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Beauty and Beast: Anmerkungen zum Dublin English – von Robert Hrdina

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Beauty and Beast: Anmerkungen zum Dublin English – von Robert Hrdina

08.03.2010 10:33 Langwhich.com

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Seit 1985 habe ich viele Urlaube in Irland verbracht, wobei mich meine Wege seit einem einjährigen Studienaufenthalt am Trinity College (1994-95) immer wieder nach Dublin führen.

 

Englisch-lernen-in-Irland

 

Damals entschied ich mich ganz bewusst dafür, eine kleine Wohnung im Glasscherbenviertel zu beziehen, um das ungeschminkte Dublin kennenzulernen. Noch heute habe ich zahlreiche Kontakte zu Familien in vermeintlich sozialen Brennpunkten wie Oliver Bond Flats, Meath Street, Thomas Street und St. Teresa’s Gardens, Teil der sogenannten Inner City. Die dortige Sprache ist lebendig, poetisch, innovativ, melodiös, aber auch unverblümt direkt, manchmal schöpft sie ihre Vielfalt auch aus dem Irischen, obwohl keiner meiner Freunde und Bekannten die keltische Ursprache der grünen Insel wirklich beherrscht. Tatsächlich beklagen viele Iren, dass sie ‚ihre’ Sprache unter Zwang pauken mussten: It was battered into us, the Irish. Ein 65-jähriger Mann schimpfte gar am letzten Sylvesterabend vor dem Glimmer Man Pub an der Manor Street: That school mistress, she beat me for not picking up the Irish. She’s rottin’ now. Dieser eher harten Variante steht eine amüsante Aussage eines Mittvierzigers aus Stoneybatter gegenüber: Irish? Ye must be jokin’. I can hardly do English! …

Im Folgenden möchte ich einen kleinen persönlichen Überblick über Besonderheiten des Dublin English geben, typische Begriffe aufzählen und ein paar Anekdoten einflechten. Diese Varietät des Englischen hat so erfrischend wenig mit dem Schulenglisch, wie es hierzulande gelehrt wird, zu tun, dennoch kann man sich relativ schnell einhören im Gegensatz zu vielen Stadtdialekten im United Kingdom. Generationen bekannter Irish Folk Musiker haben ihren Teil dazu beigetragen, und wer den Schauspieler Colin Farrell einmal so reden hört, wie er es in seiner Heimatstadt gelernt hat, der weiß um den Charme des Dublin English. Seine Kinohits „Brügge sehen und sterben (In Bruges)“ und „Intermission“ (gedreht in Dublin) dienen als gute Beispiele: Come on, youse humpy cunts, yiz! (aus „Intermission“)

 

Robert-Hrdina-Personal-English-Coach

 

Beginnen wir mit den Rubriken Death & Drink. Mit folgenden Worten hat man mir das traurige Ableben von Mrs Coleman mitgeteilt: She took sick and died. Über einen irischen Comedian war zu hören: He was on the high stool. Er war also bereits vom Tode gezeichnet, bzw. schwerkrank, bevor er schließlich starb. Und über einen alten Bekannten, der vor ein paar Monaten freundlich winkend am Museum Rest Pub vorbei Richtung Thomas Street spazierte, wo er an einem Herzanfall verstarb, sagte Dave, der Barmann: That was the last we seen of him. Schließlich gibt es noch diesen aufschlussreichen Witz: What’s the difference between an Irish wedding and a funeral? One drunk less. Ohne Worte.

 

Irisch-lernen-in-IrlandIrisch-lernen-in-Dublin

 


 

Hat der Dubliner zuviel intus, so sagt er: I’m buckled o’er me head (bzw. unzählige Variationen davon). Gerne erzählt man von seinen Räuschen: I was langers (auch: langered). Nicht zu verwechseln mit langer, was das männliche Geschlechtsteil bildlich beschreibt. Kippt man ein um das andere Bierchen, so heißt es: I was milling/skulling them (pints). Bei einem meiner Besuche zeigte man mit dem Finger auf einen Trunkenbold, dem Folgendes passiert war: He was so drunk, he had to play the lotto to see what day it was. Ob er das Datum auf dem Lottoschein hat lesen können, ist nicht bekannt. In Dublin bestellen Damen ein halbes Pint Guinness: Give us a glass of Guinness. In Belfast hingegen heißt es „half a Guinness“ und in London korrekterweise „a half pint of Guinness“. Ein schlecht eingeschenktes Pint Guinness ist ein bishop (wegen der weißen Halskrause). Ist die Kneipe gesteckt voll, so sagt man: It’s jammers in there. Auch wenn nur noch im Freien gequarzt werden darf, werden reichlich Zigaretten (fags/smokes) konsumiert; die Lieblingsmarke der Iren dürfte John Player Blue sein, die man in Dublin wie folgt ordert: Give us twenty Blue, please.

