Fremdsprachliche Früherziehung – sinnvoll oder nicht?
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- Ein Fachautorenbeitrag zum Thema Kinder und Fremdsprachen lernen von Susanne Böddicker – 1st Schoolhouse (Sprach)schule für Kinder und Erwachsene -
Der Trend zum frühen Fremdsprachenlernen ab ca. 3 Jahren ist seit Jahren ungebrochen. Zweisprachige Kindergärten können sich vor Anmeldungen kaum retten, Kindersprachschulen boomen. Die Diskussion, ob solche Kinderkurse sinnvoll sind oder nur den Ehrgeiz der Eltern bedienen, wird in den Medien und Familien häufig geführt. Die wenigsten wissen aber wie so ein Unterricht aussieht. Hier einige Informationen dazu und Antworten auf die häufigsten Fragen zum Thema. Die meisten Angebote gibt es im Bereich Englisch. Deshalb wird hier auf diese Sprache Bezug genommen.

Was genau ist Kinderunterricht und mit welchen Methoden wird dort gearbeitet?
Die Methodik: Immersion und TPR
In den meisten Kursen wird mit der Immersionsmethode gearbeitet. Diese Methode gilt als weltweit erfolgreichstes Sprachlehrverfahren im Elementar- und Primarbereich und hat mit dem üblichen Sprachunterricht nicht viel gemein. Immersion heißt übersetzt Sprachbad und basiert auf der zu erlernenden Sprache als Umgangs- und Arbeitssprache. Dabei ist es unwichtig, dass die Kinder diese Sprache am Anfang natürlich nicht verstehen. Die neue Sprache wird durch Zeigen, Gestik und Bilder vermittelt und in konkreten Zusammenhängen angewendet (TPR: Total Physical Responce). Die Begriffe erschließen sich von selbst aus der Situation, in der sie benutzt werden. Das ist für die Kinder keine neue Aufgabe, das Erschließen sprachlicher Strukturen müssen sie auch täglich in ihrer Erstsprache leisten. Vokabeln und Regeln werden nicht zum Thema gemacht, da die Sprache selbst nicht Gegenstand des Unterrichts ist. Die Kinder lernen unbewusst, ohne Überforderung und damit kindgerecht. So haben sie auch ihre Muttersprache erlernt. Wie dort entwickeln die Kinder zuerst das Hörverständnis, nach einiger Zeit (der „Silent Period“) fangen sie dann an zu sprechen.
Wie viele Sprachen kann ein Kind lernen?
„Die müssen doch erst mal richtig Deutsch lernen.“ Diese Aussage wird häufig als Argument gegen z.B. Englisch im Kindergarten auch für Kinder aus Migrantenfamilien verwendet. Natürlich ist es wichtig, dass diese Kinder die Sprache des Landes, in dem sie aufwachsen und zur Schule gehen werden, erlernen. Eine weitere Sprache stört diesen Lernprozess jedoch in keiner Weise, sie wirkt sich sogar positiv aus: Sie fördert das Verständnis für die Strukturen von Sprache allgemein und kommt so allen Sprachen zu Gute. Zudem wird die gesamte kognitive Entwicklung durch Mehrsprachigkeit gefördert. Die zweisprachigen Kinder fassen die neue Sprache meist viel schneller als die rein deutschsprachig aufwachsenden.
Generell lässt sich sagen, das weitere Sprachen erlernt werden können, wenn die Muttersprache altersgerecht beherrscht wird. Die Entwicklung in der ersten Sprache muss also nicht abgeschlossen sein. Im Gegenteil: die intensive Phase des Sprachenlernens endet, wenn ein Kind seine Muttersprache perfekt beherrscht. Deshalb ist es sinnvoll, dieses frühe Zeitfenster für den Erwerb von weiteren Sprachen zu nutzen. Es ist mittlerweile durch zahlreiche Studien belegt, das eine Zweitsprache die Entwicklung der Muttersprache nicht behindert.
