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Aborigines
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In der Völkerkunde wird die Bezeichnung „Australier“ mit sehr eingeschränkter Bedeutung gebraucht. Geläufiger ist die Verwendung des Begriffes „Aborigines“. Dieser Name leitet sich her von „Aboriginer“ (lat. „Ureinwohner“), welches die Urbewohner der Landschaft Latium im alten Italien waren. Unter dem Terminus „Aborigines“ versteht man die Ureinwohner des australischen Kontinents, deren Sprachen zu sehr vielen unterschiedlichen und noch bis heute kaum erforschten Sprachfamilien zählen, die gemeinsam unter dem Begriff „Australisch-tasmanische Sprachen“ zusammengefasst werden.
Sie leben seit mindestens 30.000 Jahren auf diesem Kontinent und zu Beginn der Kolonisation durch die Europäer, seit dem Jahr 1788, bevölkerten mehr als 300.000 Menschen das Land. Sie bildeten rund 500 verschiedene Stämme mit etwa 260 unterschiedlichen Sprachen, die untereinander nicht verstanden wurden. Mehr als 50 dieser Sprachen sind seitdem bereits endgültig ausgestorben und nur ca. 50 werden heute noch von größeren Sprachgemeinschaften innerhalb ethnischer Gruppen gesprochen. Heute leben fast nur noch die Hälfte der Aborigines, wovon etwa zwei Drittel Mischlinge sind.
Obwohl viele ihrer Sprachen bereits ausgestorben sind, ist die Vielfältigkeit an Sprachen in Bezug auf die relativ wenigen Sprecher der einzelnen Sprachen jedoch relativ hoch. Die vielen Stämme unterschieden sich aber nicht nur in ihrer Sprache, auch ihre Kulturen waren keineswegs so einheitlich, wie immer angenommen wurde. So vielfältig wie die Umwelt des australischen Kontinents ist, so unterschiedlich waren auch die dort ansässigen Kulturen.
Die Nord- und Ostküste erhält reichlich Niederschläge, entsprechend üppig ist auch die Vegetation. Es gibt dort sogar ausgesprochene Regenwaldgebiete. Der fruchtbare Boden bietet genügend Ressourcen, so dass auch auf kleinem Raum viele Menschen ihr Auskommen finden können. Dadurch sind regionale Ortsveränderungen sehr selten und entsprechend stabil – auch durch das Klima bedingt – sind die Behausungen. Die weniger notwendige Mobilität schafft engere Beziehungen in den Gruppen. Ganz anders ist es dagegen in Gebieten mit ungünstigen Umweltbedingungen.
In solchen Regionen können nur wenige Menschen überleben, die sich dann dort auf einen relativ großen Raum verbreiten. In Zahlen lässt sich diese unterschiedliche Dichte der Bevölkerung je nach ihrer ökologischen Umgebung so ausdrücken; während in den fruchtbaren Küstenregionen und Flussgebieten 3 bis 13 km² pro Person ausreichen, um ausreichende Ernährung sicherzustellen, sind es in den trockenen, ariden Gebieten Inneraustraliens, wo es z.T. weniger als 25 cm Regen in einem Jahr gibt, mehr als 50 km² pro Person. In diesen Regionen wanderten kleine Gruppen Aborigines in zeitlich kurzen Abständen von Wasserstelle zu Wasserstelle und wechselten ihren Lagerplatz durch ein riesiges Gebiet auf ihrer täglichen Suche nach Nahrung.
Oftmals wurde nur ein einfacher Windschirm als Unterkunft errichtet, und bei einmaligem Übernachten an einem Ort entfiel sogar dieser. Vorgeschichtliche und anthropologische Befunde weisen darauf hin, dass die Aborigines vor ca. 30.000 Jahren aus Asien in den Kontinent eingewandert sind. Die frühesten Einwanderer waren die Vorfahren der Tasmanier, deren letzte Vertreter um die Mitte des vorigen Jahrhunderts von weißen Kolonisten ausgerottet worden sind. Die Tasmanier wurden von den ihnen nachfolgenden Aborigines (anthropol. „Australide“ genannt) absorbiert bzw. auf die SO-Australien vorgelagerte Insel Tasmanien abgedrängt. Für das physische Erscheinungsbild der Aborigines ist ein relativ hoher, schlanker Körperwuchs charakteristisch, dunkle Haut- und Augenfarbe, lockiges schwarzes Haar, tiefliegende Augen, eine breite Nase und eine schmale, längliche Kopfform.