Die Form give us ist typisch irisch und wird auch dann verwendet, wenn man alleine ist. Ist man dem Barmann bekannt oder sympathisch, so vernimmt man häufig: Good man oder good man yourself. Here you are, luv ist ebenfalls charakteristisch und kann mitunter auch von einem Mann zum anderen geäußert werden. Wo getrunken wird, da wird auch gestritten und ein „row“ oder „brawl“ endet oft handgreiflich. I bleedin’ levelled her one ist nur eine Möglichkeit, mitzuteilen, dass man ihr eine verpasst hat (gehört von einer Endfünfzigerin in einer Kneipe in der Meath Street am 3. Januar 2010). Drohungen werden inbrünstig und häufig ausgestoßen: I bleedin’ kill ye – und auch kreative Wortschöpfungen sind zu hören, die sich in keiner Online-Datenbank wiederfinden – I manglavate her (vermutlich eine Kombination aus to mangle „zerfleischen“ und to aggravate „verschärfen“).

 

Irisch-lernen

 

Das Pronomen „my“ wird fast immer zu me, „our“ wird zu ar, „you“ wird ye/ya ausgesprochen. Merke: Es gibt in Irland eine Pluralform, nämlich yiz (auch yis oder youse, je nach Vorliebe des Autors). Als ich eine alte Freundin aus der South Earl Street zusammen mit meiner Frau zu einem Drink überreden wollte, erwiderte sie stringent: Yis have ta have yer tae first („You have to have your tea first“), womit sie, genau wie in England, das Abendbrot meinte, quasi als Grundlage für einen längeren Pubabend. Den Typen am Nebentisch, bzw. den nicht näher bezeichneten „einen“ nennt man: Yer man over there, bzw. yer man said we was all broke. Das „th“ wird durchgängig als einfaches t gesprochen, was deutschen Sprechern ein wenig entgegenkommen dürfte.

 

Englisch-lernen-in-Dublin

 

Mit der Grammatik nimmt man es nicht so genau, Formen wie we wasn’t well hört man ebenso häufig wie im Cockney der brit. Fernsehserie „Eastenders“ den Satz you was supposed to be here. Das Plural –s fällt meist unter den Tisch: Twenty year ago. Auch verwendet man, wie im Bayerischen, fälschlich Verbformen wie can ye learn him some German an Stelle von „can you teach him some German?“ Auffällig ist die Vermeidung des present/past perfect: I’m after buying some cabbage/He was after robbin’ a bank in London (Korrekt: „I’ve just bought some cabbage/He had robbed a bank in London”). Die dritte Vergangenheitsform wird umgangssprachlich anstelle des past tense benutzt – wie in vielen englischen Dialekten auch: He done a bank in London oder she done me head in. Das Präsens verwendet man auch schon mal als Erzählvergangenheitsform: Last night I goes in there. Hier wird zudem die Endung der dritten Person für die erste Person benutzt, ebenso wie in I says to her, says I. Unterhaltsam ist dies allemal, sollte aber dennoch von Nichtmuttersprachlern vermieden werden (ähnlich wie waschechte Norddeutsche tunlichst auf eine Imitation des Bayerischen verzichten sollten, um sich nicht lächerlich zu machen, denn das authentische Timbre trifft man nur selten). Dominant ist ferner ein Hang zur –ing Form, gerade bei der Zukunft: I’ll be seein’ ye.