Mehrsprachigkeit ist in den meisten Ländern Normalität. Nur etwa ein Drittel der Menschheit wächst einsprachig auf, darunter auch die meisten Kinder bei uns in Europa. Vielleicht ist deshalb hier das Vorurteil weit verbreitet, dass Zwei- oder Mehrsprachigkeit etwas Besonderes und nur schwer zu bewerkstelligen sei. Wichtig ist für zwei- und mehrsprachige Kinder ist, bei der Sprachenverteilung das Prinzip eine Person – eine Sprache eingehalten wird. Außerdem sollte sich die Familie zu Hause für eine einheitliche Familiensprache entscheiden. So können sich beide Sprachen gut entwickeln, ohne das es zu Vermischungen und Sprachdefiziten kommt.
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Häufige Fragen / FAQ (frequently asked questions)
Basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und eigenen Erfahrungen habe ich hier die Antworten auf die häufigsten Fragen zum „Kinderenglisch“ zusammengestellt.
Warum sollten schon Kinder ab drei Jahren eine Fremdsprache lernen?
Kinder erlernen eine neue Sprache noch intuitiv und unbewusst, genau wie die Muttersprache. Die Sprachwissenschaft geht davon aus, dass die Zeit zwischen dem 3. und 7. Lebensjahr dafür ideal ist. In dieser sensiblen Phase erlernen Kinder bestimmte Fähigkeiten besonders schnell. Die Kinder lernen leichter, bekommen eine bessere Aussprache und erfassen die Grammatik gefühlsmäßig. Die neuen Wörter werden nicht als Fremdsprache empfunden, denn Kleinkinder speichern jede neue Sprache in derselben Hirnregion wie ihre Muttersprache. Auf diese Weise erlernte Sprachen sind viel tiefer verankert als später mit Hilfe des Denkens erlernte Sprachen. Das gedankliche Ableiten von der Muttersprache, das „Übersetzen im Kopf“ – was jeder ältere Sprachschüler kennt – ist für Kinder überflüssig. Eine zweite oder dritte Sprache fördert durch die zusätzliche Gehirnstimulation außerdem die gesamte geistige und emotionale Entwicklung der Kinder. In der Schule eine weitere Fremdsprache zu erlernen, fällt den Kinder später leichter.
Sind die Kinder mit frühem Fremdsprachenlernen nicht überfordert?
Wenn nach dem weltweit erfolgreichsten Sprachlehrverfahren für Kinder, der wissenschaftlich anerkannten Immersionsmethode (Sprachbad) gearbeitet wird, dann nicht. Durch dieses erprobte, kindgerechte Unterrichtskonzept ist eine Überforderung ausgeschlossen. Die Kinder tauchen mit allen Sinnen in die neue Sprache ein. Es wird gespielt, gesungen, gemalt und gebastelt und dadurch alle Sinne angesprochen. Die Kinder erlernen die neue Sprache – wie ihre Muttersprache – durch erleben. Sie hören, beobachten, imitieren und speichern das neue Wort dann als Bestandteil ihres Sprachvermögens ab. Über Vokabeln oder Grammatik müssen sich die Kinder bei dieser Methode (wie bei der Muttersprache) keine Gedanken machen. Das Sprachenlernen wird nicht thematisiert und die Kinder beim Ausprobieren nicht offen korrigiert. Sie spielen „in English“, ohne die Lernsituation wahrzunehmen und lernen so mühelos ohne Druck und Überforderung.
Wie viel Englisch lernen die Kinder?
Das ist vor allem von der Dauer des Sprachunterrichts abhängig. Der Lerneffekt bei einer Unterrichtstunde pro Woche ist selbstverständlich nicht mit dem, in einem der noch seltenen zweisprachigen Kindergärten zu vergleichen. Die meisten Kinder sind 1-2 Jahre in den Kursen. Sie sprechen danach natürlich nicht perfekt Englisch, sie haben aber einen grundlegenden aktiven und passiven Wortschatz erworben, eine gute Aussprache sowie ein natürliches Sprachgefühl im Englischen entwickelt. Sie können einfache englische Fragen stellen und beantworten und einfache Sätze bilden.