Die Aborigines besaßen bei der Ankunft der Europäer eine Kultur, die trotz vieler lokaler Sonderentwicklungen auch Ähnlichkeiten hatte. Sie stellte das Ergebnis eines Jahrtausende währenden Anpassungsprozesses an die Bedingungen des geographischen Raumes dar. Die Wirtschafts- und Lebensform der Aborigines wie auch die materielle Ausstattung ihrer Kultur wurden weitgehend durch die Armut ihrer Umwelt geprägt. Wüsten, Steppen und Savannen bedecken den größten Teil des Kontinents. Die Aborigines waren nicht sesshaft und kannten nicht die produktive Bearbeitung des Bodens. Ihre traditionelle Wirtschaftsform war das Wildbeutertum. Ihre Nahrung gewannen sie durch das Sammeln von Wildpflanzen, Jagd und Fischfang. Der Fischfang wurde lediglich an den Küsten intensiv betrieben. Die Jagd war in den klimatisch besser begünstigten Gebieten des Nordens und Südostens von Bedeutung, wo ausreichende Vegetation vorherrschte.
Die Jagd, vor allem auf Känguru, Emu und Opossum, wurde nur von den Männern betrieben. Während Fischfang und Jagd nur eine Zusatznahrung lieferten, so beruhten die eigentlichen Grundlagen der Ernährung auf den Erträgen des Sammelns. Es waren vor allem die Frauen, die ausgerüstet mit Grabstock (zum Aufwühlen des Bodens) und Tragetaschen pflanzliche Produkte, wie Wurzeln, Beeren, Knollen, Früchte, Blätter und Samen, als auch kleines Getier, wie Würmer und Larven sammelten sowie Eidechsen und Ratten fingen. Der materielle Besitz der Aborigines war einfach und bedingt durch die nomadisierende Lebensweise auf das Notwendigste beschränkt. Zahlreiches und schweres Gepäck hätte sie nur in ihrer Bewegung behindert.
Lasttiere waren unbekannt. Die einzelnen Geräte mussten leicht transportabel sein und vereinigten in der Regel mehrere Funktionen auf sich. An erster Stelle wäre da die Speerschleuder zu nennen, die als das bedeutsamste Mehrfachwerkzeug überhaupt galt. Zunächst diente sie als Schleuder. Das Prinzip beruht auf einer künstlichen Verlängerung des menschlichen Arms, wodurch eine größere Hebelwirkung erreicht wird. Dadurch erhöhen sich Treffweite bzw. Durchschlagskraft des Geschosses sowie auch die Treffsicherheit. Mit dieser Speerschleuder kann ein Speer 3- bis 4mal weiter treffsicher geschleudert werden, also etwa 65–80 Meter, als unter normalen Umständen. Außer als diese Speerwurfhilfe konnte die zentralaustralische Speerschleuder aber z.B. auch als Schneidegerät verwendet werden. Dazu war vorn im Griff ein Steinmesser angebracht.
Drittens diente ihr konkaver, schalenartiger Hohlkörper als Gefäß oder als Schaufel, viertens konnte man sie noch als Feuersäge verwenden. Eine Feuersäge ist im Allgemeinen ein hartes Stück Holz, das schnell über einem weichen Holz, z.B. einem Schild aus dem balsaähnlichen Holz des Bohnenbaums mit einer quer verlaufenden Kerbe hin und her gezogen wird, bis ein in der Kerbe liegendes trockenes Material nach ungefähr 10–15 Sekunden durch die Reibungswärme entzündet wird. Das berühmteste Gerät der Aborigines überhaupt war aber der Bumerang. So bekannt der Bumerang auf der Welt heute auch ist, so häufig sind trotzdem die Missverständnisse und Fehlinformationen über diese Waffe.