Geld spielt stets eine Rolle im irischen Alltag. Ist etwas zu teuer, so ist es very dear („expensive“ wird kaum verwendet). A few bob sind heutzutage ein paar Euros, früher bezeichnete bob den „shilling“, dann das irische punt. Analog findet sich der Ausdruck a few shillin’s. Bob findet sich im brit. Slang ebenso wie quid, was auch in Dublin verwendet wird. Aufgrund der Emigrationsfreude der Iren (Liverpool Irish, London Irish, Boston Irish, etc.) lässt sich nicht immer eine präzise Auskunft über den originären Gebrauch eines bestimmten Wortes treffen. Landes- und Dialektgrenzen verschleifen sich. Kauft man Sandwiches, so werden diese als sambos oder (seltener) sandwos tituliert. Eigennamen kürzt man ab, Dubbo steht für „Dublin“, momo für „automobile“ und Tomo für „Thomas Street“. Ausländische Namen, welche man nur schwer aussprechen kann, adaptiert man; so wurde aus Matthias T-Bar, selbst als die betreffende Person auf das englische Äquivalent „Mathew“ hingewiesen wurde. Alte Dubliner gehen nicht ins „cinema“, sondern to the pictures oder the picture house, anstelle von „movie“ sagt man film (meist mit einem abgeschwächten phonetischen –e– zwischen l und m). Beim Buchstabieren wird das h im Gegensatz zum British English [äitsch] voll ausgesprochen [häitsch]. Man grüßt kurz und bündig, was so klingt: Howye? Zum Abschied kann man bye now sagen, seeya/seeyis oder take care; ältere Iren verwenden oftmals God bless. Man dankt mit thanks a lot oder thanks a million und hört als Gegenstück you’re more than welcome. Als zeitloser Kraftausdruck für „fantastisch/wunderbar/hübsch“ nimmt man gorgeous: She’s only gorgeous; the grub („food“) was gorgeous. In Dublin verstärkt man, in positivem wie in negativem Sinne, mit bleedin’, aber auch fuckin’ und das eher ländlich anmutende, harmlosere feckin’ tauchen immer wieder auf. In der erfolgreichen Irish Comedy „Father Ted“ erwidert Father Jack auf die Frage der Haushälterin Mrs Doyle What would you say to a nice cup of tea, Father?: Feck off, cup! Fernab von US-amerikanischer „politcal correctness“ ist dies keinesfalls anstößig, auch das absolute Tabuwort cunt („the C-word“) wird sorglos verwendet und ist nicht notwendigerweise die vulgärste Ausdrucksweise für eine Vagina: The little cunts (Schrazen; Lausbuben; Miststücke). Aber Vorsicht bei he’s a cunt (das ist im Normalfall die schlimmste Beleidigung für einen Mann)!

Abschließend finden Sie hier eine Auswahl typischer Begriffe und Idiome aus dem Dublin English mit ihrer englischen Entsprechung/Erklärung:

banjaxed: I was banjaxed last night; bleedin’ stone banjaxed me face (tired; useless; exhausted; broken)

beamer: BMW (sometimes used by bar staff for Beamish Irish Stout: Another beamer?)

bird: That’s me bird (girlfriend)

bollox/bollocks: That’s bollox (rubbish; nonsense)

born and reared: I was born and reared in Dubbo (born and bred) – „geboren und aufgewachsen”

craic: The craic was grand (the fun/entertainment was great)

culchie: Person from beyond the pale (non-Dubliner; mostly used for country people) – „Landei”

delish: It was fuckin’ delish! (delicious)

diggin’ match: Fair fist-fight to settle an argument, no blows to the head!

dirtbird: Lowest form of a slut (Irish slang also used for a child molester/paedophile)

double-bagger/two-bagger: Very ugly girl

eejit: He’s an awful eejit (idiot)

fella: Me fella’s an awful eejit (boyfriend)

gaff: Up at the gaff (house; also used for the family flat/home)

gargle: Drink

gas: He‘s gas, isn’t he? (really funny)

gobshite: He’s an awful gobshite (idiot; big-mouthed person) – „Dummschwaller”

in the family way: Me daughter’s in the family way again (pregnant)

it’s lashin’ rain: It’s raining heavily

kip: It’s a kip! (messy place); can I kip at your place tonight? (to sleep over)

knackered: I was bleedin’ knackered (exhausted; drunk)

longers: Trousers

massive: Yours is a massive country (great)

me aul one: Mother = me ma

me old/aul fella: Father = me da

motor: Car

nanny: Granny

off the gargle: On the wagon – „(momentan) abstinent”

plank: Ye’re such a plank (idiot)

runner: He did a runner (he ran away/escaped) – „er hat sich aus dem Staub gemacht”

runners: Running shoes

slapper/trollop: Slut; girl who sleeps around

snapper: Child (little)

to mess: I was only messin’ (to fool around; to poke fun at somebody) – „jmd. veräppeln (harmlos)”

up at: Up at the Phoenix Park (in Phoenix Park)

Robert Hrdina ist selbständiger Personal English Trainer und Fachbuchautor in Regensburg. Homepage: www.personal-english-trainer.de

 

Ihr Langwhich.com Team

 


 

 

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Tags: Dublin English, Englisch Irland, Englisch lernen, Irische Vokabeln, Irisches Englisch

Kategorien: Sprachschulen, Vokabeln lernen

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