Es dauert einige Zeit (sog. Silent Period) bis die Kinder zu sprechen anfangen, denn zunächst wird nur das Hörverständnis entwickelt. Das ist bei jeder Sprache die Voraussetzung fürs Sprechen, alle Eltern kennen das auch aus der Muttersprache. Dort gibt es eine Phase, in der die Kinder zwar schon verstehen, aber noch nicht reden. Das ist beim Englischen genauso.
Sollte ein Kind eine Fremdsprache erlernen, auch wenn es seine Muttersprache noch nicht gut spricht?
Ja, das ist sinnvoll, denn Kinder können problemlos mehrere Sprachen gleichzeitig erlernen, Die Sprachentwicklung in der Muttersprache wird durch eine weitere Sprache nicht behindert. Eine zusätzliche Sprache wirkt sich sogar positiv aus: Sie fördert das Verständnis für die Strukturen von Sprache allgemein und kommt so allen Sprachen zu Gute. Außerdem endet die intensive Phase des Sprachenlernens, wenn das Kind seine Muttersprache beherrscht. Deshalb ist es sinnvoll gerade dieses Zeitfenster zu nutzen, um eine oder mehrere neue Sprachen zu lernen.
Ist es für Kinder mit weniger Deutschkenntnissen (z.B. aus Migrantenfamilien), sinnvoll eine dritte Sprache zu lernen?
Hier gilt das Gleiche wie bei der vorherigen Frage: Eine zusätzliche Sprache wirkt sich positiv auf die gesamte Sprachentwicklung aus. Darüber hinaus hat die Teilnahme an solchen Kursen im Kindergarten auch einen integrativen Effekt. Hier haben alle den gleichen Wissensstand, fangen bei Null an. Das gemeinsame Lernen einer fremden Sprache schafft ein natürliches Zusammengehörigkeitsgefühl. Die Kinder aus deutschsprachigen Familien können dann auch besser nachempfinden, was es heißt, eine Sprache nicht, oder nicht so gut, zu verstehen.
Müssen die Eltern zu Hause mit den Kindern üben?
Nein, das ist nicht erforderlich. Die Kinder lernen die Sprache durch das intuitive Erfassen der Dinge aus dem Zusammenhang. Sie ordnen darüber hinaus einer Person eine bestimmte Sprache zu: Ihr Englisch Lehrer gehört zur Englischen Sprache, die Eltern eher nicht. Das Prinzip “Eine Person – eine Sprache” hat sich bewährt. Eine situationsabhängige Sprachtrennung durch besondere englische Spiel- oder Singstunden mit den Eltern ist aber auch denkbar.
Sollten die Eltern selbst Englisch sprechen können?
Nein, da die Eltern mit den Kindern nichts nacharbeiten oder üben müssen, ist das nicht notwendig.
Langweilen sich die Kinder später in der Schule nicht?
Der Englisch Unterricht beginnt z.B. in NRW im zweiten Halbjahr der 1. Klasse. Er folgt einer ähnlichen Methodik wie der frühe Kinderunterricht. Hier geht es aber auch um Lesen, Schreiben und die Basis der Grammatik, so dass die Kinder vor neuen Herausforderungen stehen. Die Schulkinder, die vorher Kinderkurse besucht haben, sind in Englisch durch ihren Wissensvorsprung besonders gut.
Dieses Erfolgserlebnis ist wichtig, denn die Umstellung auf die Schule ist für die meisten Kinder eine schwierige Zeit. Der sogenannte „Ernst des Lebens“ beginnt. Der Schulalltag ist strukturierter, es müssen Hausaufgaben gemacht werden, die Freizeit wird weniger, sie müssen sich auf die neuen Mitschüler und die Lehrer einstellen. Wenn die Kinder in dieser Situation in einem Fach schon Vorkenntnisse haben, wirkt sich das sehr positiv auf das Selbstbewusstsein und die Freude am Lernen und an der Schule aus.
Kontakt
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(Sprach)Schule für Kinder und Erwachsene
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Web: www.1st-schoolhouse.de