Ein Bumerang ist eine spezielle Form des Wurfholzes und kehrt nicht, wie oft behauptet wird, zum Werfer zurück. In diesem Sinne wird das Wort in Australien gebraucht. Bumerangs, die zurückkehren, sind lediglich eine Sonderform und fast ausschließlich ein Spielzeug. Die Ansicht, dies sei eine Waffe und kehre, sollte sie ihr Ziel verfehlen, zum Werfer zurück, ist falsch. Dazu ist die Treffsicherheit des auf besondere Weise gebauten Rückkehrbumerangs viel zu gering. Bumerangs fliegen schnell um ihre Achse rotierend, und ihre Flugbahn behält die beim Loslassen einmal gegebene Richtung bei, wodurch dem Wurf ein hoher Grad an Treffsicherheit zukommt. Aborigines konnten damit größere Tiere, wie Kängurus oder Emus auf eine Entfernung bis zu 50 Metern zur Strecke bringen.
Dabei spielte das Gewicht des Bumerangs eine entscheidende Rolle. Mit Waffen von 300–400 Gramm, die bis 150 Meter weit flogen, konnte man die besten Ergebnisse erzielen. Die Kenntnis der Metallverarbeitung und der Töpferei fehlte allen Stämmen der Aborigines. Lediglich Stein, Holz, Knochen und auch Muscheln lieferten Rohmaterial für Waffen, Werkzeuge und Geräte. Schilf und Gräser wurden zu Flechtwerk verarbeitet. Kleidung wurde in voreuropäischer Zeit nicht getragen. Beide Geschlechter schmückten sich mit Hüftgürteln aus Menschen- oder Opossumhaar. Lediglich im Süden verwendete man bei Kälte Umhänge, die aus Kängurufellen bestanden. Als Unterkunft dienten ihnen einfache Schutzdächer bzw. Windschirme aus Buschwerk. Die Spärlichkeit der Nahrungsgrundlage erlaubte den Aborigines oftmals nicht, in größeren Sozialverbänden zusammenzuleben.
Die wichtigste wirtschaftliche und politische Einheit war immer die Lokalgruppe (Horde), ein Verband patrilinearer Verwandter mit angeheirateten Frauen, die aufgrund des in der Gruppe vorherrschenden Exogamiegebotes immer aus anderen Lokalgruppen entstammten. Ein Häuptlingstum hatte sich hier niemals herausgebildet. Meist waren es alte Männer, denen die besondere Aufgabe zukam, über die strengen Gesetze der bestehenden Sozialordnung zu wachen. Diese Männer waren jedoch keine politischen Führer. Sie wurden respektiert, weil sie das größte Wissen über religiöse Rituale, Mythen und Wasserplätze hatten und darüber hinaus auch über diplomatische Beziehungen zu Nachbargruppen verfügten.
Wildwechsel sowie Reifezeit der Nahrungspflanzen bestimmten seit jeher die Wanderzüge der einzelnen Lokalgruppen, die aufgrund mythischer Überlieferungen an ein bestimmtes Territorium gebunden waren. Das bedeutet, jede Lokalgruppe war die Eigentümerin eines bestimmten Gebietes, auf dem ihre heiligen Kultstätten lagen. Mehrere solcher Lokalgruppen bildeten einen „Stamm“, der weder in wirtschaftlicher noch in politischer Hinsicht jemals in Erscheinung trat, sondern lediglich eine sprachliche Einheit darstellte. Die Aborigines hatten eine sehr ausgeprägte, hoch entwickelte Sozialstruktur, die ihrer unsteten Lebensweise und der schon fast primitiv anmutenden materiellen Kultur auffallend entgegenstand.
Die Verwandtschaftszurechnung und Heiratsordnung waren außerordentlich kompliziert und der Totemismus prägte das gesellschaftliche Leben. Jeder Mensch stand in einer engen mystischen Beziehung zu einem Totem, das eine Pflanze oder ein Tier sein konnte. Menschen mit gleicher Totemzugehörigkeit bildeten einen Klan, einen Sozialverband von übergeordneter Bedeutung. Klanmitglieder pflegten eine gemeinsame mythische Tradition und galten sogar als miteinander verwandt. Sie mussten ihre Heiratspartner aus anderen Klanen wählen. Die Religion der Aborigines zeichnete sich durch eine reiche Mythenvielfalt aus. Sie waren Jäger und Sammler, die auf der Suche nach Nahrung und im Nachvollzug der Taten ihrer Vorfahren als Nomaden wieder und wieder das Land durchstreiften. So einfach und zweckmäßig ihre materielle Ausrüstung auch war, so kompliziert und vielfältig war aber ihre Vorstellung von der Welt und ihrer Entstehung. Ihre Mythen erzählen davon.
