abwandlung der sabäischen Silbenschrift haben wohl den Amharen ein für die afrikanischen Länder ungemein starkes ethnisch-kulturelles Selbstbewusstsein gegeben.
Ackerbau und Viehzucht sind bis in die jüngste Zeit fast ausschließlich Grundlage der Wirtschaft geblieben. Ihnen am nächsten verwandt sind die Tigray. Bis zum Sturz des Kaisers HAILE SELASSIE 1974, der den Anspruch erhob, über 3000 Jahre hinweg in direkter Linie von dem König Salomo und der Königin von Saba abzustammen, und mit der Machtübernahme der Militärs sowie der darauf folgenden Gründung einer sogenannten Demokratischen Volksrepublik war die Gesellschaftsordnung Äthiopiens lange Zeit bestimmt von einem feudalen System von Lehnsherrschaften mit einem teilweise abhängigen Bauerntum.
Landbesitz war der wichtigste Faktor für die gesellschaftliche Stellung eines jeden Menschen. In der jahrhundertelangen Geschichte des äthiopischen Kaiserreiches waren bis zu zwei Drittel des verfügbaren Acker- und Weidelandes in Händen einer Adels- und Priesterelite unter der Lehensobrigkeit des Kaisers. Eigentliche Städte als urbane Zentren hat es in Äthiopien bis weit in das 20. Jh. kaum gegeben. Streusiedlungen und Weiler waren den Hofhaltungen der Großen und den zahlreichen Klöstern angegliedert, bis im Laufe der letzten hundert Jahre allmählich die Konsolidierung in einzelne Dörfer einsetzte und entlang den in der kurzen italienischen Kolonialperiode gebauten Landstraßen dann auch kleine Städte entstanden, deren Wirtschaft nun nicht mehr ausschließlich auf der Landwirtschaft beruhte.
Die Amharen werden als die Nachkommen von südarabischen Eroberern angesehen, die in den letzten Jahrhunderten v. Chr. in den nördlichen Raum ihres heutigen Wohngebietes eindrangen. Dort vermischten sie sich mit den ansässigen Kuschiten, vor allem mit den Proto-Bedja und Proto-Agaw. Ihr eigenes Reich mit der Hauptstadt Aksum in der Nähe von Adua, begründete seine Macht und seinen Wohlstand auf die Vermittlerrolle im afrikanisch-arabischen Handel. Zum Ende des 19. Jh. wurde Addis Abeba die neue Hauptstadt des Reiches. Danach setzte eine neue Expansionswelle ein. Eroberung der südlich angrenzenden Gebiete bis in die Tiefländer des Sudan und der Somalitafel am Osthorn und die damit einhergehende Unterwerfung einer Vielzahl fremder Stämme und Völker weitete das Kaiserreich Äthiopien auf das Fünffache seines ursprünglichen Besitzstandes aus.
In Kämpfen und Verträgen mit den europäischen Kolonialmächten gelang es Kaiser MENELIK II: (1836 bis 1913) die Anerkennung der noch heute zumeist gültigen Grenzen zu erlangen. Mit Ausnahme einer nur kurzen italienischen Besatzungszeit (1935–1941) blieb das von den Amharen dominierte Äthiopien, neben Liberia, das einzige vom Kolonialismus freigebliebene Land Afrikas. Die Amharen sind leidenschaftliche Bauern und stolze Krieger. Ihre Kleidung besteht aus der „Schama“, einer weißen, baumwollenen Toga, unter der die Männer bis über die Knie reichende enge Beinkleider sowie eine Leibbinde tragen. In den Höhenlagen zwischen 1.600 bis 3.400 Metern bauen sie mit Hilfe ihres traditionellen Hakenpfluges Teff an, eine besondere Hirseart mit einem hohen Protein- und Eisengehalt, aber auch anderes Getreide wie Weizen und Gerste sowie verschiedene Hülsenfrüchte.
Zu ihrer grundsätzlich feudalähnlich geprägten Gesellschaftsordnung gehörten staatliche und kirchliche Würdenträger, aber auch Berufsgruppen, die von fremden oder unterworfenen Ethnien gestellt wurden. Die Ehe betrachten die Amharen als einen Weg, ihre soziale Ordnung zu stärken. Man schafft Bindungen zwischen Familien, indem man Jungen mit 18 oder älter und Mädchen mit 12 Jahren miteinander verheiratet. Um die Rechte der Frau sicherzustellen, werden die Ehen gewöhnlich von einem Austausch von Vieh oder anderen Gütern zwischen den Familien begleitet. Beerdigungen werden weit reichhaltiger als Hochzeiten oder Taufen ausgestattet. Dem Tod folgt eine lange Periode der Trauer. Nahe Verwandte tragen dabei Schwarz und rasieren sich das Kopfhaar.
Der Trauerperiode folgen meist eine Erinnerungsfeier und weitere Feste, bei denen die Familien und verschiedenen Verwandtschaftsgruppen zusammenkommen. Oftmals hat es den Anschein, als bringen manche ihr gesamtes erwachsenes Leben in der Trauer für den einen oder anderen Verwandten zu. Somit drückt man eine gewisse Gruppenzugehörigkeit aus und diese hat auch im Laufe der Geschichte die Amharen zusammengehalten. Zu Spannungen zwischen den Amharen und anderen Völkern des Landes trug vor allem die Ansiedlung von Militärveteranen in den eroberten Gebieten bei.
Unter Kaiser HAILE SELASSIE versuchten die Amharen mit Hilfe europäischer Berater Anschluss an die moderne westliche Zivilisation zu erlangen. Diese Bestrebungen wurden nach der Rückkehr HAILE SELASSIES aus dem Exil verstärkt. Aus militärisch-strategischen Gründen engagierten sich nach dem Zweiten Weltkrieg die Amerikaner, bis sie nach der Machtübernahme eines „Provisorischen Militärrates“ das Land im Jahre 1974 zugunsten einer sozialistischen Militärregierung unter der Führung von MENGISTU HAILE MARIAM verlassen mussten. Nachdem sich in verschiedenen Provinzen des Landes sowohl konservativ-feudale, demokratische als auch ethnisch-nationalistische Orientierungen gegen das marxistisch-leninistische System erhoben, versuchte das Regime die umkämpften Gebiete auszuhungern.
Mit der Hilfe sowjetisch-kubanischer Präsenz und deren Waffenlieferungen konnte die kommunistische Regierung die Aufstandsbewegungen Eritreas und im Ogaden 1978 entscheidend schlagen. Erst 1987 ging in Äthiopien die Militärherrschaft in ein ziviles Regierungssystem über, das zunächst ebenfalls von MENGISTU HAILE MARIAM geleitet wurde. Die neue Regierung, die 1991 gewählt wurde, erkannte 1993 die Selbständigkeit Eritreas nach langen und erbitterten Kämpfen an und Äthiopien wurde 1994 eine föderale Republik.
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