Es sind die Berichte von den langen Wanderungen der Vorfahren und den grandiosen Taten auf all ihren Wegen. Die Vorfahren, die Aranda, ein in Zentralaustralien lebender Stamm, nannten sie „altjirangamitjina“ und sie waren mächtige Schöpfergestalten. Die Wanderungen der Vorfahren muss man sich sehr konkret vorstellen. Ihre Wege waren immer und sind vielfach heute noch nachvollziehbar. Während ihrer Wanderungen erschufen sie die Natur in all ihren Ausformungen. So zeugen Berge, Felsen, Flüsse, Bäume und alles in der Natur vorhandene von den Taten ihrer Vorfahren. Die Orte an denen sie sich aufhielten, um Schöpfungen zu vollbringen, waren in der jeweiligen natürlichen Umgebung wirklich existent und durch die ehemalige Anwesenheit der Vorfahren auch sakral. Die Vorfahren begegneten sich, kämpften miteinander, flohen, begingen gemeinsam Zeremonien.
Vielfach kreuzten sich ihre Wege. Das ganze Land ist überzogen von solch sakralen Wegen und den sakralen Orten ihres Wirkens. So entstand über die Mythen ein regelrechtes Netz aus Wanderwegen der Vorfahren, vergleichbar eventuell mit einem Straßennetz. Über dieses Netz waren dann die verschiedensten und oft sehr weit voneinander entfernt lebenden Gruppen miteinander verbunden, und immer, wenn die Zeiten gut und fruchtbar waren, trafen sie sich anlässlich großer, meist Wochen dauernden Ritualfeste an einem Ort, der in der Regel als besonders wichtiges Zentrum der Schöpfung galt. Die Lehre von der Entstehung der Welt gab den Aborigines das Gefühl ihrer Einheit mit der Natur.
Sie waren und fühlten sich daher auch als ein Teil dieser und nicht als Beherrscher und Ausbeuter derselben. So standen bei ihnen Mythen, Rituale, Lieder, Malereien und Skulpturen – alle Äußerungen, die wir nach unserem Verständnis als Kunst bezeichnen würden – in einem alltäglichen Zusammenhang ihres Lebens und waren Ausdruck dieser Einheit von Natur und Religion, die noch heute Denken und Handeln der Aborigines bestimmt. Die mythischen Orte waren nie nur geographische Orte, sie waren einmalig und außergewöhnlich durch ihre bedeutungsvolle Beziehung zu ihren Vorfahren. Hierin hat die Verbindung der Aborigines mit ihrem Land ihre religiösen Wurzeln. Wenn sie heute gegen die Zerstörung ihrer Natur durch neue Siedlungen und Straßen, durch Industrieanlagen oder Uranbergbau kämpfen, ist dies der Ausdruck ihrer Sorge um die Schöpfung ihrer Vorfahren.
In der Konfrontation mit Europa haben die Aborigines ein den Indianern in den USA vergleichbares Schicksal erfahren müssen. Auf ihrem so lange Zeit in Frieden gelassenen Kontinent haben sie seit Eindringen der Europäer viel durchgemacht. Die ersten europäischen Siedler ließen sich im Jahre 1788 in Australien nieder. Der Kontinent war zunächst von Großbritannien als Strafkolonie ausgewählt worden. Doch bereits nach der Jahrhundertwende kamen die Europäer – z.T. von Goldfunden angelockt – in Scharen ins Land. Schnell waren sie den Ureinwohnern zahlenmäßig überlegen.
Die Besetzung des Landes wurde rigoros vorangetrieben. Man drang in die Territorien der verschiedenen Stämme ein, legte Straßen an, vertrieb die Lokalgruppen von ihren Kultplätzen und machte hemmungslose Jagd auf sie. Ziel war die Errichtung von Viehstationen. Kontinuierlich wurde das Weideland auf Kosten der Aborigines ausgedehnt. Zum Schutz der Weidetiere schoss man Wildtiere nieder und raubte somit den Ureinwohnern ihre Existenzgrundlage. Setzten diese sich daraufhin zur Wehr, wurden sie vertrieben oder umgebracht. Vor allem im mittleren Westen und im Süden des Kontinents wurde ihre Ausrottung systematisch betrieben und die wenigen erhalten gebliebenen Restgruppen wurden in entlegene Wüstenregionen abgedrängt.
Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts konnten sich die Verwaltungen des Landes zu einer Schutzpolitik zur Einrichtung von Stationen und Reservaten für ihre Urbevölkerung entschließen. Der Tenor jener Politik war eher der, dass man den Ureinwohnern in Schutzgebieten ein sanfteres Aussterben ermöglichen wollte. In den dreißiger Jahren wurden die Aborigines sozusagen als „Forschungsprojekt“ der Völkerkunde entdeckt. Das Interesse der breiteren Öffentlichkeit wurde damit auf ihr Schicksal gelenkt. Doch Rassismus und Diskrimination sind bis heute noch immer weit verbreitet. Die Aborigines leben heute in einer bikulturellen Welt. Ihrer traditionellen Kultur entwurzelt, sind sie Fremde im eigenen Land. Ihr Anteil an der Bevölkerung liegt unter einem Prozent.
Obwohl der fünfte Erdteil zu den reichsten Ländern auf der Welt zählt, sind seine Ureinwohner die Ärmsten der Armen. Es fehlen vor allem die notwendigsten Dinge – Gesundheit, Nahrung, Wohnungen sowie Ausbildung – Faktoren, die für das reine Überleben erforderlich sind. 1961 lebten in den Reservaten des Nordwestens und in den ariden Zonen des westlichen Zentral-Australiens ca. 2.000 Aborigines, die ihr Leben als halbnomadische Wildbeuter führten. Doch auch bei diesen Menschen ist die traditionelle Kultur in Auflösung begriffen. Australien ist auf der Welt das einzige englischsprachige Land, das seiner Urbevölkerung ihre Eigentumsrechte an Grund und Boden verwehrte.
Reservatland gehört der Krone und kann somit ohne Befragung der Bewohner an Viehzüchter und Bergwerkkonzerne verpachtet werden. Alle Reservate stehen unter weißer Leitung. Keinem Aboriginer ist es gestattet, sich dort ohne Erlaubnis aufzuhalten, selbst wenn das Reservat auf traditionellem Stammesgebiet liegt. Die Landesregierungen von Queensland und West-Australien räumen seit 1957 Bergbauunternehmen die Schürfrechte in den Schutzgebieten ein. Lediglich zwei Bundesstaaten, Süd- Australien und Victoria, haben den Ureinwohnern körperschaftliche Rechte an Reservatland bisher zugestanden. Seit Ende der 1960er Jahre besitzen die Aborigines theoretisch alle Bürgerrechte und gewisse Landrechte, die sie jedoch in der Praxis nicht vermögen durchzusetzen.
Die Mehrheit der Aborigines lebt heute als Viehtreiber und Hilfsarbeiter auf zahlreichen Farmen, Missions- und Regierungsstationen der Weißen. In der Regel erhalten sie nur etwa ein Fünftel der Löhne ihrer weißen Kollegen. Bis zum Zweiten Weltkrieg waren Kinder der Aborigines vom staatlichen Schulsystem ausgeschlossen. Ihre Ausbildung ist bis in die heutige Zeit mangelhaft. Die Säuglingssterblichkeit ist fünfmal so hoch wie bei den Weißen. Etwa ein Viertel der Kinder sind unterernährt. Krankheiten, die unter der weißen Bevölkerung seit fünfzig Jahren nicht mehr aufgetreten sind, grassieren unter den Farbigen nach wie vor.
Die Ureinwohner Australiens sind Entwurzelte ohne Zukunftshoffnung. In der Welt der Weißen werden sie oftmals nur als ein „folkloristisches Fossil“ betrachtet. Der Einfluss ihrer Kultur reduziert sich lediglich auf bunte Postkarten- und Briefmarkenmotive und ist an Straßen- und Städtenamen erkennbar. Weder Regierung noch Mission haben den Urbewohnern ihres Kontinents bis heute Ersatz bieten können für das, was sie ihnen genommen haben.
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